Der Shooter-Experte Sven Galitzki von MeinMMO hält Destiny 2: Jenseits des Lichts trotz des holprigen Starts und Kritik nach 2 Wochen für eine richtig gute, gelungene Erweiterung, die aber erst spät zeigt, was wirklich in ihr steckt.
Was ist überhaupt Beyond Light? Beyond Light oder Jenseits des Lichts ist nach Forsaken und Shadowkeep die nunmehr 3. große Erweiterung von Destiny 2. Es ist gleichzeitig die erste von 3 zusammenhängenden, jährlichen Erweiterungen, die Bungie für Destiny 2 bis ins Jahr 2022 plant.
Das steckt in der neuen Erweiterung: Beyond Light bringt unter anderem:
- Eine neue Story rund um die Dunkelheit
- Neue Waffen und Ausrüstung – auch frische Exotics
- Den neuen Schauplatz Europa
- Das neue Schadenselement Stasis sowie damit einhergehende neue, eisige Kräfte für die Hüter
- 2 neue Strikes, wobei einer ein Remake aus Destiny 1 ist
- Einen neuen Raid in der mysteriösen Tiefsteinkrypta auf Europa
- Einige neue Feind-Einheiten
- Neue Aktivitäten wie beispielsweise Imperium-Jagden oder legendäre Verlorene Sektoren
Das erwartet euch im Artikel: In diesem Artikel nehme ich explizit die “Jenseits des Lichts”-Erweiterung und ihre Inhalte unter die Lupe, wobei ich möglichst wenig von der Story oder dem Content spoilern werde. Die parallel laufende Season 12 und deren Content steht hier nicht im Fokus.
Er ist Destiny-Fan der ersten Stunde und hat enorm viel Zeit in beiden Teilen des Franchise verbracht. Wenn es ein Spiel gibt, das für immer einen Platz in seinem Herzen hat, dann ist das Destiny. Doch auch unzählige Stunden in verschiedenen „Call of Duty“-Ablegern, sowie der Division- und der Battlefield-Reihe gehören zu seinem Portfolio.
Beyond Light – Viel Kritik zum Start
So lief der Start: Der Start von Beyond Light lief nicht optimal – auch wenn er sehr erfolgreich war. Zunächst gab es zum Launch technische Schwierigkeiten – vor allem mit den Servern. Am ersten Tag kam so manch ein Hüter deshalb nicht mal richtig zum Spielen, mich eingeschlossen. Zudem klagten nach dem Release zahlreiche PC-Spieler noch über Performance-Probleme.
Das wurde noch kritisiert: Doch auch Kritik an der Erweiterung selbst wurde schnell laut. Hier einige der wichtigsten Punkte:
- Die Auswirkungen des Sunsetting, also des sogenannten Waffenruhestandes, wurden für Spieler nun so richtig spürbar. Damit wurde ein Großteil der bisherigen Waffen und Rüstungen für die neuen Inhalte unbrauchbar.
- Generell wurde die Vielfalt bei neuen Waffen und Rüstungen bemängelt. Es gab aber einfach viel zu wenig Neues, um den massiven Entfall bisheriger Ausrüstung zu kompensieren. Kurzum: Zu wenig neuer Loot.
- Bis auf Rüstungsteile gab es bei den Händlern keinen Refresh, wobei die jeweiligen neuen Rüstungen im Prinzip nur Reskins eines Sets sind.
- Die neuen Stasis-Kräfte kamen bei vielen zwar super im PvE an, doch Stasis machte vielen das PvP-Erlebnis kaputt
- Die Free-to-Play-Erfahrung bietet nun zwar einen guten Einstieg, hat aber kaum noch nennenswerte Inhalte. Davon verlor New Light einen Großteil mit dem Erscheinen von Jenseits des Lichts. Generell wurde von so manch einem bemängelt, dass zu viele Inhalte weggefallen sind.
So sehe ich Jenseits des Lichts nach 2 Wochen
Vorweg: Auch wenn ich am Anfang ebenfalls durchaus Zweifel sowie Bedenken hatte – mittlerweile halte ich Jenseits des Lichts rein für sich betrachtet für eine gute, gelungene Erweiterung. Für eine richtig gute sogar. Auch wenn sich das erst nach 2 Wochen richtig zeigt. Sie wird allerdings in meinen Augen durch einige grundsätzliche, teils fragwürdige Entscheidungen, die bei Destiny 2 getroffen wurden, überschattet und kann dadurch unter dem Strich nicht immer so glänzen, wie sie es in meinen Augen eigentlich teils verdient hätte.
So ist beispielsweise der unpopuläre Waffenruhestand kein Feature von Beyond Light – auch wenn die Erweiterung gerade dafür stark kritisiert wurde und zum Teil immer noch wird. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Grundsatzentscheidung, die für Destiny 2 getroffen und die Hand in Hand mit Jenseits des Lichts eingeführt wurde. Sie ist aber nicht an Beyond Light geknüpft. Auch, wenn ihr die neue Erweiterung nicht kauft, wird eure bisherige Ausrüstung also in Teilen davon betroffen sein.
Gleiches gilt für den entfallenen Content, der mit Release von Beyond Light aus dem Spiel in die Destiny Content Vault rotierte. Nicht Jenseits des Lichts hat diese Inhalte entfernt. Auch das war eine grundlegende Design-Entscheidung, die dabei parallel mit Release der neuen Erweiterung in einem Update umgesetzt wurde und den Weg für die nächsten Jahre von Destiny 2 ebnen soll. Sie ist aber an sich nicht Teil der Erweiterung.
Die Kritik mag gerade in bei diesen Punkten durchaus berechtigt sein – aber dann an Destiny 2 als Ganzes, als Gesamtpaket und nicht explizit an der neuen Erweiterung alleine.
Das ist nach Launch passiert: Beyond Light hat nicht all seine Inhalte und Details direkt zum Launch offenbart. Deshalb habe ich auch mit meinem Fazit länger gewartet. Denn der ungefähre Umfang der neuen Erweiterung wurde im Prinzip erst nach 2 Wochen so richtig ersichtlich.
So gingen beispielsweise einige neue Inhalte und Quests live, die Story wurde vorangetrieben, der neue Raid ging an den Start. Die neue Stasis-Power kann nun in vollem Umfang freigespielt werden. Zudem hat Bungie auch auf den größten Kritikpunkt reagiert und den relevanten Waffen-Lootpool vergrößert. Und auch die anfangs noch teils trübe Stimmung rund um Beyond Light hat sich damit gebessert. So manch einer findet die Erweiterung an sich mittlerweile wirklich gelungen – auch ich.
Das finde ich klasse
Die Story: Die Story von Jenseits des Lichts finde ich wirklich stark. Die Kampagne ist gut und spannend erzählt, bietet nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Grauzonen. Sie bringt mit der fremden Exo einen der coolsten Charaktere der Reihe zurück und erklärt zahlreiche spannende Zusammenhänge rund um Destiny.
Dabei erlebt man einige der besten Story-Momente von Destiny 2. Es wird das erste Mal seit Langem sein, dass ich wieder alle 3 Charaktere ausgiebig spiele – nicht nur, um Stasis freizuschalten.
Neue Location: Der neue Schauplatz auf dem Jupiter-Mond Europa ist richtig gut gelungen. Der eisige Mond mit seinen Hightech-Forschungseinrichtungen, Ruinen des Goldenen Zeitalters sowie seinen Schneestürmen ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern bietet auch viel für das Entdecker-Herz.
Ich muss gestehen, dass ich auch nach 2 Wochen dort immer noch neue Sachen für mich entdecke und die weggefallenen Schauplätze bislang nicht einmal im Ansatz vermisst habe. Kurzum: Europa ist schnell zu meinem neuen Lieblingsschauplatz geworden.
Stasis: Das neue Element Stasis macht mir ebenfalls viel Spaß. Ja, im PvP ist es nicht immer die reinste Freude, doch im PvE habe ich ehrlich gesagt bislang nicht mal an die alten Fokusse und Super gedacht. Fast schon entnervt musste ich den Fokus für die “mächtige Belohnung” in der Strike-Playlist umstellen, ansonsten bin ich aber durchgehend mit Stasis unterwegs.
Neuer Raid: Vor allem der neue Raid ist meiner Meinung nach ein wirkliches Highlight geworden – audiovisuell aber auch vom Gameplay und von den Belohnungen her.
Für mich ist das seit langem endlich mal ein Raid, den ich mit allen 3 Charakteren hoch und runterspielen werde. Sei es nun für die coolen Rüstungen, die guten Waffen, das mächtige Raid-Exotic oder einfach nur, weil die Tiefsteinkrypta endlich optisch und Gameplay-technisch das vereint, was mich am meisten anspricht.
Der Fokus liegt mehr auf chaotischer Action und dem einzelnen Spieler. Im Prinzip bekommt jeder im Team etwas Wichtiges, etwas Spannendes zu tun. Der Schwierigkeitsgrad ist diesmal zudem so getroffen, dass Raid-Neulingen mehr verziehen wird. Auch wenn ihr bislang von Raids abgeschreckt wurdet – schaut diesmal unbedingt rein.
Neue Exotics: Die meisten neuen Exotics sind zwar nicht übermächtig, doch die, die ich bisher erspielt habe, machen allesamt Spaß – wie beispielsweise das neue Schwert “Die Klage” oder der Stasis-Granatenwerfer “Griff der Erlösung”
Hier habe ich Bedenken
Umfang: Auch wenn ich die neuen Inhalte aus Jenseits des Lichts größtenteils klasse finde: Der Umfang ist überschaubar. Gerade, was einen der wichtigsten Aspekte anbetrifft – den Loot. Selbst mit den Raid-Waffen und den neuen Wummen aus der Season 12 gibt für meinen Geschmack zu wenig neue Ausrüstung, was in Anbetracht des Sunsettings (Waffenruhestand) noch stärker zum Tragen kommt.
Highlight von Beyond Light ist nicht jedermanns Sache: Es ist sichtlich viel Mühe in den neuen Raid geflossen, den traditionell aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Hütergemeinschaft spielen dürfte. Das in meinen Augen größte Highlight von Beyond Light wird also nicht jeder zu Gesicht bekommen – genauso wie einige der besten Waffen und Rüstungsteile. Für die anderen Hüter fallen die Inhalte von Beyond Light neben der Story eher übersichtlich aus.
Langzeitmotivation: Die Erweiterung ist zwar gelungen und gut, wird aber als solche mit ihren begrenzten Inhalten nicht auf lange Sicht unterhalten können. Hier werden dann die Seasons wieder unterstützen müssen – inwiefern das aber gelingt, wird sich erst noch zeigen müssen.
Künstliches Strecken: Auf dem neuen Schauplatz gibt es nur 2 Landeplätze im unteren Bereich der Karte, die gefühlt 10 Sekunden Fahrzeit auseinanderliegen. Für viele Missionen und Quests muss man aber in den mittleren oder oberen Bereich. Das heißt, diese Wege müsst ihr jedes Mal in voller Länge abfahren oder ablaufen. Dadurch wirken viele Inhalte einfach künstlich in die Länge gestreckt.
Balance: Bei Stasis ringt Bungie noch um die richtige Balance – gerade im PvP. Zwar hat man da schon Fortschritte erzielt, doch komplett gelungen ist das meiner Meinung nach immer noch nicht ganz.
Stasis stellt momentan im Prinzip alle bisherigen Fokusse in den Schatten. Ich hoffe daher, dass unsere alten Hüter-Kräfte noch eine Überarbeitung spendiert bekommen, da sie nun in ihrer aktuellen Form Stasis “etwas” hinterherhinken – gerade, was die Freiheit bei der Fähigkeiten-Zusammenstellung angeht.
Vieles beim Alten: Auch wenn die Missionen und Quests coole Geschichten erzählen – vieles von Beyond Light ist Destiny in gewohnter Form und bietet abseits von Stasis wenig Innovatives. Es liegt wieder Fokus auf Bounties, viele Aufgaben laufen nach dem Motto: “Geht dort und dort hin und schieß so und so viele Feinde von dem und dem Typ mit den und den Waffen nieder” ab.
Lohnt sich Beyond Light – und wenn ja, für wen?
So sehe ich das persönlich: Für mich persönlich kann ich diese Frage mit einem Klaren Ja beantworten. Ich sehe die neue Erweiterung als einen guten Start in das nunmehr 4. Jahr und als eine solide, neue Basis für das kommende Jahr in Destiny 2 – ob und was Bungie nun am Ende gerade mit den Seasons daraus macht, ist eine andere Geschichte.
Denn Jenseits des Lichts bringt eine echt gute Story mit denkwürdigen Momenten, einen tollen neuen Schauplatz sowie das neue Stasis-Element. Und das alles hat in meinen Augen enorm viel Potenzial. Zudem brachte Beyond Light auch einen starken neuen Raid, der zu dem Besten gehören dürfte, was Destiny im Hinblick auf diese Engame-Aktivität je auf die Beine gestellt hat.
Das lässt mich unter dem Strich auch über einige eher enttäuschende Aspekte der neuen Erweiterung hinwegblicken – auch wenn ich gleichzeitig durchaus noch einiges an Verbesserungspotential sehe.
Für neue Spieler: Auch hier kann ich mit gutem Gewissen sagen – es lohnt sich. Ja, Destiny 2 ist kleiner geworden, bietet aktuell weniger Inhalte, als noch vor Beyond Light. Doch daran ist nicht Beyond Light Schuld. Es ist die grundsätzliche Richtung, die Bungie Destiny 2 nun mal eingeschlagen hat – ob man es nun befürwortet oder nicht.
Und die Erweiterung selbst bietet zahlreiche neue Inhalte, an denen auch neue Spieler ihre Freude und Spaß haben dürften, wenn ihnen die Grundidee sowie das generelle Gameplay von Destiny 2 gefallen. Einen kostenlosen, ersten Eindruck davon kann man sich übrigens über die Free-to-Play-Version Destiny 2: New Light holen.
Für Veteranen und Rückkehrer: Hier kommt es drauf an, was ihr erwartet – vor allem generell von Destiny 2. Denn im Prinzip bringt Beyond Light mehr von dem, was Destiny schließlich ausmacht – bloß in frisch und stellenweise verbesserter oder zumindest anderer Form. Und so manch einem kann das bereits ausreichen.
Schaut euch hier den Launch-Trailer zu Destiny 2: Jenseits des Lichts an:
Wem Destiny 2 also generell in letzter Zeit zugesprochen hat und wer in den letzten Monaten noch seinen Spaß hatte, der dürfte auch mit Jenseits des Lichts auf seine Kosten kommen und einige coole, neue Abenteuer als Hüter erleben – auch wenn das Spiel jetzt spürbar geschrumpft ist. Weiter geht es nach der Erweiterung dann in der aktuellen Season 12.
Wer aber aufgehört hat, weil Destiny 2 an sich ihm keinen Spaß mehr gemacht hat und unter Umständen zu eintönig wurde, für den dürfte auch Beyond Light nur wenig, wenn überhaupt etwas daran ändern. Ja, die neue Story ist spannend, Stasis ist cool, der neue Raid ist echt klasse. Aber ob ich nun als Nachtpirscher-Jäger einen Strike in der ETZ auf der Erde laufe oder als neuer Stasis-Jäger auf dem verschneiten Europa durch die Bray-Forschungseinrichtungen mit einem neuen Exotic streife … Destiny 2 bleibt im Kern auch mit Jenseits des Lichts das Destiny 2, das ihr bisher kanntet.
Kurzum: Wer mehr von dem will, was Destiny 2 generell ausmacht, kann bedenkenlos zugreifen und wird meiner Meinung nach durch Beyond Light für eine ganze Weile gut unterhalten. Wer sich einen innovativen Durchbruch, eine großartige Richtungsänderung oder eine komplett revolutionäre Erfahrung von Beyond Light erwartet, der dürfte eher enttäuscht werden.
Wie blickt ihr auf Jenseits des Lichts, nachdem nun einige Zeit nach dem Launch vergangen ist und so manch einer sich nun ein gutes eigenes Bild machen konnte? Ist es euch das Geld wert? Oder wurdet ihr enttäuscht? Wie seht ihr die Zukunft von Destiny 2?
Übrigens: Ob nun mit oder ohne Beyond Light – aktuell könnt ihr euch einige Gratis-Exotics sichern: Destiny 2 spendiert Exotics über Twitch Prime – So kommt ihr an den Loot
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