Wieso kann man in MMORPGs eigentlich essen, um sich zu heilen?

Gehen die Lebenspunkte im MMORPG zur Neige, greift der Held gerne mal zum leckeren Schinken und schon ist er wieder voll geheilt. Oder der Magier nippt etwas an einem Schnäpschen und schon durchströmt ihn wieder der Mana-Saft, um weiter Magie zu wirken. Aber woher kommt dieses System eigentlich?

„Oh, da liegt ein leckeres Brot auf dem Boden des seit Jahrhunderten verschlossenen Dungeons. Das muss ich doch gleich mal kosten, da es bestimmt meine Lebensgeister weckt. Und der schleimige Pilz, der dort drüber in der braunen Pfütze wächst, ist sicher besonders gesund!“ So könnte ein Held in einem MMORPG denken. Denn Nahrung nimmt in Rollenspielen eine ganz besondere Funktion ein.

Nahrung dient in vielen Spielen der Heilung. Modernere MMORPGs lassen die Spieler sogar vielfältige Gerichte anhand von Rezepten kochen, die unterschiedliche Effekte haben können. Dazu gehören neben Heilung auch temporäre Buffs. Doch woher kommen diese teils unappetitlichen Neigungen?

Warlords of Dreanor Bufffood Rezeptur
Nahrung gehört in MMORPGs als Heilmittel mit dazu.

Pen & Paper hat es mal wieder möglich gemacht

Das System, auf dem dies alles basiert, geht zurück zu den Pen & Paper-Rollenspielen – wie das bei Computer-RPGs oft der Fall ist. Heilung ist schon immer ein wichtiges Thema gewesen. Nach einem harten Kampf möchten sich die Helden wieder stärken und ihre Wunden versorgen lassen, um sich möglichst schnell ins nächste Abenteuer zu stürzen. Im echten Leben würde es aber vermutlich Wochen oder Monate dauern, bis der durch einen Axthieb aufgeschlitzte Bauch wieder geheilt ist.

In Fantasywelten muss das schneller gehen. Hier kommt dann meist Magie zum Einsatz.

  • Der Heiler versorgt die Verletzungen,
  • Heiltränke schließen Wunden
  • und selbst ein Nickerchen kann Wunder wirken.
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Etwas zu essen, kann Wunder wirken 😉

Dass Nahrungsmittel heilsame Kräfte haben, liegt dabei durchaus nahe: Immerhin stärkt eine gute warme Suppe. Da kann sie im Spiel auch die eine oder andere Wunde heilen oder ein Getränk sorgt dafür, dass sich das Mana eines Zauberers wieder auffüllt.

Eine gesunde Ernährung trägt im Übrigen wirklich zur Genesung des Körpers bei. Durch eine ausgewogene Ernährung werden dem Körper Substanzen zugeführt, die er nicht selbst produzieren kann. Diese Nährstoffe treiben den Körper an und helfen ihm dabei, zu funktionieren. Und dazu gehört auch die Fähigkeit, sich selbst zu heilen. In Spielen wird dies natürlich übertrieben dargestellt.

Während es in einem Pen & Paper-Rollenspiel aber kein Problem wäre, die Helden nach einem ausgestandenen Abenteuer auch mal länger rasten zu lassen, um alle Verletzungen zu heilen, ist das in einem Computerspiel und vor allem in einem MMORPG nicht so gut. Gerade in Onlinespielen ist es nicht möglich, die Zeit „vorzuspulen“.

Ein schwer verletzter Held kann also nicht mal eben vier Wochen im Lazarett liegen. Und Nahrung zur Heilung oder Getränke zur Rückgewinnung von Mana zu verwenden, ist eine logische und gute Lösung.

Die ersten Spiele mit Nahrung als Heilmittel

Das japanische Rollenspiel Dragon Slayer 2: Xanadu aus dem Jahr 1985 gilt als erstes Spiel, in dem Nahrung zur Heilung der Helden eingesetzt wurde. Hier funktionierte das Prinzip aber noch etwas anders. Denn der Charaktere musste essen. Tat er das nicht, verlor er sogar Hitpoints. Nahm er Nahrung zu sich, dann heilte er sich langsam.

Besonders die Spiele-Reihe Gauntlet setzt auf Nahrung als Heilquelle. Schon im Arcade-Spielautomaten aus dem Jahr 1985 war es nötig, Nahrung zu finden. Diese konnte sogar in der Hitze des Gefechtes gegen die Horden an Gegnern zerstört werden, was zu Streitigkeiten der Spieler an den Automaten führte.

Das Rollenspiel Dungeon Master, das 1987 erschien, machte es möglich, Nahrung aus besiegten Feinden zu gewinnen. In den Dungeons umherwandernde Riesenpilze (und andere Monster) beispielsweise hinterließen nach ihrem Ableben etwas zu essen, was die Helden heilte. Hier könnt ihr einen längeren Ausschnitt dieses Klassikers sehen:

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In Dungeon Master aus dem Jahr 1987 hinterließen manche Monster Nahrung.

Zu jener Zeit war es oft so, dass Nahrung zwingend nötig war. In der Nordlandtrilogie von Das Schwarze Auge (Die Schicksalklinge: 1992) mussten Helden jagen gehen oder in der Stadt Proviant kaufen, um genug Lebensmittel für lange Reisen zu besitzen.

Das RPG Ultima 7 führte diesen Nahrungs-Zwang dann ebenfalls 1992 auf die Spitze. Die Heldentruppe musste regelmäßig essen, was dazu führte, dass Spieler Rucksäcke voller Lebensmitteln mit sich herumschleppten. Ging das Essen zur Neige, meckerten die Partymitglieder vor dem Verhungern lautstark, was mit der Zeit ganz schön auf die Nerven ging.

Dann musste man die Erforschung des Dungeons mittendrin abbrechen, um schnell jagen oder in die Stadt zum Shopping beim Bäcker und Metzger zu gehen.

Daher wechselte Ultima 8, dass 1994 erschien, zu einem anderen System. Nahrung diente nur noch der Heilung. Es war nicht mehr zwingend nötig, zu essen, da der Held nicht verhungern konnte.

Dieses Systems setzte sich durch und wurde von immer mehr Rollenspielen übernommen.

Vom Heilmittel zum Überleben

Auch MMORPGs nutzen diese Art, Nahrung zu einem wichtigen Spielelement zu machen. Denn sich durch Essen heilen zu können, ist eine geschickte und einfache Methode, auch mal mitten in der Wildnis die HP wieder aufzuladen. Daraus entwickelte sich ein komplettes Spielsystem.

Denn moderne MMORPGs lassen euch nicht einfach Nahrung sammeln und dann verspeisen. Sie bieten komplexe Koch-Features über die ihr mittels Rezepten verschiedene Zutaten sammeln müsst, um daraus Gerichte herzustellen. Diese bringen euch dann unterschiedliche viele Lebenspunkte oder Mana zurück oder sorgen sogar für Buffs.

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In modernen Spielen ist Nahrung sehr wichtig. Beispielsweise in Conan Exiles.

Inzwischen ist aber auch der Zwang, Nahrung zu sich nehmen zu müssen, wieder gefragt – und zwar in Survivalgames. In Spielen wie beispielsweise Conan Exiles ist es nötig, zu essen und zu trinken. Sonst kann der Charakter verhungern oder verdursten. Daher begebt ihr euch ständig auf die Suche nach Nahrungsmitteln wie Beeren oder jagt Tiere, um deren Fleisch dann zu braten und zu essen. Und am Fluss schlürft der Recke etwas vom kühlen Nass. Je nach Art der Nahrung, die ihr dann zu euch nehmt, frischt das nicht nur eure Lebenspunkte auf, sondern bringt zudem Buffs ein.

Nahrung als Heilung in MMORPGs hat eine lange Tradition. Findet ihr also im Spiel ein Stück Fleisch oder Käse in einem modrigen Verlies, dann sollten es eure Charaktere genüsslich essen – immerhin verspricht es eine Auffrischung der Lebenspunkte.

Wollt ihr wissen, woher das Konzept aus Heiler, Damage Dealer und Tank in MMORPGs stammt? Wir verraten es euch.

Quelle(n): TVTropes, GiantBomb
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Bodicore

Wer kennt es nicht…

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Todesklinge

Weil wenn man nur Heiltränke trinken würde, müsste man ja alle 5 Minuten pinkeln gehen 🚽

Zuletzt bearbeitet vor 8 Monaten von Todesklinge
Hauhart

Immer essen zu müssen geht mir schon im RL aufn Sack, da brauche ich das nicht auch noch in Spielen 😉 XDDDDDD

Bodicore

Ha ha, dann mach es wie ich ich trinke nur noch.

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