Sind die Spieler von World of Warcraft zu sehr verwöhnt worden? Cortyn von MeinMMO meint „Ja“, denn es wird viel gemeckert.
Mit World of Warcraft: Shadowlands scheint Blizzard einiges bei den WoW-Fans wiedergutgemacht zu haben. Auch Monate nach dem Release wird noch fleißig gezockt und laut dem letzten „Earnings Call“ wird mehr gespielt als in vergleichbaren Zeiträumen anderer Erweiterungen. Dennoch ist WoW niemals perfekt und niemals sind alle Spieler glücklich.
Doch was in den letzten Wochen und Monaten wieder an „Geheule“ an einigen Orten zu lesen ist, nervt mich gewaltig.
Es geht darum, dass es in WoW angeblich zu wenig Beute gibt und sich Inhalte daher nicht lohnenswert anfühlen. Es gibt angeblich zu wenig Beute aus Mythisch+, zu wenig Beute in den Raids, zu wenig Weltquests mit Beute als Belohnungen und aus allen anderen Quellen irgendwie auch. Außer beim PvP, da scheint man glücklich zu sein.
Ich glaube jedoch, dass das eher ein Problem mit der Wahrnehmung als ein tatsächliches ist.
Früher gab es weniger und es lief auch
Ich weiß, das klingt nun wieder, als wenn Opa und Oma aus dem Krieg berichten, aber: Damals zu Zeiten von Vanilla oder „The Burning Crusade“ war es durchaus normal, 2-3 mal pro Woche mit der Raidgruppe loszuziehen, um die Schlachtzüge zu bestreiten. Auch dabei vergingen oft mehrere Wochen am Stück, in denen es keine Verbesserung für mich gab. Wochen, in denen ich kein neues T-Set-Item bekam oder mit meiner blauen Quest-Belohnung aus Nethersturm teilnehmen musste, weil andere in der Beuteverteilung vor mir dran waren.
Ganz ähnlich ist es aktuell auch wieder. Da meine Raidgruppe mit 10-15 Leuten relativ überschaubar ist, ergattern wird von jedem Boss auch nur 2-3 Gegenstände an Beute. Bei 10 Bossen sind das also 20-30 Gegenstände die Woche, also im Schnitt 1,5 Items pro Spieler. Natürlich trifft Statistik nicht immer zu, manche Spieler gehen leer aus, andere bekommen mehr. Ein großer Teil der Gegenstände wird auch gar nicht mehr benötigt, sondern den Händlern in den Rachen geworfen.
Doch selbst wenn ich schrecklich viel Pech haben sollte und tatsächlich 4 Wochen in Folge nichts aus dem Raid bekommen würde – es ist unmöglich, komplett leer auszugehen.
Dafür sorgt die große Schatzkammer in Oribos.
Einmal pro Woche bekomme ich garantiert einen Gegenstand. Je mehr ich spiele und je härter die Inhalte, desto größer die Auswahl und desto besser die Ausrüstung.
Ja, auch bei der Schatzkammer kann man Pech haben und mal eine Woche nur „Müll“ angeboten bekommen. Doch die Chance ist da. Und allein der Umstand, dass es ein garantiertes Item gibt, auf dessen Wert man auch noch Einfluss nehmen kann, ist ziemlich gut und behebt so ziemlich alle Probleme.
Wer richtig aktiv spielt, der hat sicher schon 8 oder 9 Mal seine große Schatzkammer geöffnet und damit auf knapp der Hälfte aller Rüstungs-Slots schon solide Ausrüstung.
Der soziale Aspekt würde so viel beheben
Ich glaube fest, dass den meisten Leuten schon geholfen wäre, wenn sie sich eine feste Gruppe oder Gilde suchen würden. Denn mit einer festen Gruppe schrumpft die Bedeutung des eigenen Charakters und es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das sich viel positiver auswirkt. Die Leistung des eigenen Charakters wird zweitrangig, das Gesamtergebnis der Gruppe rückt in den Vordergrund.
Klar, meine Schattenpriesterin verursacht nicht mehr Schaden, wenn unser Tank einen besseren Helm bekommt oder unsere Heilerin ein neues Schmuckstück ergattert.
Für meine individuelle DPS ist es natürlich vollkommen egal, ob der Rest meiner Gruppe besser wird.
Trotzdem ist ein effektiverer Tank und eine noch bessere Heilerin eine Verbesserung für die ganze Gruppe. Es macht uns als Team effizienter, bringt uns als Gruppe voran.
Immerhin spiele ich ein MMORPG und die Zugehörigkeit zu einer festen Gruppe trägt dazu bei, dass man sich auch über Upgrades freuen kann, die andere Spieler bekommen. Denn was die Gruppe verbessert, hilft mir langfristig auch individuell, da härtere Inhalte machbar sind, die wiederum mit besserer Beute locken – vielleicht auch für mich.
Wer sich einmal darauf einlässt, dass jede Verbesserung eines anderen Spielers in der Gruppe ein Gewinn für die ganze Gruppe ist, der kann sich 400 % häufiger freuen – wenn man sich denn darauf einlassen kann.
Daher kann ich jedem nur empfehlen: Sucht euch eine Gruppe. Spielt mit festen Leuten. Es macht World of Warcraft in ausnahmslos allen Belangen besser.
Gegenstände gewinnen wieder an Bedeutung
Mit dieser umstrittenen Änderung am Loot kam aber auch ein schöner Nebeneffekt. In Legion und Battle for Azeroth wurde immer wieder kritisiert, dass sich Beute so beliebig anfühlt. An jeder Ecke wurde man mit Gegenständen zugeworfen. Durch zusätzliche Boni wie “Kriegsgeschmiedet” oder den Verderbnis-Effekten, konnte jeder Gegenstand irgendwie wichtig werden. Alles war austauschbar und alles konnte ein Upgrade sein.
Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Zum ersten Mal seit vielen Jahren, habe ich ganz unbewusst wieder damit begonnen, mir Namen von Gegenständen zu merken, auf die ich scharf bin.
- Ich weiß, dass meine Priesterin sich die Finger nach den „Roben des verfluchten Kommandosoldaten“ von den Generälen der Steinlegion die Finger leckt.
- Ich weiß, dass die “Okarina der Nebelruferin” aus Tirna Scithe einen coolen Gruppen-Buff hat, auf die unser Tank scharf ist.
- Ich weiß, dass “Endlos teilbarer Schleim” im Seuchensturz droppt und dafür sorgt, dass die Spieler mit kleinen Schleimlingen im Schlepptau herumlaufen.

Das ist jetzt schon mehr als aus beiden vorangegangenen Erweiterungen zuvor, wo ich im Grunde nicht ein Item benennen konnte, das mein Charakter am Körper trug. Es war egal. Es war beliebig, denn man wurde mit Beute überschüttet, die keine Relevanz hatte.
Es gibt Kritik, die ich verstehe
Ein Kritikpunkt, den ich durchaus nachvollziehen kann, ist die Differenz der Itemlevel aus der wöchentlichen Kiste im Vergleich zu dem, was es am Ende eines Dungeons gibt.
Hier ist die Realität einfach, dass wohl die meisten Spieler, die einen Dungeon mit „Mythisch +14“ in der Zeit schaffen, nur wenig Verwendung für Gegenstände mit Itemlevel 207 haben dürften – oder wenn, dann nur in Ausnahmefällen.
Zum Vergleich dazu gibt es aus der wöchentlichen Kiste beim Abschluss eines „M+14“ ein Item mit Gegenstandsstufe 226. Diese Differenz von 19 Itemlevel ist ziemlich hoch und trägt dazu bei, dass der reine Abschluss des Dungeon sich oft nicht belohnend anfühlt – und zwar für die ganze Gruppe nicht. Hier könnte es helfen, diese Differenz vielleicht um 10 Stufen herabzusenken, sprich: Das Itemlevel des Loots aus Mythisch+ ein wenig anzuheben.
Da ist auch die Relation nicht optimal. Meinem Empfinden nach ist der Abschluss eines „M+15“ innerhalb des Zeitlimits deutlich schwieriger, als ein großer Teil der Boss in Schloss Nathria auf heroisch. Dementsprechend sollte das Itemlevel mindestens gleichwertig sein – in keinem Fall aber niedriger.
Der Loot ist gut – die Erwartungshaltung ist es nicht
Zusammengefasst bin ich aktuell extrem glücklich mit der Beute-Situation in Shadowlands. Ich habe das Gefühl, dass ich mich in regelmäßigen Abständen verbessere und kann effektiv etwas dafür tun, dass die Chance auf gute Beute steigt.
Ja, ich habe nicht in 4 Wochen überall mein „Best in Slot“-Gear zusammen und kann mich dann im Handelschannel beschweren, dass es ja „nichts zu tun“ gibt. Aber darauf kann ich verzichten. Eine Geschwindigkeit beim Gewinn der Ausrüstung, die sich ein bisschen mehr am Tempo der Patches orientiert, kommt zumindest mir ganz gelegen.
Mir ist auch klar, dass die Kritik vermutlich wieder nur von einem kleinen, aber lauten Teil der Spielerschaft kommt. Für mich ist aber eindeutig, dass Blizzard hier dieses Mal nicht nachgeben sollte. Denn das Loot-System musste sich einfach „gesund schrumpfen“ und hat dafür einen wichtigen Schritt getan. Auch wenn das kurzfristig so manch einem Spieler gar nicht gefällt.
Die Kritik an Torghast kann ich verstehen – aber ich gehe fest davon aus, dass hier bald was kommt.
Aber wie seht ihr das? Findet ihr das aktuelle Loot-System gut? Oder hättet ihr lieber wieder den „lila Regen“ aus Battle for Azeroth?
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