Neuer Insiderbericht wirft düsteres Licht auf das, was bei Blizzard los ist

Ein Insider-Bericht weist auf tiefgreifende Änderungen bei Blizzard hin. Der Einfluss und Sparkurs von Activision sollen dort erheblich auf die Moral drücken. Vor allem die Overwatch Liga scheint unter Druck zu stehen und in eine schwierige Situation zu geraten.

Woher kommen die Information? Bei der Overwatch League startet die Season 3 im Februar. Das wird als die „entscheidende Saison“ von Overwatch angesehen. Vorm Start der Saison ist jedoch erkennbar, dass mit der Liga einiges im Argen liegt. So haben zwei der Top-Caster die Overwatch League verlassen. Im Laufe von 2019 sind zudem zentrale Führungskräfte gegangen.

Der mehrfach ausgezeichnete E-Sports-Journalist Richard Lewis hat Interviews mit Mitarbeitern von Blizzard geführt und die in einem Insider-Bericht für dexerto verarbeitet.

WoW-Mike-Morhaime-titel
Mike Morhaime, für viele: Die gute Seele Blizzards. Er ist mittlerweile nicht mehr in der Firma.

Mitarbeiter wurden entlassen, durch günstigere ersetzt

Was ist das Problem bei Blizzard? Laut den Berichten sei die Stimmung bei Blizzard „am Boden.“ Der einschneidende Punkt kam im Februar 2019: Damals gab Activision Blizzard bekannt, 800 Mitarbeiter zu entlassen, gleichzeitig hieß es aber, die Firma habe Rekordumsätze erzielt.

In den Monaten seitdem wären wieder neue Leute eingestellt worden, aber zu günstigeren Gehältern. Ein Mitarbeiter von Blizzard wird mit dieser Aussage zitiert:

Jeder in der Firma weiß genau, was abgeht. Jeder mit einem süßen Vertrag wurde rausmanövriert und durch einen neuen ersetzt, der wenige Monate später den exakt gleichen Job bekam.

Anonymer Blizzard-Mitarbeiter
Im Juni 2019 suchte Blizzard neue Community-Manager, nachdem Stellen gerade gestrichen worden waren.

Mitarbeitern in Paris sei angeboten worden, nach Irland zu ziehen und in Cork zu arbeiten, wohl wissend, dass kaum wer dieses Angebot annehmen würde. Aber so habe man einen Vorwand gehabt, die Mitarbeiter zu entlassen, ohne mit den Gewerkschaften in Konflikt zu geraten.

Dazu kam die Unsicherheit bei den Angestellten nach der Ankündigung, so viele Jobs zu streichen: Die Leute wussten zwar, dass ein Drittel der Stellen gestrichen wird, wussten aber nicht, ob ihr Job dazugehört. Das habe erheblich auf die Moral gedrückt.

Personal-Probleme nach den Entlassungen hätten dazu geführt, dass Angestellte

  • verschiedene Rollen ausfüllen mussten
  • über mehrere Projekte hinweg arbeiteten
  • die Lücken füllen mussten
Overwatch League Nate Nanzer
Overwatch League Chef, Nate Nanzer, hat Blizzard im Mai 2019 verlassen. Der galt als Kopf der Overwatch League.

Gleichzeitig hätte sich Activision Blizzard als knausrig erwiesen. So sagt ein Mitarbeiter:

Activision hat die Leistungs-Boni und Vorzüge gekürzt. Es gibt keine Chance, dass sie mit dem Geld mithalten, das Epic Games ausgibt. Einfach gesagt: Sie denken jeder ist ersetzbar, vielleicht bis auf Bobby Kotick.

Anonymer Blizzard-Mitarbeiter
Blizzard bestätigt: 3 Top-Entwickler sind schon vor Monaten gegangen

Activision will maximalen Profit aus Overwatch Liga

Das sind die Auswirkungen auf die Overwatch League: Die Overwatch League steht vor dem Start von Season 3 am 8. Februar. Es heißt, der Druck sei hoch, denn die Liga solle nach hohen Investitionskosten nun Profit einbringen.

Firmen hätten sich für viel Geld in die Liga eingekauft, die wollten nun Ergebnisse sehen.

Es heißt: Die Overwatch League brauche „große Sponsoren, große Zuschauerzahlen und einwandfreie Broadcasts.“

Das habe bei Activision Blizzard dazu geführt, dass die Overwatch Liga als „Chef-Sache“ begriffen wurde – nur hätten die Chefs keine Ahnung von E-Sports.

Ein Mitarbeiter aus dem Broad-Cast-Team sagt:

Es ist bezeichnend, dass es keinen gibt, der sich im E-Sports heimisch fühlt, ab dem „Director“-Level oder drüber in ganz Activision Blizzard.

Anonymes Mitglied des Broadcast-Teams der Overwatch League
Overwatch_pete-Vlasetlica
Pete Vlastelica ist der CEO von Activision Blizzard eSports und der neue Commissioner der Overwatch Liga.

Als zentrale Person wird hier Pete Vlasetelica ausgemacht, der aus dem klassischen TV kommt. Der war früher in der Führung von Fox Sports. Eine Quelle des Reports sagt:

Die Leute sind es echt leid, für Pete Vlastelica zu arbeiten. Der Fokus liegt nur darauf, den E-Sports zu kommerzialisieren, anstatt ein gutes Programm für die Community zu erstellen. Viele Leute schieben das intern auf Pete und es hat die Moral der Teams bei Overwatch und Call of Duty zerstört.

Anonymer Mitarbeiter

Der Verlust von Nate Nanzer an Epic Games habe bei Blizzard eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die dazu geführt hat, dass weitere E-Sports-Experten die Firma verließen. Er habe die Overwatch Liga davor geschützt, dass zu viel Einmischung von oben zum Problem wurde.

Ohne Nanzer wurde diese Einmischung offenbar stärker: In der Folge verließen die prominenten Caster, die Aushängeschilder, die Overwatch League.

Kim Phan, eine wichtige eSport-Person für Blizzard, ging 2019.

Sparkurs von Activision drückt auf die Kultur von Blizzard

Das steckt dahinter: All diese Informationen entsprechen dem Trend, der seit einigen Monaten zu beobachten ist. So haben etwa in den letzten Monaten die europäischen Community-Manager, die aus Frankreich arbeiteten, ihren Rückzug bekanntgegeben. Die Stellen werden offenbar nicht neu besetzt.

Es gibt Gerüchte, dass Activision Blizzard einen Sparkurs bei allem fährt, was nicht direkt an der Entwicklung neuer Spiele hängt. Wobei auch einige der Top-Entwickler Blizzard verlassen haben.

JAllenBrack-Entschuldigung
Blizzard-Chef, J. Allen Brack, scheint in einer schwierigen Situation.

Dieser Sparkurs zeigt sich nach außen vor allem im E-Sports:

Es gibt offenbar große Erwartungen an die Overwatch League, 2020 aufzublühen, doch der Druck von Activision trifft auf immer schlechtere Rahmenbedingungen. Hier zeichnen sich Probleme ab.

Heute über Blizzard zu berichten tut mir in der Seele weh
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IchhassePvP
2 Monate zuvor

Ich persönlich war etwas mehr als 15 Jahre einer von den Blizzard Kunden die der Meinung waren wo Blizzard drauf steht das kann man blind kaufen, weil Qualität enthalten ist.

Dieses höchste Gütesiegel hat Blizzard bei mir heute restlos verloren!

Vielmehr noch sogar, heute interessiert mich keine einzige Spiele-Franchise mehr aus dem Hause Blizzard und das hat allseits bekannte gravierende Gründe!

Einst hieß es Games von Gamern für Gamer und da war ohne jeden Zweifel auch eine gewaltige Portion Wahrheit dabei!

Heute hingegen ist völlig zweifelslos der einstige Qualitätsanspruch der Gewinnmaximierung gewichen, das zieht sich durch ausnahmslos jedes Blizzard Game.

Sie werden weiterhin Unsummen erwirtschaften, davon bin ich absolut überzeugt, nur mich wird dieses Unternehmen nur sehr, sehr schwer jemals wieder von einem ihrer Games überzeugen können, wenn sie ihre Prioritäten nicht grundlegend verändern beim Design ihrer Games!

Nur wird genau das nie mehr wieder passieren, weswegen die Firma Blizzard für mich persönlich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nie mehr wieder Games produzieren können wird die mich auch nur entfernt ansprechen.

Selbstverständlich schreibe ich diese Prioritätenverschiebung im Hause Blizzard einzig allein Activision in die Schuhe, wie so viele andere es auch tun.

Keine Ahnung warum sie diese Fusion einst eingegangen sind, aus heutiger Sicht war das der Anfang vom Ende des einst herausragenden Namens.

doc
2 Monate zuvor

das WCS hat Blizzard für Starcraft 2 auch aufgekündigt und lässt, mit etwas gesponsorten Kohle, die ESL die Starcraft 2 Turniere ausrichten…

Nico
2 Monate zuvor

Naja seit dem Zusammenschluss damals mit Activision ging es doch schon langsam aber stetig bergab.
Und nun wo viele schon vom orginal blizzard abgesägt wurden (auch wenn sie teils von selbst gegangen sind gabs da sicherlich gründe wieso sie das gemacht haben) wird es bei Blizzard mit der Zeit noch weiter bergab gehen.

Cradd
2 Monate zuvor

Warum eigentlich der Fokus auf Overwatch … ich empfinde das spiel als viel zu schnell um es mir anzuschauen und dem entsprechend glaubhe ich auch dass man da menschen die nicht in der materie stecken erst recht nicht abholt.
mal schauen ob sie diesen schwerpunkt auf call of duty legen. Das macht viel mehr spaß für den zuschauen, weil auch unerfahrene viel mehr mitbekommen.

IchhassePvP
2 Monate zuvor

Weil E-Sport tauglich, weil Streaming tauglich, weil kurze schnelle Spielrunden inklusive schneller Belohnungen insbesondere bei der jungen Gamer Generation gut ankommen und weil Shooter aller Art nicht erst seit gestern boomen wie praktisch kein anderes Genre.

Sind jedenfalls meine Vermutungen.

Loccorocco
2 Monate zuvor

Tja Blizzard gehört halt nicht mehr zu den großen Playern…. Zumindest für mich und viele andere. Aber das geht allen mit nen B im namen.. Bethesda bioware bungie und Blizzard..abfall produzierende Unternehmen. Entweder man stirbt als Held oder man lebt so lange bis man selbst zum Schurken wird.

Seska Larafey
Seska Larafey
2 Monate zuvor

Bioware ist auch nicht mehr der Landen der es am Anfang war

Slavik.junge
2 Monate zuvor

Welcher Laden bleibt denn noch ? Gibt es überhaupt noch positive Beispiele?

Herlitz
2 Monate zuvor

Mir fallen nur Riot und CD Project Red ein.
Die sonstigen großen Player haben sich dem schnellen Profit verschrieben.

Ich sehe eher in „Indies“ die Zukunft. Sofern man Perlen wie Two Point Hospital, Planet Zoo oder Satisfactory so nennen kann.

Holzhaut
2 Monate zuvor

Obsidian und Larian

chack
2 Monate zuvor

Jaja Blizzard und Esports. Deren Spiele sind für den Casual Markt designed, Esports wird bei dennen ja massiv subventioniert für Werbe Zwecke und wird „betrieben“ weil esports gerade „angesagt“ ist. Solange die ihre Spiele nicht auf esports designen und esports erfahrene Leute einstellen, solange wird das auch nichts mit esports bei Blizzard. Vorallem Overwatch und Hearthstone, casino pur, genau wie Bloom in Fortnite. Aber hauptsache einen auf dicken Esports machen.

Seska Larafey
Seska Larafey
2 Monate zuvor

Ich habe noch einen alten Satz im Hinterkopf:

1 Person die Erfahrung hat und 100.000 (Als Beispiel) verdient kann man durch 2 Personen zur Hälfte des Gehalts ersetzten und man hat mehr „Produktivität“

Nur das die neuen Person erstmal eingearbeitet werden müssen und so, vergass man schon zu der Zeit wo ich es gelesen habe. Es ist normal ein „Asia dingsbums“ aber anscheinend kommt es nun auch im „Westen“ an

Slavik.junge
2 Monate zuvor

Guter Punkt von dir, stimme dir da voll zu.

Was bei so etwas auch nicht unerheblich ist, ist die Einstellung bzw. Leidenschaft der Mitarbeiter.
Zusätzlich muss bei Blizzard nun auch noch gefühlt jeder um seinen Job bangen.. das steigert sicherlich nicht gerade die Produktivität.

Robin
2 Monate zuvor

Tja, alles hat ein Ende.. Blizzard stand lange Zeit für mich für Qualität und Communitynähe. Mittlerweile habe ich so ziemlich jedes Interesse an den Spielen verloren. Halbherzig und wenig innovativ fallen mir dazu spontan ein. Diablo Immortal oder Overwatch 2 – Warum zur Hölle verschwendet man für solche „Ideen“ Ressourcen. Ein Diablo 3 fürs Handy oder ein „neues“ Overwatch was gar nicht neu sondern quasi ein Update des ersten Teils ist. Stellenabbau hier, Einsparungen dort. Ein Call of Duty was sich aktuell in einem besondern schlechten Zustand befindet. Selbst für Cod Verhältnisse. Aber die gute alte Milchkuh muss eben weiter und weiter Milch abgeben – bis zum verdammten letzten Tropfen. Die Frage ist nur, wie lange wollen wir diese alte Milch noch?

chack
2 Monate zuvor

Tja, alles hat ein Ende.. Blizzard stand lange Zeit für mich für Qualität und Communitynähe.

Den letzten Punkt habe ich noch nie verstanden, wie konnte diese Firma sich bei einigen Leuten diesen Ruf überhaupt aufbauen Community nah zu sein? Weil sie einmal im Jahr eine Convention abhalten und sich selbst feiern? Durch aktivität in Foren oder sonst wo jedenfalls nicht. Die haben sich noch nie großartig in den Foren an Diskussionen beteiligt, haben schon immer extrem lange gebraucht um Fehler zu beheben und haben kaum Community Feedback umgesetzt. Jo klar über die letzten 20 Jahre hat sich was angesammelt, aber Entwickler die wirklich Community nah sind wie GGG, würden im selben Zeitraum Blizzard verblassen lassen.

Ooupz
Ooupz
2 Monate zuvor

Sie sollten es einfach mal einsehen das nicht jedes Spiel für E-Sports geeignet ist oder großes Interesse weckt. HotS eingestampft, WoW machen sie auch nur noch halbherzig und Overwatch fällt auch langsam aber sicher.

Hamurator
2 Monate zuvor

Klingt mir nach besten Voraussetzungen, um gute Produkte zu bauen.

Michael
2 Monate zuvor

¯\_(ツ)_/¯
Blizzard halt.

Cameltoetem
2 Monate zuvor

Eben nicht halt.

Nomad
2 Monate zuvor

Irgendwann hat alles ein Ende, auch ein Dino wie Activison-Blizzard. Gerade diese großen Einheiten erdrücken sich selbst. So ist das nun mal. Es kommen neue, kleine oder große, die ihre gute Zeit haben, bis sie das gleiche Schicksal ereilt.

N0ma
2 Monate zuvor

„Jeder mit einem süßen Vertrag wurde rausmanövriert“
Komisch, jahrelang hieß es die verdienen da so wenig und sind nur da weil die Firmenkultur so toll ist.

Stephan
2 Monate zuvor

„Jeder ist ersetzbar“ – hat glaube ich jeder Arbeitnehmer schonmal gehört twisted

N0ma
2 Monate zuvor

Der Satz ist Teil der psychologischen Kriegsführung ;). Wer den ernst nimmt hat schon verloren. Wobei, bei manchen Leuten frag ich mich manchmal wie haben dies geschafft solange dabei zu sein.

Gekkosera
2 Monate zuvor

Ich lebe auch nach diesem „Credo“ (und ja, ich bin auch nur Arbeitnehmer). Liegt aber meines Erachtens an einer sehr nüchternen und zynischen Einstellung dem menschlichen Verhalten gegenüber.
Man muss nur offen mit der Aussage umgehen können. Ich finde es immer lustig, wenn solche Aussagen fallen (bzw. „euch kann man Ausgliedern“ etc.) und dann irgendwo festgestellt wird: Tja, so einfach geht das ja gar nicht, wir wollen ja eine gewisse Qualität beibehalten. Nur scheint es bei Activision Blizzard keinen zu geben, der diesen Gedanken teilt xD

N0ma
2 Monate zuvor

Ja sieht eher nicht so gut aus, für Qualität braucht man auch gute Leute. Meine Einschätzung für WoW hatte ich ja letztens auch schon geschrieben, wenn Shadow*dingens* nicht einschlägt wird da auch kräftig gestrichen.

alfredo
2 Monate zuvor

völlig normal. wofür unnötig geld ausgeben wenn eh jeder unfertigen durchschnitts müll kauft sobald man sich einen namen gemacht hat.

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