Warum Diablo Immortal so wichtig für die Zukunft von Activision Blizzard ist

Es hat für viel Unverständnis gesorgt, dass der Titel „Diablo Immortal“ so zentral auf der Blizzcon 2018 gezeigt wurde. Dabei ist der Mobile-Titel essentiell wichtig für die Zukunft von Activision Blizzard und fürs Gaming im Westen, sagt unser Autor Schuhmann.

Das ist das Problem: Es fällt auch gut informierten Spielern immer schwerer, noch nachzuvollziehen, was die großen Publisher eigentlich so treiben.

Activision Blizzard hat etwa kein großes Spiel in der Pipeline. Es ist gerade nichts angekündigt oder in der Mache, obwohl der Publisher zu den größten Gaming-Unternehmen überhaupt gehört.

Gut, 2019 soll ein Call of Duty erscheinen und Diablo Immortal ist angekündigt, aber sonst ist nichts groß bekannt.

Die Folge sind enttäuschte Reaktionen auf die Ankündigungen der Publisher durch die Spieler und immer häufiger Shitstorms und Konflikte.

Diablo-Immortal-Memes
Die Ankündigung von Diablo Immortal brachte blizzard viel Ärger ein. Bildquelle: YouTube

Höhepunkt der Irritation war die Blizzcon 2018, als Blizzard mit „Diablo Immortal“ als Highlight der Messe ein Mobile-Spiel vorstellte und das vor einer Menge an PC-Fans, die Diablo 4 erwarteten.

Das sorgte für eine Menge negativer Reaktionen.

Die Kluft zwischen dem, was Publisher tun, und dem, was die Fans von ihnen erwarten, scheint immer größer zu werden:

  • Aber warum ist Diablo Immortal so wichtig für Activision Blizzard?
  • Und warum verstehen wir immer weniger, was hinter den Aktionen der Publisher steckt?
DIablo Immortal Monk Intro Titel

Wer erobert den Mobile-Markt?

Die Situation von Mobile-Games: Die Publisher beschäftigt seit Jahren eine Frage, mit der sich Core-Gamer kaum befassen: Wer erobert den Mobile-Markt im Westen?

Die Publisher haben den Mobile-Markt als den großen Bereich ausgemacht, der Wachstumspotential und Geld bietet. In Asien werden hier schon riesige Summen umgesetzt, auch im Westen wächst der Mobile-Markt stark.

Newzoo-Mobile-Markt-2018
Das sind Zahlen aus dem April 2018 von NewZoo, die den boomenden Mobile-Markt beschreiben.

Es gibt hier aber eine große Diskrepanz:

  • Bei uns im Westen sind Mobile-Games vor allem „Casual Spiele“ wie Candy Crush – das gehört Activision Blizzard seit November 2015 schon. Diese Spiele richten sich eher an neue Zielgruppen und nicht an die typischen Stamm-Gamer
  • In Asien sind die Top-Mobile-Games aber eigentlich Core Games – also Spiele mit durchaus vorhandener Tiefe und komplexeren Spiel-Mechaniken und RPG-Elementen. Auch sie erschließen neue Zielgruppen, aber decken auch Gamer ab
Fate Grand Order Saber
Fate/Grand Order: Ein Riesen-Hit in Japan.

Diese Mobile-Spieles sind in Asien erfolgreich: In Asien haben sich mehrere „typische“ Spielformeln oder Modelle etabliert:

SuperData März 2019

Diese und ähnliche Modelle verdienen in Asien das ganz große Geld, während bei uns eher Pokémon gejagt werden oder Mario durch die Gegend springt.

Der neueste Asien-Hit aus dem März 2019 war mit „Perfect World“ ein 14 Jahre altes MMORPG, das jetzt im chinesischen Mobile-Launch im neuen Glanz erstrahlt.

Perfect-World
Perfect World – der neueste Hit aus Asien.

Hinter diesen Hits in Asien stecken oft „klassische Gaming-Publisher“, wie etwa Tencent (LoL), NetEase, Nexon oder NCSoft (Lineage).

Firmen, die früher nur für den PC entwickelt haben, und denen der Sprung in die neue Mobile-Zeit gelang.

Dazu kommen neue Firmen wie Netmarble hoch, die gezielt auf Mobile gehen.

Quelle: Gameswirtschaft (via NewZoo – Stand April 2019)

Bei den Börsenwerten haben einiger solcher asiatischen Firmen, die den Mobile-Wechsel geschafft haben, mittlerweile die klassischen westlichen Publisher an Wert überholt.

Klar ist: Die westlichen Publisher wollen auch diesen Sprung schaffen. Sie wollen von PC-Firmen zu Firmen werden, die auch auf Mobile Geld verdienen.

Und damit müssen sie sich beeilen.

traha naiad burg
Traha, ein neues Mobile-Game von Nexon

Die Asiaten kommen

Das ist zuletzt passiert: 2017 und 2018 haben die großen asiatischen Publisher versucht, ihre Core-Mobile-Games aus Asien im Westen zu Erfolgen zu machen.

Mit großem PR-Aufwand wurden Spiele wie Lineage 2 Revolution und Arena of Valor (Honor of Kings) in den Westen gebracht. Dazu hat man Promis wie Conan O’Brien oder Hearthstone-Streamer angeheuert.

Der große Erfolg blieb aber aus.

lineage-2-revolution-Conan-O-Brien-Werbung
Mit Conan O’Brien startete Lineage 2 Revolution im Westen.

Allerdings ist der westliche Markt trotzdem in den Fokus der Asiaten geraten: Denn „westliche Überraschungshits“ wie „Clash of Clans“ oder „Clash Royale“ kommen zwar aus Finnland. Die Firma dahinter, Supercell, hat sich mit Tencent aber schon im Sommer 2016 ein Asien-Riese geholt.

Auch der große Erfolg von Fortnite auf Mobile-Geräten spielt Tencent in die Taschen, denn die sind stark an Epic beteiligt.

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Das passiert jetzt gerade: 2019 sind jetzt die etablierten „westlichen“ Publisher so weit und wollen selbst den Coregamer-Markt im Westen bei Mobile mit ihren Marken erschließen:

Die Idee ist es offenbar, die eigenen „starken Marken“ als Türöffner zu nutzen, um so die Spieler zu begeistern.

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Wichtiger Teil der Strategie von Activision Blizzard: Mobile

Das Ziel von Activision Blizzard ist klar: Sie wollen führend im Mobile-Bereich im Westen werden. Das will Activision Blizzard dadurch erreichen, dass sie ihre etablierten Kern-Franchises auf Mobile bringen.

Schon seit Jahren gibt Activision Blizzard die Parole aus, die Kern-Franchises auf Mobile zu portieren:

  • So kann man Hearthstone als ersten Versuch sehen, obwohl das erst ein Jahr nach dem PC-Release auf Smartphones kam
  • Mit Diablo Immortal wird jetzt wohl demnächst der erste „große Versuch“ unternommen.
  • Danach dürfte Warcraft folgen, wahrscheinlich als Strategie-Spiel.
  • Call of Duty Mobile läuft zur Zeit an

Je nachdem, ob dieser Versuch erfolgreich ist oder nicht, könnte es die Zukunft des Gamings hier im Westen deutlich beeinflussen.

In jedem Fall erklärt es, warum man in letzter Zeit so wenig Neues von Activision Blizzard hört: Die sind gerade an ihrer Mobile-Offensive dran.

Deshalb ist es spannend: Allerdings scheint sich der Westen viel stärker gegen Mobile zu wehren, als das in Asien der Fall war. Das könnte schon an der Kultur liegen. Das Gaming hat sich in beiden Kulturkreisen anders entwickelt, als man von der klassischen Spielhalle mit Gaming-Automaten weg ist:

  • hier im Westen haben viele Spieler eigene Konsolen mit großem Fernseher und Setup oder hochwertige Gamer-PCs
  • in Asien spielten ohnehin viele in der Öffentlichkeit, in PC-Cafés, auf „fremden PCs“

Die „Core-Gamer“ hier im Westen haben bei den Versuchen der westlichen Publisher bisher gezeigt, dass sie Widerstand leisten, auf Mobile „gezwungen“ werden. Auch die üblichen Bezahl-Modelle auf Mobile lehnen Core-Gamer im Westen häufig ab: Viele übliche Modelle erscheinen ihn als Pay2Win.

The Elder Scrolls Blades Aufmacher
Umstrittenes Spiel aktuell: Elder Scrolls Blades.

Diese Ablehnung bekamen die westlichen Publisher jetzt einer nach dem anderen zu spüren:

Es wird also spannend sein, wie sich dieser Kampf um den westlichen Mobile-Markt tatsächlich auswirkt. Daher scheint Blizzard mit der Veröffentlichung von Diablo Immortal auch noch zu zögern.

Wenn Diablo Immortal kommt, sollte es den Core-Gamern auch gefallen und wenig Angriffs-Potential bieten. Denn Diablo Immortal wird ein Schlüsselspiel für Activision Blizzard werden.

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