Gaming-Gigant setzt auf Mobile-MMORPG – „koreanischer Steve Jobs“

In Südkorea gerät der Gaming-Markt durcheinander. Mit Netmarble betritt ein neuer „Big Player“ die Bühne. Die setzen auf Mobile-MMORPGs und machen den etablierten Firmen den Markt streitig. Die Firma ist jetzt über 11 Milliarden Dollar wert, mehr als die bisherigen Granden.

Die Gaming-Industrie in Südkorea war lange Zeit relativ stabil. Man setzte auf Online-Gaming und den PC. In den berühmten „PC Bangs“, den Internet-Cafés, in Südkorea kamen die Spieler zusammen und zockten die beliebten Online-Free2Play-Spiele wie Lineage, Crossfire oder Dungeon Fighter.

NCSoft und Nexon mit MMOs lange Zeit Marktführer in Südkorea

Zwei südkoreanische Firmen waren lange federführend: NCSoft mit Games wie Lineage, Blade and Soul oder Aion und Konkurrent Nexon, die Games wie MapleStory veröffentlichten.

Auch westliche Einflüsse kommen schon länger ins südkoreanische Gaming. Die Leidenschaft der Südkoreaner für StarCraft und Warcraft 3 ist legendär. Aktuell dominieren Riot mit League of Legends und Blizzard mit „Overwatch“ die obersten Ränge in den Internet-Cafés.

Jetzt geht es aber nicht mehr um den PCs, sondern um „Mobile-Gaming.“

Während Nexon und NCSoft den Sprung ins Mobile-Gaming noch vollziehen müssen, den Spagat zwischen PC und Mobile suchen und einige Feder lassen, werden sie von einer anderen südkoreanisch Gaming-Firma überholt. Von Netmarble.

Netmarble größter Börsengang seit 7 Jahren

Die Firma „Netmarble“ ist nun an die Börse in Seoul gegangen und es war der größte Börsengang in Südkorea seit 7 Jahren. Der Marktwert der Firma ist in Folge des Börsengangs explodiert. Der Wert der Firma wird mit 12.2 Milliarden US-Dollar beziffert – das sind etwa 11,15 Milliarden Euro.

Bloomberg Marktwert
Marktwert in Milliarden US-Dollar Quelle: Bloomberg

Damit hat Netmarble einen höheren Wert als Nexon oder NCSoft. Auch westliche Publisher wie Take-Two und Ubisoft lässt die Firma hinter sich. Nur Riesen wie Activision oder Electronic Arts sind bei den Marktwerten, laut Bloomberg, noch vor Netmarble.

Was ist die Geschichte hinter Netmarble?

Netmarble – eine Ausnahme von der Regel

Netmarble wurde schon in 2000 von Bang Jun-Hyuk gegründet, der die High-School abgebrochen hat. Die meisten seiner Konkurrenten haben hingegen Studienabschlüsse.

lineage 2 revolution 03

Bang funktionierte aber nicht im südkoreanischen Schulsystem, das viel Wert darauf legt, dass Schüler den Unterrichtsstoff auswendig lernen. Er suchte einen anderen Weg.

Bei Bang läuft ohnehin einiges anders als bei seinen etablierten Konkurrenten. Er wuchs in einem der ärmeren Viertel von Seoul auf.

Im konservativen Spielemarkt von Südkorea hat Bang früh auf Online-Gaming gesetzt. Ende der 90er erlitt Bang noch Rückschläge: Die Infrastruktur in Südkorea konnte seine Pläne noch nicht tragen. Bang wollte Internet-Dienste anbieten und erlitt damit Schiffbruch. Doch schon wenige Jahre später begann die südkoreanische Regierung das Internet des Landes in Folge einer Finanzkrise massiv auszubauen. Bang war da, um davon zu profitieren und Netmarble nach oben zu führen.

Mit damals noch unkonventionellen Ideen etablierte Bang Netmarble mit Spielen wie „Sudden Attack“ als erfolgreiche Firma und setzte schon früh auf den Mobile-Markt.

Marvel Future Fight

In 2006 zog sich Bang aber für 5 Jahre von der Gaming-Industrie zurück. Offiziell spricht man von „nicht näher bekannte gesundheitlichen Gründe.“ Es klingt als habe Bang unter einer Art Burnout gelitten. Er sagt, er habe sich zu der Zeit nur selten ausgeruht, sei müde und gestresst gewesen.

Ohne ihn machte Netmarble schwere Zeiten durch und erfüllte die Erwartungen nicht. Auch die Publishing-Rechte an „Sudden Attack“, dem Hit-Spiel, gingen verloren. Nexon vertreibt das Spiel seitdem. Viele der Games, die Netmarble herausbrachte, blieben hinter den Erwartungen zurück.

Die Aussichten für Netmarble waren noch 2011 alles andere als gut.

Nach 5 Jahren Pause kehrte Bang zurück, um seine Firma zu retten

Der 48-jährige Bang Jun-Hyuk gilt aber wegen dieser schwieriger Umstände heute als „südkoreanischer Steve Jobs.“

Wie Jobs zu Apple, war auch Bang Jun-Hyuk zu seiner Firma zurückgekehrt, als die in finanziellen Schwierigkeiten steckte, und hat sie zu neuen Höhen geführt.

lineage 2 revolution 02

Seit er wieder am Ruder ist, hat er Netmarble vollends auf Smartphones und Mobile-Gaming ausgerichtet. Mit Mobile-Titeln wie Marvel Future Fight und dem MMORPG „Lineage 2 Revolution“ ist Bang u der Durchbruch wohl endgültig gelungen.

Gerade der irrwitzige Erfolg von Lineage 2 Revolution dürfte den Börsengang und die Explosion des Marktwerts nun befeuert haben. Mittlerweile hat Netmarble auch die Unterstützung des chinesischen Riesen „Tencent Games“ erlangt.

Netmarble und Bang haben den Westen ins Auge gepackt. Ihr MMORPG-Mobile-Hit „Lineage 2 Revolution“ könnte schon im Juni die Welt erobern.

Wenn das so weitergeht, dürften wir die nächsten Jahre noch einiges vom „koreanischen Steve Jobs“ hören.


Mehr zu Lineage 2 Revolution:

Lineage 2 Revolution: Das 1. komplexe Online-MMORPG für Mobile?

Autor(in)
Quelle(n): bloombergforbes
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Erzkanzler
2 Jahre zuvor

Ja Mobile Gaming ist gerad voll doll im Trend, genau wir es 3D-Fernseher und VR-Brillen waren oder sind. Das ist voll toll und superduper Zukunft… aber weltfremd.

Letztlich ist es doch so, es geht um Usability, Preis, Verbreitung und Alltagstaulichkeit. Es wird also in Zukunft „MMOs“ im Mario-Style geben die auf Smartphones laufen aber sie werden nicht die gleiche Clientel ansprechen wie aktuelle MMOs. Nein, Angry Bird-Spieler werden uns demnächst erzählen, dass sie jetzt ein MMO spielen aber mehr auch nicht.

Das wird sich vielleicht ändern, wenn Mobiltelefone als „Spielkonsole“ an TV und Monitor angeschlossen werden könnten um den klassischen Rechner zu ersetzen. Aber da PCs sich auch weiterentwickeln, wird es die grafisch hochwertigsten und featurelastigsten Spiele weiterhin auf dem PC geben. Und weiterhin wird es eine starke Fangemeinde geben, die eben dies auch unterstützt und bezahlt. Es mag sein, das es weniger „Unterstützer“ werden und Firmen Aufgrund des Wachstumsgedanken breiter aufgestellt für mehrere Devices entwickeln, aber letztlich sind MMOler eine Käuferschicht die man eben nicht komplett mit Mobile-MMOs erreicht.

In Zukunft könnten die Budgets für MMOs also kleiner werden die einzig auf einer Plattform erscheinen, aber das Einzige was letztlich funktionieren wird, ist die device-übergreifende Bündelung der Kunden. Und zwar nicht mit gleichen inhalten, sondern mit Cross-Synergien.

Als Konsument wäre doch das Ideal, wenn ich auf all meinen Geräten an meinem Lieblingsspiel teilhaben könnte und zwar je nach Situation.

Sitze ich am PC möchte ich den volle Storyumfang, geile Grafik, Gameplay zugeschnitten auf Keyboard und Tastatur (Stichwort: Kompetitives Spiel).

Kurz darauf verzieh ich mich auf´s Sofa, keinen Bock mehr auf Hektik:
Spielfilm-like, Story die mich begeistert, kleine aber relevante Mini-Games die mich handlungsgetrieben fesseln.

Und dann, boah dann ruft nen Kumpel an und sagt das ich mich mit ihm treffen soll, ergo Busfahrt. Ich wechsel also in den Mobile-Mode und baue mein Imperium aus, ich erteile Bauaufträge, schicke Einheiten los usw. all das was Planung und keine direkte Interaktion benötigt.

Abschließend komme ich bei meinem Kumpel an und muss die Möglichkeit haben, mit ihm eine Koop-Erfahrung zu teilen, egal mit welcher Paarung von Endgeräten.

Es geht doch darum ein Universum zu schaffen an dem jeder Spieler teilnehmen kann, nicht darum ein Spiel zu entwickeln, dass auf allen Endgeräten läuft. Nicht der kleinste gemeinsame Nenner kann das Ziel sein.

Verdammt, ich glaub ich sollt nen Kickstarter ins Leben rufen razz

W1nkl3r
W1nkl3r
2 Jahre zuvor

Sry, aber ich glaube sie sind sehr stark eingeschränkt und für nichts neues offen. In ihren kleinen Artikel geht es nur um den „Pc“ wie toll er ist. Früher dachten die PC Spieler auch das man MMOś nicht auf der Konsole spielen könnte.

Gerd Schuhmann
Gerd Schuhmann
2 Jahre zuvor

Also ich bin auch eher konservativ und hab auch meine Vorbehalte.

Was mich überzeugt: Die Zahlen.

Mobile-Games sind nicht wie 3D-Fernseher oder „Virtual Reality“ irgendwas, das mal kommt – sondern die sind schon da. Und das ganz gewaltig.

Jeztt ist die Frage, ob komplexe, anspruchsvolle Titel auch funktionieren. In Asien tun sie das bereits. Da geht’s um Milliarden. Und die wollen in den Westen. Die Frage ist halt, ob das klappt.

Aber zu sagen: Das ist wie VR oder 3D-Fernseher – so eine Illusion. Das stimmt nicht. Das ist schon deutlich näher. Nur nicht bei uns.

Der Westen hinkt hier technologisch zurück hinter China und Asien. Das ist das erste Mal, sagen viele Analysten, dass der Westen hier deutlich zurückhängt in seiner „Konsolen-Blase.“ Und in Asien sieht’s ganz anders aus.

Die verdienen damit schon einen Haufen Geld und kaufen westliche Unternehmen auf. Das ist die Gegenwart grade. smile Riot Games gehört Chinesen. Netmarble ist nach dem Börsengang deutlich mehr wert als Ubisoft oder Take-Two. Die sollen 4 Milliarden US-Dollar zurückgelegt haben, um jetzt in den West-Markt einzusteigen.

Mit den Milliarden, die asiatische Unternehmen mit Mobile Games verdienen, gehen sie im Westen auf Einkaufstour. Das passiert jetzt gerade.

Erzkanzler
2 Jahre zuvor

Mag sein, dass ich es etwas drastisch formuliert habe, letztlich wird Mobile Gaming sich natürlich in irgendeiner Form durchsetzen. Das zeigen Erfolge wie PokemonGo, aber meiner Einschätzung nach eben nicht bei der derzeitigen Zielgruppe für MMOs.

Shiv0r
Shiv0r
2 Jahre zuvor

Wo hat den abseits Star Citizen irgendein Spiel die featurelastigen Sachen von dennen du sprichst? Das meiste Zeug was interessant ist, sind entweder X-Plattformtitel oder Exclusivtitel für Konsolen.

Erzkanzler
2 Jahre zuvor

Drum sag ich ja, das wäre die Idee für eine Zukunft in der Mobile sinnvoll einbindbar wäre.

Nightquake
Nightquake
2 Jahre zuvor

Ich werde den Erfolg von Mobile Games nie verstehen … viel zu kleines Display, gerade mal durchschnittliche Grafik und eine miese Soundkulisse. Dazu allesamt Games, die gerade mal für ein kleines Spielchen zwischendurch ausreichen. Und dann meist noch F2P-Müll. Ne danke, da kann ich nichts mit anfangen.

Gerd Schuhmann
Gerd Schuhmann
2 Jahre zuvor

https://www.youtube.com/wat

Das hat schon einen Grund, warum die erfolgreich sind, denke ich. Ich frag mich aber auch, ob sich das hier durchsetzt und bei Core-Gamern. Mal sehen.

W1nkl3r
W1nkl3r
2 Jahre zuvor

also auf ein iPad Pro lässt es ziemlich gut spielen. Was die Spiele angeht hast du recht. Bin gespannt wie sich lineage 2 Revolution und Albion online sich entwickeln.

Quickmix
Quickmix
2 Jahre zuvor

100% Zustimmung!

Fluffy
Fluffy
2 Jahre zuvor

Stimmt doch gar nicht. Labert doch keinen Müll. Netmarble hat sich eben NICHT voll auf mobile ausgerichtet.
Eine seiner grösten Durchbrüche der Bekantheit war und ist nämlich MStar, wo er (bin mir nicht ganz sicher) große Teile, wenn nicht sogar ganz aufgekauft hat. ^^
Und MStar ist ausschließlich für den PC.

Gerd Schuhmann
Gerd Schuhmann
2 Jahre zuvor

Hm – also aktuell haben sie definitiv den Erfolg, weil sie Vorreiter im Mobile-Markt sind.

MStar hab ich noch nie gehört.

Ich hab eben mal geooglet. „MStar“ ist ein „Dancing-Social“-Game, das sie 2009 veröffentlicht haben, in der Phase, als Bang weg war und wo es der Firma finanziell schlecht ging.

Ich geh davon aus, dass das finanziell jetzt beim Aufschwung nicht die Riesen-Rolle gespielt hat. Der kam nämlich so 2014-2016.

Ich weiß, dass du „Social Dance“-Games echt magst, aber … ich glaube, da schätzt du die Bedeutung des Games für die Firma falsch ein.

Also ich hab bei den Recherchen jetzt vor allem von 3 Spielen gehört: Sudden Attack, das Marvel-Spiel und Lineage 2 Revolution. Dass die noch viele andere Games herausgebracht haben – jo, okay. Lineage 2 Revolution war ein absoluter Ausreißer jetzt 2017 – ich denke, das ist entscheidend.

Aber „MStar“ – da spricht doch deine Vorliebe für so Spiele raus, gib’s zu. smile

Fluffy
Fluffy
2 Jahre zuvor

Doch, denn nach der Übernahme wurde malaisa und Singapur eingestellt. Da sind mehrere millionen spieler zwangsläufig wieder zu korea gewechselt ^^

Gerd Schuhmann
Gerd Schuhmann
2 Jahre zuvor

Ich kann das nicht beurteilen.

Nach allem, was ich gelesen habe, spielen andere Games eine entscheidende Rolle.

Fluffy
Fluffy
2 Jahre zuvor

Kann gut sein. Meine Erfahrungen mit Asiasupport sind die, dass diese Handyplatformen mit Spielen relativ sind. Man kann das eigentlich eher vergleichen wie damals bei uns der ICQ-hype. Damals musste man das irgendwie haben um mit Schulfreunden und co. auch außerhalb der Schule in Kontackt zu bleiben, Bilder aus zu tauschen usw. Fast wie Facebook heut zu tage. Nur besser ^^
Und so ähnlich ist das auch in Asien. Publisher und/ oder Entwickler stellen eine Art Komunikationsplatform, welche Neben PC-Spielen auch Handyspielen enthalten. So kann man deren Dienste immer nutzen, unentwegt mit seinen Freunden in Kontakt bleiben und sogar von unterwegs aus immer miteinander spielen.
Die ganz großen Fische bieten in Asien damit sogar richtige Handytarife und den ganzen Schnulli dazu an.
Und da das gemeinsame miteinander Extrem verankert in der asiatischen Kultur ist, ist dies absolut ideal.
Nicht so wie bei uns, wo jeder in seiner eigenen Ecke sitzt ^^

PS: Und ja wenn man asia-Dancegames zockt kommt man damit unweigerlich in Kontakt. -_^

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