Mobile-RPG gilt als Inbegriff des bösen „Pay2Win“, verdient 3 Milliarden $

Das Mobile-Spiel Fate/Grand Order gilt als das Musterbeispiel für „Pay2Win“-Spiele. Aber das Gacha-Prinzip funktioniert wahnsinnig gut. Laut neuen Berichten haben Spieler 3 Milliarden US-Dollar ausgegeben – vor allem in Japan.

Wie viel Geld verdient das Spiel? Wie die Seite SensorTower meldet, hat Fate/Grand Order seit dem Release im August 2015 weltweit etwa 3 Milliarden US-Dollar eingespielt.

Das entspräche einem 60$-PS4-Titel, der sich 50 Millionen-Mal verkauft:

  • 82% der 3 Milliarden Dollar kommen aus Japan, also etwa 2.2 Milliarden $
  • 12% aus China – 360 Millionen US-Dollar
  • In den USA ist man mit 3% dabei, also etwa mit 90 Millionen Dollar

Vertrieben wird das Spiel in Japan und den USA von Aniplex, einer Tochter-Firma von Sony Japan. Fate/Grand Order ist ein wichtiger Umsatzbringer für Sony.

In Südkorea ist Netmarble der Publisher – die gelten seit Jahrzehnten als Vorreiter im Mobile-Sektor.

Was ist das für ein Spiel? Fate/Grand Order ist ein Online-Spiel für die Mobile-Plattformen iOS und Android. Es basiert auf der japanischen Visual Novel Fate/stay night.

Das Spiel kam:

  • 2015 in Japan raus
  • 2017 in den USA und Südkorea

Fate/Grand Order ist ein runden-basiertes Rollenspiel. Der Spieler sammelt Figuren und kann bis zu 6 dieser Servant in einem Match nutzen: 3 sind aktiv, 3 in Reserve.

Man nennt diese Spiele auch „Collectibles-RPGs“, weil’s letztlich darum geht, besondere Helden zu sammeln.

An die Servants in Fate/Grand Order kommen Spieler über eine „Gacha“-Mechanik heran: also über klassische „Lootbox“-Mechaniken. Die Mechaniken gelten als „Pay2Win“ im Westen – in Asien ist da die Mentalität aber offenbar anders.

Gacha kommt ursprünglich von asiatischen Automaten, die ähnlich wie bei uns früher die Kaugummi-Automaten funktionieren. Man wirft Geld ein und hat die Chance darauf, was Gutes zu bekommen oder eine Niete (den Kaugummi).

Die Ingame-Währung „Quartz“ können Spieler in Fate/Grand Order verdienen oder über Mikrotransaktionen kaufen – sie wird benötigt, um am Automaten zu ziehen und die Gacha-Mechanik auszulösen.

Fortnite: Rette die Welt setzte 2017 hier im Westen auf ähnliche Spiel-Mechaniken.

Fate-Grand-Order-mehr-kaufen
Wenn die Quartz ausgehen, einfach in den Cash-Shop – Quelle: Polygon

Warum gilt das Spiel als Pay2Win? Es gibt viele Geschichten von Spielern, die einen Haufen Geld in Mikrotransaktionen lassen, um bestimmte, extrem seltene Helden zu gewinnen. Die Chancen auf die Top-Preise in diesen Systemen sind winzig und Spieler investieren eine Menge Geld in Mikrotransaktionen, um die Helden zu bekommen, die sie wollen.

  • So berichtete das Wall Street Journal im März 2018 von einem Mann, der 70.000$ für das Spiel ausgegeben hat
  • die US-Seite Polygon führt aus, dass Fate/Grand Order ganz offen mit diesem Pay2Win-Aspekt umgeht und es sogar zum Teil der Werbung für das Spiel gemacht hat.

Was ist der Schlüssel zum Erfolg? Der Clou ist wohl, dass die Spieler von Fate/Grand Order eine emotionale Beziehung zu den begehrtesten Helden aufbauen und die unbedingt haben wollen, weil sie die als besonders cool empfinden.

Man braucht diese Helden aber dann sogar mehrfach, um sie zu optimieren und das bei winzigen Chancen.

Fate-Grand-Order-Helden

Wie geht Fate/Grand Order mit Pay2Win-Vorwürfen um? Fate/Grand Order hat mit „Gudako“ eine Figur entworfen, die ein klassischer Whale ist, also massiv Geld investiert, um schnell im Spiel voranzukommen und alles zu bekommen, was sie will.

Getrieben wird sie offenbar vom Wunsch, dass andere Spieler sie bewundern und auch so mächtig sein möchten wie sie.

Laut Polygon lieben die Fans diese Figur.

Fate Order Mistress
Das ist die Figur, die stellvertretend für „Whales“ in Fate/Grand Order steht.

Das steckt dahinter: Am Erfolg von Fate/Grand Order sieht man Unterschiede in der Kultur:

  • hier im Westen lösen Gacha-Mechaniken in Spielen Shitstorms aus. „Zahlen für Fortschritt“ ist verpönt – nur rein kosmetische Cash-Shops wie in Fortnite, LoL oder Overwatch werden von den Core-Gamern geduldet
  • in Asien ist da die Lage eine andere

Daher kündigen Asia-Firmen, die ihre Online-Spiele in den Westen bringen, auch immer an, das Spiel auf den Markt anzupassen und den Cash-Shop zu „entschärfen.“

Offenbar haben westliche Spieler und asiatische Spieler hier andere Toleranzschwellen und eine andere Sicht der Dinge.

Free2Play-MMO verspottet seine süchtigen Spieler und die stehen drauf
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