Free2Play-MMO verspottet seine süchtigen Spieler und die stehen drauf

Ein MMO kennt bei seinen Lootboxen keine Gnade und verspottet die eigenen Fans. Die finden’s jedoch super und feiern das auch noch.

Dass Free2Play-Spiele ihren Gewinn über Mikrotransaktionen machen müssen, ist ein alter Hut. Doch während viele Spiele nicht nur Kosmetika sondern auch klare Pay2Win-Vorteile verkaufen, geht das japanische Fate/Grand Order einen anderen Weg – es verkauft Story und Emotion in Lootboxen.

Diese Lootboxen, auch „Gacha“ genannt, können verschiedene Charaktere enthalten, die in Fate/Grand Order als Begleiter dienen. Sie machen nicht nur die Gruppe des Spielers stärker, sondern bringen auch einzigartige Dialoge und Story-Sequenzen mit sich.

Das Spielkonzept und die Charaktere basieren auf der beliebten Anime-Serie Fate/, die inzwischen sehr viele Ableger hat. Die Charaktere sind also bekannt und haben bei vielen Fans einen Platz im Herzen eingenommen – immerhin zählt Fate/ zu den erfolgreichsten Anime-Serien aller Zeiten. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Zuschauer eine emotionale Bindung aufbauen.

Und genau dieses emotionale Band zu den geliebten Charakteren wird von Fate/Grand Order gnadenlos ausgenutzt.

Es geht dabei nicht nur um „Pay2Win“, denn der Machtaspekt hinter diesen „Looboxen“ ist zweitrangig. Durch die entsprechende Charaktere schalten die Spieler auch neue Story-Abschnitte frei.

Besonders absurd: Wer die ultimativen Fähigkeiten (und Story-Elemente) eines Begleiters freischalten will, der muss diesen bis zu 5 Mal besitzen, was bei einer Dropchance weit unter 0,1% mathematisch im Schnitt mehrere Tausend Dollar kosten dürfte.

Fate/Grand Order parodiert die eigenen Fans

Doch Fate/Grand Order macht aus dieser Praktik kein Geheimnis. Stattdessen gibt es von den Entwicklern sogar einen eigenen Comic über das Mädchen Gudako – eine Gamerin, die süchtig nach Lootboxen ist und ihr Geld dafür nur so aus dem Fenster wirft. So fragt sie in den Comics etwa „Wie sie schneller im Spiel vorankommen kann und wo sie dafür drücken muss“ – ganz offen damit umgehend, dass es sich dabei um Geld handelt.Fate Order Mistress

Die Fans reagieren nicht etwa geschockt, sondern mögen diesen Charakter, können sich mit Gudako identifizieren. Denn wie sie selbst hat auch die Karikatur ein Suchtproblem und ist nach eigenen Worten in der „Gacha-Hölle“ gefangen, zusammen mit der Leidenschaft für niedliche Anime-Mädchen.

Aber so lustig wie die Comics sind, ist die Wirklichkeit leider nicht.

Auf Reddit gibt es zahlreiche Beiträge von Spielern, die im Nachhinein bedauern, wie viel Geld sie in das Spiel gesteckt haben. So manch einer erzählt sogar, dass er „nur für dieses Spiel arbeite“ und seine Kreditkarte jedes Mal ausreizen würde – und doch habe er den gewünschten Charakter noch nicht bekommen.

Doch wie es die US-Seite Polygon so schön zusammenfasst: Zumindest ist Fate/Grand Order ehrlich.

Denn die Entwickler haben schon längst erkannt, dass die Spieler nicht aufhören werden, selbst wenn man ihnen eine eigene Parodie ihrer selbst ins Gesicht drückt und aufzeigt, dass sie süchtig geworden sind.Fate Grand Order Artwork

Cortyn meint: Letzten Endes ist Fate/Grand Order für mich ein Paradebeispiel, warum Free-2-Play-Spiele noch immer einen bitteren Nachgeschmack haben.

Am Ende hat das Spiel Inhalte, die kaum jemanden glücklich machen. Die „armen“ Spieler nicht, weil sie ohnehin nie ihre Lieblingscharaktere bekommen und die „reichen“ Spieler auch nicht, die selbst mit vielen Hundert Dollar nicht das erhalten, was sie wollen.

Die Leidtragenden auf beiden Seiten sind die Fans der Anime-Serie, des Fate/-Universums, die sich in die Charaktere verliebt haben und mehr Story erleben wollen – genau jene Fans, die jedes Medium braucht.

Es sind quasi Inhalte, die kaum jemand zu sehen bekommt und den Hunger der Spieler nach genau diesen Geschichten ausnutzt. Wird man damit als Entwickler reich? Ziemlich sicher. Tritt man damit allen Fans der Charaktere und ehrlichen Spielern ins Gesicht? Garantiert.


Entwickler sind übrigens der Meinung, dass Lootboxen die Zukunft sind.

Autor(in)
Quelle(n): polygon.com
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