E3 – Command and Conquer: Rivals sorgt für kürzesten Hype der Welt

Ein frühes Highlight der Pressekonferenz von EA war Command & Conquer: Rivals, wenigstens für unseren Autor Schuhmann. Der hat sich selten so amüsiert wie über diesen kürzesten Hype der Welt.

Der kürzeste Hype der Welt: Gestern kam die erste Pressekonferenz der E3 2018. Electronic Arts war dran. Ich hab die Pre-Show im Livestream „E3MAX“ der GameStar verfolgt. Und die Moderatoren waren für etwa 3 Minuten himmelhochjauchzend und danach zu Tode betrübt. Was ist da passiert?

Oh Gott, sie bringen Command & Conquer zurück

Command & Conquer auf der E3: Einer der GameStar-Mitarbeiter hatte in LA auf dem Showflur ein Banner von „Command & Conquer“ entdeckt. Es dauerte Sekunden und man hatte aufgrund dieses Banner ein Traumszenario konstruiert, das jedem PC-Nostalgiker und Strategie-Fan die Tränen in die Augen trieb.

Das Traumszenario: Wie Age of Empires kommt auch Command & Conquer nun zurück! Vielleicht in einer HD-Remastered-Version oder gar als neuer Teil.

Nostalgiker im Voll-Hype: Für etwa 3 bis 5 Minuten freuten sich die Redakteure und tanzen in ihren Sesseln im Livestream. Man hörte die ehrliche Euphorie von PC-Gamern, die mit dem Herzen noch so ein bisschen in den 90ern hängen und für die Online und Free2Play des Teufels sind. Aber es kam sogar noch schlimmer.

Die düstere Vorahnung: Dann aber murmelte einer der Redakteure im Live-Stream: „Ja, hinter diesem Banner sind so Handys eingeknipst.“ Und es brach eine Traumwelt zusammen.

Hype weg: Sofort war die Stimmung gekippt. Denn natürlich: EA macht ein Mobile-Spiel aus Command & Conquer. Die Träume der PC-Strategie-Fans waren sofort geplatzt. Aber auch für EA lief es nicht so gut. Denn eine Messe ist der denkbar furchtbarste Ort, um so ein Spiel zu präsentieren.

Mobile ist einfach Mist auf großer Bühne

Der Plan von EA: In der Planung von EA, sollten sich da zwei ikonische Gladiatoren gegenüberstehen, die sich in einer fesselnden Schlacht bekämpfen. Das sehen die Zuschauer, sind begeistert und klatschen. Die Leute zu Hause fiebern mit, erkennen, wie fasziniert von der Schlacht alle im Saal sind, werden total heiß auf das Spiel. Dann erst verrät man den Fans: „Das ist Command & Conquer: Rivals – wir bringen Euer Traumspiel zurück und jeder kann es spielen.“ Die Leute fallen vor Hype in Ohnmacht, wachen dann auf, strömen in den Google Play Store, starten den Download von Command & Conquer: Rivals in Scharen.

Die Realität: Man hatte NickatNyte (Clash of Clans-Spezialist) und InControl (Profi-StarCraft-Spieler) eingeladen. Die beiden setzten sich dann auf Stühle, holten Handys raus und tippten da 3, 4 Minuten drumrum. Nun brüllten Shoutcaster irgendwas „Das ist wahnsinnig wichtig – total wichtig – nur noch ein Schuss – Wow!“ Dazu sah man Gameplay, mit dem keiner wirklich was anfangen konnte, und das aussah wie ein beliebiges Mobile-Spiel oder wie ein PC-Spiel aus den späten 90ern.Sexy-CC-Rivals

Ganz schwacher Applaus

Die Realität: Mobile ist einfach Mist auf großer Bühne. Das Problem ist: Bei einem Mobile-Spiel zuzusehen, ist wie beim Schach zuzusehen, wenn man die Regeln nicht kennt. Das Spiel ist für Unbeteiligte nicht lesbar. Die Shoutcaster brüllten irgendwelche militaristischen Kommandos rein „Nuke, Nuke“, die beiden eSport-Profis versuchen so zu tun, als ist es nicht einfach nur ein irrwitzig gut bezahlter PR-Gig, und die Stimmung nach der Passage war ziemlich am Boden.

Als der EA-Manager nach der Präsentation um einen Applaus bat, war der so dünn, dass man rasch im Programm weitermachte. Das Highlight war es dann, den Leuten zu sagen: „Das war Command & Conquer Rivals“, aber so richtig haute das keinen vom Hocker. Lieber schnell den Trailer zeigen.

EA-Play-Command

Das Publikum-Problem: Mobile-Games richten sich an „Casuals“, auf einer Spiele-Messe sind aber Hardcore-Fans. Dasselbe Problem hat EA jedes Jahr mit den Sportspielen: Das Publikum für diese Spiele ist einfach selten auf der Messe. Die Leute, die dort sind, wollen neue Ausgaben ihrer Klassiker oder innovative Core-Games sehen: Shooter, Rollenspiele, Adventures, Action-Spiele.

EA hat Command & Conquer: Rivals mit der Nummer keinen Gefallen getan

Mobile-Spiel kann ja gut sein, aber hier sieht man es nicht: Die Präsentation sagt letztlich überhaupt nichts über die Qualität des Spiels aus. Mobile-Games müssen nicht für Ahnungslos lesbar sein oder tollte Grafik haben, um zu funktionieren. Hearthstone muss man auch spielen, um es zu verstehen. Aber wenn Mobile-Games so präsentiert werden wie Command & Conquer: Rivals, dann kann man verstehen, warum PC-Gamer und Nostalgiker einen Anfall bekommen, wenn sie „Mobile“ in  Zusammenhang mit ihrer Lieblings-Spiele Franchise auch nur hören.

Die Überschriften nach der Konferenz waren Zeilen wie „Guckt mal, was sie Command & Conquer angetan haben“ oder „Command and Conquer enttäuscht alle.“

Wie kann man ein Mobile-Spiel bewerben?

Mobile muss einfach anders präsentieren: Das sind Probleme, mit denen die Gaming-Industrie zu kämpfen hat, schon bei Lineage2Revolution wurde das deutlich. Mobile spielt wahnsinnig viel Geld ein und die Publisher wollen auch gern einen Haufen Geld für die PR ausgeben, aber auf diese Art funktioniert das nicht. Um die Masse an Gamern zu erreichen, sollte man wohl eher in Werbespots investieren wie einst bei Clash of Clans. Oder man muss den Spielern das Game wirklich nahebringen und es sie selbst erleben lassen. Wer denkt, er könnte ein neues Mobile-Spiel als eSport-Event präsentieren, der stellt sich eine Mammut-Aufgabe.

Nach Command & Conquer ist als nächstes Warcraft dran

Auch Blizzard wird das Problem haben: Wie man seinem „Kern-Publikum“ solche Mobile-Games schmackhaft macht, wird ein Problem sein, mit dem sich alle westlichen Publisher beschäftigen müssen und werden. Gerade wenn man davon ausgeht, dass zum Ende des Jahre Blizzard seinen Fans verklickern muss, warum die kein „Warcraft IV“ als PC-Strategiespiel bekommen, sondern ein „Warcraft Mobile“. Wir werden auf der BlizzCon sehen, wie Blizzard das macht. Vielleicht rasten dann wieder PC-Fans für 5 Minuten aus „Oh Gott, sie bringen Warcraft zurück“, bevor sie merken: „Oh, da sind ja Handys eingeknipst.“

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