Tian wurde aus dem Nichts zum LoL-Weltmeister – Karriere begann mit Traum

Der LoL-Profi Gao „Tian“ Tian-Liang (19) ist 2019 Weltmeister geworden und war der wertvollste Spieler im Finale als Jungler. Er erzählt, wie seine Karriere in der League of Legends begann: Mit einem Traum, als er 15 war, und mit Age of Empires.

Wer ist das? Noch vor einem Jahr kannten nicht mal Hardcore-Experten Tian. Der war Ersatz-Jungler für Suning, einem Team in der 2. Chinesischen Liga. Ohnehin ist Tian erst 19, hatte also noch kaum Zeit sich einen Namen in LoL zu machen.

Im Dezember 2018 wechselte Tian zu FunPlus Phoenix. Die waren 2018 nur Fünfte in China geworden und erfanden sich gerade neu. Mit einem Kader von eigentlich schon gescheiterten oder ziemlich unbekannten Spielern dominierte FunPlus Phoenix plötzlich die chinesische Profi-Liga und gewann letztlich die Worlds 2019.

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Hier bekommt die Tian die Auszeichnung als Finals MVP. Bildquelle: Inven

Dabei glänzte der erst 19-jährige Tian mit konstanten Weltklasse-Leistungen im Jungle von LoL. Er nahm nacheinander die Welt-Elite auf der Jungle-Position auseinander, darunter Broxah von Fnatic und Jankos von G2 Esports. Tian führte sein Team zum Sieg. Er wurde sogar zum Finals MVP gekürt.

Karriere startete mit einem Traum

Das ist die Geschichte von Tian: Tian erzählt auf „ThePlayerstribune“ die Geschichte, wie er zum eSport-Profi wurde. Die Begeisterung fürs Gaming wurde früh durch seinen Vater geweckt. Der war selbst Gamer. Tian sah dem Vater zu, wie der Age of Empire spielte, als Tian selbst erst 6 Jahre alt war. Nach und nach durfte Tian selbst ran.

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Lee Sin war der Held, den Tian 3-mal im Finale gegen G2 Esports spielte.

Aber eigentlich war die Idee, LoL-Profi zu werden, weit weg. Tian sagt: Wie alle chinesischen Kinder war er intensiv mit seiner Ausbildung beschäftigt; alles drehte sich um die Schule. Viele in seiner Familie waren Ärzte und auch für ihn war vorgesehen, dass er Doktor werden sollte – eine Idee, die Tian überhaupt nicht gefiel.

Der einschneidende Moment kam im Frühling 2015. Tian war 15 Jahre alt und spielte die ganze Zeit League of Legends. Er war gut, sogar sehr gut, aber die Idee, Profi zu werden war noch immer weit weg.

Zu der Zeit war der chinesische Jungler Ming „Clearlove“ Kai von EDward Gaming das große Vorbild Tians. Nach dem richtete er sein eigenes Spiel aus.

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Ming „Clearlove“ Kai, über Jahre ein Weltklasse-Jungler für EDward Gaming – mittlerweile Head Coach dort.

Clearlove konnte:

  • Ein Spiel carriern, wenn er musste – das Spiel an sich reißen und mit starken Plays entscheiden
  • Aber er konnte auch den Teamplayer machen und mit guter Kommunikation unterstützen und andere in Szene setzen, wenn das gefragt war

EDward Gaming mit Clearlove im Jungle spielte im Mai 2015 das „Mid-Season Inviational“ in Tallahassee, Florida, und Tian sah jedes Match „seiner“ Mannschaft. Die gewannen sogar fast jedes Spiel, abgesehen von einem Match in der Gruppenphase gegen SKT1, das koreanische Spitzenteam um Superstar Faker. Das galt damals als nahezu unbesiegbar.

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Faker war auch 2015 schon der „unkillable Demon King.“

Im Finale trafen EDward Gaming und SKT1 dann erneut aufeinander. Tian sagt, er war in der Nacht vor dem Finale so aufgeregt, dass er vom Finale träumte. Das war damals nicht wirklich ungewöhnlich für ihn, er spielte so viel LoL bis spät in die Nacht, dass er häufig von der League of Legends träumte.

Tian träumte die MSI-Finals gingen bis ins Spiel 5. Beim Draft schnappte sich Clearlove dann Evelynn und gewann am Ende.

Als die Serie am nächsten Tag dann wirklich lief, ging die Serie bis zum Match 5 und tatsächlich wählte Clearlove den Champion Evelynn aus und EDward Gaming gewann das MSI-Turnier.

Tian sagt: Von dem Tag an wusste er, dass er LoL-Profi werden würde. Seine Mutter und Verwandten hielten von der Idee nichts, aber in seinem Vater hatte er einen Verbündeten gefunden, der ihn unterstützte und die Mutter überzeugen konnte, dass der Sohn ein professioneller LoL-Spieler werden würde.

Ich weiß nicht, wie er das geschafft hat … aber er hat es geschafft.

Tian

Und wenn das mit der LoL-Karriere nichts werden würde, konnte Tian ja immer noch studieren und Arzt werden.

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Evelynn – von ihr träumte Tian.

Rückschlag mit 18

Wie lief es dann? Tian landete 2017 in der „LDL“, der 2. chinesischen LoL-Liga bei den Young Miracles, die als Nachwuchs-Schmiede gelten. Dort kommen einige exzellente Spieler her. Tian sagt denn auch:

Meine Karriere startete gut, ich tingelte durch ein paar Teams und hatte ordentlichen Erfolg.

Tian

2018 spielte Tian für Suning in der 2. Liga, hatte hier aber eine schwierige Zeit. Sie verloren 3 Spiele in Folge mit Tian als Jungler, also rotierte er aus der Aufstellung, währenddessen Midlaner Knight zum Star des Teams wurde.

Knight war genauso alt wie Tian und die beiden waren befreundet. Tian sagt, er gönnte seinem Freund den Erfolg, aber er war auch neidisch, denn für ihn lief es überhaupt nicht gut. Er saß jetzt auf der Bank, während ein anderer Jungler für ihn startete.

Der neue Star von LoL hatte die Karriere schon beendet – Aber seine Frau sah das anders

Tians Karriere schien schon beendet, bevor sie losgegangen war. Tian sagt, er wurde depressiv, konnte nicht mehr schlafen und wurde von Ängsten geplagt. Er sah keine Zukunft mehr für sich in der League of Legends. Nach einem enttäuschenden Saison-Ende bei Suning war Tian am Boden, dann aber kam das Angebot, bei einem Probetraining für FunPlus Phoenix mitzumachen.

Das Team war zu der Zeit nicht sonderlich gut, aber es war ein Neuanfang, eine Chance.

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Die Aufstellung von FunPlus Phoenix. Mit DoinB (Mitte links) und Tian (Mitte rechts) im Zentrum.

Tian sagt:

„Ich hätte auch ohne Gehalt für FPX gespielt. Ich hätte alles getan, was es gebraucht hätte. Alles, was ich immer wollte, war es der Welt zu zeigen, was für ein Spieler ich sein kann.“

Die Zeit bei FunPlus Phoenix lief dann viel besser als erwartete. Tian sagt:

So langsam begriff ich, Mann wird sind gut. Ich meine, richtig, richtig gut.

Tian

Tian glaubt, die Spieler bei FunPlus Phoenix verbinde es, dass alle schon irgendwie mal aussortiert waren, als gescheitert galten und auf eine neue Chance hoffen mussten.

Letztlich gewann FunPlus Phoenix die Worlds und Tian konnte es kaum fassen, dass er jetzt in Paris saß und Weltmeister war, während er ein Jahr zuvor bei Sunning auf der Bank gesessen hatte.

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Er wurde zum entscheidenden Partner für Tian: Der Midlaner Doinb.

Das steckt dahinter: Die Weltmeisterschaft von FunPlus Phoenix 2019 ist ungewöhnlich. Normalerweise gewinnen Teams, die über Jahre oben mitspielen und sich nach und nach verbessern.

FunPlus Phoenix wurde erst Ende 2017 gegründet, spielte 2018 dann kaum eine Rolle im professionellen LoL.

2019 setzten sie alles auf den koreanischen Midlaner „Doinb“. Der pflegt einen unkonventionellen Stil. Er bleibt nicht auf seiner Lane, sondern ist überall zu finden. Er roamt extrem viel. Der bis dahin unbekannte Tian wurde als Jungler dazugeholt, der mit diesem ungewöhnlichen Spielstil klarkommen könnte.

Irgendwie ist FunPlus Phoenix mit diesen 2 Verpflichtungen auf Gold gestoßen: Die beiden kamen 2019 zu der Mannschaft, die 2018 nichts riss. Doch plötzlich hatte man einen explosiven Cocktail und das beste Team der Welt. Vielleicht war da wirklich etwas Vorsehung im Spiel.

Für 2020 bleibt FunPlus Phoenix in der Form zusammen und holt noch einen weiteren Weltklasse-Spieler dazu:

Sieht aus, als wird das beste LoL-Team der Welt noch stärker
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Evels
Evels
9 Tage zuvor

Immer wieder asiatische Spieler,100% Südkoreaner,Japaner und wohl auch Chinesen werden die ersten echten Cyborgs werden und in einer echten VR leben grin

(Das ist nicht rassistisch oder so gemeint!)

Oldboy
11 Tage zuvor

Von einem „NIEMAND“ zum Profi… Ist ein „MENSCH“, welcher kein Profispieler oder vielleicht ein erfolgreicher Manager ist, ein „NIEMAND“ ?

Hisuinoi
11 Tage zuvor

Ich bin zwar kein LoL-Spieler und mag sowas auch nicht.
Allerdings bin ich wirklich fasziniert von dieser Geschichte wie konsequent Tian ist.
Und wie er sich wieder gefangen hat mit den neuen Team.

Tja, heute gibt es viele Arten von möglichkeiten sein Lebensunterhalt zu verdienen.
Jeder muss einfallsreich sein wie derjenige das was er mag zum Geld machen kann.
Da soll noch jemand sagen das Arbeiten kein Spaß machen kann. smile

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