Mit der neuen Erweiterung Jenseits des Lichts schlägt Destiny 2 nun ein neues Kapitel auf – für viele Spieler ein entscheidendes. Doch wie sehen die Entwickler das Ganze? Steht und fällt das Spiel mit Beyond Light? MeinMMO-Autor Sven Galitzki hat sich mit Bungie in einem Interview darüber unterhalten.
Was hat es mit Beyond Light auf sich? Bei Destiny 2 bricht mit Jenseits des Lichts, der neuen großen Erweiterung, sowie der Season 12 nun das nunmehr 4. Jahr an. Und dabei wird sich so einiges in dem Action-MMO von Bungie ändern.
Für einige Spieler verkörpert diese neue Erweiterung dabei einen kritischen Punkt in der Geschichte von Destiny. Für so manchen steht und fällt damit die Zukunft von Destiny 2 als Spiel.
Wir haben das als Anlass genommen und in einem Interview dem Studio hinter dem Game einige Fragen zu Beyond Light sowie dessen Bedeutung für Destiny 2 gestellt.
Wer spricht im Interview? Im Gespräch standen sich Guillaume Colomb, der Narrative Lead von Bungie, sowie Sven Galitzki, Shooter-Experte von MeinMMO und passionierter Hüter, gegenüber.
Er ist Destiny-Fan der ersten Stunde und hat enorm viel Zeit in beiden Teilen des Franchise verbracht. Wenn es ein Spiel gibt, das für immer einen Platz in seinem Herzen hat, dann ist das Destiny. Doch auch unzählige Stunden in verschiedenen „Call of Duty“-Ablegern, sowie der Division- und der Battlefield-Reihe gehören zu seinem Portfolio.
Das hat uns Bungie im Interview zu Beyond Light und Destiny 2 verraten
MeinMMO: Bei Beyond Light könnte man das Gefühl bekommen, dass es sich um eine Art Neuanfang für Destiny 2 handelt, vielleicht eine Art Destiny 2.5. Es gibt einen neuen Start, eine Menge Inhalte verschwinden, aber es kommt auch zahlreicher neuer Content und viele Neuerungen hinzu. Und es handelt sich um das erste wirklich große Ding ohne Activision. Wie blickt ihr bei Bungie Jenseits des Lichts entgegen? Wie wichtig ist es für euch?
Guillaume Colomb: Ich würde sagen, dass jede neue Erweiterung wichtig ist. Definitiv. Ich würde jetzt nicht sagen, dass Beyond Light Destiny 2.5 ist, aber wir hatten eine Vision, was Destiny sein sollte – ein großes Ganzes, ein Action-MMO. Und seit sich diese Idee herauskristallisiert hat, versuchen wir jedes Mal, da immer näher heranzukommen. Und Beyond Light ist definitiv ein großer Schritt in diese Richtung. Aber es ist kein brandneues Spiel, es ist immer noch dasselbe Game, das nun aber einige Dinge besser macht. Wir kommen damit unserer Vision also näher.
Und wir haben schon einige Seasons ohne Activision gearbeitet, es ist also nicht wirklich unser erstes großes Ding ohne Activision. Man wird eine kontinuierliche Linie von Shadowkeep zu Beyond Light sehen, vieles wird besser – unter anderem die New-Light-Erfahrung. All das ist etwas, was wir selbst machen wollten.
MeinMMO: Wie ist denn die Entwicklung gelaufen? Gab es beispielsweise Probleme, wo ihr euch gewünscht hättet, die zusätzliche Power der beiden Activision-Studios zur Verfügung zu haben? Oder seht ihr eher Vorteile darin, jetzt euer eigenes Spiel machen zu können – besonders im Hinblick auf Beyond Light?
Guillaume Colomb: Ich kann dir sagen, dass das einzige Problem, was wir mit Beyond Light hatten, die große Corona-Pandemie war, die uns gezwungen hat, von Zuhause aus zu arbeiten. Das hat die Produktion von Beyond Light wirklich komplett von allem anderen unterschieden, was wir bislang gemacht haben.
Im Hinblick auf die Produktion ist es aber immer das Gleiche. Jeder große Release ist gleich – wir versuchen da immer, das bestmögliche Spiel zu machen – ob nun mit oder ohne Activision. Es ist nicht wirklich etwas, was uns wirklich direkt trifft.
MeinMMO: Wenn man einen Blick in die Community wirft, so sieht man, dass für eine Menge Spieler, besonders für viele Veteranen, jetzt im Prinzip alles von Beyond Light abhängt. Für sie steht und fällt Destiny 2 mit dieser Erweiterung. Seht ihr das genau so?
Guillaume Colomb: Du als gestandener Destiny-Spieler wirst wissen, dass jedes Jahr, in dem es eine neue Erweiterung gibt, wir immer wieder das Gleiche von der Community hören. Es ist aber nichts, worauf ich persönlich viel achte, weil wir eben jedes Mal versuchen, das bestmögliche Spiel zu machen. Wir versuchen nie, es schlechter zu machen, als wir können. Wir arbeiten stets ambitioniert und versuchen etwas herauszubringen, was möglichst vielen gefallen soll.
Dabei gehen wir auch Risiken ein, Destiny hat sich im Laufe der Jahre auch stark gewandelt. Einige Dinge kommen dabei bei Spielern gut an, andere weniger. Ich denke, auch Beyond Light ist mit einigen Risiken verbunden. Aber ich denke, wenn man Destiny liebt, wird man auch Beyond Light lieben. Und wir haben auch noch andere Erweiterungen angekündigt und sehen darin eine strahlende Zukunft für das Spiel. Wir freuen uns nicht nur auf Jenseits des Lichts, sondern auch auf das, was in den Jahren danach folgt. Wir sind bei Beyond Light nicht nervöser, nicht ängstlicher, als bei anderen großen Releases in der Vergangenheit.
MeinMMO: Aus deiner eigenen Perspektive – was sind die 3 wichtigsten Änderungen von Beyond Light im Vergleich zum bisherigen Stand von Destiny 2?
Guillaume Colomb: Ok, das erste ist definitiv Stasis. Das hat große Auswirkungen auf den Spieler und die Sandbox. Und es ist wirklich aufregend und spaßig, zu spielen – im PvE aber auch im PvP. Wir sind schon sehr gespannt, welche Wege die Spieler entdecken werden, Stasis zu nutzen, an die wir nicht gedacht haben.
Was ebenfalls großen Einfluss haben wird, ist die Content Vault. Ich glaube aber nicht, dass Spieler die damit einhergehenden Vorteile schon unmittelbar spüren werden, weil sie mit Beyond Light erstmal hauptsächlich sehen, wie Inhalte verschwinden. Da wird man sich einige Seasons in Geduld üben müssen. Dann kommt beispielsweise die Gläserne Kammer zurück. Und uns selbst hilft das für die Zukunft ungemein, um sich beispielsweise auf bestimmte Geschichten zu konzentrieren. Denn wir können nicht überall und für jeden Geschichten erzählen. Sich so fokussieren zu können, wird eine große Änderung, die aber definitiv helfen wird.
Und was damit noch unmittelbar zusammenhängt, ist New Light 2.0. Es ist eine massive Verbesserung. Wir bringen das Kosmodrom zurück, es gibt eine Menge Nostalgie. Ich denke, Spieler werden sich wirklich freuen, diese Location zu sehen und dadurch auch etwas besser verstehen, welche Möglichkeiten die Content Vault bietet. Die New-Light-Erfahrung, die wir mit Shadowkeep auf die Beine stellten, war das Beste, was damals möglich war. Es war aber auch etwas, was wir unbedingt weiter verbessern, woran wir unbedingt noch weiterarbeiten wollten. Und nun haben wir einen neuen Charakter – Shaw Han. Wir haben eine, ich will nicht sagen Kampagne, aber ein paar Missionen und Quests, die neue Spieler wirklich an die Welt von Destiny heranführen.
Das sind Dinge, die uns dabei helfen werden, in Zukunft bessere Geschichten und Erweiterungen fertigzustellen.
MeinMMO: Wo wir gerade von Nostalgie sprechen: Wie viel Nostalgie können wir noch erwarten? Schließlich umfasst die Content Vault auch alle Inhalte aus Destiny 1. Und wir wissen bereits, dass irgendwann der Raid „Die Gläserne Kammer“ zurückkommen wird.
Guillaume Colomb: Ich glaube nicht, dass wir da einen spezifischen Plan für die nächsten Jahre haben. Wir sind da noch bei Möglichkeiten. Wir haben selbst einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, was die Content Vault letztendlich werden und was sie umfassen sollte. Jetzt schauen wir auf die Storys und den Content, von dem wir denken, dass er für Spieler am interessantesten ist. Ich denke also nicht, dass wir da eine Roadmap für den Content haben, aber es liegt so gut wie alles auf dem Tisch, wenn wir das Gefühl haben, dass es das Richtige für das Spiel ist.
MeinMMO: Destiny 2 New Light, also die Free-to-Play-Erfahrung bekommt zwar einen neuen Anfang, aber verliert auch viele Inhalte. Gibt es Pläne, diesen Verlust etwas abzufangen? Möglicherweise kommende neue Inhalte? Gibt es Pläne, New Light wieder auszubauen?
Guillaume Colomb: Die New-Light-Erfahrung ist eine interessante Sache. Wir wollen nicht, dass es im Hinblick auf die Zeit zu groß ist. Denn Destiny ist ein Spiel, das man mit seinen Freunden spielt. Und wenn man einen Freund hat, der sagt: „Hey, lass mal Destiny ausprobieren“, dann will man nicht, dass dieser erst X Stunden spielen muss, bevor ihr dann zusammen losziehen könnt.
Wir müssen also die richtige Länge finden. Und mit dem ersten New Light haben wir etwas zu viel herumprobiert. Diesmal haben wir es (den Anfang) länger gemacht und dort die Spieler stärker an die Hand genommen. Nun werden wir schauen, wie die Spieler darauf reagieren. Es könnte in Zukunft also noch einige Änderungen geben, aber wir wollen keine riesige Kampagne mehr haben, wie es beispielsweise bei „Red War“ der Fall war, die 15-20 Stunden dauerte. Das war viel zu viel.
MeinMMO: Wie wollt ihr neue Spieler an weitere wiederkehrende Inhalte aus Destiny 1 heranführen? Die meisten von ihnen dürften nicht wissen, wie all die Sachen ins Spiel passen – beispielsweise mit dem „Vault of Glas“-Raid. Ist da etwas abseits des neuen Anfangs für geplant?
Guillaume Colomb: Ich denke, neue Spieler werden zu Destiny kommen, weil sie an Destiny selbst interessiert sind. Es gibt viel Nostalgie für alle Destiny-1-Spieler, aber das ist etwas, dessen sich neue Spieler gar nicht bewusst sein dürften. Wenn es um neue Spieler geht, versuchen wir also, primär zu sehen: Was ist Destiny heute? Dazu machen wir die bestmögliche Einführung mit New Light. Und der Content, der zurückkommt, der richtet sich eher an Veteranen – wie die Vault of Glas. Wir schauen dann, ob dieser Content ins Spiel passt. Wie beispielsweise beim Mond in Shadowkeep. Dort brachten wir den Mond zurück, aber dieser war Teil der aktuellen Story. Veteranen haben diesen geliebt, weil er zurückkam. Neue Spieler konnten ihn als neuen Schauplatz entdecken. Es kommt also darauf an, wo wir in der Zukunft eine Geschichte erzählen wollen.
MeinMMO: Was ist das Aufregendste, worauf sich neue Spieler in Destiny 2: Beyond Light freuen können?
Guillaume Colomb: Wie gesagt, ich denke, für neue Spieler wird Destiny an sich interessant sein. Ich glaube dabei, dass kein anderes Spiel ein solches Action-MMO-Feeling erzeugt – als Hobby, mit eigenen Ritualen. Viele Spiele versuchen da mitzuhalten, aber wir beweisen immer noch: wir sind noch da. Wie du schon sagtest, jedes Jahr haben einige immer wieder das Gefühl „Oh, vielleicht ist jetzt das Jahr, in dem Destiny 2 nicht mehr erfolgreich sein wird“. Doch jedes Jahr sind wir mit Liebe und Talent dabei und erschaffen einige neue Dinge, die Spieler halten können, aber auch neue Spieler bringen – auch solche, die immer wieder zurückkommen wollen. Genau dieser besondere „Action-MMO-Shooter“-Aspekt ist es, worauf sich neue Spieler freuen können. Stasis ist auch cool, dürfte aber keine neuen Spieler anziehen. Das ist eher etwas für aktive Spieler.
MeinMMO: Wo wir davon sprechen: Was sind die 3 spannendsten Dinge, auf die sich Veteranen und bestehende Spieler in Beyond Light freuen können?
Guillaume Colomb: Ja, definitiv Stasis. Wie schon erwähnt, das wird eine große Änderung der Sandbox, auf die sich Spieler freuen dürften. Und sie werden überrascht sein, auf welchen Wegen sie Stasis einsetzen können.
Dann natürlich noch die Rückkehr der fremden Exo und von Variks. Wenn man Destiny 1 gespielt hat, dürfte man viele offene Fragen zu diesen Charakteren haben und in Beyond Light werden wir viele davon beantworten. Es wird zwar weiterhin einige Geheimnisse geben aber wir sprechen beispielsweise viel darüber, wer die Fremde ist, wo sie herkommt und was sie will.
Und als letztes auch die ganzen Mysterien rund um den neuen Schauplatz Europa und Clovis Bray. So ist der neue Raid zum Beispiel die Tiefsteinkrypta, die seit Langem ein großes Mysterium für Veteranen verkörpert. Dort wird es viele Geschichten geben. Und nochmal: wir werden nicht alle Geheimnisse lüften. Es wird noch viel im Spiel sein, was man entdecken kann.
MeinMMO: Ok, Meine letzte Frage und ich mach’s auch kurz: Gibt es irgendwelche Pläne über das Jahr 2022 hinaus? Nach der 3. geplanten Erweiterung von Destiny 2? Du musst nicht ins Detail gehen. Wird es da immer noch ein Destiny geben?
Guillaume Colomb: Das ist schwer, zu planen (lacht). Aber ich kann dir eins sagen: Wenn wir an Storys denken, dann schauen wir jetzt schon auf Witch Queen und Lightfall [2. und 3. Erweiterung nach Beyond Light]. Aber wir blicken auf Lightfall nicht nach dem Motto: Ok, dann sind wir mit Destiny 2 fertig. Und machen jetzt etwas anderes. Es wird mehr Geschichten über Destiny 2 nach Lightfall geben.
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Guillaume Colomb, der sich für uns die Zeit genommen hat. Und nun seid ihr gefragt:
Wie blickt ihr auf Destiny 2: Beyond Light? Seid ihr jetzt zum Release dabei? Oder wartet ihr erstmal auf Reviews und entscheidet danach? Falls ihr wirklich tiefer in die Story von Beyond Light eintauchen wollt, empfehlen wir euch die komplette Vorgeschichte zu Beyond Light – Endlich Zeit für Erklärungen
Übrigens, wir werden den Release und die Inhalte von Beyond Light sowie der Season 12 hier auf MeinMMO intensiv begleiten und dazu täglich mehrere Artikel bringen – ob nun News, Specials, Guides oder Analysen. Falls ihr rund um Destiny 2 stets auf dem aktuellsten Stand sein wollt, könnt ihr MeinMMO gerne regelmäßig einen Besuch abstatten.
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