MeinMMO-Autor Marko Jevtic hat Battlefield 2042 lange verteidigt. Das Spiel habe viele große und schwerwiegende Fehler, aber im Kern sah er lange Zeit einen grundsoliden Shooter, der nur etwas Feinschliff benötigt. Inzwischen ist er aber fest davon überzeugt, dass hier nichts mehr zu retten ist. Und das nicht nur, weil das Spiel Probleme hat.
Noch nie habe ich ein so großes Desaster im Gaming gesehen, wie Battlefield 2042. Anthem, Lawbreakers, Battleborn, Crucible, Hyperscape – diese Shooter-Flops waren übel, ihr Scheitern vorhersehbar. Aber Battlefield 2042 setzt dem ganzen die Krone auf.
Dabei habe ich das Spiel zum Release sehr gemocht. Ich habe Battlefield 2042 verteidigt, vorsichtig empfohlen, und vor allem einfach gern gezockt. Das Grundgerüst war gut, fand ich, es braucht nur Feinschliff. So wie Battlefield 4 damals.
Doch nach fast 6 Monaten glaube ich nicht mehr daran, dass das Spiel jemals sein Potenzial ausschöpfen kann. Im Gegenteil: Nach 6 Monaten voller falscher Entscheidungen, PR-Desastern und mangelhaften oder gar fehlenden Updates bezweifle ich, dass hier noch irgendetwas zu retten ist.
Alle Bemühungen der Entwickler, egal wie gut und ernst gemeint sie sind, werden versanden. Denn nicht nur hat das Spiel fundamentale Probleme, die man nicht einfach so ausbügeln kann; das Vertrauen der Spieler ist komplett verschwunden, und damit auch die Spieler auf den Servern. Dabei ist insbesondere wichtig, dass das Zutrauen auf eine so unfassbare Art und Weise verloren gegangen ist, dass Battlefield 2042 kaum noch als Spiel bewertet werden kann.
Battlefield 2042 spielt sich nicht so grauenvoll, wie getan wird
Als der Trailer zu Battlefield 2042 herauskam, war ich sofort begeistert: Gezeigt wurden Dinge, Battlefield und die Community ganz besonders machen; Dinge wie C4-Fahrzeuge, Rendezooks, Unwetterkatastrophen von einem gigantischen Ausmaß. Es war, als wollte DICE zeigen: Wir kennen die Fans ganz genau, und werden ihnen genau das liefern, was sie wollen.
Als das Spiel dann letztendlich spielbar war, war von diesen Versprechen nicht viel zu erkennen. Die Probleme von Battlefield 2042 sind bekannt: Die Maps sind viel zu groß und grausam langweilig, die Spezialisten fühlen sich nicht an wie Battlefield, die launigen Sprüche der Charaktere beißen sich auf lächerliche Weise mit dem ernsten Ton, den insbesondere der „Fingernagel-auf-Tafel“-Soundtrack erschaffen will.
Und trotzdem habe ich das Spiel gemocht. Die ersten Wochen nach Release habe ich viele Stunden reingesteckt und hatte viel Spaß. Ich hab mich gefühlt, wie einer der wenigen Leute, die das Spiel tatsächlich gern spielen.
Auch, wenn ich mit der Meinung so ziemlich alleine stehe, aber ich mag die Spezialisten. Die haben sich war nicht angefühlt „wie Battlefield“, aber sie spielten sich gut. Der Name war da eigentlich trügerisch: Keiner der Spezialisten hatte eine in Stein gemeißelte Rolle, die einen bestimmten Spielstil erzwungen hat.
Stattdessen sind die Spezialisten so designt, dass man sie sehr flexibel einsetzen kann. Die Heilerin Falck etwa kann passiv gespielt werden und aus der Distanz ihre Kameraden heilen, oder durch ihre Selbstheilung extrem aggressiv.
In meinen Spielen hatte ich auch das Gefühl, dass andere Spieler ihre Rollen dank den Spezialisten ernster nehmen. Es schien mir so, als würden mich die Falcks und Angels aus Battlefield 2042 häufiger wiederbeleben, als die Sanitäter auf den alten Battlefield-Teilen.
Das Plus-System mit den jederzeit austauschbaren Waffenaufsätzen finde ich weiterhin genial, denn es hat weiter den Fokus auf Flexibilität gelegt. Battlefield-Puristen dürften diese Änderungen nicht gefallen haben, aber ich hatte tierisch Laune mit diesem Level an möglicher Improvisation.

Und wenn ich mit den Kollegen aus der Redaktion Tarek, Maik und Benedict gespielt habe, hatten wir unglaublich spaßige Runden, bei denen all diese Spielsysteme nahezu perfekt zusammen harmoniert haben. Ja, das Spiel hatte schon immer gewaltige, fundamentale Probleme. Nein, die Maps waren als Ganzes nie gut. Aber ich hatte trotzdem viel Spaß, weil selbst ein schlechtes Battlefield immer noch ein guter Shooter sein kann.
Deshalb habe ich Battlefield 2042 damals auch auf die Liste der 15 besten Online-Shooter in 2022 gesetzt. Manche MeinMMO-Kollegen waren dagegen – die Stimmung rund um das Spiel war schon wenige Wochen nach dem Release einfach zu schlecht, die Probleme zu offensichtlich. Aber ich fand, dass manche Ideen in dem Spiel wirklich gut funktionieren und dass die Entwickler in Teilen wirklich gute Arbeit geleistet haben.
Doch was seitdem passiert ist, hat mich diesen Platz in der Bestenliste überdenken lassen. Der Shooter taucht auch nicht mehr in dem Ranking auf. Und das hat nur bedingt etwas mit dem Spiel an sich zu tun.
Die Monate nach Release waren so peinlich, dass man sich nicht mehr davon erholen kann
Seit Monaten sinken die Spielerzahlen von Battlefield 2042 auf ein tragisches Level. Auf jede schlechte Entscheidung folgte eine desaströse Kommunikation, die Geschichten rund um das Spiel wurden immer skurriler. Hier eine kleine, unvollständige Auswahl:
- EA sagte, Battlefield 2042 sei dank elitären PC-Spielern und dem frühen Release von Halo Infinite gescheitert
- Cheat-Anbieter haben das Spiel aufgegeben, weil es so mies läuft.
- In Südafrika konnte eine Person die Spielerschaft der ganzen Region „als Geisel nehmen“.
- Hunderttausende Spieler verlangten mit einer Petition ihr Geld zurück.
Und obwohl Spieler teilweise 100 € hingeblättert haben für 4 Seasons in einem Jahr, ist dieses Service-Spiel fast 6 Monate immer noch in „Season 0“. Das GaaS-Modell funktioniert in Battlefield 2042 sogar so schlecht, dass der In-Game-Shop nicht einmal ein einziges Item verkauft hat.
Die ersten Monate von Battlefield 2042 waren eine unglaublich peinliche Verkettung von Ereignissen, Entscheidungen und Geschichten. Ganz unabhängig davon, wie gut das Spiel an sich sein kann oder mit mehr Feinschliff sein könnte – diese Darbietung war auf allen Leveln so derartig desaströs und blamabel, dass man sich davon einfach nicht mehr erholen kann.
EA könnte die kompetentesten Entwickler und die smartesten PR-Leute ans Steuer setzen, und mit der Krönung von Vince Zampella als neuen Battlefield-Boss haben sie das auch bereits versucht. Aber wie sollen selbst lobenswerte Verbesserungen wie ein endlich brauchbares Scoreboard, tatsächlich gut spielbare und interessante Maps oder ein Zurückrudern bei der erhöhten Spielerzahl im Match davon ablenken, dass über Monate so ziemlich jeder Fehler begangen wurde, den man begehen kann?
Keine Änderung, kein Update, kein Umdenken wird Battlefield 2042 wieder geradebiegen können. Denn inzwischen ist es nicht mal mehr das Gameplay, was dem Spiel das Genick gebrochen hat. Es sind die peinlichen Darbietungen rund um das Spiel, die über Monate hinweg mit unfassbarer Regelmäßigkeit immer und immer wieder übertroffen wurde, die das Spiel haben absaufen lassen.
Als Battlefield 2042 etwa wochenlang von einer unbegreiflichen PR-Katastrophe in die nächste rutschte, bewarb der offizielle Twitter-Account einen freischaltbaren „Tactical Beanie” für den nervigsten Spezialisten im Spiel.
Die wenigen Spieler, die Battlefield 2042 noch spielen, machen sich im In-Game-Chat nur noch lustig. Über die massenhaft Bugs, über die lachhaften Skins, über den fehlenden Content, über die nervigen Sprüche der Spezialisten und die unbedachten Aussagen von bemitleidenswerten Entwicklern.
Selten hat man einem Spiel so sehr angemerkt, dass ein Aktienportfolio da steckt, wo das Herz stecken sollte. Dummerweise hat es das Spiel nicht einmal geschafft, Skins zu verkaufen. Battlefield 2042 ist kaum noch ein Spiel, es ist eine Slapstick-Comedy.
Keine Entscheidung der Welt wird dafür sorgen können, dass man den Shooter auch wieder in erster Linie als Shooter sieht, statt als eine Verkettung von blamablen Schlammasseln. Diesen Karren kann man nicht mehr aus dem Schlamm zu ziehen, ganz egal, was man tut. Hier hilft nur noch ein kompletter Neustart.
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