Die beste Alternative zu Fallout von Amazon ist ein Comic mit einem radioaktiven Skelett

Image Comics Geiger Ground Zero 2 Cover Zoom

Es gibt viele postapokalyptische Storys, sei es in Filmen, Serien, Spielen oder auch Comics. Ein Cover war so gut, dass sich MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes die Geschichte eines verstrahlten Typs angeschaut hat – es ist eine der besten Alternativen zu Fallout.

Um welche Story geht es? Comics gibt es nicht nur von Marvel oder DC, es gibt viele weitere Verlage, die auch mal ungewöhnliche Geschichten veröffentlichen. Als ich mal wieder im Comicladen meines Vertrauens war, stieß ich auf Geiger. Das Cover zeigte ein grün leuchtendes Skelett mit 2 Brennstäben und einem zerrissenen Cape. Was soll ich sagen, ich habe es mir gekauft.

Nach dem Lesen bin ich völlig begeistert, weil es nicht einfach nur eine tolle Alternative ist, wenn man auf die 3. Staffel von Fallout wartet – es übertrifft die Serie sogar an einigen Stellen.

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Der offizielle Trailer zu Fallout Staffel 2 führt uns zurück in die Apokalypse

Irgendwie ein Superheld, irgendwie auch nicht

Die Prämisse von Geiger ist die einer klassischen Postapokalypse. Zwei Menschen im Strahlenschutzanzug erzählen sich die Geschichte von Tariq Geiger, der zum Mythos wurde. Kurz bevor Tariq mit seiner Familie in einen Atomschutzbunker gehen wollte, wird er aufgehalten und muss draußen bleiben, um seine Familie zu retten.

Statt durch die Strahlung zu sterben, absorbiert er sie und wird zu einem lebenden Reaktor. Ohne Brennstäbe, die in seinem Rücken stecken, würde er immer instabiler werden, bis er explodiert. Zieht er sie heraus, wird er zu einem grün leuchtenden Skelett mit übermenschlichen Fähigkeiten.

Seine einzige Aufgabe scheint zu sein, auf den Bunker seiner Familie aufzupassen, der verschlossen bleibt, bis es draußen wieder sicher ist. Sein tristes Leben wird aber durch zwei fliehende Kinder durcheinandergebracht.

Geiger stammt aus der Feder von Geoff Johns. Er war zwischen 2016 und 2018 der kreative Chef bei DC Comics und ist vor allem als Autor diverser Green Lantern-Geschichten wie Blackest Night bekannt. 2021 schrieb er Geiger für Image Comics. Die Geschichte zeichnete Gary Frank, der unter anderem diverse Hulk-Geschichten für Marvel zeichnete, aber auch für Figuren wie Batman oder Superman als Künstler arbeitete.

Geiger bietet sehr viel, was man aus der Fallout-Welt mag, aber hat einen eigenen schönen Touch, der die Geschichte trotzdem eigenständig wirken lässt.

Absurd, aber auch menschlich

Neben der tragischen Geschichte von Geiger selbst hat der Comic auch absurde Schurken und Nebenfiguren. So gibt es einen König von Las Vegas, der die Stadt wie ein mittelalterlicher König regiert. So sind seine Soldaten Ritter mit Rüstungen. Dann gibt es noch eine Mafia-Chefin, die alles wie in den 1930er-Jahren regelt.

Was ich an Geiger sehr schön finde, ist, dass die Absurdität nie die Tragik der Geschichte übertrifft. Die Postapokalypse ist kein ironisch-gefährlicher Ort, sondern ein trauriger, in dem Menschen nur überleben wollen. Besonders effektiv ist dabei Geiger als Hauptfigur.

Er ist nicht einfach nur der heldenhafte Typ, der seine Familie beschützen will, er muss sich einer dramatischen Wahrheit stellen. Auch konzeptionell ist er spannend: Geiger wurde durch die Waffe erschaffen, die die gesamte Erde zerstört hat. Das ist aber kein Geschenk, mit dem er Gutes tun kann, es ist eine Bürde – auf thematischer und emotionaler Ebene.

Damit übertrifft er für mich den Ghul aus der Fallout-Serie, weil Geigers Handeln nicht mit Flashbacks erzählt wird, sondern subtil innerhalb der stattfindenden Geschichte. Obwohl er noch außerweltlicher aussieht als der Ghul, ist er emotional greifbarer. Das hat mich nach der 2. Staffel von Fallout voll abgeholt.

Das gilt für die gesamte Welt von Geiger. Menschliches Miss- und Vertrauen und das Kernthema Überleben stehen im Fokus. Entscheidungen sind moralisch ambivalent und stellen auch mich als Leser vor schwierige Fragen – ohne dabei zu schwerfällig oder kompliziert zu sein.

Geiger verpackt eine dystopische Thematik in ein angenehmes Leseerlebnis, ohne plakativ oder zu absurd zu sein, und das ist eine starke Leistung. Dabei habe ich noch gar nicht über die Zeichnungen gesprochen.

Zeichnungen voller menschlicher Emotionen

Gary Frank schafft es als Zeichner, die Emotionen der Figuren richtig effektiv darzustellen. Trauer, Wut, aber auch Abscheu sind so detailliert, dass man vergisst, dass man Bilder betrachtet. Gleichzeitig schafft er es, eine Ehrfurcht vor Geiger und der zerstörten Erde zu erzeugen. Das liegt auch an den Farben, insbesondere Grün und Gelb, vom Koloristen Brad Anderson.

Die sind nicht dunkel, aber auch nicht klassisch bunt oder farbig. Beim Ansehen fühlt sich die Welt wirklich giftig an, weil die Farben gefährlich leuchten.

Als letzten Punkt muss ich die Charakter-Designs loben. Die verkörpern die Persönlichkeit der verschiedenen Figuren gut und sind auch stilsicher. So nimmt man Las Vegas ab, dass ein irrer König dort regiert. Allen voran ist aber Geiger natürlich das Highlight. Was man aus der Idee eines grün leuchtenden Skeletts zaubert, ist wirklich beeindruckend.

Wie kann man Geiger lesen? Ich habe Geiger vom deutschen Verlag Cross Cult in der Hardcover-Variante gelesen. Die ist schick, recht groß, wovon die Panels profitieren, und vor allem die Papierqualität gefiel mir gut. Darin sind die Einzelhefte 1 bis 6 enthalten, somit ein guter Einstieg – für einige Regale ist der Band aber recht sperrig.

Ansonsten gibt es einzelne Volumes auf Englisch von Image Comics, falls ihr lieber Softcover-Comics lest. Zusätzlich dazu gibt es auch deutsche und englische digitale Varianten, falls ihr keine Probleme damit habt, am Handy oder am Tablet zu lesen. Warum sich digitale Abos zu Comics lohnen können, erfahrt ihr hier: Ich habe keine Lust mehr, auf einen Film von Marvel und DC zu warten – Dank zwei Abos kann ich die besten Comics einfach am Handy lesen

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