Ghost Recon Breakpoint war zum Release im Oktober 2019 ein dicker Flop für Publisher & Entwickler Ubisoft. MeinMMO hat sich die Militär-Simulation nochmal angesehen und stellt fest: Der Soldaten-Spielplatz ist jetzt ein richtig guter PvE-Shooter.
Was ist Breakpoint? Der Taktik-Shooter aus dem Hause Ubisoft spielt im Ghost-Recon-Universum und versetzt euch auf die fiktive Pazifikinsel Aurora. Das Eiland ist der Hauptsitz der fiesen Organisation “Skell Technology”, die aus der Insel einen Standort für die Erforschung und Produktion ihrer todbringenden Drohnen gemacht hat.
Unglückliche Umstände und Raketenbeschuss führen dazu, dass ihr herausfinden wollt, was da auf dieser Insel überhaupt los ist. Hinzu kommt ein klassisches Rachemotiv, da ein alter Kamerad einige Mitglieder eures Ghost-Teams bei der Ankunft exekutiert hat.
Die zivilen Anwohner nehmen euch bei sich auf und ihr startet in einer großen Open-World mit der Infiltrierung feindlicher Gebiete, um die Pläne von “Skell Technology” aufzudecken und an euren Racheplänen zu arbeiten. Als Soldat der Spezialeinheit “Ghosts” seid ihr dabei auf das unauffällige Eindringen in gegnerische Basen spezialisiert und die Spielwelt bietet euch unzählige einzigartige Umgebungen, um selbstgeplante, unauffällige Angriffe durchzuführen.
Dafür habt ihr ein riesiges Arsenal an lootbaren Waffen und freischaltbaren Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung, um eure Taktiken zu verfeinern und sie genau auf die Kampfsituation und eure Pläne anzupassen.
Seht hier den Gameplay-Launch-Trailer von Breakpoint:
Breakpoint war ein dicker Flop für Ubisoft
Was war das Problem von Breakpoint zum Release? Der Taktik-Shooter kam im Oktober 2019 als AAA-Titel auf den Markt und sollte als 11. Teil der Ghost-Recon-Reihe an den Erfolg des Vorgängers Wildlands (2017) anknüpfen. Doch es kam anders und nach einem halbwegs vernünftigen Release stellte sich das Spiel als großer Flop für Ubisoft heraus. Auf Metacritic fiel der Shooter im User-Score zwischenzeitlich sogar auf 2.2 von 5 Punkten auf dem PC, fiel also bei vielen Spielern durch.
In einem Finance Call kurz nach dem Release von Breakpoint erklärte der CEO von Ubisoft, Yves Guillemot, die drei großen Probleme von Breakpoint:
- Der Titel erschien zeitlich zu nah am jahrelang weiterentwickelten Wildlands
- Neue Gameplay-Elemente müssen sich perfekt ins Spiel einfügen – die angepeilte Zielgruppe lehnte aber viele Neuerungen ab
- Dazu kam, dass Breakpoint trotz einiger Neuerungen zu wenig Unterschiede zum Vorgänger bot
Nach der Analyse erkannte Ubisoft ganz ähnliche Probleme beim Loot-Shooter “The Division 2”, der ebenfalls unter den finanziellen Erwartungen blieb. Ubisoft änderte danach wohl seine Strategie und kündigte auch für 3 große Veröffentlichungen Verschiebungen an.
Die Entwickler stellten dann einen 5-Schritte-Plan vor, mit dem Breakpoint gerettet werden sollte. Seit der Ankündigung sind knapp eineinhalb Jahre vergangen und Breakpoint steht Gameplay-technisch nun tatsächlich um einiges besser da als zum Release. Das “Ghost Recon” ist jetzt ein richtig starker PvE-Shooter und MeinMMO zeigt euch, wie Ubisoft das geschafft hat.

Ubisoft versprach umfassende Weiterentwicklung – Und hielt Wort
Wieso ist Breakpoint jetzt deutlich besser? Die Entwickler setzten in der Zeit seit dem Release viel Feedback der Fans um und machten das Spiel so Schritt für Schritt besser. Als größte Änderungen sind zu nennen:
- Es gibt nun KI-Begleiter, die jederzeit aktiviert und deaktiviert werden können
- Ihr könnt jetzt entscheiden, ob ihr mit oder ohne Loot-System spielen wollt
- Umfassende Anpassungsmöglichkeiten eurer Erfahrung – in Sachen Schwierigkeit, aber auch der Spielwelt im allgemeinen
- Die Gegner sind nun fairer und klüger, was sich deutlich beim lautlosen Infiltrieren einer Basis bemerkbar macht
Hilfreiche KI-Begleiter
Was bringen die KI-Begleiter? Breakpoint gibt euch jetzt eine mies gelaunte Truppe mit voll anpassbaren KI-Begleitern an die Hand, die euch bei euren Aufträgen unterstützen. Jeder einzelne ist optisch komplett anpassbar wie die eigene Spielfigur und kann frei mit Waffen ausgestattet werden.
Je nach Waffe verhalten sich die Kollegen auch anders. Ein Scharfschütze wird sich weiter entfernt vom Feind positionieren als ein Kamerad mit einer Schrotflinte. Ihr könnt dem Team zudem Anweisungen geben, wie “geht da hin”, “sammelt euch bei mir” oder “Position halten”. Auch Simultan-Schüsse sind möglich – markiert ihr einen Feind für einen gemeinsamen Schuss, suchen sich die NPC-Soldaten eine gute Position mit freiem Schussfeld und geben Bescheid, sobald sie bereit sind.
Das funktioniert richtig gut und ist besonders für Solo-Spieler eine tolle Erweiterung, um Basen der Feinde ohne aufzufallen leerzuräumen – wie ein echter Trupp Ghosts.
Optionale Abschaltung des Loot-Systems
Kann man das jetzt komplett ohne Loot-Level spielen? Zum Release war Breakpoint fast mehr Open-World-Loot-Shooter als ein Taktik-Shooter. Alle Waffen hatten eine Waffen-Stufe und Seltenheiten, was einige gefundene Gegenstände besser machte als andere. Mit steigendem Level musste man so immer wieder nachrüsten, um den höherstufigen Feinden gewachsen zu sein.
Diese “Weiterentwicklung” kam aber nicht bei jedem gut an und mit der “Immersiven Erfahrung” könnt ihr dieses System nun komplett ausschalten. Hier gibt es keine Seltenheiten, keine Waffen-Level und ihr könnt von Anfang an genau das spielen, worauf ihr Lust habt.
Zudem lassen sich Loot- und Immersiv-Modus für die Spielstände ändern. Wollt ihr heute in einer Solo-Runde ein wenig Level-Loot mit euren KI-Kumpels sammeln, dann müsst ihr morgen mit euren Freunden nicht dieselben Einstellungen wählen. Ihr könnt euren Speicherstand auf “Immersiv” umstellen und hier loslegen.
Große Anpassungsmöglichkeiten an fast allen Gameplay-Schrauben
Wie sehen die Anpassungsmöglichkeiten aus? Zum Start des Shooters war einiges an Rollenspiel und selbst auferlegten Beschränkungen nötig, um das Erlebnis taktischer und etwas mehr Richtung “Hardcore” zu gestalten. Wie so ein Rollenspiel funktionieren konnte, habe ich kurz nach dem Release auf MeinMMO festgehalten.
Hier wünschte sich die Community aber mehr Einstellungs-Möglichkeiten, um die Erfahrung an ihre eigenen Vorstellungen anzupassen. Ohne dauernd darauf achten zu müssen, dass sich alle Mitspieler an die Beschränkungen halten.
Und Breakpoint lieferte. Ob Gegner-Verhalten, die Eigenschaften der eigenen Spielfigur oder das Interface – ihr könnt über die Einstellungen euer Breakpoint-Abenteuer selbst gestalten und anpassen. Ein paar Beispiele:
- Nur eine Hauptwaffe ist erlaubt, weil das eher der Realität entspricht
- Es soll nachts richtig dunkel werden, damit ihr eure Nachtsicht-Ausrüstungen braucht
- Rest-Munition in euren Magazinen geht beim Nachladen verloren
- Einfache Spritzen sollen keine Verletzungen mehr heilen
Darüber hinaus bieten euch die “Weltparameter” Anpassungen der Spielwelt. In der “normalen” Breakpoint-Erfahrung kommen euch auf dem Weg über die Insel Aurora ständig Patrouillen entgegen oder ihr müsst euch vor Drohnen verstecken. So konnte jederzeit und plötzlich das totale Chaos ausbrechen, wenn man das Pech hatte, von Aufklärungseinheiten entdeckt zu werden. Diese Elemente galten eher als störend in dem taktischen Shooter und können nun fast komplett deaktiviert werden.
Obendrauf gibt es Event-Modifikatoren. Seit dem Release liefen 2 Live-Events (das dritte startete am 21. Januar 2021), die besondere Mechaniken in die Spielwelt brachten. Darunter ein Crossover-Event mit dem Terminator-Franchise (via GameStar).
Nach dem Ende eines Events habt ihr zwar jetzt keinen Zugriff mehr auf die Belohnungen des Live-Events, doch dafür auf die besonderen Mechaniken. Wenn ihr wollt, könnt zum Beispiel fiese Terminator-Robos durch eure Spielwelt laufen lassen, für die ihr besondere Waffen braucht, um sie zu legen. Die Kämpfe bringen ordentlich Action in den sonst auf Ghost-Taktiken angelegten Shooter.
Überarbeitete Gegner-KI führt zu spannenderen Infiltrationen und Kämpfen
Wieso funktionieren die lautlosen Kämpfe nun besser? Breakpoint brachte bei fast jedem größeren Update seit Release Verbesserungen für die KI der Gegner ins Spiel. Das fing an mit der Überarbeitung von fehlerhaften Laufwegen, ging dann aber auch weiter, mit kleineren und größeren Anpassungen bei ihrem generellen Verhalten.
So werden zum Beispiel bei einer Sabotage des Storm-Generators einer Basis die Feinde nur noch “Verdacht schöpfen” und nicht mehr direkt “Besorgt sein”. Das führt dazu, dass sich weniger Feinde an einem Ort sammeln und so zu einfachen Zielscheiben für eure Ghosts werden. Hier betrieben die Entwickler über viele Monate Fein(d)-Tuning.
Zudem ist das Verhalten bei Entdeckung nun fairer. Statt bei einer Entdeckung über scheinbar telepathische Verbindungen dem Rest der Basis sofort Bescheid zu geben, dauert es jetzt einen Moment, bis die NPCs über Funk ihre Lage mitteilen. Je nach Alarmzustand habt ihr dann noch 0,2 – 1 Sekunde Zeit, um den Gegner an der Übermittlung zu hindern. Auch die unnormal zielgenauen Mörser haben jetzt eine nicht mehr ganz so absurde Trefferquote.
Im Kampf gehen vielen NPCs zudem jetzt die Kugeln aus. Feinde haben nun Nachlade-Animationen, die ihr für einen Angriff nutzen könnt, während die Gegner eine Feuerpause einlegen müssen. Der direkte Angriff einer Basis ist aber weiterhin nicht so spaßig. Hier zeigt die KI noch immer Schwächen und schickt euch nach und nach die alarmierten Feinde auf den Hals, die einer nach dem anderen in euren schussbereiten Lauf rennen.
Großer Spielplatz für Fans von offenen Gefechten – Solo & Koop
Was macht Breakpoint besonders? Breakpoint setzt euch einen riesigen Soldaten-Spielplatz mit unzähligen Points-of-Interest und vielen gegnerischen Basen vor die Nase, die nur darauf warten, von euch erkundet und/oder leergeräumt zu werden. Alle Aktivitäten im Spiel könnt ihr dabei Solo oder mit maximal 3 Mitspielern angehen.
Der Taktik-Shooter hat eine weitgehende Story, unzählige Waffen und Aufsätze, einen PvP-Modus zur Abwechslung, viele Anpassungsmöglichkeiten für das Aussehen eurer Spielfiguren und einen Haufen Gadgets, die euch bei der unentdeckten Infiltration helfen.
Ihr könnt euch dabei vom Spiel führen lassen, damit ihr immer genau wisst, wo es hingeht. Oder aber ihr geht komplett euren eigenen Weg, helft der örtlichen Bevölkerung und entdeckt nach und nach, was in der Spielwelt “Aurora” so vor sich geht. Ihr geht einfach raus, setzt euch ein Ziel und infiltriert stundenlang alles, was sich auf dem Weg als Interessant herausstellen könnte.
Als Endgame-Content bietet Breakpoint zudem Raids, die auf vier Spieler ausgelegt sind. Diese besonders harten PvE-Aktivitäten fordern euch alles ab und stellen die größte Herausforderung im Spiel dar. Mittlerweile könnt ihr die Raids sogar Solo angehen. In einem Solo-Run trefft ihr zwar nicht auf die dicken Bosse, dafür bringt der Solo-Raid aber seine eigenen Herausforderungen mit.

Breakpoint schließt eine Lücke zwischen normalen und Hardcore-Shootern
Für wen lohnt sich der Shooter? Für Fans der Ghost-Recon-Reihe könnte sich der Blick nun lohnen. Breakpoint galt schon zur Beta als gutes Spiel, aber schlechtes Ghost-Recon, was besonders an dem Loot-System lag, das für viele damals nicht in den Taktik-Shooter passte.
Dadurch, dass ihr euch jetzt entscheiden könnt, ob ihr das System im Spiel haben wollt, fällt dieser Kritikpunkt komplett weg. Ihr müsst eure Lieblingswaffen zwar erst looten und manche Ausrüstungen freispielen, doch Waffen-Farben und -Level fallen weg. Und falls ihr es doch probieren wollt, könnt ihr das Lootfest jederzeit wieder aktivieren.
Fans von Open-World-Shootern kommen auch auf ihre Kosten. Spielern von Borderlands, The Division 2, Rage 2 oder Mad Max, vielleicht sogar Destiny 2, sollten sich den Titel mal anschauen – wenn ihr euch mit dem realistischen Setting arrangieren könnt. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ihr lieber Solo oder im Koop unterwegs seid.
Wenn ihr auf realistische Militär-Simulationen steht und vielleicht mal was Neues probieren wollt, könnte Breakpoint auch etwas für euch sein. Durch die großen Anpassungsmöglichkeiten könnt ihr das Spiel auf eine Hardcore-Schwierigkeit bringen, die euch einen großen PvE-Spielplatz in einer Soft-Science-Fiction-Welt liefert.
Ghost Recon Breakpoint ist oft schon günstig zu bekommen und Fans von PvE-Shootern sollten sich den Titel auf jeden Fall mal ansehen. Schlagt aber bei einem Sale zu oder besorgt euch eine günstige Disc-Version – Vollpreis solltet ihr für Breakpoint nicht mehr zahlen.
Fazit: Stundenlanger, selbstbestimmter Open-World-Spielspaß
Das Konzept hinter Breakpoint hat mich schon zum Release fasziniert und funktioniert nach den umfassenden Überarbeitungen endlich richtig gut. Man setzt sich einen Punkt auf der Map und grast unterwegs alles ab, was spannend aussieht. Dabei können viele Stunden Spielspaß entstehen, die durch Koop-Kumpel noch versüßt werden.
Am Anfang war es aufgrund der schlechten Gegner-KI und der direkten Alarmierung der kompletten Basis bei Entdeckung manchmal sehr frustrierend, das feindliche Gebiet unauffällig zu infiltrieren.
Nun schaffen es selbst unerfahrene Ghosts mithilfe der KI-Kameraden, komplette Basen ganz allein auseinander zu nehmen. Und wenn es schwerer sein soll, dann bietet das Spiel genügend Regler und Einstellungen, um das Erlebnis anzupassen und für Veteranen interessant zu machen.
Breakpoint spielt sich nun deutlich runder und berechenbarer. Es ist jetzt der große Soldaten-Spielplatz, den es zum Release bieten wollte, aber nicht konnte. Für PvE-Spieler mit Shooter-Ambitionen ist das Spiel jetzt definitiv eine dicke Empfehlung. Besonders, weil es mittlerweile auf allen Plattformen günstig zu haben ist.

Maik Schneider
Freier Autor bei MeinMMO
Breakpoint hat seit dem Release ein paar kräftige Schritte nach vorn gemacht und wird auch noch weiterentwickelt. Besonders im Koop-Modus und mit ein paar ordentlichen Mitspielern liefert der Taktik-Shooter ein paar spannende Abenteuer.
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