Wie Bethesda gestern angekündigt hat, wurden die sehnlichst erwarteten Titel Starfield und Redfall auf 2023 verschoben. Damit fehlen Microsoft 2 wichtige Exklusiv-Spiele für die Xbox und den Game Pass. Lohnt es sich dann überhaupt noch, den Game Pass zu abonnieren? MeinMMO-Autor Marko Jevtic gibt eine Einschätzung.
Wie Bethesda gestern mitgeteilt hat, erscheinen die Titel Starfield und Redfall nicht wie angekündigt noch 2022, sondern erst 2023. Starfield ist das nächste Spiel der Skyrim-Entwickler, Redfall ein Vampir-Koop-Shooter von den Machern von Dishonored und Deathloop.
Mit Spielen befasst er sich nicht nur bei MeinMMO: Er promoviert aktuell in den Game Studies und gibt als Dozent an mehreren deutschen Universitäten Seminare zur Gaming-Geschichte und aktuellen Entwicklungen in der Industrie.
Beide Spiele wurden sehnlichst erwartet, die Verschiebung enttäuscht viele dementsprechend sehr. Doch diese Ankündigung hat die wohl größten Konsequenzen für Microsoft.
7,5 Milliarden Dollar hat Microsoft nämlich Berichten zufolge ausgegeben, um den namhaften Publisher Bethesda mit allen Spielen und verwandten Entwicklerstudios zu besitzen.
Starfield und Redfall waren also zweifellos die wichtigsten Spiele für Microsoft im Jahr 2022. Jetzt kommen sie nicht mehr.
Was das für Xbox-Spieler allgemein und Game-Pass-Abonnenten insbesondere bedeutet, klären wir hier auf.
Mehr zu der angekündigten Verschiebung erfahrt ihr hier:
Der Game Pass verliert wichtige Titel für 2022
Die Verschiebung von Starfield und Redfall kam plötzlich. Eine wirkliche Überraschung war diese Ankündigung für viele Spieler allerdings nicht.
Von Starfield gab es bisher eigentlich nur Concept Art zu sehen, von Redfall immerhin geleakte Gameplay-Szenen. Dass Spiele ohne bisher vorgestelltes offizielles Gameplay doch nicht in etwa 6 Monaten erscheinen, war also vorherzusehen.
Doch insbesondere Starfield ist für viele Spieler in der Gaming-Community ein mit Spannung erwarteter Titel. Viele erhoffen sich von dem Titel eine Art „Skyrim in Space,” und das letzte Elder-Scrolls-Spiel für Singleplayer-Fans kam vor über 10 Jahren raus.
Genau mit diesen Erwartungen hat Bethesda auch absichtlich gespielt: Der Release von Skyrim war der 11.11.11. Der ursprünglich angepeilte Release von Starfield der 11.11.22.
Hier seht ihr Starfield in einem Trailer:
Zu dieser Geschichts-Wiederholung kommt es jetzt nicht. Das ist nicht nur traurig für alle Romantiker. Skyrim ist immernoch ein großer Hit bei Gamern, gehört im Game Pass zu den beliebtesten Spielen. Dass der indirekte Nachfolger jetzt deutlich später kommt, entwertet den Game Pass und seine Versprechen ordentlich.
Denn dass die ganzen großen AAA-Releases von Microsoft am Release-Tag über den Abo-Service spielbar sind, ist eines der größten Verkaufsargumente für den Game Pass. Doch der letzte große, exklusive Titel von Microsoft für den Game Pass war Halo Infinite – das war im Dezember 2021.
Nicht nur hat der Shooter gerade selbe große Probleme, der voraussichtlich nächste große Exklusivtitel von Microsoft kommt erst 2023. Dementsprechend gibt es über ein Jahr lang keinen großen Exklusiv-Knaller mehr, mit dem Microsoft den Abo-Dienst bewerben kann. Und das trotz großer Einkaufstour von Gaming-Giganten wie Bethesda, Obsidian und Activision Blizzard.
Der Game Pass bekommt damit wohl nur Third-Party-Titel und Indie-Spiele. Das ist in der Summe zwar weiterhin ein sehr gutes Angebot für den Preis. Doch egal wie fantastisch Indie-Games wie Tunic oder Unpacking sind, die zum Release im Game Pass landen – sie sprechen bei weitem kein so breites Publikum an wie „Skyrim in Space.“
Dabei hat Microsoft gerade aus der Game-Pass-Veröffentlichung von Starfield ein richtig großes Ding gemacht:
Kurios: Microsoft bringt genauso viele Spiele exklusiv für PS4 und PS5 wie für Xbox
Journalist Jeff Grubb hat eine weiteren, skurrilen Nebeneffekt dieser Verschiebung erwähnt. Bevor Microsoft Bethesda aufgekauft hat, hatte der Skyrim-Publisher bereits Exklusiv-Verträge mit Sony für die Spiele Deathloop und Ghostwire: Tokyo.
Die beiden Bethesda-Spiele sind Konsolen-exklusiv für die PS4 und PS5 erschienen und gibt es aktuell nicht auf der Xbox. Microsoft selbst hat in den letzten 9 Monaten mit Halo Infinite und Forza Horizon 5 nur 2 exklusive Spiele für die Xbox herausgebracht hat.
In anderen Worten: Microsoft wird zwischen dem Ende von 2021 und dem Ende von 2022 voraussichtlich genauso viele PS-Spiele wie Xbox-Spiele auf den Markt gebracht haben.
Weder Deathloop noch Ghostwire: Tokyo sind dementsprechend auch im Xbox Game Pass, obwohl sie von Microsofts Bethesda kommen. Das schmerzt Xbox-Fans gerade bei Deathloop – dieses gefeierte Spiel hat eine Wertung von 88 auf Metacritic und sogar eine seltene 10/10 von IGN bekommen.
Der Game Pass ist 2022 eine Zusammenfassung vom Gaming-Markt
Was man bei all diesen Einordnungen aber festhalten muss: Der Game Pass selbst ist da nur Kollateralschäden von einem größeren Trend in der Gaming-Industrie. Denn es wirkt immer mehr so, als wäre dieses Jahr im Gaming so ziemlich tote Hose.
Egal ob Diablo 4, Overwatch 2, Starfield und Redfall, The Day Before oder der Nachfolger zu Zelda: Breath of the Wild – der Gaming-Kalender 2022 leert sich immer mehr und mehr.
Dazu haben fast alle beliebten Service-Games aktuell Probleme. Egal ob in CoD Warzone oder Destiny 2, diese Art von langfristig gedachtem Spiel hat entweder eines der beiden Probleme oder sogar beide zusammen:
- Spieler erwarten eine stetige Content-Flut, bekommen stattdessen unregelmäßige Inhalts-Tröpfchen.
- Die neuen Inhalte können nicht überzeugen.
Dieser Thematik widmen wir uns auch im Podcast:
Den Spielern bleibt also letztendlich nicht viel Auswahl. Wer 2022 seine Zeit mit Zocken verbringen möchte, hat im Grunde nur 3 Möglichkeiten:
- Ihr spielt die Service-Games trotz Enttäuschungen weiter.
- Ihr durchforstet euren Spiele-Backlog oder packt alte Lieblinge wieder aus.
- Ihr spielt die beliebtesten Indie-Games oder macht euch auf die Suche nach Geheimtipps.
Und genau da kann der Game Pass von Microsoft wieder voll und ganz glänzen. Denn auch wenn Microsoft vor allem mit den neuesten AAA-Titeln wirbt: Spieler lieben den Game Pass auch, weil er so viele gute Games abseits vom Mainstream anbietet.
Egal ob Koop-Hits wie It Takes Two, Indie-Lieblinge wie Outer Wilds oder auch alte Klassiker wie Skyrim – der Game Pass hat für jeden etwas im Angebot
Der Game Pass wird 2022 also zum Mikrokosmos des gesamten Gaming-Jahres: Indies werden viel wichtiger und können sich trotz merkwürdigen Konzepten leichter durchsetzen und viele Fans finden. Auch Lieblingsspiele aus der Vergangenheit werden wieder öfter rausgekramt. Wer allerdings auf die neuesten AAA-Kracher wartet, der wird dieses Jahr wohl enttäuscht.
Brandheiße AAA-Spiele werden in 2022 so unwichtig wie wohl noch nie zuvor. Und das, obwohl gerade die großen Einkäufe von AAA-Studios seit Monaten in der gesamten Industrie ein gigantisches Thema sind.
Fazit: Der Game Pass ist immer noch ein guter Deal, aber aus anderen Gründen
Ist der Game Pass also durch die Verschiebung von Starfield und Redfall plötzlich schlecht geworden? Nein, auf keinen Fall.
Ganz im Gegenteil: Man kann dafür argumentieren, dass der Game Pass gerade durch diese Gaming-Dürre mit dem großen Angebot überzeugen kann. Dazu kann man mit dem Abo-Service unzählige Spiele ohne weitere Kosten ausprobieren. So kann man vielleicht sogar sein neues Lieblingsspiel entdecken, ganz risikofrei.
Allerdings verliert die Marke „Xbox“ selbst durch die Umstände deutlich an Wichtigkeit und Prestige. Man nutzt den Game Pass an Xbox oder PC nicht für Microsoft-Games, sondern für die Spiele aller anderen Publisher und Entwickler.
Das ist für Microsoft sicher ein bitterer Nebeneffekt. Spieler allerdings können dank Game Pass leichter denn je auf diese große Gaming-Flaute reagieren und weiter ihre Freizeit mit neuen Games füllen.
Der Game Pass ist auf PC und Xbox-Konsolen für je 9,99 € monatlich verfügbar. Der Game Pass Ultimate gibt euch Zugriff auf PC- und Konsolen-Spiele und kostet monatlich 12,99 €. Mit von uns vorgestellten Deals kriegt ihr den Game Pass aber noch günstiger.
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