Bei Destiny 2 gilt für viele Spieler seit Jahren, dass Bungie ihr Spiel primär nach den Wünschen von Twitch-Streamern und YouTubern entwickelt. Ein Community-Manager wehrt sich jetzt gegen die Vorwürfe der Hüter.
Der allgemeine Tenor in der Community ist, dass sich Bungie nur an den Bedürfnissen und Wünschen der oberen 1 %, also der Destiny-Elite, orientiere. Damit sind vor allem die großen Twitch-Streamer und YouTuber wie Gladd (im Titelbild) im PvE oder PvP-Profs wie IFrostbolt gemeint.
Die alte Klage kocht jetzt erneut hoch. Diesmal wehrt sich Bungie aber gegen die Vorwürfe. Und kontert auch die Aussage, dass die Devs ihr eigenes Spiel nicht zocken würden.
Dieser Vorfall schürt das Feuer: Auf reddit erhitzt ein Post gerade die Destiny-Community. Dort heißt es konkret, dass Bungie-Mitarbeiter darauf verzichten sollten, Trials mit Streamern zu spielen.
Denn so würden sie mal ein besseres Verständnis vom Game bekommen, weil sie nicht immer durchgezogen werden von bekannten Gesichtern, die sich einschmeicheln wollen – so die Kritik. Der Post vom 22. Februar 2021 hat nach knapp einem Tag 9.400 Upvotes und in mehr als 1.200 Kommentaren diskutieren die Hüter.
- Der Top-Kommentar, mit 7.300 Upvotes und zahlreichen Awards, schlägt vor, dass die Bundie Devs sich doch mal zusammen tun sollen und selbst als Trupp einen Fuß in die Trials setzen sollten.
- So würden sie mal spüren wie es ist, als “normalen” Hüter gleich im ersten Match gegen 3 makellose PvP-Asse mit ihren Brandneuen Meister-Trialswaffen anzutreten.
- Das ganze könnte man ja dann streamen, damit die Zuschauer die Gesichter sehen, wenn die Devs 5 Runden am Stück gnadenlos verdroschen werden oder Gegner bekommen, die so wenig Spaß haben, dass sie sich von der Map stürzen.
Die User nutzen den Anlass, um über den “miserablen Zustand” der Trials, vom PvP generell und Destiny 2 als Ganze herzuziehen.
Ich will nicht, dass das als “Bungie hört nur auf Streamer” verstanden wird
Für Bungie springt der Community Manager Dylan “dmg04” Gaffner in die Bresche. Der fühlte sich offenbar auch mit den Vorwürfen mit Streamern zusammenzuspielen direkt angesprochen.
Was sagt der Bungie-Mitarbeiter? Gaffner bedankt sich erst fürs Feedback und holt dann aus. Er spielt gerne mit Hütern, die sich im wöchentlichen Rhythmus mit den Trials rumschlagen, Builds bauen und diskutiert mit ihnen [den Streamern] auch außerhalb er Trials-Matches über den Zustand des Spiels.
Aber er möchte das nicht als “Bungie hört nur auf Streamer” verstanden wissen. Daher entgegnet er weiterhin:
Wir sammeln täglich Feedback – nicht nur von Leuten in unseren Foren, auf reddit oder Twitter, sondern auch im direkten Gespräch mit Freunden und anderen Mitarbeitern.
Wer sich die Historie von Gaffner genauer anschaut bemerkt, dass er seit Jahren ein begeisterter PvP-Spieler ist. Auf Twitter feiert er regelmäßig seine Erfolge – auch ohne Streamer.
Auch in anderen Bereichen von Destiny 2 zeigt sich der Community Manager oft. Der Vorwurf, Bungie Mitarbeiter würden ihr eigenes Spiel nicht zocken, trifft in diesem Fall also definitiv nicht zu.
- MeinMMO-Autor Philipp Hansen hat Gaffner sogar zufällig über die offizielle App getroffen und mit ihm die heroische Menagerie kurz nach ihrem Erscheinen unsicher gemacht (via Twitter).
- Die aktuell angesagte Waffe Letzter Dollar ist extrem selten. Das hat auch Gaffner am eigenen Leib bemerkt und so ans Bungie-Team weitergegeben. Die schauen sich nun die Drop-Chancen an.
Der Retter von Destiny 2 erfüllt Wünsche: Der Wunsch, dass sich die Bungie Devs doch mal ohne Streamer-Unterstützung in die Trials begeben sollen und dafür von Top-Streamern überrannt zu werden, ist übrigens wahr geworden.
Joe Blackburn gilt als der neue starke Mann bei Bungie und soll der neue Destiny-Retter sein. Doch als er in den Trials ZK Mushroom und FrostBolt über den Weg lief, war da nicht viel zu retten.
Immerhin twitterte Blackburn die Niederlage selbstironisch und konnte sogar ein paar Kills gegen das Gegnerteam verbuchen:
Als prägend dafür, dass Bungie-Mitarbeiter ihr eigenes Game nicht zocken, gilt ein qualvoller Einsatz vom legendären Deej. Der mittlerweile ausgeschiedene Community Manager erlebte 2015 einen schlimmen Stream, als er live das Gefängnis der Alten spielte. Dort starb er oft, woran er auch nach dem Stream oft erinnert wurde.
Die Vorwürfe sind nicht neu
In der Community hat sich seit Jahren fest verwurzelt, dass Bungie bei der Ausrichtung von Destiny zu sehr auf die Streamer oder Content Creator hört. Viele Hüter haben das Gefühl, dass ein paar prominentere Gamer zu viel Einfluss haben, dass Bungie denen quasi auf den Leib programmiert.
Die Meinung der großen Mehrheit wird nicht entsprechend gewürdigt. Das lesen wir auch in den Kommentaren auf MeinMMO immer wieder. Wenn Bungie zu sogenannten Community Gipfeln lädt, sitzen da fast nur bekannte Größen – auch der deutschsprachige Nexxoss Gaming. Aber eben zu wenige Alltags- oder Feierabend-Hüter.
Das sagen die Verteidiger: Neben den Kritikern gibt es auch Fans des Spiels, die überhaupt keine Probleme mit den Content Creatorn haben:
- Manche sagen, dass sich Content Creator, die tagtäglich viele Stunden Destiny zocken, halt besser auskennen und Probleme in einem größeren Rahmen erkennen. Es sei richtig, wenn man sich an der Spitze orientiert.
- Andere Hüter meinen, dass nur weil die Streamer laut sind, ihre Probleme doch nur einen kleinen Teil der Spieler betreffen. So ein lautes Luxusproblem hatte Gladd, der sich mit der Aussage, der Raid sei zu leicht gehörig in die Nesseln setzte: Destiny 2: Twitch-Streamer sagt elitäres Zeug zum Raid – Bereut es bitter
- Auf reddit machen sich manche User auch darüber lustig, dass man immer schnell sagen kann “Die Streamer sind schuld” und so eine bequeme Ausrede für alles hätte.
- Wieder andere tun die Kritik an den Streamer als Hass oder Eifersucht ab.
Hört Bungie wirklich nur auf Streamer?
Es gibt über die ganze Lebensspanne von Destiny 2 zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass Bungie sich an einer breiten Masse von Spielern orientiert. Wir haben euch ein paar wenige herausgesucht.
- Der Launch von Destiny 2 war sehr erfolgreich, ihm ging aber schnell die Puste aus. Im Nachhinein gilt hier die Auffassung, dass Bungie sich hier nahezu nur an Casuals orientiert hat und das Destiny 2 quasi ein Jahr lang viel zu leicht war.
- Ihr habt damals gefordert, Destiny muss wieder schwerer werde – ihr wolltet nicht mehr alles geschenkt haben.
- Streamer wie Gladd leben davon, wenn es Aufgaben gibt, die “normale” Hüter kaum bewältigen können. Wenn Streamer an die Schmerzgrenze gehen und so lange an einem Rätsel sitzen, bis Bungie sie ins Bett schicken muss.
- In den richtigen Trials gibt es jetzt Beutezüge, die die sonst so seltenen Items für alle erreichbar machen – auch wenn diese sich dafür durchsterben müssen. Das gilt vielen wieder als zu “casual-freundlich”.
Habt ihr den Eindruck, dass Bungie sich zu sehr an einer kleinen Anzahl von reichweitenstarken Streamern oder YouTuber orientiert und so die Mehrzahl der treuen Hüter aus den Augen verliert? Denkt ihr, dass die Devs ihr spiel selbst spielen und vor allem verstehen? Sagt es uns doch in den Kommentaren.
Die Destiny-Entwickler mussten kürzlich zu einem anderen Problem Stellung beziehen: Bungie entschuldigt sich für verbotenes Nazi-Schlagwort in Destiny 2
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