Einige bezeichnen Patch 9.1 “Ketten der Herrschaft” als besten Patch für Final Fantasy XIV. Dabei handelt es sich bei Ketten der Herrschaft aber um den neuesten Patch für World of Warcraft: Shadowlands. Wie passt das zusammen und warum zieht es gerade so viele Spieler zu Final Fantasy?
Worum geht es überhaupt? In WoW ist gerade für viele Spieler die Luft raus. Wie üblich stellte sich nach dem Release von Shadowlands im November 2020 irgendwann der Alltag ein und das Warten auf den nächsten Patch begann. Nach sieben Monaten, und damit deutlich später als üblich, erschien dann am 30. Juni 2021 der lang erwartete und herbeigesehnte Patch 9.1 “Ketten der Herrschaft” (Chains of Domination).
Doch der Patch konnte anscheinend vielen Spieler weder den Unmut über die aktuellen Entwicklungen in WoW nehmen, noch die Wogen zwischen Blizzard und ihnen glätten. Ein Teil der Spieler ist inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem man sich nach einer Alternative zu WoW umsieht. Und einigen kommt da Final Fantasy XIV gerade recht.
Das MMORPG von Square Enix erfreut sich gerade großer Beliebtheit. FFXIV bricht Rekorde auf Steam und war kurzzeitig sogar so gefragt, dass keine digitalen Codes mehr herausgegeben wurden.
Final Fantasy XIV als sicherer Hafen für ehemalige WoW-Spieler?
Was passiert gerade zwischen WoW und XIV? Aktuell mehren sich insbesondere auf YouTube Videos und auf reddit Kommentare, von WoW-Spielern, die zu Final Fantasy XIV abwandern wollen oder das bereits getan haben. Die Google-Suche “leaving wow for ffxiv” liefert viele aktuelle Treffer zu dem Thema.
Über die unterschiedlichsten Kanäle haben sich WoW-Spieler, die aktuell Final Fantasy ausprobieren zu ihren Erfahrungen und Gründen für den Wechsel geäußert.
Wie ist die Stimmung auf reddit? Auf reddit zeigen sich ehemalige WoW-Spieler begeistert von dem Spiel und der Community:
- So schreibt Nutzer HarryPopperSC: “[…] Es ist verrückt, aber es hat die Art und Weise verändert, wie ich an das Spiel herangegangen bin, wie ich die Geschichten gelesen habe, wie ich tatsächlich mit zufälligen NPCs sprechen wollte und wie ich einfach nur gechillt habe, wie ich das Spiel entdeckt habe, wie ich all die anderen coolen Systeme kennengelernt habe und nicht nur, wie man der beste und effizienteste PVE-Spieler ist. Ich kann ehrlich gesagt nicht erklären, wie großartig ich mich fühle. Es kann so einfach und ich bin mir nicht sicher, wann/warum ich aufgehört habe, Spiele auf diese Art zu spielen […]”
- Reddit-Nutzer Acegundam117 schreibt: “[…] Im Großen und Ganzen hat mich WoW schon seit einer Weile wegen der Community enttäuscht, also war ich auf der Suche nach etwas Neuem, das Spaß macht. Also beschloss ich, auf den Zug aufzuspringen und FFXIV auszuprobieren und, oh man, bin ich wieder glücklich […]”
- Phantomx_Destiny schreibt im Subreddit von Asmongold: “FFXIV wird mit jeder Erweiterung besser und man weiß zu 100 %, was man wann bekommt […] und WoW bleibt entweder gleich, wird schlechter oder verbessert sich manchmal in einigen Teilen und wird in anderen schlechter (Eine Sache in der wow immer besser sein wird als FF ist PvP).”
Wie ist die Stimmung auf Twitter und Facebook? Auch auf Twitter und Facebook schreiben Spieler über ihre Erfahrungen mit Final Fantasy und über Fehler, die Blizzard mit WoW aktuell macht:
- User Paul P. schreibt auf Facebook: “Der toxische WoWler meldet sich wieder. Holy moly, ich muss meine erste Erfahrung in FFXIV nun auch in dieser Gruppe teilen: […] Bin einfach überwältigt! Die knapp 4 Stunden waren wirklich einzigartig. Was für eine Community – seit knapp 10 Jahren hab ich sowas nicht mehr gesehen […].”
- Auch auf Facebook kritisiert Nicholas O. die WoW-Community: “Ich bin vor kurzem zu FFXIV gekommen, nachdem ich über 15 Jahre lang regelmäßig WOW gespielt habe. […] Dein persönlicher Wert wurde durch Item-Lvl bestimmt, nicht durch deine Fähigkeit zu spielen oder wie freundlich (man) war. […] Insgesamt sind sie tausendmal einladender und hilfsbereiter, freundlicher als bei WOW.”
- Twitter-User @XGC_REPO schreibt: “Die Geschichte ist erstaunlich. All die Dinge, die ich in World of Warcraft vermisse, bekomme ich in FFXIV. Offiziell ein #wowrefugee. Sorry Blizzard, aber ich habe Euch alle Chancen der Welt gegeben, Eure Probleme zu beheben.”
Zusammenfassend kann man also sagen, dass WoW-Spieler, die jetzt in FFXIV einsteigen, das wohl hauptsächlich wegen der für sie neuen frischen Inhalte und der freundlichen Community tun.
Ebenfalls ein starkes Zugpferd für den Erfolg von Final Fantasy XIV ist die Story und das Storytelling, was in der Qualität mit dem neuesten Addon Shadowbringers den bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Diese Erfahrung zeigt sich auch in unserem User-Ranking zu der Beliebtheit der Erweiterungen.
Content-Creator erhöhen die Wechselbereitschaft der Spieler
Zudem probieren aktuell nach langem Zögern viele große Streamer und YouTuber an FFXIV und bringen ihre großen Communitys mit sich oder sorgen allgemein für mehr Coverage zu dem MMORPG.
Welche großen Namen probieren sich an FFXIV? Dass WoW-Spieler und YouTuber zu Final Fantasy XIV kommen ist an sich nichts Neues. So fing etwa der Streamer und Influencer Jesse Cox im letzten Jahr an zu spielen und verglich kürzlich umfangreich beide Spiele. Aber auch andere Content Creator wie Streamer Rich Campbell oder der große WoW-YouTuber Bellular befassen sich mit dem Spiel.
Die größte aktuelle Welle an neuen Spieler dürfte aber von Asmongold beeinflusst worden sein, der er am 3. Juli anfing, Final Fantasy XIV zu spielen. Seinen ersten Schritten schauten dabei über 200.000 Zuschauer zeitgleich zu.
Die Aufmerksamkeit, die er mit seinen Streams ausgelöst hat, ist einer der Gründe für das gesteigerte Interesse am Spiel.
Ein Teil der Spieler sieht viele Probleme mit Shadowlands
Warum hören Leute mit WoW auf? Aber auch der Unmut einiger Spieler über WoW dient als Grund für den Wechsel zu FFXIV. Zum Release von Shadowlands sind außerdem einige neue Systeme und Inhalte ins Spiel gekommen, die manche Spieler unzufrieden zurückgelassen haben:
- Die Menge an Beute aus Dungeons, Raids und Weltquests wurde zu Release von Shadowlands deutlich reduziert. Zwar gab es nach Release Anpassungen am Raid, doch noch immer wird darüber diskutiert.
- Die Pakte sorgten ebenfalls für Diskussionen. Insbesondere die sich unterscheidenden Belohnungen zwischen den vier Pakten und die Nützlichkeit ihrer einzigartigen Paktfähigkeiten stellten einige Spieler vor die Wahl aus “Nutzen” vs. “Ästhetik”.
- Der Grind um das Anima hat viele in der Community frustriert zurückgelassen. Die erhältlichen Mengen waren für viele zu gering und es fehlte vielen an weiteren Möglichkeiten diese zu farmen. Dass es kein accountweites Feature ist und somit Twink-unfreundlich ist, frustrierte ebenfalls.
Daneben wurde zum Beispiel der Schlund für seinen Schwierigkeitsgrad kritisiert, die Auswirkungen des Auges des Kerkermeisters, das Spieler mit immer stärker werdenden negativen Effekten belegt hat und dass man keine Reittiere nutzen konnte. Einige hielten die Umsetzung des Schlunds insgesamt für irritierend, auch wenn der Schwierigkeitsgrad gewollt war.
Welche Probleme bestehen mit Patch 9.1? Patch 9.1 ist das erste Update, das unter Homeoffice-Bedingungen geschaffen wurde, wie Game Director Ion Hazzikostas uns in unserem Interview mit ihm verraten hat. Dies könnte auch die lange Wartezeit auf den Patch erklären und dass er sich für einige Spieler “klein” anfühle.
Abgesehen von der langen, durch Covid bedingten Wartezeit zwischen 9.0 und 9.1, stören sich wieder Spieler an einigen Umsetzungen der Patch-Inhalte. So werden die Scherben der Herrschaft kritisiert, die zwischenzeitlich Frust wegen legendärer Ausrüstung ausgelöst haben. Und selbst gute “Quality of Life”-Änderungen wären zu spät und zu wenig umfangreich gewesen.
Spieler und sogar große WoW-Streamer wie Asmongold kritisierten zusätzlich, dass Blizzard eigentlich gar nicht wisse, was die Spieler wollten und die Entwickler sich regelmäßig zu jedem Addon in neuen Systemen und Features verrennen würden. Auch würden Probleme gelöst werden, die gar keine Probleme darstellen und so wertvolle Ressourcen fressen.
Der reddit-User Dragarius sieht außerdem ein Problem mit den “Time Gates”, die regelmäßig den Content künstlich strecken. Ein Beispiel dafür ist das farmen von Ruf oder die Time Gates bei den Pakten:
Ich habe WoW immer wieder aktiv und weniger aktiv gespielt (öfter aber aktiv), seit es 2004 auf den Markt kam. Aber diese Erweiterung war’s für mich. Ich bin fertig. Ich habe die Nase voll von den lächerlichen Time Gates, den riesigen, nicht enden wollenden Grinds und dem generell grenzwertig-spielerfeindlichen Gameplay sowie einer Story, mit der niemand glücklich ist.
Die Horde-Spieler hassen es, dass ihre Fraktion in Comic-Bösewichte verwandelt wurde und die Allianz hat es satt, die zweite Geige zu spielen und von der Horde als Sandsack benutzt zu werden.
Quelle: reddit
In den letzten Tagen folgte dann auch noch Kritik an der Story-Entwicklung und die Abschlusssequenz des Raids wird von der Community zerrissen. So sind über 70 % der Bewertungen auf YouTube negativ. Wir haben über das “Sylvanas-Drama” berichtet.
Ist aktuell alles schlecht an World of Warcraft? Nein, auf keinen Fall. Mit Patch 9.1 sind der neue Raid “Sanktum der Herrschaft” und der Megadungeon Tazavesh ins Spiel gekommen, die die Spieler beschäftigt halten werden. Blizzard ist für seine Encounter-Designs berühmt.
Außerdem gibt es neue Ruhmstufen und Spieler können das Fliegen in den Schattenlanden freischalten. Im PvP wurde an Talenten und Gear geschraubt und mit Korthia kommt ein neues Teilgebiet in den Schlund, das nicht unter dem Auge des Kerkermeisters leiden muss. Eine der ersten Quests in 9.1 ermöglicht es euch, dieses im Schlund komplett abzuschaffen.
Kann man die Kritik nachvollziehen? Auf ein eindeutiges Ja oder Nein wird man sich hier nicht festlegen können. Gerade auf reddit und in den WoW-Foren ist die Community gespalten in dieser Frage. Viele die Shadowlands gut finden sehen die Kritik der enttäuschten Spieler als “Rumgeheule” an.
Wird Final Fantasy XIV diese Spieler halten können?
Stirbt World of Warcraft diesmal wirklich? World of Warcraft wird seit Jahren ein mal mehr und mal weniger schnelles Sterben nachgesagt. Doch es ist unwahrscheinlich, dass es diesmal der Fall sein wird:
- In den offiziellen Foren gibt es weiterhin viele Unterstützer des Spiels. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass negatives Feedback eher kommuniziert wird, als positives.
- Die Spielerzahlen schwanken in WoW regelmäßig. Von mehreren Analyse-Seiten geschätzte Zahlen zeigen keine Unregelmäßigkeiten (via mmo-population; activeplayer)
- Spieler von MMORPGs stecken Jahre in die Entwicklung ihres Charakters und sozialer Kontakte. Diese aufzugeben, ist ein langwieriger Prozess.
WoW hat weiterhin eine sehr aktive und leidenschaftliche Spielerschaft. Daran kann auch der aktuelle Erfolg von Final Fantasy XIV nichts ändern. Dass das Spiel Probleme hat, ist aber nicht von der Hand zu weisen.
Werden Spieler WoW langfristig für Final Fantasy verlassen? Das wird sich in Zukunft zeigen. Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele aktive Spieler beide MMORPGs zum aktuellen Zeitpunkt haben und wie viele davon gewechselt haben.
Selbst beim starken Anstieg der Spieler in FFXIV durch den “Zuzug” prominenter Streamer könnte eine temporäre Trenderscheinung sein. Häufig erleben Spiele einen Hype, der dann jedoch wieder abflacht, wenn die Lieblingsstreamer der Spieler selbst nicht mehr aktiv zocken. Ein Beispiel dafür ist das Spiel Rust, das zu Jahresbeginn viel Hype auslöste. Die Spielerzahlen haben sich laut Steam Charts aber wieder beruhigt.
Die großen Stärken von World of Warcraft gegenüber von Final Fantasy liegen vor allem im Bereich der Schlachtzüge und des PvP. Die Spieler-vs-Spieler-Modi in Final Fantasy besitzen eher einen Nischen-Charakter und stehen nicht im Fokus der Entwickler, der eher auf der Story und PvE-Inhalten liegt.
Es ist aber denkbar, dass zukünftig mehr Spieler zwischen einem aktiven WoW- und einem aktiven Final Fantasy XIV-Abonnement hin und her wechseln werden. Denn die Release-Zeiträume für neue Updates liegen öfters auseinander.
Final Fantasy XIV muss also nicht unbedingt zu einer langfristigen Zuflucht für enttäuschte WoW-Spieler werden. Zumindest nicht für jeden. Gegen bestimmte Stärken von Blizzards MMORPG-Dauerbrenner kann sich Final Fantasy XIV aktuell nicht durchsetzen und auch der Stil des Spiels könnte WoW-Spieler abschrecken.
Wie seht ihr die Sache? Seid ihr vielleicht sogar ehemalige WoW-Spieler, die sich jetzt an Final Fantasy XIV probieren? Oder wart ihr zwischendurch etwa vom Verkaufsstop des Spiels betroffen? Dann teilt uns gerne eure Meinung zum Thema mit.
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