Neue MMORPGs laden dazu ein, eine unbekannte Welt zu erkunden und frische Abenteuer zu erleben. Doch MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch kann das nicht genießen, wenn er nicht zuvor in das Endgame reingeschaut hat.
Was ist so besonders an neuen MMORPGs? Neue MMORPGs haben in der Regel etwas Magisches. Man stürzt sich in eine unbekannte Welt, muss die Steuerung und das Gameplay erstmal kennenlernen und fühlt sich wieder wie ein Noob. Wie damals, als man das erste MMORPG ausprobiert hat und sich unsterblich darin verliebte.
Viele MMORPG-Fans warten jahrelang auf das eine neue Spiel, dass sie wieder so begeistert, wie damals ihr Erstes.
Was ist mein Problem? Ich bin da etwas anders. Natürlich habe ich mich in meinem ersten MMORPG – Guild Wars 1 – auch völlig hilf- und planlos gefühlt. Doch die letzten Jahre haben mich irgendwie abstumpfen lassen.
Statt neue MMORPGs in Ruhe zu erkunden und die Welt zu genießen, presche ich inzwischen so schnell es geht in Richtung Endgame. Erst später fange ich an, die Story und die Grafik wertzuschätzen, und zwar mit meinem zweiten Charakter.
Nur wenn das Endgame Spaß macht, kann ich Spaß haben
Was steckt hinter der Macke? Eigentlich bin ich ein riesiger MMORPG-Fan, doch die letzten Jahre waren gespickt mit vielen, teils auch nur persönlichen, Enttäuschungen:
- 2014 erschien das Sandbox-MMORPG ArcheAge. In das hatte ich große Hoffnungen gesteckt, doch irgendwie konnte mich das Spiel nie lange fesseln. Am Ende war es mir zu einfach zu grindig.
- 2018 galt Bless Online als großer Hoffnungsträger, enttäuschte jedoch und wurde schon 2019 wieder eingestellt.
- Legends of Aria versprach 2018 ein geistiger Nachfolger von Ultima Online zu werden, doch am Ende wirkte das ganze Spiel planlos. Inzwischen gibt es auch zu wenige Spieler, um die Welt noch richtig zu genießen.
- Das Asia-MMORPG Astellia klang 2019 vielversprechend und machte mit seinen Astels zu Beginn richtig Spaß, aber auch hier konnte mich das Endgame nicht lange fesseln.
Alle diese Spiele verbindet, dass ich besonders mit dem Endgame Schwierigkeiten hatte oder im Fall von Bless nicht mal wirklich bis ins Endgame gekommen bin, weil das Spiel mich bereits vorher verloren hatte.
Daraus entwickelte sich dann eine Macke, die ich zuletzt vor allem bei der Preview von New World, Crowfall und meinem sehr chaotischen Neueinstieg in WoW Shadowlands bemerkt habe.

Was hat sich verändert? Anstatt schon beim Leveln die Story zu genießen und die neue Welt einfach zu erkunden, bin ich in die besagten 3 Spiele mit einer ganz anderen Mentalität reingegangen:
- Ich habe nach Tipps und Tricks zum Speedleveln gesucht
- Ich bin lieber effektiv Dungeons gelaufen, statt zu questen
- Ich habe mir andere Spieler gesucht, die mit mir grindeten oder mich in bestimmten Highlevel-Zonen schnell auf das Max-Level brachten
Ich wollte unbedingt Schritte in das Endgame wagen und gucken, ob ich überhaupt langfristig Spaß an dem MMORPG haben kann. Ist das der Fall, erstelle ich mir einen zweiten Charakter und fange an, mit ihm die Story und die Welt zu genießen.
Das verrückte dabei ist, dass ich bei Weitem nicht alle Endgame-Inhalte gesehen haben muss. Mir geht es darum, einfach ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob sich der Content lohnen könnte!
Ist das so, dann fange ich bereits mit einem neuen Charakter an.
Warum ergibt das für WoW wenig Sinn? Während ich zwar von Level 1 auf 50 mit einigen guten Tipps schnell leveln konnte, funktioniert meine Methode in Shadowlands so gar nicht.
Dort muss ich mit dem ersten Charakter erst die Story der verschiedenen Zonen spielen, bevor ich sie dann mit dem zweiten überspringen kann. Um ehrlich zu sein hat mir das einige interessante Geschichten beim Spielen gekillt, als ich nebenher Netflix liefen ließ. Das Ziel war schließlich ein schnelles Level 60.
Schnupperkurse fürs Endgame in MMORPGs?
Das MMORPG Bless Unleashed, das 2021 für den PC erscheinen soll, hat ein interessante Feature. Direkt nach der Charaktererstellung werdet ihr in ein Tutorial geworfen, in dem euer Charakter jedoch das Max-Level erreicht hat. So lernt ihr direkt die wichtigsten Fähigkeiten eurer Klasse kennen.
Tatsächlich würde ich mir persönlich eine Art Demo oder Schnupperkurs fürs Endgame wünschen. Dort könnte man mit einem Max-Level-Charakter einen der Dungeons und einen PvP-Battleground betreten.
Macht mir das Spielen auf dem Max-Level dann Spaß, könnte ich mir überlegen, das MMORPG zu kaufen oder ein Abo abzuschließen und dann auch meinen ersten Charakter genießen.
Was ist für mich gutes Endgame? Mir fällt es schwer, eine genaue Definition zu treffen, oftmals ist es auch eher ein Gefühl, ob ich zu dem Spiel passe oder nicht. Positive Aspekte sind jedoch in jedem Fall:
- Gute Gruppen-Inhalte wie Dungeons und Raids, aber auch riesige Weltbosse mit vielen Spielern
- Solo-Inhalte, für die ich mich mal kurz einloggen kann
- Ein Gefühl von Fortschritt, sei es durch Erfolge oder seichten Grind
- Instaziierte PvP-Inhalte, in die ich fix rein und wieder rausspringen kann
- Regelmäßige Content-Updates, sodass es immer was zu tun gibt
Diese Kriterien erfüllen für mich Guild Wars 2, ESO und WoW derzeit am besten.
Wie seht ihr die Sache? Könnt ihr euch in neuen MMORPGs noch fallen lassen oder teilt ihr meine Sorge, dass sie im Endgame enttäuschen könnten?
Anfang des Jahres habe ich übrigens MMOs benannt, die 2021 nicht überleben werden. Welche das sind und ob ich bereits mit einem recht hatte, lest ihr hier: Ich sage voraus: Diese 6 MMOs sterben 2021
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