Böhmermann fordert Verbot von Coin Master – Behörde reagiert tatsächlich

Führt das Mobile Game „Coin Master“ Kinder in eine Glücksspielsucht? Das vermutet zumindest Jan Böhmermann in seiner Sendung Neo Magazin Royale – die Bundesprüfstelle reagieren jetzt.

Mobile-Games sind seit einigen Jahren in aller Munde und auf so ziemlich jedem Display zu finden. Doch was da von tausenden Spielern und häufig Kindern gespielt wird, das ist auf den ersten Blick nicht immer so ganz klar. In seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ hat sich der Satiriker Jan Böhmermann nun ein beliebtes Mobile-Game angeschaut und kommt zu dem Schluss: Kindern wird das Geld aus der Tasche gezogen und sie werden gezielt für Glücksspiel empfänglich gemacht.

Als Beispiel dient das Spiel „Coin Master“, das im App Store oft weit oben anzutreffen ist, zumeist auf Platz 1. Es ist also extrem beliebt.

Was ist Coin Master? Coin Master ist ein Mobile Game in niedlicher Grafik, das sich zumindest optisch klar an eine jüngere Zielgruppe richtet. Vom Spielprinzip ähnelt das Spiel vielen anderen Mobile Games. Die Spieler können eigene Dörfer errichten und die Dörfer von anderen Spielern angreifen.

Die meisten Aktionen im Spiel kosten allerdings Münzen, die namensgebenden Coins. Das Spiel ist, je nach App Store, ab 16 oder „17+“ freigegeben, war aber vor kurzem noch ohne Altersbeschränkung.

Was ist das Problem? Die Coins sind in Coin Master begrenzt. Man erhält sie vornehmlich, wenn der Spieler an einem virtuellen Einarmigen Banditen spielt. Diesen kann er allerdings nur wenige Male pro Stunde bedienen, was den Erhalt von Münzen stark einschränkt.

Wer möchte, kann jedoch viel häufiger an den Automaten, wenn er dafür echtes Geld bezahlt. Je nach Angebot kostet das auch mal bis zu 109,99€.

Böhmermann kritisiert Spielinhalt, Werbung und Absicht der Entwickler

Jan Böhmermann kritisiert an Coin Master gleich mehrere Aspekte. Er ist der Ansicht, dass diese Spiele nur entwickelt werden, um Kinder und Jugendliche schon frühzeitig an Glücksspiele zu gewöhnen, damit sie später ihr Geld in die Casinos tragen. Diese Aussage unterlegt er unter anderem damit, dass die Investoren hinter der Entwicklung von Coin Master zum großen Teil in Glücksspielgeschäften tätig sind, einer hat etwa die Sportwettenseite bwin gegründet, ein anderer leitete ein riesiges Angebot von Online-Casinos.

Eigentlich gibt es in Deutschland starke Regeln für Glücksspiel, das nur von Erwachsenen und nur unter Einhaltung vieler Auflagen gespielt werden darf. Für Coin Master und deren Einarmigen Banditen gilt das aber nicht.

Warum ist das kein Glücksspiel? Die Bedienung des Einarmigen Banditen im Spiel stellt übrigens kein Glücksspiel dar nach deutschem Recht. Denn dafür müssten alle 3 Kritieren gleichzeitig erfüllt sein:

  • Realer Geldeinsatz
  • Reale Geldgewinnmöglichkeit
  • Auf Zufall basierender Spielausgang

Bei Coin Master (und ähnlichen Apps) sind nicht alle 3 Bedingungen erfüllt, denn man kann kein reales Geld gewinnen. In manchen Fällen basiert der Ausgang auch nicht auf Zufall, sondern auf einem Algorithmus. Deshalb gelten derlei Spiele nicht als Glücksspiel und sind bisher auch für Minderjährige zugänglich.

Werbung von Influencern ist unangemessen: Ein weitere Punkt der Kritik ist die Werbekampagne von Coin Master. In verschiedenen Clips sind bekannte Influencer zu sehen, die das Spiel spielen. Darunter sind bekannte YouTuber wie Bibi von Bibis Beauty Palace, Simon Desue aber auch Dieter Bohlen oder der Musiker Pietro Lombardi.

Vor allem die Influencer hätten vornehmlich eine Jugendliche Zielgruppe, die damit zu glücksspielähnlichen Aktivitäten verleitet werden soll.

So hat Böhmermann eine Reaktion der Behörden erreicht

In seiner Sendung forderte Böhmermann seine Zuschauer dann auf, eine Beschwerde bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zu verfassen. Das können in so einem Fall nämlich nur Lehreinrichtungen (wie Schulen) oder Ämter tun.

Aufruf hatte Erfolg: Schon wenige Tage nach dem Aufruf konnte Böhmermann einen Erfolg verzeichnen. Denn wie die GameStar berichtet hat die BPjM „eine Vielzahl an Anträgen bzw. Anregungen zur Indizierung des Spiels“ erhalten. Die Folge daraus ist, dass Coin Master nun von der Behörde auf seinen jugendgefährdenden Charakter hin überprüft wird.

Coin Master ist ein Sonderfall: Ebenfalls aus der Stellungnahme der BPjM geht hervor, dass Coin Master an sich ein Sonderfall darstellt. Normalerweise handelt es sich bei Anträgen um Fälle mit Gewaltverherrlichung oder Pornografie. Bei Coin Master jedoch:

Der Einsatz von Loot-Boxen in Videospielen und Glücksspielsimulationen werden im Kontext Glücksspiel, Begünstigung von Mediensuchtverhalten und Kostenfallen im Internet diskutiert.

Im Unterschied zur traditionellen Spruchpraxis der BPjM gehen hierbei jedoch die Risiken für Kinder und Jugendliche nicht primär vom eigentlichen Inhalt des Spiels aus, sondern von der besonderen Spielanlage.

Bald verboten für Kinder? Möglich wäre es.

Man muss festhalten, dass Coin Master bei Weitem nicht das einzige Spiel dieser Art ist. Von einem „Sonderfall“ zu sprechen, könnte daher einen falschen Eindruck erwecken.. Es mag ein Sonderfall für die Bundesprüfstelle sein, weil die sonst andere Meldungen bekommt – ein „Sonderfall“ im Mobile Gaming ist Coin Master allerdings nicht.

Bei vielen Mobile-Games ist es üblich, dass es eine Wartezeit-Komponente gibt, die man durch den Einsatz von Echtgeld umgehen kann. Ein ähnliches Prinzip gibt es etwa oft mit Schatzkisten, die geöffnet werden können, oder Energie-Vorräten, die wiederhergestellt werden.

Diese Methoden sind in den letzten Jahr mehr und mehr kritisiert worden – vor allem innerhalb der Gaming-Szene.

Durch Böhmermann dürfte diese Art von Spiele nun etwas mehr in das Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Und vielleicht hilft es ja manchen Eltern, ihre Kinder vor diesen Glücksspielfallen zu bewahren.

Was haltet ihr von solchen Spielen? Sollten die verboten werden oder für Minderjährige nicht zugänglich sein? Oder sollte man das Ganze locker sehen?

Glücksspiel und Lootboxen sind immer mal wieder ein Thema:

Autor(in)
Quelle(n): gamestar.de
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