Ich muss meinen ersten Char in neuen MMORPGs rushen, bevor ich richtig Spaß haben kann

Neue MMORPGs laden dazu ein, eine unbekannte Welt zu erkunden und frische Abenteuer zu erleben. Doch MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch kann das nicht genießen, wenn er nicht zuvor in das Endgame reingeschaut hat.

Was ist so besonders an neuen MMORPGs? Neue MMORPGs haben in der Regel etwas Magisches. Man stürzt sich in eine unbekannte Welt, muss die Steuerung und das Gameplay erstmal kennenlernen und fühlt sich wieder wie ein Noob. Wie damals, als man das erste MMORPG ausprobiert hat und sich unsterblich darin verliebte.

Viele MMORPG-Fans warten jahrelang auf das eine neue Spiel, dass sie wieder so begeistert, wie damals ihr Erstes.

Was ist mein Problem? Ich bin da etwas anders. Natürlich habe ich mich in meinem ersten MMORPG – Guild Wars 1 – auch völlig hilf- und planlos gefühlt. Doch die letzten Jahre haben mich irgendwie abstumpfen lassen.

Statt neue MMORPGs in Ruhe zu erkunden und die Welt zu genießen, presche ich inzwischen so schnell es geht in Richtung Endgame. Erst später fange ich an, die Story und die Grafik wertzuschätzen, und zwar mit meinem zweiten Charakter.

Über den Autor: Alexander Leitsch ist hier auf MeinMMO vor allem zuständig für MMORPGs. In verschiedenen Titeln kommt er zusammengerechnet auf über 25.000 Spielstunden. Zu seinen Hauptspielen zählen Guild Wars 2, Black Desert und ESO, doch im Grunde wird jedes neue Spiel auf dem Markt direkt ausprobiert.

Nur wenn das Endgame Spaß macht, kann ich Spaß haben

Was steckt hinter der Macke? Eigentlich bin ich ein riesiger MMORPG-Fan, doch die letzten Jahre waren gespickt mit vielen, teils auch nur persönlichen, Enttäuschungen:

Alle diese Spiele verbindet, dass ich besonders mit dem Endgame Schwierigkeiten hatte oder im Fall von Bless nicht mal wirklich bis ins Endgame gekommen bin, weil das Spiel mich bereits vorher verloren hatte.

Daraus entwickelte sich dann eine Macke, die ich zuletzt vor allem bei der Preview von New World, Crowfall und meinem sehr chaotischen Neueinstieg in WoW Shadowlands bemerkt habe.

New World Anspielbericht
Beim Preview-Event hab ich ausführlich New World gespielt, am Ende aber vor allem in Gruppen versucht schnell zu leveln.

Was hat sich verändert? Anstatt schon beim Leveln die Story zu genießen und die neue Welt einfach zu erkunden, bin ich in die besagten 3 Spiele mit einer ganz anderen Mentalität reingegangen:

  • Ich habe nach Tipps und Tricks zum Speedleveln gesucht
  • Ich bin lieber effektiv Dungeons gelaufen, statt zu questen
  • Ich habe mir andere Spieler gesucht, die mit mir grindeten oder mich in bestimmten Highlevel-Zonen schnell auf das Max-Level brachten

Ich wollte unbedingt Schritte in das Endgame wagen und gucken, ob ich überhaupt langfristig Spaß an dem MMORPG haben kann. Ist das der Fall, erstelle ich mir einen zweiten Charakter und fange an, mit ihm die Story und die Welt zu genießen.

Das verrückte dabei ist, dass ich bei Weitem nicht alle Endgame-Inhalte gesehen haben muss. Mir geht es darum, einfach ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob sich der Content lohnen könnte!

Ist das so, dann fange ich bereits mit einem neuen Charakter an.

Warum ergibt das für WoW wenig Sinn? Während ich zwar von Level 1 auf 50 mit einigen guten Tipps schnell leveln konnte, funktioniert meine Methode in Shadowlands so gar nicht.

Dort muss ich mit dem ersten Charakter erst die Story der verschiedenen Zonen spielen, bevor ich sie dann mit dem zweiten überspringen kann. Um ehrlich zu sein hat mir das einige interessante Geschichten beim Spielen gekillt, als ich nebenher Netflix liefen ließ. Das Ziel war schließlich ein schnelles Level 60.

Schnupperkurse fürs Endgame in MMORPGs?

Das MMORPG Bless Unleashed, das 2021 für den PC erscheinen soll, hat ein interessante Feature. Direkt nach der Charaktererstellung werdet ihr in ein Tutorial geworfen, in dem euer Charakter jedoch das Max-Level erreicht hat. So lernt ihr direkt die wichtigsten Fähigkeiten eurer Klasse kennen.

Tatsächlich würde ich mir persönlich eine Art Demo oder Schnupperkurs fürs Endgame wünschen. Dort könnte man mit einem Max-Level-Charakter einen der Dungeons und einen PvP-Battleground betreten.

Macht mir das Spielen auf dem Max-Level dann Spaß, könnte ich mir überlegen, das MMORPG zu kaufen oder ein Abo abzuschließen und dann auch meinen ersten Charakter genießen.

Sai-Sahan-ESO
Gutes Endgame braucht Gruppen- und Solo-Inhalte.

Was ist für mich gutes Endgame? Mir fällt es schwer, eine genaue Definition zu treffen, oftmals ist es auch eher ein Gefühl, ob ich zu dem Spiel passe oder nicht. Positive Aspekte sind jedoch in jedem Fall:

  • Gute Gruppen-Inhalte wie Dungeons und Raids, aber auch riesige Weltbosse mit vielen Spielern
  • Solo-Inhalte, für die ich mich mal kurz einloggen kann
  • Ein Gefühl von Fortschritt, sei es durch Erfolge oder seichten Grind
  • Instaziierte PvP-Inhalte, in die ich fix rein und wieder rausspringen kann
  • Regelmäßige Content-Updates, sodass es immer was zu tun gibt

Diese Kriterien erfüllen für mich Guild Wars 2, ESO und WoW derzeit am besten.

Wie seht ihr die Sache? Könnt ihr euch in neuen MMORPGs noch fallen lassen oder teilt ihr meine Sorge, dass sie im Endgame enttäuschen könnten?

Anfang des Jahres habe ich übrigens MMOs benannt, die 2021 nicht überleben werden. Welche das sind und ob ich bereits mit einem recht hatte, lest ihr hier: Ich sage voraus: Diese 6 MMOs sterben 2021

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Caliino

Ich bin hier nur indirekt der gleichen Meinung:
Meinen ersten Char level ich immer so wie es mir Spaß macht, zu 99% Solo und die Story oder Quests sind mir grundsätzlich egal. Zählen tut aber dennoch das Endgame 😀

Wobei es meiner Meinung nach gerade in der heutigen Zeit die MMO’s killt wenn man nur “durchrusht” – einfach weil kein jahrelanger Content zu Release da ist und sich auch der Anspruch geändert hat…

Scaver

Ist für mich nichts. Wenn mich Grafik, Story und Gameplay nicht schon beim ersten Char beim Leveln überzeugen, erreiche ich gar nicht das Endgame und werde mir niemals einen zweiten Char erstellen.
Und letzteres mache ich nur, wenn mir die erste Wahl (Klasse) dann doch nicht liegt oder mich das Game so überzeugt hat, dass ich es mit nem zweiten Char noch mal spielen will.
Das habe ich seit ich in Pandaria wieder mit WoW angefangen habe nicht mehr gehabt. WoW benötigt und bekommt meine Zeit. Für andere MMOs ist so gut wie keine Zeit, außer in ner WoW Content Dürre und die reicht selten für ne ganze Levelphase + Endgame + dann 2. Char.

KohleStrahltNicht

Toller Artikel….
Für mich persönlich ist es gerade genau andersherum wie ich MMOs spiele.
Ich bastel lange am Erscheinungsbild meines Chars,level in Ruhe jede Quest,lese und höre sie auch,….mag Berufe nebenher erledigen ,schaue mir als Beispiel in WoW Retail alle neuen Dungeons an,aktiviere vorher den XP-Stop und mache keine Sammelberufe mehr da ich zu viele XP verhindern möchte.
Mit erreichen des Endlevels sind bei mir 95% der Luft raus aus dem Spiel und ich erledige dann noch die letzten Quests und das wars dann….
Darum hat es für mich die Schattenlande versaut.

Jetzt level/queste ich mit Lust noch in ESO,Lotro oder Classic mit viel Freude.

Endgame ist für mich nichts ,denn immer neue,bessere Items brauche ich nicht,wenn ich keine Abenteuer mehr in den Questgebieten erleben darf wie in den Schattenlanden!

KohleStrahltNicht

GW2 ist auch bombe,da warte ich auf die hoffentlich noch erscheinende Erweiterung.
Habe mit meinem Hauptchar fast alles aufgedeckt und gesehen,…ein optisch gelungener Schmaus.
Allein die tollen Sprungrätsel für nebenher und hohem Blutdruck als Abgang😅

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von KohleStrahltNicht
Scaver

Jop kann ich auch nur empfehlen. Allerdings fehlt mir da einfach die Zeit. Daher spiele ich auch nur Solo und da macht Endgame gar kein Spaß.

Nico

Endgame ist ok, wenn es halt nicht nur aus Raids besteht. Wichtig ist auch das die itemspirale nicht so dermaßen schlecht ist wie in z.b. WoW Retail.

Wichtig ist das man was in Gruppengrößen auch angehen kann. Raids kann man nur abends machen. Aber ich finds wichtig wenn ein Spiel auch andere Sachen bietet und man vlt mal nicht Abends zocken muss bzw kann.

Beim Leveln rusht man doch nur wenn das leveln zu einfach und zu schlechten progress bietet. Hat man aber Spass schon beim leveln gute Herausforderungen zu haben dann macht das ganze Spiel Spass.

Das wichtigste mit find ich das Gefühl man hat was geschafft und damit mein ich nicht ein gewisses Level zu erreichen oder raidboss x zu töten. Das Alleine reicht nicht, es sind die kleinen vielen Momente die man auch nicht im Solo Spiel auf dauer erlebt sondern in gruppen.wo man dann immer und immer wieder ein ich habs geschafft Gefühl bekommt. Wie z.b. Elitequests mit 2-3 Leuten. Dungoens für 5 Spieler die einen was abverlangen.

Heutzutage schafft das kein mmorpg mehr was neu rauskommt, das letzte war Wildstar, da war aber zuwenig zu tun im Endgame, und diese Erfolge gab es auch kaum noch, nurnoch dailys, crafting hochtreiben was zu einfach war, Einzig alleine die Dungoens – 5 Dungoens reichen aber nicht lang genug dafür.

Das ist auch ein Grund warum Genre wie Survival Spiele immer mehr und mehr so beliebt sind. Die haben dieses Gefühl man hat das und das erreicht und man hat das und das geschafft.

KohleStrahltNicht

Eigentlich war Wildstar sehr geil,….nur etwas zuviel von allem,….

Zord

Ich finde das typische Endgame in MMO-RPG’s ultra langweilig. Im Normalfall geht es nur darum die immer selben Inhalte zu farmen um die Ausrüstung zu bekommen die man braucht um die gleichen Inhalte in höherer Schwierigkeitsstufen weiter zu farmen. So ähnlich stellten sie die alten Griechen die Strafen der Götter vor (Sisyphus). Oft verliere ich auch bei Spielen vor dem Endgame die Motivation weil ich viel Zeit im Low Level Bereich mit Crafting und erkunden verbringe. Da ich aber Spiele spiele um mich zu unterhalten und nicht um was zu erreichen, finde ich das auch nicht tragisch. Wenn mich ein Spiel für 20+ Stunden gut Unterhalten hat ist es sein Geld wert gewesen.

Scaver

Kann es verstehen, dass es nicht für jeden etwas ist, aber genau das macht MMORPGs aus. Denn ohne dies gäbe es eben keine Langzeitmotivation und damit auch kein “MMO” in MMORPGs.

Frank

Kann ich absolut nachvollziehen. Ich habe kürzlich Destiny 2 angefangen und was mich extrem nervt ist der viele Storyinhalt den ich spielen muss um überhaupt mal alle Aktivitäten auswählen zu können. Hier ein Storybrocken um den Mond freizuspielen, da Story für die Stasis etc. Wenn ich zocke will ich mit Kumpels spaß haben und dazu möchte ich möglichst schnell zu allem Zugang haben. Zumal mich noch keine Kampagne wirklich richtig gefesselt hat. Halo hat ne gute Story, Modern Warfare und Titanfall sind nicht schlecht gewesen. Aber bei Open World oder MMOs will ich nichts von der Story wissen sondern einfach zocken. Nicht mal das wunderschöne RDR2 konnte mich abholen. Mehr als 13% sinds nie geworden. Ist aber halt auch ein reines Storyspiel. Ich brauche die Spielwelt nicht genießen. Für mich zählt nur das Gunplay und viele Aktivitäten. Warum der Raidboss plattgemacht werden soll intressiert mich nicht die Bohne.

Keragi

Bei mir ist es genau andersrum, sobald ich das max lvl erreicht habe vergeht mir die Lust und höre auf, ich denke mir dann wozu soll ich denn noch Dungeons laufen bist eh auf der höchsten Stufe da brauchst jetzt auch nicht noch besseres Gear farmen. Daher kann ich auch aktuell einiges gar nicht spielen da “der Weg” immer kürzer wird.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Keragi
Darkyll

das fühle ich so hard hahah, geht mir auch oft so

Damian

Geht mir auch so. Wenn ich das Höchstlevel erreicht habe und es nur noch darum geht, die Rüstung zu verbessern, um immer die gleichen Inhalte zu spielen, wird’s für mich auch langweilig…
Aber leider sind die Level-Erfahrungen z.B. in WoW ja alles andere als besonders interessant gestaltet, weil alles wie auf einer einzigen Schiene auf das Endgame hinführen soll…

KohleStrahltNicht

Nur in SWtoR und WoW Classic glüht meine GraKa wie Teufel,….warum auch immer.😩

Scaver

Wtf braucht beides nicht ansatzweise so viel Leistung wie Retail. Dann liegt es an den Einstellungen oder dem Treiber.

Zord

Geht mir absolut genauso. Konnte mich noch nie dafür erwärmen die immer gleichen Inhalte in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zu spielen. Neben der Einschienenbahn in WoW kommt auch noch die regelmässige Item Entwertung dazu. Wozu sich anstrengen um gutes Gear zu bekommen wenn es in ein paar Monaten eh vollkommen wertlos ist?

Scaver

Es ist nicht wertlos, weil es Voraussetzung ist, um noch besseres zu bekommen.
Warum in Position A arbeiten, wenn diese nach einer Beförderung nichts mehr zählt?
Warum heute Geld verdienen oder gar sparen, wenn es durch Inflation in nem Jahr weniger wert ist usw.

Scaver

Naja es gibt ja auch immer wieder neue Inhalt. Dafür benötigt man aber eben genau dieses bessere Gear vorher, damit man den neuen Inhalt “anständig” schaffen kann.

Es geht ja eben nicht nur darum, den selben Content immer und immer wieder einfach nur auf höheren Schwierigkeitsstufen zu spielen. Das ist nur das Mittel um die Zeit zu überbrücken.

Bodicore

Ist Einstellungssache. Wenn man aufhört für den eigennen Char und mehr für die Gruppe und den Gildenerfolg zu spielen, wird es plötzlich wieder interessant.

Eigentlich sind MMO nicht als Egopusher gedacht sondern als Gruppenarbeit.

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