MeinMMO-Autor Max Handwerk durfte sich einige Stunden in „Elden Ring“ austoben. Der Ausflug wurde zur emotionalen Achterbahnfahrt aus Begeisterung, Motivation, Angst, Frust und Stolz. Hier bekommt ihr einen ersten Einblick in das Spiel.
Irgendwo zwischen „Auweia“ und „Wie geil ist das denn?“ – So fiel meine erste Reaktion aus, als es hieß, dass ich ein paar Schritte in Elden Ring gehen soll, um einen kleinen Erfahrungsbericht zu schreiben.
Dieser Zwiespalt ist recht einfach erklärt:
- Zum einen liebe ich Fantasy-Settings und offene Welten. Ich hab Spiele wie Skyrim, Witcher oder auch Breath of the Wild verschlungen. Außerdem ist George R.R. Martin bei Elden Ring beteiligt, was nicht die schlechteste Ansage ist, und das kurz vor dem Test gezeigte Gameplay-Video hat mich echt mitgerissen. Insofern: „Wie geil ist das denn?“. Aber…
- …was Souls-mäßige Spiele angeht – da war ich erstmal vorsichtig. Meine bisherigen Erfahrungen sahen nämlich so aus: Dark Souls hab ich mir vor ewigen Jahren mal für die Xbox 360 gekauft. Ich erinnere mich noch, wie ich zwar den Anfang des Spiels meisterte, dann aber irgendwo falsch abbog, nur um wieder und wieder von Skeletten zerlegt zu werden. Dann verlor ich die Orientierung und schob so viel Frust, dass ich aufgab.
- Ganz ähnlich lief es bei Bloodborne, zu dem ich zwar viel Begeisterung anderer Spieler mitbekam, selbst aber einfach keinen Zugang fand.
- An Sekiro, das ich vom Setting her grandios fand, oder das Demons-Souls-Remaster als spannenden Titel zum PS5-Start – da traute ich mich gar nicht mehr ran. Das einzige Spiel, das manche mit viel Wohlwollen als Souls-ähnlich beschreiben würden, das ich je gepackt habe, war „Jedi: Fallen Orden“.
Ihr könnt euch also vorstellen: Ich ging mit ordentlich Respekt an Elden Ring ran. Dennoch war ich verdammt gespannt, was mich erwarten würde.
Erste Schritte und erste Erfolge
So startet die Reise: Der Test beginnt mit der Auswahl der eigenen Klasse. Die Optionen lauteten:
- Krieger
- Verzauberter Ritter
- Prophet
- Held
- Blutiger Wolf
Auch, wenn mich der „blutige Wolf“ rein vom Design her anlachte, entschied ich mich für den „Verzauberten Ritter“. Der schien die perfekte Kombo aus Magie und Nahkampf zu liefern – also perfekt für eine Fantasy-Reise.
Mit einem Speer, einem Zauberstab und einem Schild gerüstet, machte ich mich auf den Weg. Startpunkt: Das alles andere als lauschige und freundliche „Grab eines Randvolkhelden“.
Die dunkle Höhle wirkt beklemmend und ungastlich, doch man wird zumindest nicht direkt von Feinden zerhackstückt. Und: Man ist auch nicht ganz allein. Denn auf dem Boden finden sich immer wieder Botschaften anderer Spieler, die Hinweise darauf liefern, wenn irgendwo etwas interessantes versteckt sein könnte. Darüber hinaus laufen auch deren Geister manchmal durch die Gegend und dienen als einen Orientierungspunkt. Außerdem sieht man in Form von roten „Blutspur“-Geistern, wo sie das Zeitliche gesegnet haben – auch hilfreich, wenn man Fallen umgehen will.
Dank dieser Hilfestellungen fühlt man sich gleich weniger alleingelassen. Daneben wird der Einstieg durch die „Höhle des Wissens“ erleichtert, die wir gleich zu Anfang durch einen beherzten Sprung in ein tiefes Loch erreichen können. Das führt nämlich nicht ins Fallschaden-Jenseits, sondern in ein richtiges Tutorial.
Die Höhle bietet so ziemlich alles, was man an Grundlagen braucht: Vom arglosen Feind, den man heimlich erledigt (ja, Stealth ist eine Option in Elden Ring) bis hin zu ein paar einfach angelegten Soldaten, die man wunderbar im Nahkampf besiegen kann. Ich lerne gleichermaßen, wie ich Gegner per Zauberei zum Teufel schicke, wie auch den Sprungangriff und die Block-Konter-Mechaniken.
Ganz zum Schluss trifft man sogar auf einen „Soldat Godricks“ – und zu meinem persönlich Horror hat der einen Lebensbalken, der sich über den ganzen unteren Bildschirm erstreckt. „Nun ist es soweit“, denk ich: Die berüchtigte Dark-Souls-Todesfalle schnappt zu. Aber nein: Ein paar Konter und der Kollege beißt ins Gras.
Das kam unerwartet, boostete aber auch das Selbstvertrauen. „Ha“, dachte ich, „Wenn ich sogar diesen Boss ohne Probleme platt mache, dann wird mir auch der Rest kaum größere Probleme bereiten.“
Ich konnte zu diesem Zeitpunkt kaum motivierter sein. Doch ich hätte auch nicht falscher liegen können.
Breath-of-the-Wild-Feeling und Knackser am Ego
Nach dem Tutorial lande ich wieder am Anfang des Grabes, das aber recht schnell durchquert ist. Freundliche Mitspieler-Hinweise wie „Kein Tod voraus“ lassen die ersten Ängste schwinden und es dauert nicht lang, bis mein verzauberter Ritter das erste Mal ins Licht von Limgrave tritt.
Und ja: Der erste Blick auf die offene Spielwelt, mit diesem riesigen Energiebaum im Hintergrund – der ist schon majestätisch. Finden offenbar auch die Mitspieler: „Schöne Aussicht voraus“, oder „Ah, Elden Ring“ schreiben dort manche auf den Boden. Das Gameplay-Video von vor einigen Tagen gibt da einen guten Eindruck:
Ich erreiche den ersten „Ort der Gnade“, an dem ich mich wieder auflade und der als Rücksetzpunkt dient, falls ich tatsächlich mal sterben sollte. Daran verschwende ich erstmal keinen Gedanken, läuft ja alles. Auch der NPC, der mich in gut gelaunten Worten darauf hinweist, dass ich hier irgendwo alleine und vergessen sterben würde, trübt die gute Laune erstmal nicht.
Ich wander also los, und tatsächlich kommt ein Feeling wie bei Zelda: Breath of the Wild „in erwachsen“ auf. Da wandern fies aussehende, aber faszinierende Wesen über die Wege, Adler erheben sich von einem Felsen in die Höhe und immer wieder findet man kleine Ansammlungen an Feinden, die man herausfordern kann. Man schaut in die Ferne, erblickt eine Bergspitze und denkt: „Da sollte ich unbedingt mal hinwandern, wenn Zeit ist.“
Doch Zeit ist erstmal nicht. Wir wollen ja schauen, wie schwer das Spiel ist.
Die ersten echten Kämpfe – und die ersten Tode
Ich kam an einem Ritter vorbei, den ich mit den neu erlernten Stealth-Fähigkeiten ins Jenseits schicke, oder bekämpfe Flugwesen, die sich als etwas knackiger, aber machbar erweisen. Das alles geht insgesamt unerwartet locker von der Hand.
Dann gelange ich an einen ersten Außenposten. Von meinen bisherigen Erfahrungen ermutigt, gehe ich frontal auf die Wache zu und attackiere mit meinem Speer. Aber: Der Kollege wehrt sich.
Nach einem kurzen Scharmützel, das mich zwischendurch in den Fernkampf drängte und mich meine Lebenstränke kostete, ist der Ritter geschlagen. Blöd nur, dass das Lager offenbar mitbekommen hat, dass da jemand unfreundlich angeklopft hat. Und gegen die nächsten drei Kämpfer, die sich mir entgegenstellen, hab ich keine Chance.
Ich erlebe meinen ersten Elden-Ring-Tod. Den ersten von vielen.
Immer wieder versuche ich mich an dem Lager. Zwei weitere Frontal-Angriffe scheitern, also wechsel ich die Taktik. Wie in Assassins Creed schleich ich mich durch die Zelte und Zäune, um Feinde heimlich zu eliminieren. Doch auf einem offenen Weg mitten im Lager steht der Obermotz rum, der sich nicht einfach meucheln lässt. Er überlebt meinen Angriff und weicht danach auch noch meinen Zaubersprüchen aus. Hatte ich bisher nicht gesehen, hatte ich auch nicht erwartet. Erneut segnete ich das Zeitliche.
Ich erspare euch weitere Details. Nach mehreren Versuchen dachte ich mir: Ach was, Außenposten. Wir laufen mal weiter, wir wollen ja auch noch was von dem Rest des Anfangs sehen.
Doch stellt sich raus: Das Lager war ein guter Vorgeschmack auf das, was folgen sollte.
Meine Begegnung mit Margit – Zwischen Ehrgeiz, Frust und Stolz
Je weiter ich voranschreite, umso stärker häufen sich die Tode. Ich bekomme ein Reittier, das mich merklich schneller durch die offene Welt transportiert als meine einfachen Stiefel. Mit ihm erreiche ich eine Klippe, an der ich einfach hochspringe – um oben dann eine Reihe von Riesen anzutreffen. Das Ergebnis sieht übrigens ähnlich aus, wie wenn man in Skyrim Riesen attackierte. Also, zurück zum Ort der Gnade.
Um in der Story voranzuschreiten, soll ich eine Art Bergpfad nach oben erklimmen. Der wird allerdings von Bogenschützen und einem weiteren Riesen bewacht. Stellt sich raus: Auch hier sehe ich nicht, wie ich dem Ganzen im Kampf beikommen soll.
Zum Glück kann ich mich auf mein Reittier schwingen und einfach an allem vorbeipreschen. Ich rase nach oben und lasse die Feinde einfach an der Seite stehen. Und wenn ich mir die Menge der Gegner anschaue, nehme ich an, dass das sogar so von den Entwicklern gedacht war.
Doch an der nächsten Herausforderung gibt es kein Vorbei-Preschen oder Schleichen. Denn nachdem ich die Festung am Ende des Pfades betreten habe, treffe ich auf einer steinernen Brücke den ersten, richtigen Boss des Spiels. Und ich sag euch: „Margit, das grausame Mal“ hat absolut nichts mehr mit dem lächerlichen Soldaten Godricks aus der Höhle des Wissens zu tun.
Margit wartet nicht, bis ihr angreift. Margit nimmt seinen riesigen Stab, springt in die Luft und schlägt euch den verdammten Helm zu klump. Margit lässt sich auch nicht einfach treffen, sondern rollt zur Seite oder dreht sich elegant aus dem Weg. Und wenn ihr denkt, ihr habt Margits Movement raus, dann beschwört der Irre einen monströsen Energiehammer oder zaubert sich eine Klinge in die andere Hand, die dann mit eurem Kopf Bekanntschaft macht.
Margit hat außerdem einen Lebensbalken, der bemerksenswert viel aushält – ganz im Gegensatz zu meinem, der nach drei Treffern meistens leer war. Um zwischendurch mal einen Heilungstrank einzuwerfen, muss man sich ein wenig Zeit und Platz verschaffen, damit man nicht beim Trinken erledigt wird. Vor allem, wenn man wie ich in all der Hektik auch noch auf die falschen Knöpfe drückt. Das klappte ehrlich gesagt eher selten.
Ich starb. Oft. Und jedes Mal endete der Tod mit Margits Spruch: „Begrabe diese närrischen Ambitionen.“
Doch mein Ehrgeiz war gepackt. „Git Gud“ und so.
Ich trat immer wieder durch den Nebel, um Margit herauszufordern. Und immer wieder kloppte mich der Kerl kaputt. Gepriesen seien hier übrigens die Ladezeiten der PS5. Wenn die Abstände zwischen den Kämpfen länger geladen hätten, wäre der Controller mit Sicherheit in der Ecke gelandet.
Ab und zu dachte ich, ich hätte es endlich raus – nur um dann wieder zu krepieren. So ähnlich muss sich Dr. Strange im Kampf gegen Dormammu gefühlt haben, falls ihr den Film kennt. Nur fing Margit leider nicht an, sich zu langweilen.
Und so wurde aus „Git Gud“ ehrlicherweise „Git Help“.
Rettung durch Unterstützung
In Elden Ring gibt es mehrere Multiplayer-Möglichkeiten. Man kann etwa in die Welten anderer Spieler eindringen, um ihnen zuzusetzen. Oder man unterstützt sich gegenseitig im Kampf. Das war es, was ich brauchte.
Ich rief mir also Hilfe, und zu meiner Freude bekam ich Antworten. Immer wieder kamen Spieler in meine Welt, um sich mir im Kampf gegen Margit anzuschließen. Doch auch zu zweit schien der Boss unbesiegbar – bis er es plötzlich nicht mehr war.
Ich erwischte einen Mitspieler, der offenbar wusste, was er tat. Er attackierte Margit konsequent, ohne in dessen Todesfallen zu rennen – und ich hexte mit meinem Zauberstäbchen, was das Zeug hielt. Und als der Lebensbalken immer weiter sank, merkte ich: Diesmal wird es was.
Es wurde tatsächlich was.
Margit war besiegt und ich konnte es kaum glauben. Ich durfte tatsächlich weiter voranschreiten! Ich war wirklich verdammt stolz – mit einem kleinen Schönheitsfleck. Denn irgendwie, dachte ich, fühlte es sich auch ein bisschen wie Schummeln an. Ist es nicht genau diese Herausforderung, die Souls-Like-Spiele ausmacht?
Ich weiß allerdings wirklich nicht, ob, und wenn ja wann, ich dieses Biest allein gepackt hätte.
Ist das zu schwer?
Nach dem großen Margit-Duell geht es weiter in der Burg, wo man auf zahlreiche weitere, kleinere Feinde trifft. Die sind wieder einfacher, können einen aber trotzdem ganz schön zusetzen, wenn man unvorsichtig wird. So soll das wohl auch sein: Nicht unfair, aber eine Herausforderung.
Die Hinweise auf dem Boden der Mitspieler retten einen aber immer wieder vor Fallen, wenn man das möchte. Ein beklopptes Viech, das mit seiner Sense durch ein paar dahinrottende Fässer brach um mich in zwei Hälften zu teilen, hatte ich dank einer Warnung kommen sehen. Einen blöden Ritter, der mit Feuerpfeilen auf Sprengstoff schoss, erwartete ich hingegen nicht.
Was ich sagen will: Wer vorsichtig und aufmerksam spielt, kommt hier gut durch. Wer unachtsam wird, landet schnell am letzten Speicherpunkt. Und der kann teilweise recht weit weg liegen.
Für mich persönlich endete die Reise an einem „starken Gegner“, zu dem es zwar eine Warnung gab, den man aber nun mal besiegen musste. Der schickte mich so oft an den letzten Ort der Gnade zurück, dass ich es erstmal gut sein ließ.
Aber: Ich werde definitiv zurückkommen, sobald Elden Ring im kommenden Jahr erscheint.
Ist Elden Ring zu schwer für einen Souls-Neuling? Nach meiner ersten Einschätzung würde ich sagen: Es hat Momente, die erstmal kaum machbar wirken. Doch je mehr man sich reinfuchst, umso besser werden die Kämpfe. Ein Vorteil ist die Koop-Unterstützung, die sich in meinem Bosskampf als Rettung erwies – wenn gar nichts mehr geht, kann man darauf zurückgreifen.
Viel wichtiger ist: Ich glaube, Elden Ring ist den Aufwand wert. Den Kampf, die Mühe. Denn das Spiel zieht einen von Anfang an in seine faszinierende Welt – auch, wenn man von der Story noch gar nicht so viel mitbekommt. Ich hab meine Angst vor Souls-Like-Spielen erstmal abgelegt und hab stattdessen jede Menge Motivation, besser zu werden, um das ganze Spiel erkunden zu können.
Vielleicht hol ich mir jetzt als Vorbereitung erstmal Demons Souls. Denn zum Elden-Ring-Release ist es ja leider noch etwas hin.

Max Handwerk
Freier Autor MeinMMO
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