Blizzard sagt die BlizzCon ab – Ist das gut, schlecht oder beides?

Blizzard hat die für den Februar 2022 angesetzte BlizzConline 2021 abgesetzt. Doch ist das schlecht? Oder gar gut? Cortyn von MeinMMO wagt eine Analyse.

Für so manche Spielerinnen und Spieler ist die alljährliche BlizzCon soetwas wie ein zweites Weihnachten: Sie freuen sich auf neue Infos zu den Lieblingsspielen, einen ersten Blick auf kommende Inhalte und viele coole Community-Aktionen, wie Cosplay-Wettbewerbe oder auch die beliebten „Q&A-Sessions“ mit den Entwicklern.

Die nächste BlizzCon war für Februar 2022 geplant, doch Blizzard hat sie jetzt noch abgesagt. Man will das Event überarbeiten.

Warum wurde die BlizzCon abgesagt? Dafür nennt Blizzard gleich mehrere Gründe:

  • Die Planung der BlizzCon frisst viel Energie, die man aktuell besser in die Spiele stecken will.
  • Die BlizzCon als Event soll überarbeitet werden, um „einladender und inklusiver“ zu sein.

Das sind zumindest die beiden großen Gründe, die Blizzard selbst nennt. Doch ein dritter, noch viel wichtigerer Grund, dürfte ebenfalls in die Entscheidung reingespielt haben, selbst wenn man diesen nicht konkret nennt:

Die Angst vor einem riesigen PR-Desaster.

Bei Blizzard brennt es an allen Ecken und Enden – auf eine BlizzCon wird verzichtet.

BlizzCon wäre ein PR-Desaster

Blizzard geht es gerade schlecht. Sehr schlecht. Die Zukunft des Unternehmens steht auf Messers Schneide. Die großen Erfolge in den letzten Monaten sind ausgeblieben. Zwar verkaufte sich WoW: Shadowlands wunderbar und auch Diablo 2: Resurrected war wohl ein finanzieller Erfolg – doch sind das Erfolge von kurzer Dauer.

Egal ob World of Warcraft, Overwatch, Diablo oder Hearthstone, an allen Ecken und Enden sind die Spieler gerade unzufrieden:

  • WoW kränkelt an Content-Armut und Fehlentscheidungen der Entwickler. Patches wurden verschoben und selbst kleine Verbesserungen benötigten über ein Jahr Entwicklungszeit.
  • Overwatch 2 wurde viel zu früh angekündigt, der Hype um das Spiel ist fast vollständig verpufft. Wenn Blizzard hier keine Punktlandung hinlegt, droht der Online-Shooter ein Flop zu werden.
  • Der neue Söldner-Modus in Hearthstone kam zwar bei einigen gut an, doch erste Patches sorgten für Kritik – ganz davon ab, dass der Modus sehr offensichtlich „Pay2Win“ ist.
  • Diablo 2: Resurrected kränkelt auch Wochen nach dem Launch an Server-Problemen – beim Remake eines Spiels, das aus einer ganz anderen Generation kommt.

Zwar sind zu all diesen Titeln sicher Inhalte in Entwicklung – doch wie nah oder fern die noch sind, kann man wohl kaum abschätzen.

Hinzu kommt noch, dass über all dem der andauernde Sexismus-Skandal schwebt. Blizzard soll Mitarbeiterinnen und Minderheiten schlecht behandelt haben. Von aufdringlichen Chefs, sexueller Belästigung und „Macho-Gehabe“ ist die Rede.

Besonders kritisch: Während der BlizzCon soll es eine „Cosby Suite“ gegeben haben, in der einige Entwickler sich nach der Messe versammelten. Erst zum Kennenlernen und feiern, später aber auch, um Frauen zu bedrängen. Von Drogenexzessen und ähnlichem ist die Rede in den Anschuldigungen.

Einfach nichts zu zeigen?

Schon die letzten beiden BlizzCons wurden von den langjährigen Fans kritisiert. Nicht nur wurde jedes Jahr der Preis für das Virtuelle Ticket angeprangert, sondern auch die Fülle an Neuvorstellungen ließ nach.

Blizzard-Fans verbanden die BlizzCon immer mit großen Neuankündigungen: Einem brandneuen Spiel aus einem beliebten Universum, einem Blick auf die neue WoW-Erweiterung oder gar einem ganz neuen Franchise.

Und garantiert ist all das in der Mache – aber noch so weit weg oder so unfertig, dass eine Vorstellung schlicht nicht lohnen würde.

Lediglich Diablo Immortal und Overwatch 2 sind ziemlich sicher auf der Zielgeraden – doch dass das alleine nicht überzeugen kann, haben schon die BlizzCons der vergangenen Jahre gezeigt.

Fokus der Community auf die „falschen Dinge“

Auch der aktuelle Zustand und die Stimmung der Community dürfte dazu beigetragen haben, dass man lieber eine BlizzCon absagt. Die Unzufriedenheit ist überall zu spüren. Egal ob es um die Patches in World of Warcraft, das Herausschneiden von mehrdeutigen Inhalten oder die Veröffentlichung neuer Spiele geht. In ausnahmslos jeder Blizzard-Community herrscht gerade Unzufriedenheit.

Zu guter Letzt dürfte es der Wunsch der Mitarbeiter selbst sein, die BlizzCon ausfallen zu lassen. Zwar wissen wir, dass viele Entwickler extrem viel Kraft aus dem Austausch mit der Community und den Treffen ziehen, doch gibt es gerade drängendere Probleme. Blizzard ist gerade dabei „den eigenen Laden auszumisten“ und problematische Entwickler rauszuwerfen. Gleichzeitig will man die Opfer von Diskriminierung endlich ernst nehmen.

Eine BlizzCon wäre jetzt viel „gute Miene zum bösen Spiel“ – vor allem, da jeder weiß, was gerade Sache ist.

Und selbst, wenn es einige noch nicht wissen, die sich nicht so stark mit der Entwicklung bei Blizzard beschäftigen – nach der BlizzCon wüssten es noch viel mehr. Schon die letzte Vorstellung des Söldner-Modus zeigte im Chat, dass die Community gerade die Aufmerksamkeit auf unschöne Themen lenkt. Als eine weibliche Mitarbeiterin neue Inhalte zu Hearthstone vorstellte, häuften sich direkt Kommentare, ob die „denn auch belästigt werde“ und sie solle „3x blinzeln, wenn ihr Chef sie misshandeln würde“.

Geschmacklose Kommentare, die aufgrund der aktuellen Situation aber zumindest im Ansatz verständlich sind. Das könnte Blizzard nur verhindern, wenn Chats und Kommunikation der Zuschauer massiv eingeschränkt würde – und das würde den nächsten Shitstorm nach sich ziehen.

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Blizzard ist für viele Spieler gerade vor allem eines: gierig und nicht kompetent. Das Gegenteil muss man nun beweisen.

Absage der BlizzCon ist in der jetzigen Situation die richtige Entscheidung

Egal wie man es dreht und wendet, dass die BlizzCon abgesagt wurde, ist grundlegend eine gute Entscheidung. Es nimmt zusätzlichen Druck vom ganzen Team bei Blizzard, schafft Ressourcen für mehr Arbeit an den Spielen und verhindert zugleich, dass die früher so positive Messe zu einem Sumpf aus Anschuldigungen, frechen Kommentaren und Belastung für alle Beteiligten wird.

Ein Jahr ohne BlizzCon gibt Blizzard die Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, hoffentlich die Unternehmenskultur zu fixen und all die Probleme zu beseitigen, die den einstmals beliebtesten Spiele-Entwickler der Welt gerade plagen. Es bleibt nur zu hoffen, dass in dieser Zeit der Ruhe ein Heilungsprozess einsetzt – und nicht die Leichenstarre folgt.

Lediglich die Fans, die sich auf ihr jährliches Event wirklich gefreut haben, dürften bei dieser Entscheidung die Leidtragenden sein. Doch wenn man ehrlich ist, wäre die BlizzCon unter den aktuellen Umständen ohnehin kein schönes Ereignis. Unterhaltsam wäre es sicher, aber auch nur, wenn man sich an Shitstorms und aufgebrachten Spieler-Mobs ergötzt.

Auch uns Gaming-Journalisten macht das Berichten über solche Vorfälle kaum noch Spaß – Es ist eine Qual

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Desten96

Naja ich finde das garnicht mal schlecht. Ich hoffe das Blizz es endlich schaft und es vtl bald ein paar GUTE Neuigkeiten über WoW oder D4 gibt. Ich finde einfach ein Neues Addon muss her das richtig rein knallt wie Legion und kein Sylvanas 4 addon wird mit fragwürdig Story weil die alte nie sterben darf! Für das addon würde ich aber bis 23 noch warten. Hoffe das es dafür gut wird und bis dahin neuer Content geboten wird.

Chitanda

Naja so haben sie Zeit das nächste cashmount zu entwickeln wenn sich keiner um die Blizzcon kümmern muss^^

Zord

Ich frage mich ernsthaft wie Blizzard überleben will. Zig Projekte in Arbeit, aber nichts auf der Zielgeraden (für mich fängt die Zielgerade an wenn ein Releasedatum bekannt und nicht mehr als drei Monate in der Zukunft liegt). Ich denke trotz allem hätte es eine Blizzcom gegeben wenn ein neues WoW Addon oder ein anderer AAA Release nächstes Jahr realistisch wäre. Overwatch und D4 dürften noch weit weg sein, da die Blizzcom sich perfekt eignet um den Vorverkauf mit einem Hype zu starten. Damit bleibt nächstes Jahr vermutlich nur Immortal, das eigentlich für ein Mobile Game auch schon viel zu lange in der Entwicklung ist, was darauf hindeutet das da auch nicht alles rund gelaufen ist. Die Kosten von Blizzard dürften aktuell explodieren, aber die Einnahmen eher Stagnieren (trotz D2). Bin mal gespannt wielange hier Activision noch zuschaut

Skyzi

Das doch schlau. Blizzard ist das bewusst und die Entscheidung, was sie jetzt macht, muss ganz klein neu anfangen. Nicht das es nochmals ausartet. Ich hoffe man versteht was ich meinte. VG

Malavee

Für mich ist es ist nicht unbedingt der richtige Schritt. Das große Problem ist das große Ankündigungen seit Dialo 3 sehr unkonkret bzw. sehr lange im Zulauf sind. Und gerade hier wäre etwas größeres nötig. Wie WOW 10.0 oder Diablo 4. Oder Warcraft 4 (um mal zu Träumen). Es scheint erhebliche Entwicklungsprobleme oder zu wenige Teams zu geben. Vermutlich ist die Codebase von WoW verdammt komplex und alt. Und Diablo braucht halt richtig viel Entwicklungszeit wenn es dem Blizzard Standard gerecht werden soll. Eine Blizzcon würde aber vermutlich auch nur den nächsten Schittstorm auslösen wenn kein Content Paukenschlag dabei wäre. Aber ein Heilungsprozess sollte schon statt gefunden haben und gerade stattfinden zumindest im Februar wäre ein Ergebnis dieses Prozesses schön gewesen.

ThisIsThaWay

Also was die Absage der Blizzcon betrifft, das dürfte tatsächlich der einzige logische Schritt gewesen sein. Da gab es wohl keine Alternative. Aber wie sie den Draht zur Community wieder aufbauen wollen bleibt fragwürdig.

Klabauter

Arbeiten und liefern. Wenn der Kram gut ist den sie bringen wird das was. Halt wieder Blizzard Quality bringen. Ich warte auch gern noch 2 Jahre auf D4.

ThisIsThaWay

Ich bin mir momentan nicht ganz sicher ob das noch ausreicht um den wütenden Mob wieder zum einkaufen zu bewegen. Aber jo, ich bin da ganz bei dir. Lieber noch zwei Jahre mehr in D4 investieren. Wenn das ne Bruchlandung hinlegt, wird der Pfad echt eng.

Porter

Gute Entscheidung sie nicht zu machen. Sie haben genug Baustellen wo sie eher ihre Energie brauchen, die Stimmung in der Community und im Unternehmen ist sehr “ausbaufähig” und bei den aktuellen Spielen gibt es ja auch nix dolles zu vermelden.
Blizzard wird sicher nicht mehr so wie wir es kannten und geliebt haben, der Zug ist abgefahren. Sollen sie ihren Laden und ihre Spiele mal auf Stand bringen und dann 22/23 neu angreifen.

Leya Jankowski

Im Moment ist es aus meiner Sicht tatsächlich erstmal wichtig, dass Blizzard von innen heilen kann. Ganz davon ab, dass man wütend und enttäuscht als Fan des Studios und der Spiele sein darf, müssen die Leute alles was in den letzten Monaten / Jahren passiert ist erstmal aufarbeiten.

Sie stellen sich strukturell neu um, hinterfragen sicher ihre eigene Philosophie und wer sie in Zukunft sein wollen. Das muss erstmal glattgebügelt sein, bevor man sich wieder auf “draußen” konzentriert.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Leya Jankowski
Klabauter

Bin absolut deiner Meinung. Wobei ich als Fan des Studios niemals wütend auf Blizzard war. Ich fand kacke wie sich da einige verhalten haben aber deshalb war ich nicht wütend auf das gesamte Studio. Ich liebe Blizzard noch immer und freue mich auf D4 und OW2 und ich bin neugierig auf die Handygames.

Leyaa

Das kann ich so unterschreiben, die BlizzCon macht unter den aktuellen Umständen einfach keinen Sinn. Vielleicht wird’s dann was in 2023 wo es wieder so richtig mit großen Ankündigungen knallt und hoffentlich eine bessere Grundstimmung herrscht – sowohl bei den Spielern als auch bei den Mitarbeitern.

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