Im September 2021 erschien das neue MMORPG New World. Am Release-Wochenende loggten sich gleichzeitig über 900.000 Spieler ein. Doch der Hype ebbte schnell ab. Zwar bekommt das Spiel regelmäßig Updates, doch das große Interesse bleibt weiter aus. Was hat sich verändert und wo hat das Spiel noch immer Probleme?
Wie verlief der Release von New World?
- New World löste zum Start einen riesigen Hype aus. Die anfangs 63 EU-Server waren hoffnungslos überlaufen. Es kam zu stundenlangen Warteschlangen. Zudem wurden in der ersten Woche über 120 neue Server eröffnet, um mehr Leuten einen Platz zu bieten.
- Im Peak kam das MMORPG auf 913.634 gleichzeitige Spieler am Sonntag nach dem Release (via SteamDB). Viele hatten große Hoffnungen in das Spiel gesetzt. Doch die Spielerzahl nahm rasch wieder ab. Schon nach einem Monat hatte sich der Peak halbiert.
Spieler kritisierten zu Release die uninspirierten Quests und langen Level-Phasen, das hakelige Kampfsystem und Dutzende von Bugs, die für viel Frust sorgten. Hardcore-Spieler beschwerten sich zudem schon nach wenigen Tagen über fehlendes Endgame und lange Laufwege.
Außerdem hatten viele Spieler ganz andere Erwartungen an New World. Nach der groß angekündigten Umstellung von PvP auf PvE hofften viele auf ein Themepark-Spiel. Doch von der “Survival-Ästhetik” und der fehlenden Story waren sie überhaupt nicht angetan.
Insgesamt wirkte New World unfertig und das trotz mehrerer Verschiebungen. Man hätte dem MMORPG noch Zeit geben sollen, sagten viele Spieler. Doch seit dem Release sind nun knapp 9 Monate vergangen und es gab etliche Updates. Wie steht es jetzt um New World?
Übrigens hat New World am 23. Juni den großen Juli-Patch angekündigt: New World bekommt im Juli das größte Update bisher – Bringt neues Dungeon und Musikinstrumente.
Große Updates brachten neue Dungeons, PvP-Arenen und ein klares Ausrüstungssystem
Was ist die größte Änderung an New World seit dem Release? Die größte Änderung machte wohl die Ausrüstung im Endgame durch. Alles ab dem Rüstwert 500 war anfangs komplett an Crafting und zufällige Drops gebunden. Das System hinter den Drops, das Watermark-System, war undurchsichtig. Irgendwie stapelte man im Hintergrund eine Chance auf Loot und bekam man einen Drop, wurde die Chance neu gestapelt. Das Spiel erklärte dies jedoch nicht.
Inzwischen ist das System sehr transparent:
- Jeder Ausrüstungsplatz hat ein eigenes Kompetenz-Level. Steigert man die Kompetenz, dann kann man bessere Drops von Gegnern bekommen. Inzwischen muss auch eine hohe Kompetenz erreicht werden, damit die Endgame-Ausrüstung überhaupt ihre gesamte Kraft entfalten kann. Zwischen dem Rüstwert 500 und 600 wird die Ausrüstung auf einen Mittelwert zwischen Rüstwert und Kompetenz skaliert. Das soll verhindern, das einfach Stärke gekauft werden kann.
- Kompetenz kann man garantiert über Gips-Abdrücke, Dungeons, PvP-Schlachten oder Crafting erhöhen. Auch zufällige Drops gibt es weiterhin, die ebenfalls die Kompetenz raufstufen können.
- Außerdem wurde die Ausrüstung erweitert: War früher beim Rüstwert 600 Schluss, gibt es seit dem großen Januar-Patch den Rüstwert 625.
Was änderte sich an den Dungeons? Auch Dungeon-Fans wurden mit neuen Inhalten versorgt. Im Januar erschienen die Mutationen, die an Mythic+ in WoW erinnern. Damit bekamen die Spieler 10 neue Schwierigkeitsgrade für ausgewählte Dungeons.
Im März wurde zudem der neue Dungeon Herz der Stürme veröffentlicht. Darin wird die Story der Hauptgeschichte abgeschlossen und es gibt knackige und abwechslungsreiche Bosskämpfe. Im Juli erscheint zudem der nächste Dungeon Seepocken und Schwarzpulver.
Die Dungeons bekamen zudem einige “Quality of Life”-Änderungen spendiert, darunter bessere Belohnungen, viele Bugfixes und leichtere Wege, um an die Orbs für den Eintritt in die Dungeons zu kommen. Mit dem Juli-Patch sollen allerdings die Orbs komplett abgeschafft werden. Zudem wird der Dungeon-Finder eingeführt, der die Gruppensuche erleichtern wird.
Was ist neu beim PvP? Zu Release war das PvP in einem schwierigen Stadium:
- Die Kriege konnten aufgrund von Bugs und Lags fast gar nicht gespielt werden
- Der Außenpostensturm als Alternative war über viele Wochen wegen Bugs deaktiviert
- Es fehlten Anreize, um PvP in der offenen Welt zu aktivieren
Inzwischen wurden die Bugs behoben und die Kriege funktionieren einigermaßen gut. Zudem wurden die Belohnungen für das PvP in der offenen Welt erhöht. Im Mai kam zudem eine neue PvP-Währung ins Spiel.
Über Azoth-Salz könnt ihr euch etliche Belohnungen erspielen, egal ob ihr Kriege, Außenpostensturm oder Kämpfe in der offenen Welt. Primär jedoch unterstützt sie die 3v3-Arenen, die ebenfalls im Mai eingeführt wurden. Mit ihnen lässt sich nun kontrollierter PvP spielen.
Was wurde sonst verändert? Die Liste der Patch Notes ist lang, doch wir haben euch einige Highlights zusammengefasst:
- Es gibt mit den Unheilsstulpen und der Donnerbüchse zwei neue Waffen
- Ihr lauft nun auf Wegen 10 % schneller und die Azoth-Kosten bei der Schnellreise wurden deutlich reduziert
- Die täglichen Cooldowns bekamen eine feste Uhrzeit (immer um 5:00 Uhr morgens)
- Ihr könnt nun euer Inventar nutzen, während ihr lauft
- Die Level-Zeit von den Stufen 20 bis 50 wurde reduziert
- Es gibt nun Belohnungen, wenn ihr einen Beruf über Stufe 200 hinaus levelt
- Lager lassen sich nun von überall aus global ansteuern und nutzen
- Die Steuern fürs Housing wurden reduziert
- Es gab Anpassungen am Kampfsystem mit verkürzten Animationen und besseren Übergängen
- Hinzu kommen tausende von Fehlerbehebungen
Zudem wurden viele Server inzwischen zusammengelegt, um die Population einigermaßen oben zu halten.
Es gibt noch immer zu viele Bugs und zu viele Probleme
Ist New World nun ein perfektes MMORPG? Nein, bei Weitem nicht. Die Entwickler haben viele der ursprünglichen Kritikpunkte angefasst, doch trotzdem hat New World noch immer viele Probleme.
Vor allem das Kampfsystem leidet unter Verzögerungen bei der Nutzung von Fähigkeiten, Problemen bei den Animationen und Bugs, die bei vereinzelten Fertigkeiten auftreten. Manche dieser Bugs gibt es bereits seit Monaten.
Die Probleme am Kampfsystem wirken sich vor allem negativ auf das PvP aus. Viele meiden auch deshalb den Außenpostensturm oder die Arenen, weil es frustrierend ist, einen Kampf aufgrund von technischen Problemen zu verlieren.
Doch auch abseits des Kampfsystems ist nicht alles problemfrei:
- Einige Perks sind verbuggt – vor allem im PvP
- Einige Gegner in Dungeons lassen sich exploiten
- Es gibt einen Bug rund um die Ausdauer, die für das Ausweichen benötigt wird
- Es gibt dutzende kleine Bugs im Spiel, sei es bei Monstern, Territorien oder dem UI im Außenpostensturm
Bezeichnend für die Probleme waren auch die Valentins-Waffen im Februar, die direkt nach dem Release wegen Bugs wieder aus dem Shop genommen werden mussten.
Sind nur Bugs das Problem? Nein. Gerade die Hardcore-Spieler warten sehnsüchtig auf neue Inhalte, die nicht mit PvP zu tun haben. Immerhin schrieb sich New World selbst auf die Fahne, ein Spiel für PvE-Fans zu sein.
Die Stärke von New World lag für viele in der atmosphärischen Welt und dem Crafting-System. Beide bekamen aber keine signifikanten Updates, auch weil “Grund-Features” wie die PvP-Arenen erst nachträglich implementiert wurden. Sowas hätte dem MMORPG auch schon zum Release gutgetan.
Die Zahlen sinken und es ist keine Trendwende zu erkennen
Wie steht als also um New World? In den letzten 24 Stunden waren 17.900 Spieler gleichzeitig im Peak online (via SteamDB). Das reicht auf Steam für Platz 4 der meistgespielten MMORPGs – hinter Lost Ark, FFXIV und ESO. Allerdings haben ESO und FFXIV eine Vielzahl ihrer Spieler außerhalb der Plattform von Valve.
Derzeit deutet jedoch nichts auf einen Umschwung hin. Selbst ein kostenloses Wochenende im April enttäuschte komplett.
Zwar hat New World viele Fehler vom Start ausgebügelt, doch es hat noch immer vier große Probleme:
- Es gibt noch immer zu viele Bugs und es kommen mit jedem Update neue Bugs dazu.
- Das Kampfsystem ist weiterhin nicht optimal.
- Das MMORPG hat einen schlechten Ruf und derzeit passiert nichts, was den Ruf bessert.
- Es fehlt ein großes Feature oder eine Besonderheit, um Spieler und Medien wieder auf New World aufmerksam zu machen. Denn alles, was New World bisher bekommen hat, sind Standard-Inhalte, die andere MMORPGs so ebenfalls bieten.
Gibt es auch positives? Ja, die Kommunikation und die Hingabe der Entwickler ist ein Lob wert. Denn gerade in den letzten Monaten wurden vermehrt Videos und Blogposts veröffentlicht, die Einblicke in die Ideen und die Zukunft des Spiels geben.
Lob gab es auch dafür, dass die Entwickler in Streams von Asmongold oder anderen Twitch-Streamern gegangen sind, um das neue Dungeon zu spielen. Auch auf dem eigenen YouTube-Kanal präsentierten die Entwickler ihr Gameplay:
New World ist kein WoW, aber es kann Spaß machen
Lohnt sich im Juni 2022 trotzdem ein Einstieg? Wer ein MMORPG mit einem ungewöhnlichen und taktischen Action-Kampfsystem sucht und kein klassisches Themepark-Spiel à la WoW erwartet, sollte sich New World durchaus anschauen.
Gerade die Atmosphäre der Spielwelt, die verschiedenen Wege zum Leveln und die Dungeons machen einiges her. Wer zudem kein Problem mit Grind und PvP im Endgame hat, kann hier auf seine Kosten kommen.
Ich selbst habe inzwischen über 600 Spielstunden und viele gute Erlebnisse in dem Spiel gehabt. Mich fesseln vor allem die Spielwelt, die ständige Karotte vor der Nase und die Kämpfe, die sich stark von den großen MMORPGs wie WoW oder FFXIV unterscheiden.
Doch New World kann trotzdem mit den stärksten Spielen des Genres derzeit nicht mithalten – dazu gibt es zu viele Fehler, zu wenig Content und zu wenig Anreize, die alten Inhalte immer wieder zu spielen. Ob jemals eine Trendwende gelingt, ist derzeit ungewiss. Womöglich könnte nur ein Addon mit großer Marketing-Kampagne nochmal für einen Hype sorgen.
Wie seht ihr New World derzeit? Was müsste das Spiel bekommen, damit ihr wieder reinschaut?
Wer übrigens wissen möchte, wo die besten MMORPGs derzeit stehen, sollte sich unsere Tier List anschauen:
Wo stehen die 50 größten MMORPGs derzeit? Die Tier List 2022
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