Im MMORPG-Markt sehen wir gerade eine starke Spaltung. Im Westen fahren die MMORPG-Firmen wie ArenaNet (Guild Wars 2) oder Blizzard (WoW) einen Spar-Kurs und es kommt zu Entlassungen. In Südkorea geht es MMORPG-Firmen wie NCSoft (Lineage M) oder Pearl Abyss (Black Desert) so gut wie nie. Woran liegt das?
So geht es MMORPG-Firmen im Westen: In den letzten Jahren war bei den hiesigen MMORPG-Firmen ein Sparkurs angesagt. Es dringt von den Firmen wenig nach außen, aber das, was man hört, klingt negativ:
- Blizzard ist angeblich einem Spar-Diktat von Activision unterworfen. Zwar stockt man die Entwickler-Teams auf, aber drumherum wird abgebaut. Das drückt angeblich heftig auf die Moral. Im Februar 2019 entließ Activision Blizzard 800 Mitarbeiter, darunter einige Community-Manager von Blizzard.
- Bei ArenaNet kam es 2019 ebenfalls zu Entlassungen, dem Studio scheint es nicht gutzugehen. Das einzige Spiel „Guild Wars 2“ kommt in die Jahre – führende Entwickler haben das Studio verlassen.
Generell gelten MMORPGs im Westen als schwierig. Es werden kaum neue entwickelt. Die aktuellen MMORPGs, “die großen 5”, beherrschen den Markt seit Jahren.
Das letzte große MMORPG, das neu erschien, war WildStar: Das ist schon lange abgewickelt und das Studio aufgelöst. Selbst erfolgreiche MMORPGs wie Star Wars: The Old Republic wurden in den letzten Jahren vernachlässigt, weil sich die Entwickler eher “Trend-Genres” wie Loot-Shootern zuwandten und dann Anthem entwickelten.
In Asien investieren MMORPG-Firmen Millionen in Infrastruktur
So geht es MMORPG-Firmen in Asien: Den Firmen in Südkorea geht es blendend. Allen voran NCSoft und Pearl Abyss:
- Von Pearl Abyss ist bekannt, dass sie sich ein großes neues Firmengebäude errichten. Außerdem waren sie auf Shopping-Tour und haben EVE Online dazugekauft. Bislang ist das Studio nur für Black Desert bekannt – jetzt sollen aber viele neue Titel folgen
- NCSoft geht es offenbar ähnlich gut. Die neueste Nachricht ist, dass sie sich für 700 Millionen US-Dollar einen riesigen Parkplatz gekauft haben, um dort ein neues globales Forschungs-Zentrum zu errichten (via mmoculture).
Woran liegt das? Vor wenigen Jahren war NCSoft noch in einer Krise. Der Gang in den Westen mit Guild Wars 2 und WildStar war ziemlich gescheitert. Die alten MMORPGs wie Lineage, Blade and Soul und AION kamen in die Jahre. Die Einnahmen gingen runter.
Neue MMORPGs wie Lineage Eternal hingen in der Entwicklung fest und wurden einfach nicht fertig.
NCSoft steckte bis zum Hals in Problemen.
Geändert hat das 2017 ein Spiel: Lineage M. Indem NCSoft eine Mobile-Version ihres uralten MMORPGs, Lineage aus 1998, veröffentlichte, sanierte sich die Firma über Nacht.
Seitdem ist man voll auf den Mobile-Zug geschwenkt und hat Mobile-Versionen der aktuellen MMORPGs angekündigt und zum Teil schon veröffentlicht.
Die Vierteljahres-Bilanzen stagnierten die Jahre über und zeigten eher einen Abwärtstrend, seit Mitte 2017 sind sie plötzlich ein Freudenfest.
Mobile, und da eigentlich nur Lineage M, nimmt mehr Geld ein als alle PC-Spiele zusammen.

Diese Einnahmen machen es NCSoft möglich, „kriselnde PC-Projekte“ wie Lineage Eternal zu verzögern und neu als Project TL zu starten. Außerdem kann NCSoft auf die neuen Konsolen schielen und viel Geld in die Infrastruktur investieren.
Pearl Abyss ist in einer ähnlichen Lage: Ein guter Teil des Geldes kommt von Black Desert Mobile, wandert dann aber in Infrastruktur und neue Games wie Crimson Desert, das für die neue Konsolen-Generation gedacht ist.
Das ist der Vorteil von Mobile: Mobile-Games sind in Asien unheimlich angesagt, relativ zügig zu entwickelt und nehmen über Mikrotransaktion viel Geld ein.
Zudem brauchen die Studios keine neuen Marken zu entwickeln: Sie portieren einfach ihre bestehenden Games mit jahrelanger Tradition auf Mobile-Geräte:
- Viele MMORPG-Fans in Asien haben wohl keine Zeit mehr, wie früher stundenlang vor dem PC zu sitzen – jetzt, wo sie Job und Kinder haben
- in der toten Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderswo wollen sie dann aber doch wieder die tiefen MMORPGs von früher spielen
- dazu erschließt Mobile neue Kunden: Denn nicht jeder hat einen Gaming-PC, aber praktisch jeder ein Smartphone
Blizzard stellt auf Mobile um, aber es knackt und knirscht
So geht es bei Blizzard weiter: Der Plan von Activision Blizzard sieht offenbar einen ganz ähnlichen Weg vor:
- Diablo Immortal ist bereits angekündigt und soll Diablo auf Mobile bringen
- Zudem sollen weitere Mobile-Titel bei Blizzard in Arbeit sein
Vielleicht bringt die Mobile-Umstellung ja auch für Blizzard den Aufschwung, den NCSoft bereits vor einigen Jahren erlebt hat und spült frisches Geld für neue Projekte in die Taschen.
Der Hauptkritikpunkt von Activision an Blizzard soll sein, dass die einfach zu wenige neue Spiele entwickeln. Das Problem könnte man mit Mobile-Games in den Griff kriegen.

Allerdings ist der Markt im Westen deutlich anders aufgestellt als in Asien. Erste Versuche von Blizzard in Richtung Mobile zu schwenken, wurden von den Fans hart kritisiert.
Außerdem dauert die Umstellung offenbar sehr lange: Diablo Immortal ist seit Jahren ein Thema, hat aber noch immer nicht begonnen. Von den weiteren Mobile-Games hört man es seit Jahren im Unterholz, vorgestellt wurden sie noch nicht.

Die Core-Fans von Blizzard haben ihre Abneigung gegen Diablo Immortal sehr deutlich gemacht. Dennoch steht Blizzard weiter hinter dem Projekt und lässt sich nicht beirren.
Warum das Spiel so wichtig für Blizzard ist, erklären wir auf MeinMMO:
Warum Diablo Immortal so wichtig für die Zukunft von Activision Blizzard ist
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