Auch 2021 haben Frauen mit Widerständen und Vorurteilen in der Gaming-Branche zu kämpfen. Anlässlich des Weltfrauentags gaben einige deutsche Influencerinnen, Journalistinnen, die Marketing-Chefin von Xbox, die Community-Managerin von Bethesda und Twitch-Streamer Hand of Blood ein Statement ab – und warben für mehr Gleichberechtigung.
“Seit über 15 Jahren mute ich mich in öffentlichen Spiel-Lobbys. Ich spiele sehr, sehr viele Shooter, und vor allem als junges Mädchen hatte ich extreme Angst. Angst, dass ich ausgelacht werde, Angst nicht gut genug zu sein, Angst davor angemacht zu werden. Aber auch einfach nur beleidigt zu werden.” Mit dieser Geschichte leitet Maxi Gräff das Video ein, dass sie gemeinsam mit mehreren anderen bekannten Namen der deutschen Gaming-Community am 8. März – dem Internationalen Frauentag – veröffentlichte.
Ein Clip mit dem Statement erschien auf dem Xbox-Kanal für Deutschland. Gräff arbeitet seit 2015 bei Microsoft und übernimmt das Marketing für die Xbox.
Ihre Angst habe sich später durch Kommentare bestätigt, als sie Spiele-Journalistin und Moderation wurde: “Nach zehn, zwölf Jahren in der Videospielindustrie lese ich immer noch auf Social Kommentare, die mir meine Kompetenz aufgrund meines Geschlechts absprechen oder sich einfach nur zu 100 % auf mein Äußeres beziehen.”
Ein Zustand, den Frauen im Gaming immer noch oft erleben – wie mehrere Betroffene in einem Video zum Internationalen Frauentag darlegten.
Im folgenden verlinken wir die jeweiligen Twitter-Profile der Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
- Maxi Gräff (Xbox Marketing-Managerin)
- Ann-Kathrin Kuhls (GameStar YouTube)
- Lisa Ludwig (u.a. Rocketbeans)
- Jasmin alias Gnu (YouTube-Content-Creator)
- Rae Grimm (GamePro)
- Eva Sykora (Community-Managerin Bethesda)
- Lara “LaraLoft” Trautmann (Twitch-Streamerin)
- Maximilian “HandofBlood” Knabe (YouTube-Content-Creator) sprachen über die Probleme:
“Man muss beweisen, dass das nicht nur irgendwie Show ist”
Dass die Angst von Maxi Gräff kein Einzelfall ist, zeigen auch die anderen Geschichten. So berichtet etwa Rae Grimm, die Chefredakteurin von GamePro.de, von den Anfängen ihrer Karriere – in der sie aufgrund ihres genderneutralen Namens häufiger als Mann gelesen wurde:
Gerade am Anfang meiner Karriere wurde ich sehr oft für einen Mann gehalten. Als “Mann” wurde mein Stil geschätzt, als witzig, bissig oder auch gern mal grimmig. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als unsere Leser nach und nach gemerkt haben, dass ich eine Frau bin. Plötzlich war ich nicht mehr witzig, ich war zickig. Plötzlich war ich nicht mehr bissig, ich hatte meine Tage. Und plötzlich war ich nicht mehr ein “echter Gamer” – ich war eine Frau, die sich aus der Küche verirrt hat.
Erst wenige Tage ist es her, dass die YouTuberin Jasmin alias Gnu als erste Frau im deutschen Gaming die Marke von einer Million Abonnenten knackte.
Im Video berichtet Gnu von den Schwierigkeiten, denen sie im Laufe ihrer Karriere begegnete. Man habe ihr erzählt: “Das schaffst du nicht, gerade als Frau ist es noch schwieriger. Du brauchst einen Push, ohne Push kannst du es nicht schaffen.”
Sie habe sich immer wieder beweisen müssen: “Man muss Leuten beweisen, dass man sich mit Gaming auskennt und Games liebt. Und dass das nicht nur irgendwie Show ist.
Auch im Interview mit MeinMMO berichtete die YouTuberin 2020 über Sexismus in der Gaming-Branche und dass sie sich lange nicht getraut habe, etwas zu sagen.
Lara “LaraLoft” Trautmann erzählt im Video: “Ich hab oft mit Kommentaren zu kämpfen, gerade was das Aussehen angeht.”
Die gingen oft in Richtung Gewicht, oder kommentierten sie sehe “krank und blass” aus, wenn sie etwas weniger oder – im Gegenzug – zu stark geschminkt sei: “Man muss immer darauf achten wie man aussieht, was man anhat, dass man keinen zu großen Ausschnitt anhat. Oder ich bekomme oft Sprüche, das meine Nase zu groß sei – und dann denkt man darüber nach, die operieren zu lassen, obwohl ich selber sehr zufrieden mit meiner Nase und meinem Aussehen bin.”
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Zum Ende des Videos gibt YouTuber Maximilian “HandOfBlood” einen Einblick – und erzählt, dass er sich lange keine großen Gedanken um Sexismus im Gaming gemacht habe, weil er eben nicht direkt betroffen gewesen sei. Das änderte sich, als er mitkriegte, wie es seiner Freundin beim Zocken ginge: “Ich habe das ganz passiv in unserem Alltag miterlebt. Was sie sich anhören muss, nur weil sie Videospiele spielt. Seitdem bin ich für diese Thematik sehr sensibilisiert”
Am Ende des Videos betonen die Influencer, dass es mittlerweile deutliche Fortschritte gegeben habe, aber weiter daran gearbeitet werden muss. Es wird für mehr Respekt, Diversität und Zusammenhalt geworben. Gaming sei für alle da – und nicht für einzelne Gruppen.
Grundsätzlich spielt das Thema Gleichberechtigung im Gaming eine immer wichtigere Rolle – genau wie das Gespräch über Sexismus. Die Streamerin QTCinderella stieß jüngst eine Diskussion zu dem Thema an, wie sich Frauen auf Twitch in “Hut Tub Streams” zeigen – und kritisert dies als einfache Werbung für Dienste wie OnlyFans.
Disclaimer: Ann-Kathrin Kuhls und Rae Grimm arbeiten beide für Webedia Gaming, für die GameStar und für die GamePro. Auch MeinMMO gehört zu Webedia Gaming.
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