MeinMMO-Autor Maik Schneider rannte jubelnd durch das Höllen-Tor auf Level 60 in Diablo Immortal. Er ist ein Free2Play-Spieler und schätzt das kostenlose Action-RPG. Doch nach dem Blick auf die Endgame-Mechaniken ist der Jubel vergangen.
Diablo Immortal hat mich nach langen Jahren wieder zurück zur Diablo-Reihe gebracht. Mit einem Grinsen im Gesicht denke ich an meine Zeit in Diablo 3 zurück. Splitscreen zu viert mit zwei Fernsehern, bis einer der Koop-Partner automatisch hinterherläuft, weil der Typ am Controller schon schläft.
Statt auf den Mönch setze ich in Diablo Immortal auf den Totenbeschwörer und statt eines schlafenden Mitspielers steht mir eine Welt voller Spieler offen, mit denen ich jederzeit viele Aktivitäten angehen kann.
Also spielte ich fleißig die Story seit dem Release und kam nun endlich im Endgame am – Level 60, Start der Paragon-Erfahrung.
Bisher habe ich keinen Cent ausgegeben und bin auch zufrieden mit dem Erlebnis, das mir Diablo Immortal bietet. Ich wollte mich dann direkt an den Grind für die passenden Set-Items für meinen Build machen und musste feststellen, dass ich die jetzt noch gar nicht komplett sammeln kann.
Denn Diablo Immortal setzt klare Grenzen, wenn es um Endgame-Grind geht. Und ich denke, dass das aktuelle System nach Level 60 ein größeres Problem ist als Pay2Win und Legendäre Edelsteine.
Denn die größten Fans vom Action-RPG werden damit in ihrem Eifer beschränkt. Die Leute, die das Spiel von Release an durchgrinden und es auch immer gegen die ständigen Pay2Win-Vorwürfe verteidigen – genau diese Leute werden durch die künstlichen Grenzen eingeschränkt.
Mehr zu den kontroversen Legendären Edelsteinen erfahrt ihr bei uns im Video:
Das Endgame hat gleich 3 große Probleme
Nachdem ich komplett verstanden hatte, wie die ganzen Pay2Win-Mechaniken funktionieren, war ich kurz demotiviert.
Ich machte mir jedoch klar, dass ich ohnehin nicht zu den besten PvPlern auf dem Server gehören möchte. Ich will nur manchmal einen schnellen Grind mit Freunden – immer mit Blick auf einen starken Build. Und dafür gibt es auch genügend Legendäre Edelsteine, die ich ohne Echtgeld-Einsatz bekomme.
Als ich mich dann tiefer mit den Paragon- und Endgame-Systemen beschäftigt habe, wurde mir klar, dass eigentlich genau hier die Probleme für Vielspieler liegen und nicht beim Pay2Win-Ansatz.
Insgesamt möchte ich euch drei Mechaniken aufzählen, die das Endgame beschränken oder Vielspieler in ihren Möglichkeiten einschränken, Diablo Immortal den ganzen Tag durchzusuchten:
- Paragon-Schranke lässt keine bessere Ausrüstung zu
- Loot-Grenzen beschränken Verbesserungspotenzial
- Echtgeld-Gegenstände an Charakter gekoppelt
Paragon-Schranke – Es geht nur langsam vorwärts
Diablo Immortal möchte Nachzüglern eine Chance geben, hinter den fleißigen Paragon-Grindern hinterherzukommen. Dazu hat das maximale Paragon-Level ein striktes „Soft-Cap“.
Auf meinem Server, El’Druin, liegt das Paragon-Server-Level zum Zeitpunkt des Artikels bei 26. Alle, die unter diesem Level stehen, bekommen einen ordentlichen Erfahrungspunkte-Boost. Bin ich drüber, gibts weniger Erfahrungspunkte. Die EP-Leiste unten im Bild färbt sich sogar rot.
- 1 – 2 Level: 80 % EP
- 3 – 4 Level: 60 % EP
- 5 – 6 Level: 50 % EP
- 7 – 8 Level: 40 %
- 9 – 10 Level: 30 % EP
- 11 – 12 Level: 20 % EP
- Weiter drüber: Kaum EP
Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn das Paragon-Level nur das Paragon-System beeinflussen würde. Doch es hängt auch mit der Ausrüstung zusammen.
Die beiden Ringe aller Item-Sets kann ich etwa erst auf dem Schwierigkeitsgrad „Hölle IV“ ergrinden. Hölle IV ist aber erst ab Paragon-Level 150 empfohlen und Ausrüstung dieser Schwierigkeit lässt sich auch erst ab 150 ausrüsten.
Selbst wenn ich mich also mit einem Trupp durch die Instanz quäle und das begehrte Set-Item bekomme, brauche ich Paragon 150, um es anzulegen. Bis das Server-Level auf diesem Niveau ist, dauert es aktuell noch 62 Tage. Das wäre erst Mitte August.
Etwas Ähnliches gilt für den Rüstungs-Schmied. Egal, wie viele Materialien ich dem Schmied anbiete, irgendwann brauche ich ein höheres Paragon-Level, sonst gibts keine Upgrades mehr. Für Ausrüstungsstufe 8 brauche ich schon Paragon-Level 30.
Dazu kommt, dass alle Ausrüstungen weniger wert sind, sobald die nächste Paragon-Schwelle erreicht ist. Denn auf dem neuen Paragon-Niveau gibt es das wichtige Legendary für meinen Build wieder in einer besseren Version – also abermals grinden.
Loot-Grenzen – Grind ausdrücklich nicht erwünscht!
Ein Team aus Vielspielern hat entdeckt, dass es bei vielen Aktivitäten Loot-Grenzen gibt. So kann ich maximal fünf Verfluchte Truhen am Tag spielen oder fünf Nebenquests erledigen. Danach gibt es keine ruhmreiche Truhe mehr als Belohnung.
Zwei Grenzen halten wirklich auf: Legendarys und Normale Edelsteine. Sobald ich je sechs davon an einem Tag gesammelt habe, gehen die Chancen auf weitere Items der Art rapide nach unten.
Warte ich also geduldig auf die neue Paragon-Schwelle, dann kann ich nicht mal richtig losgrinden, um meine Legendarys auf den neusten Stand zu bringen. Findet man sechs, lässt das nächste Legendary ewig auf sich warten.
Mehr zu den Loot-Grenzen im Spiel findet ihr hier:
Charakter-Kopplung – Zweit-Charakter darf doppelt löhnen
Zu guter Letzt bremst die Shop-Politik aus. Kauft man sich etwas mit Echtgeld, dann sind diese Pakete Charakter-gebunden. Man kann also nicht mal eben einen Zweit-Charakter anfangen und dann mit gekauften Vorteilen Vollgas geben.
Von dem ganzen Zeug profitiert nur der Charakter, auf dem die Items aktiv gekauft wurden. Das gilt für den Battle Pass sowie auch für Cosmetics und andere Pakete.
Klar, man kann auch ohne das ganze Zeug einen Zweit-Charakter angehen. Aber besonders bei den Cosmetics kann ich nicht aufhören, den Kopf zu schütteln. Das sehen Teile der Community ähnlich.
Fazit: Legendäre Edelsteine sind mir egal, aber lasst mich doch grinden!
Diablo Immortal erzeugt in mir Wellen-Bewegungen. Erst war ich hyped und hatte viel Spaß. Dann verstand ich die Nummer mit den Legendären Edelsteinen und war geknickt.
Dann habe ich verstanden, dass ich auch ohne einen 5/5-Stern-Edelstein hervorragende Builds bauen kann. Aktuell zieht mich die Nummer mit den Loot- und Ausrüstungs-Grenzen jedoch wieder runter.
Mein Problem ist, dass ich mich gern mehr damit beschäftigen will, es mehr spielen will. Dass ich hier eigentlich ein vollwertiges Diablo in den Händen halte, man aber immer wieder vor künstlichen Hürden steht, die teilweise nicht sein müssten. Dazu gehören auch die XP-Walls zwischen den Gebieten.
Deswegen stehe ich heute hier und sage: Pay2Win ist nicht das größte Problem von Diablo Immortal. Es sind die Fortschritts-Hürden, die im Endgame aufgebaut wurden und die größten Fans des Action-RPGs davon abhalten, das Spiel ohne Grenzen zu genießen.
Lasst mir gern ein Kommentar zum Thema da. Ich freue mich, eure Meinung dazu zu hören.
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