Das Summer Game Fest war, milde gesagt, ernüchternd. Obwohl die Erwartungen von MeinMMO-Chefredakteurin Leya Jankowski schon gering waren, wurden diese noch unterboten. Der Horror liegt aber nicht (nur) in dem Event an sich.
Fast zwei Stunden lang wurden wir wieder vom Summer Game Fest mit Game-Trailern bombardiert, die uns mit reichlich Action, Atmosphäre und starker Inszenierung anlocken sollen. Für Gameplay ist hier wenig Platz.
Der Journalist und Host Geoff Keighley richtet die Veranstaltung nun schon seit 2020 aus und bietet damit eine Alternative zu den E3-Pressekonferenzen.
Ich freue mich jedes Jahr auf diese Events.
Ich liebe es, neue Spiele zu entdecken und mich von coolen Trailern berieseln zu lassen. Die komplette Gamerschaft kommt zusammen und man fühlt richtig die Freude und Leidenschaft am gemeinsamen Hobby.
Das war dieses Jahr anders.
Wenig erwartet und trotzdem ernüchtert
Nun befinden wir uns wirklich in einem schwierigen Gaming-Jahr. 2022 merkt man so richtig die Auswüchse der Pandemie in der Industrie. Schon die letzten Jahre waren geprägt von Verschiebungen wichtiger Titel.
Das große Highlight dieses Jahr war ohne Frage Elden Ring, das förmlich auf Metacritic explodierte und krasse Spitzenbewertungen bekam. Unser jetziges großes Highlight ist Diablo Immortal, das wir in der MeinMMO-Redaktion aktuell als stärksten Release sehen. Und das, obwohl Blizzards Mobile-Titel stark in der Kritik wegen Pay2Win-Mechaniken steht.
Und was kommt jetzt im AAA-Segment? Lange nichts.
Hogwarts Legacy ist da noch ein Lichtblick, der noch im Winter 2022 kommen soll. Und auch hier wäre eine erneute Verschiebung auf 2023 nicht die größte Überraschung.
Update: Das gleiche gilt für Forspoken, ein Fantasy-Action-Rollenspiel, das noch im Oktober 2022 erscheinen soll. Auch hier machen sich bereits Gerüchte breit, über eine erneute Verschiebung. Forspoken war mir in der ursprünglichen Fassung des Artikels als spannender Blockbuster durchgerutscht, worauf mich Canelloni in den Kommentaren aufmerksam machte.
Genau das merkte man nun leider auch dem Summer Game Fest an. Das Event kann selbst nicht einmal etwas dafür. Was soll man auch tolles Neues zeigen, wenn einfach nichts da ist?
Auch, wenn mir das alles schon vorher bekannt und bewusst war, hatte ich noch die Hoffnung, dass es diese eine Überraschung geben würde. Das eine Ding, mit dem niemand von uns gerechnet hat und uns jubeln lässt.
Das eine Ding blieb aus.
Das größte Highlight, das dann auch schnell die Twitter-Trends stürmte, war das angekündigte Remake von The Last of Us. Das war leider kurz vorher geleaked, sonst hätte ich während der Veranstaltung gejubelt.
Alleine, wenn die Musik ab Minute 00:30 einsetzt, fühle ich es im Magen und bekomme Gänsehaut:
Aber nun ja, dass jetzt ausgerechnet ein Remake das große Highlight des Summer Game Fests ist, spricht wirklich Bände.
Viele düstere Horror-Trailer mit beklemmender Atmosphäre
Nachdem wir uns damit beschäftigt haben, was es nicht auf dem Summer Game Fest gab, schauen wir mal, was es gab: Auffallend düstere Vibes.
Vielleicht liegt es daran, dass die meisten von uns kollektiv in den letzten zwei Jahren von düsteren Gedanken geplagt waren. Das gilt auch für die Leute, die unsere Spiele machen. Von rund 35 gezeigten Trailern hatten mindestens 25 etwas Dunkles, mit Monstern oder Aliens überfüllte Räume oder was Beklemmendes.
Ich lasse hier mal ein paar Beispiel-Trailer für sich sprechen:
Layers of Fears ist ein Horrorspiel im klassischen Sinne. Der Vorgänger Layers of Fear ist für psychedelischen Horror bekannt, in dem die Erkundung von düsteren Plätzen und Storys einen großen Fokus hat.
Aliens: Dark Descent sieht im Grunde aus wie ein taktischer Shooter, der aber auch eher aussieht wie ein fieses Horrorspiel – enge Gänge, Aliens, Angst.
Callisto Protocol ist von den Machern von Dead Space und sieht auch entsprechend aus. Auch hier, viele klassische Horror-Elemente mit fiesen Tentakel-Monstern, die sich an Köpfe festsaugen.
Ja, sogar bei dem neu vorgestellten Strategiespiel Stormgate hatte ich das Gefühl, gerade eher einen Sci-Fi-Horror zu sehen.
Das sind jetzt nur vier exemplarische Trailer, die aber die Atmosphäre des Abends ganz gut einfangen. Natürlich gab es auch Kontrast-Programm, wie ein angekündigter DLC zum humorvollen Cartoon-Game Cuphead. Sowas war aber selten vertreten.
Auch, wenn ich düstere Atmosphäre an sich mag, hatte die geballte Ladung vielleicht einen gewissen Einfluss auf meine Sicht des Events.
Das Gaming-Jahr müssen wir nicht düster sehen
Anscheinend erwarten uns in den nächsten Monaten und ein bis zwei Jahren ein paar Horror-Szenarien im Gaming und wenige AAA-Titel.
Auf rein beruflicher Ebene ist das tatsächlich schwierig für uns. Denn große, neue Releases wie jetzt kürzlich noch ein Elden Ring, Lost Ark und ja, auch ein Diablo Immortal, beleben unsere MeinMMO immer! Aber das ist für euch, liebe Leser und Leserinnen, natürlich nicht ganz so relevant wie für mich.
Denn wir können die Gaming-Flaute im AAA-Bereich als große Chance sehen. Es wird coole Releases geben, die aber nicht so große Wellen schlagen werden wie ein Elden Ring.
Das bedeutet, dass kleinere Produktionen die Chance haben, ohne gigantische Platzhirsche, im vollen Glanz zu erstrahlen. Vielleicht schauen wir uns diese Spiele dann doch noch mal ein Stück bewusster an, auf der ständigen Suche nach etwas Neuem.
Ein Konter-Programm ist hier etwa die Wholesome Direct, die sich dazu verschrieben hat, kleine Indie-Titel vorzustellen, die für ein wohliges Gefühl sorgen. Letztes Jahr wurde da etwa Unpacking vorgestellt, das sich zum echten Geheimtipp entwickelte.
Man muss eben nicht alles pessimistisch sehen. Kollege Benedict fand etwa, dass ein neues Survival-Game für Steam wie das aussieht, was sich New World nicht getraut hat zu sein.
Auf was für Spiele freut ihr euch noch in diesem Jahr?
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