Bericht wirft düsteres Licht auf Entwicklung von Fallout 76 – Spricht von Crunch und Kündigungen

Bericht wirft düsteres Licht auf Entwicklung von Fallout 76 – Spricht von Crunch und Kündigungen

Fallout 76 stand zum Release stark in der Kritik, weil es mit Bugs und Problemen zu kämpfen hatte. Auch inhaltlich fehlten einige Dinge, die die Spieler erwartet hatten, darunter NPCs. Kotaku hat nun mit ehemaligen Angestellten über die Entwicklung gesprochen. Die berichten von Crunch vor dem Release, fehlender Abstimmung in der Führung und Kündigungen von Entwicklern.

Was steht in dem Bericht? Die Webseite Kotaku hat mit zehn ehemaligen Mitarbeitern von Bethesda und dem Mutterkonzern ZeniMax Media gesprochen. Diese berichten von schwierigen Zuständen bei der Entwicklung von Fallout 76:

  • Das Management soll die Entwicklung eines Service- und Multiplayer-Spiels unterschätzt haben. Einige Probleme, auf die bei der Umsetzung gestoßen wurde, sollen von der Führung abgeschmettert worden sein.
  • QA-Tester sollen in den Monaten vor Release zehn Stunden pro Tag gearbeitet haben und das sechs Tage pro Woche. Dabei sollen sie zudem nur wenig Geld bekommen haben.
  • Manche Chefs, die in die Entwicklung eingespannt wurden, sollen gar keine Interesse an dem Spiel gezeigt haben.
  • Einige langjährige Senior-Entwickler sollen im Zuge der Entwicklung gekündigt haben.

Der Report erinnert in vielen Zügen an das, was auch BioWare bei der Entwicklung von Anthem vorgeworfen wurde.

Wir von MeinMMO haben Bethesda kontaktiert und um ein Statement zu den Vorwürfen gebeten.

Alles, was ihr zu Fallout 76 wissen müsst – in 2 Minuten

Zusätzliches Geld und Pizza sollten am Wochenende motivieren

Was berichten die ehemaligen Mitarbeiter? Besonders die QA-Tester sollen unter den Bedingungen gelitten haben. Diese haben generell einen schweren Stand in der Branche, weil sie ja „nur“ Inhalte spielen und auf Fehler hinweisen sollen.

In dem Bericht heißt es, dass die Tester wenig Verdienst pro Stunde hatten und regelmäßig zur Arbeit am Wochenende aufgerufen wurden. Als Entschädigung gab es 200 Dollar und kostenlose Pizza. Das habe zwar anfangs als Motivation genügt, führte jedoch zu mentalen und gesundheitlichen Problemen.

Es soll zudem vorgekommen sein, dass die Arbeit als „freiwillig“ bezeichnet wurde, aber wenn sie nicht gemacht wird, müsse das gesamte Team kommen.

Fallout 76 Fallout 1st Überlebenszelt 1
Fallout 76 hatte viele gute Ansätze, konnte aber nie die große Masse überzeugen, auch weil es unvollständig erschien.

Doch nicht nur QA-Tester sollen Probleme gehabt haben. Laut dem Bericht haben mehrere Senior-Entwickler das Studio im Zuge des Drucks oder gesundheitlichen Problemen während der Entwicklung verlassen. Einige sollen bereits seit der Entwicklung Fallout 3 und Skyrim Teil der Firma gewesen sein.

Grund dafür soll gewesen sein, dass zwar das Spiel immer größer, aber den Entwicklern nicht mehr Zeit eingeräumt wurde. Nach der Ankündigung auf der E3 2018 wurde das Release-Date nicht verschoben.

Crunch ist immer wieder ein Thema in der Gaming-Branche. Dabei geht es darum, dass massive Überstunden zur Normalität werden und Entwickler oder Mitarbeiter derart viel arbeiten und Stress erleben, dass sie davon krank werden oder Probleme mit dem Privatleben bekommen. Dies soll auch bei Spielen wie Cyberpunk 2077 oder Red Dead Redempotion 2 vorgekommen sein.

Wie soll die Führung reagiert haben? Laut Kotaku sollen immer wieder Mitarbeiter aus anderen Studios dazu geholt worden sein, etwa von The Elder Scrolls Online oder von Arkane Studios, dem Entwickler von Redfall.

Doch obwohl diese Teams bereits Erfahrung mit Online-Spielen hatten, soll ihr Feedback von den Führungen ignoriert worden sein.

Ein ehemaliger Mitarbeiter sagt etwa:

Während der Entwicklung schien unser Designdirektor Emil [Pagliarulo] überhaupt nichts mit dem Produkt zu tun haben zu wollen. Er wollte keinen Kontakt damit haben … oder irgendetwas lesen, was wir ihm vorlegten.

Morddrohungen an die Tester und Entwickler

Neben dem Crunch und den Problemen in der Führung bekam die Release-Version von Fallout 76 zudem starke Kritiken. Es fehlten etwa die NPCs, was auch schon Tester bemängelt hatten.

Es folgten Morddrohungen an die Entwickler. In einem Bug-Report soll etwa gestanden haben: „Ich werde eine Pistole nehmen, in die QA-Abteilung gehen und sie alle erschießen.“

Inzwischen wurden einige Updates gebracht

In letzter Zeit ist das Interesse an Fallout 76 trotzdem abgeflacht.

Auch unter Microsoft soll es Probleme geben

Wird es unter Microsoft nun besser? Im September 2020 kaufte Microsoft die Firma ZeniMax, den Mutterkonzern von Bethesda, für 7,5 Milliarden Dollar. Doch eine Besserung soll wohl initial nicht eingetreten sein.

Im Bericht heißt es, dass sich die Mitarbeiter auf die Boni gefreut hätten, etwa mehr Elternzeit oder besseren Umgang mit Krankenversicherungen. Von der Führung soll es jedoch mitgeteilt worden sein, dass diese Vorteile nicht für die Mitarbeiter von Bethesda gelten. Ob dies immer noch so ist, sei Kotaku nicht bekannt. Immerhin sind die befragten Mitarbeiter kein Teil der Firma mehr.

Die englische Webseite PCGamer berichtet zudem davon, dass sich Microsoft laut eigenen Quellen weitestgehend aus Bethesda heraushält, um das Gleichgewicht im Studio nicht zu stören.

Trotz der Kritik zu Release und den Berichten über den Crunch bei den Mitarbeitern, hat sich Fallout 76 in der Zeit seit 2019 zu einem guten Spiel entwickelt. Die Rezensionen wurden immer besser, vor allem seit dem Release auf Steam. Auf MeinMMO zählt es sogar zu den besten Survival-Games überhaupt:

Die besten Survival-Games 2022 für PlayStation, PC und Xbox

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