Tanken in World of Warcraft kann anstrengend sein. Doch schlimmer als die Dungeons sind oft die Mitspieler und wie sie sich verhalten.
Damit man in Dungeons von World of Warcraft Erfolg hat, ist eine vollständige Gruppe aus drei Schadenausteilern (DDs), einem Heiler und einem Tank notwendig. Doch besonders letztere machen eben nicht 20 % der gesamten Spieler aus, weshalb die Wartezeit auf einen Tank lang sein kann. Schlimmer noch, wenn die Tanks ohnehin keine Lust haben, „für Randoms“ zu tanken. Aber ist das wirklich verwunderlich, wenn sie immer von allen Seiten angegiftet werden?
In den letzten Tagen habe ich vermehrt meinen Twink gespielt, einen Dämonenjäger-Tank. Dämonenjäger sind – aus meiner Sicht – noch immer recht simpel zu beherrschen, egal ob als DD oder Tank, für mich also der perfekte Zweitcharakter.

Weil ich auch für die Gilde gerne mal Aushilfstank spiele, mach ich das inzwischen auch relativ gerne in Random-Gruppen. Egal ob in heroischen oder mythischen Dungeons, grundsätzlich tanke ich gerne. Mir macht es Spaß, in die Gruppen von Feinden zu springen, das Tempo vorzugeben und einen Großteil der Verantwortung für die Gruppe zu tragen.
Als Tank trägt man die Schuld – Da spiel ich nicht mit
Dabei bin ich bei Weitem nicht perfekt – der Tank ist eben nur mein Twink. Wenn ich sonst PvE-Inhalte in WoW spiele, dann im Regelfall mit einer festen Gildengruppe. Da sind wir auch in Mythisch+ relativ solide unterwegs und ich kann als Schattenpriester den sadistischen Dämon in mir ausleben. Für M+ haben wir auch immer so unsere eigenen Wege, wie wir Dungeons angehen und orientieren uns nicht zu 100 % an der aktuellen Meta-Strategie.
Wir haben so „unsere Wege“ und daher sind das auch die Routen, die ich dann als Tank verwende, wenn ich selbst einen spiele. Die kenne ich, die kann ich – sie sind vielleicht nicht perfekt, aber sie führen zum Ziel.
Wenn ich mir dann ein „Idioten-Tank, diese Gruppe spielt man auf M0 nicht“ im Gruppenchat durchlesen muss, zucken meine Augenbrauen nach oben.
Wenn der gleiche Feuermagier dann noch meint, mit seinen locker sitzenden Pyroschlägen selbst das Pullen übernehmen zu müssen, während ich noch auf das Heiler-Mana warte, dann gefriert meine Mimik.
Einmal lasse ich ihm das durchgehen. Beim zweiten Mal flüster ich dem Druiden-Heiler noch schnell „Schattenmimik“ zu und bete, dass er die Ansage verstanden hat – was oft genug klappt.
Dann kann der feurige Herr das Tanken gerne für ein paar Sekunden selbst übernehmen und schauen, wie weit er kommt, wenn seine Frostnova ausgelaufen ist und der Eisblock schmilzt.
Versteht mich bitte nicht falsch. Ich mag es, wenn Dungeons relativ schnell abgeschlossen werden. Gerade in Mythisch+ ist das auch wichtig. Doch in heroischen oder „M0“-Dungeons gibt es absolut keinen Grund, nicht eben auf das Heiler-Mana zu warten oder auch einfach mal auf den toten DD zu warten, der erst wieder heranlaufen muss, weil er übereifrig den Geist freigelassen hat.
Eine Spur Arroganz – denn ich bin wichtig
Mit dem Tanken kommt ganz automatisch aber auch ein Hauch Arroganz, denn ich weiß: Ich bin wichtig für die Gruppe. Wenn die Gruppe mich verliert, wartet sie eine ganze Weile auf Ersatz. Ich wiederum habe in Windeseile eine neue Gruppe und bin durch den nächsten Dungeon womöglich schon durch, während der Herr Feuermagier noch immer wartet und im Chat alle beleidigt, die nicht so überlegen sind, wie er selbst.
Mir ist meine Freizeit auch einfach zu schade, um mich von fremden Leute anmeckern zu lassen. Wenn ich eine Sache verbockt habe – okay. Dann nehme ich das auf meine Kappe. Dann entschuldige ich mich und versuche es besser zu machen. Ich lass’ mir auch gerne Tipps geben, wenn man eine Gruppe überspringen kann oder ich schlicht etwas übersehe.
Doch wenn es einem DD mit Hummeln im Hintern einfach nicht schnell genug geht und er auch noch im Gruppenchat beleidigen muss, bin ich ganz schnell geneigt, eine Ausschlusswahl zu starten.
Das Schöne: Wenn die anderen Spieler nicht gerade Freunde sind, dann schließen sich die meisten meinem Kick-Gesuch an. Denn keiner will den Tank verärgern. Und DDs sind ersetzbar, innerhalb von Sekunden. Sie sind Sand am Meer, ich bin die Perle in der Muschel.

Mehr Verantwortung, mehr Druck – Weniger Spaß?
Hinzu kommt der Fakt, dass Tanks für die Gruppe einfach mehr Verantwortung tragen.
Und ja, ich weiß. Auch DPS-Spieler haben Verantwortung in der Gruppe und das nicht unerheblich. Auch DDs müssen die Mechaniken spielen, Unterbrechungen perfekt timen und – spätestens auf hohen Schlüsselsteinen – auch eine solide Leistung bringen, um alles innerhalb der Zeit zu bewältigen. Ich spiel meistens DD, mir ist das alles klar, dass DPS-Klassen auch wichtig sind.
Doch es gibt eine Reihe von Aufgaben, die vor allem Tanks erfüllen müssen und die ganz automatisch mit einem Hauch mehr Verantwortung einhergehen, denn:
- Tanks bestimmen das Tempo des Dungeons
- Tanks behalten das Mana des Heilers im Auge
- Tanks geben die Marschrichtung vor und entscheiden, welche Trash-Gruppen gespielt werden
Zumindest in all diesen Aspekten können sich die DPS-Spieler zurücklehnen und entspannen.
Hinzu kommt, dass Tanks das „Spiel der hohen Zahlen“ nicht mitspielen, bei denen man sich über große kritische Treffer freut und ein Wettrennen im DPS-Meter startet. Als hauptsächlicher DPS-Spieler ist es ziemlich schwer, davon loszukommen.
Dem Tanken fehlt einfach eine „Spaß-Komponente“, die man als DPS-Spieler hat, wenn die Mobs unter dem eigenen Schaden schmelzen. Zumal Tanks aktuell eh weniger Spaß haben, denn sie rennen nur noch weg.
Tanks sind frustriert, auch in der Community
Auch in der WoW-Community teilt man diese Ansicht offenbar. Im Subreddit etwa gibt es fast jeden Tag Geschichten von Tanks, deren Geduld am Ende ist und die aufgeben. Von Random-Gruppen sagen sie sich los und gehen nur noch mit ihrer Gilde. So schreibt Lux-Fox etwa vor einigen Stunden (via reddit):
Zu diesem Zeitpunkt hat WoW mehrere Dutzend Dungeons und ihr würdet euch wundern, wie oft ich toxische Nachrichten von DPS-Spielern bekomme, weil ich ein schlechter Tank sei (Stell dir mal vor, du bist so einfach zu ersetzen wie ein DPS und heulst über den Tank, obwohl du keinen Schaden bekommen hast). All das nur, weil ich nicht jeden verdammten Dungeon komplett auswendig kenne. Es sind immer die DPS-Spieler, denn die Heiler sind dankbar, dass ich die Mobs von den DPS-Spielern fernhalte und sie mit Eigenheilung unterstütze, was es normalerweise zu einem einfachen Run für sie macht.
Ich habe auch Addons installiert, um immer sicherzustellen, dass ich den Aggro-Status von allen Feinden sehe und meine Runs sind im Regelfall problemlos. […]
Trotz all dem beleidigt ihr Tanks und ranzt sie an, anstatt ihnen zu zeigen, was sie besser machen könnten. Ich hab bis Level 50 durch Dungeons gelevelt, aber ich werde nie wieder mit zufälligen Spielern als Tank spielen. Vielleicht versuch’ ich es nochmal in 10 Jahren.
Ähnlich beschreibt es auch der Krieger sin_theta (via reddit):
Ich spiele Schutz-Krieger seit Wrath of the Lich King. […] Ich liebe das Tanken und werde das vermutlich auch immer tun. Aber wenn es um Mythisch+ geht, dann kann ich einfach nicht mehr. Um das zu spezifizieren, ich suche mir fast immer eine Gruppe. Ich habe ein paar Freunde die spielen, aber nicht genug für eine volle Gruppe. Ich bin nicht der beste Tank, aber ich weiß, dass ich okay bin.
Ich weiß, dass alles vermutlich besser wäre, wenn ich einer Gilde beitreten würde und eine solide, feste Gruppe für Mythisch+ hätte. Aber die andauernden Trash-Pulls von DPS Spielern, die Beleidigungen, wenn ich an genau diesen Feinden dann sterbe, das Meckern, wenn ich nicht schnell genug pulle (obwohl wir locker in der Zeit sind) oder weil ich zu schnell bin, das alles hat Spuren hinterlassen.
Ich lass das Tanken in M+ sein. Ich sollte das hier genießen, aber es ist einfach nur noch toxisch.
Seid lieb zu den Tanks, dann habt ihr länger was von ihnen
Um es nochmal kurz auf den Punkt zu bringen: Seid lieb zu euren Tanks. Zum einen sind es Mitspieler, die im Regelfall auch einfach nur gemütlich ein paar Dungeons durchkriegen wollen und zum anderen sind sie nicht auf euch angewiesen. Die simple Wahrheit ist nämlich: Die meisten von euch brauchen einen Tank, aber die Tanks brauchen euch nicht. Denn DPS-Spieler gibt es wie Sand am Meer. Bleibt also freundlich, selbst wenn der Tank nicht „perfekt“ in euren Augen ist. Denn fangt ihr an zu meckern, dann seid ihr selbst auch meilenweit davon entfernt.
Wie waren eure Erlebnisse mit Tanks in WoW? Oder seid ihr selbst einer? Wie sind dann eure Erfahrungen mit Random-Gruppen?
Die besten und beliebtesten Klassen für Mythisch+ haben wir hier für euch.
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