Der Twitch-Streamer Mason „Symfuhny“ Lanier hat in einem Stream zu Call of Duty: Warzone ein rassistisches Wort gesagt, für das man eigentlich von Twitch gebannt wird. Aber Streamer wie xQc und Myth verteidigen ihn. Symfuhny selbst sagt: Er kann das Wort gar nicht gesagt haben, weil es sich nicht in seinem Wortschatz befindet.
Das ist Symfunny: Der 21-jährige Mason Lanier ist einer der großen Gewinner auf Twitch in den letzten Jahren. Der ist zwar schon seit 2012 auf der Streaming-Plattform und schaffte es 2016 zum Profi in H1Z1, so richtig groß wurde er aber erst in den letzten Jahren:
- 2019 machte sich der US-Amerikaner in Fortnite einen Namen
- 2020 wechselte er zu „Call of Duty: Warzone“ und nahm den Hype voll mit
- Im Moment steht Symfuhny bei 3 Millionen Followern. Das bringt ihm den Platz 38 auf Twitch ein
- Wenn er streamt, schauen ihm im Schnitt 14.120 Leute zu
Das hat er gemacht: In einem Clip zu CoD Warzone hört man klar, dass er im Gespräch mit seinem Kumpel Myth das rassistische N-Wort verwendet. Es ist aber überhaupt nicht emotional aufgeladen. Er plappert vor sich hin, springt in den Gedanken hin und her, verwendet das Wort dann irgendwie als Anrede für Ali „Myth“ Kabbani, einen der größten Streamer auf Twitch.
Während Symhfunny selbst das gar nicht zu registrieren schien, schrieben viele Nutzer sofort in den Chat: “N Bomb” – “What the fuck” oder schlicht “????”
Clip kriegt 300.000 Aufrufe, löst Diskussion aus
Das sind die Auswirkungen: Der Clip, in dem Symfuhny das Wort sagt, hat mittlerweile über 300.000 Aufrufe. Der Clip wurde auf Livestream Fails, einem großen Subreddit, geteilt und diskutiert (via reddit).
Denn eigentlich zieht das N-Wort einen sofortigen Twitch-Bann nach sich:
- MontanaBlack wurde 2019 dafür gebannt, weil er es im Hintergrund des Streams eines Freundes sagte, als er sich furchtbar über FIFA aufregte.
- Ein junger Fortnite-Spieler wurde für das Wort von seinem Team suspendiert und zu einer Besserungs-Maßnahme verdonnert.
- Es wurden schon zig Twitch-Streamer für die Verwendung des Wortes gebannt. Jeder weiß: Das Wort darf man auf gar keinen Fall sagen.
Bei Symfuhny ist jedoch nichts passiert.
Auf reddit vergleich man den Fall mit dem von Pokimane. Die gilt als Liebling von Twitch, der nichts passieren kann. Dabei kursieren alte Clips, in denen auch sie das N-Wort verwendet hat.
“Das Wort habe ich nicht in meinem Vokabular”
Das sagt er selbst: Symfuhny sagt, viele Leute glauben, er habe das gesagt. Habe er aber nicht. Er habe das Wort überhaupt nicht in seinem Vokabular. Da könne man jeden fragen.
Er rede schnell, stottere, es kam was raus, es klang so, als hätte er es gesagt, aber das habe er nicht. Symfuhny sagt: Er wisse auch nicht mehr, was er noch zu seiner Verteidigung vorbringen kann. Er hat es nicht gesagt, wird es nie sagen.
Symfuhny erklärt aber nicht, welches Wort er eigentlich sagen wollte. In vergleichbaren Fällen hatten Streamer versichert, dass sie aufgrund ihrer undeutlichen Aussprache missverstanden wurden und eigentlich was ganz anderes sagten wollten:
- ein LoL-Streamer sagte etwa, er habe “Anivia” gesagt und Twitch habe das missverstanden
- ein WoW-Streamer wurde für “Fuck it” gesperrt, da hatte man bei Twitch offenbar “Faggot” verstanden, ein weiteres Wort, für das man gebannt wird
- der Schwede Forsen beschwerte sich, er sei nur wegen seines üblen Akzents einmal gebannt worden
Ein Fan, der Symfuhny verteidigt, sagt: Der Streamer könnte die Worte “Myth” und “I think uh” in seinem Kopf so zusammengeworfen haben, dass etwas wie “Myguhh” rauskam.
“Das war nur ein Bug”
Das sagen andere Streamer: Myth, dem das Wort galt, sagt:
„Obwohl wir es gehört haben, hat er es nicht gesagt.“
Das sei ein Bug gewesen, erklärt Myth dann. Symhfuhny könne nicht richtig sprechen und habe da irgendwas zusammengemurmelt.
Myth verspricht seinen Fans: Die könnten sicher sein, wenn Symfuhny wirklich das Wort mal rausrutsche, sei Myth der Erste, der ihn darauf anspricht und ein ernstes Gespräch mit ihm führt.
Kollege xQc sagt: Er könne das gut nachvollziehen. Auch ihm gehe das so, dass er eine Idee im Kopf hat, was er sagen will, dann eine andere Idee aufblitzt und ein Wort rauskommt, das irgendwie schräg umgeleitet wurde.
Der politische Kommentator HasanAbi sagt: „Nach meinen [begrenzten] Erfahrungen mit Symfuhny, ist er ein sehr netter Junge. Er wirkt auf mich nicht wie jemand, der mal eben das N-Wort fallen lässt.“
Eine andere Twitch-Größe, Sodapoppin, sagt: „Ich glaube wirklich nicht, dass er rassistisch ist. Ich muss das mal so sagen.“
Viele weitere große Streamer bescheinigen Symhfuny einen tollen Leumund. Jack “CouRage” Dunlop springt ihm bei: Er habe ein Jahr mir Symfuhny zusammengelebt und er habe das Wort nicht in seinem Wortschatz, sagt CouRage. Der würde keiner Fliege was zu leide tun.
Gibt’s auch Leute, die sein Verhalten kritisieren? Ja, die gibt es. Vor allem glaubt man Symfuhny seine Erklärung nicht.
Man räumt zwar ein, dass Symfhuny es mit einem “a” am Ende gesagt hat, und nicht mit einem “harten R” (die klar schlimmere Variante), aber für viele steht außer Zweifel, dass er es gesagt hat. Und das auch zugeben sollte.
Ein Nutzer auf Twitter schreibt: “Pinkel mir nicht in die Tasche und sag mir, es regnet”. Symfuhny habe es glasklar gesagt.
Ein Twitter-Nutzer sagt: “Das ist die schlechteste Ausrede, die ich je gehört habe. Ein Junge mit blondem Haar, blauen Augen und blasser Haut sagt glasklar das N-Word – in genau dem Zusammenhang, in dem er es sagen wollte, und die Entschuldigung ist: Er hat Worte durcheinandergebracht?”
Das steckt dahinter: Es scheint hier so zu sein, dass Twitch tatsächlich den Kontext des Banns berücksichtigt und die Sache nicht isoliert betrachtet. Das Wort war offenbar nicht hasserfüllt gemeint und sollte niemanden verletzten.
Bei Verwendungen von hasserfüllten, die Banns zur Folge hatten, war das jeweilige Wort fast immer in einem emotional aufgeladenen Kontext verwendet worden: als Schimpfwort oder Fluch.
Das Schwierige ist, dass Twitch in vergleichbaren Fällen die Spieler trotzdem gebannt hat, auch wenn das betreffende Wort nicht als Schimpfwort verwendet wurde – etwa den CS:GO-Star s1mple, der mehrfach für ein Wort gebannt wurde, das er als harmlose Frotzelei für Kumpel verwendete, das von Twitch aber als “hasserfüllt” angesehen wird.
Einmal mehr drängt sich hier der Eindruck auf, die “Bann”-Politik oder die “Nicht-Bann”-Politik von Twitch gleicht einem Münzwurf. Manchmal liegen sie richtig, manchmal falsch.
Dabei fällt auf, dass sich Twitch bei Top-Streamern in den Top 50 oder Top 100 in der Regel eher kulant verhält, während der Bannhammer gerade kleinere Streamer hart trifft:
Die Bann-Politik von Twitch wird immer lächerlicher
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!

















