Ich liebe es, Dead by Daylight abgrundtief zu hassen

Cortyn von MeinMMO liebt Dead by Daylight. Oder das Spiel wird gehasst. Eine wilde Mischung gleich einer Droge.

Ach, Dead by Daylight. Seit über 4 Jahren spiele ich dich inzwischen. Eigentlich solltest du nur die Leere in meinem Gaming-Herzen füllen, die Evolve hinterlassen hatte. Doch dann hast du mich in den Bann gezogen und schleuderst mich hin und her. Mal will ich dich wochenlang nicht anfassen, mal kann ich keine Stunde ohne dich.

Dabei frustrierst du mich immer wieder, lässt mich mit dem Kopf auf die Tastatur schlagen oder einfach unzufrieden zurück.

Denn die Wahrheit ist: Ich hasse es, dich zu lieben und ich liebe es, dich zu hassen.

Dead by Daylight – Mein (schlechterer) Ersatz für Evolve

In Gedanken vergleiche ich Dead by Daylight noch immer oft mit Evolve. Immerhin war Dead by Daylight für mich lange Zeit nur ein schlechterer Ersatz für das beste Spiel, das es jemals gab (Da diskutier’ ich auch nicht!). Zwar sind beides asymmetrische Spiele und in beiden Spielen gibt es eine „Power Role“ und eine schwächere Rolle. Was in Evolve das Monster war, ist in Dead by Daylight der Killer. Doch je länger man beide Spiele miteinander vergleicht, desto deutlicher werden die Unterschiede, die sich auf das Erlebnis auswirken.

In Evolve war das Monster zu Beginn nicht die treibende Kraft – sondern das Opfer. Man floh, musste fressen, sich verstecken und langsam an Kraft gewinnen, bis man stark genug war, um das Match umzudrehen und die Jäger angreifen zu können. Konnte man zu Beginn vielleicht 1-2 Jäger gleichzeitig beschäftigen oder frühzeitig ausknocken, konnte man später richtig epische 4vs1-Kämpfe haben, die für alle Spieler voller Adrenalin waren.

Evolve Stage 2 Lobby
In Evolve wechselte die Dynamik immer hin und her.

In Dead by Daylight ist das anders. Als Killer bist du von Sekunde 1 an die treibende Kraft in der Partie. Es ist permanent deine Aufgabe, das gegnerische Team unter Druck zu setzen. Jede Sekunde, in der dir das nicht gelingt, ist eine verlorene Sekunde.

Dieser Umstand sorgt dafür, dass das Killer-Dasein – zumindest auf den besseren Rängen – permanenter Stress ist. Oft wird dieser Stress am Ende belohnt, wenn man einen, zwei, drei oder gar alle vier Überlebende ausschalten kann. In vielen Fällen aber nicht. Denn wenn ein Überlebender „es richtig raus hat“, dann beschäftigt der dich im Alleingang für einige Minuten, während jede Sekunde in deinem Kopf der Gedanke hämmert „Die anderen 3 Überlebenden arbeiten an Generatoren und kommen dem Ziel näher“.

Das sorgt zum einen dafür, dass der Killer permanent in der Bringschuld ist, um das Spiel spannend zu gestalten, zum anderen aber dafür, dass die Überlebenden, die gerade nicht gejagt werden, relativ langweiliges Gameplay haben. Denn wird man vom Killer nicht behelligt, sitzt man eben am Generator, hält die linke Maustaste gedrückt und absolviert ab und an einen Skillcheck. Kein Wunder also, dass Überlebende sich immer wieder neue Mechaniken oder abwechslungsreichere Ziele wünschen.

Thinking and playing Dead by Daylight
Der Normalzustand vieler Spieler bei Dead by Daylight.

In Evolve war das anders, das Machtgefüge kippte im Laufe einer Partie und erlaubte coole „Racheaktionen“. Hat mich etwa der Trapper die ganze Zeit genervt, während ich als kleiner Stufe-1-Goliath noch weggelaufen bin, konnte ich auf Stufe 3 den Spieß umdrehen, den Trapper vom Team separieren und dann genüsslich auffressen. Oder der Trapper wusste um diese Rivalität und versuchte genau deswegen, möglichst auf Distanz zu bleiben.

Dieser Wandel von „Opfer“ zu „Jäger“ beim Monster und von „Jäger“ zu „Gejagte“ bei den menschlichen Widersachern zog sich durch jede Partie.

In Dead by Daylight ist das starr und linear. Klar, es ist ja auch ein grundsätzlich anderes Spiel. Aber durch das Fehlen dieser Dynamik ändert sich leider das Machtgefüge in einer Runde nur selten. Als Killer stehst du permanent unter massiver Anspannung, die du als Überlebender nur in Ausnahmesituationen erlebst. Das Spielen ist als Killer purer Stress.

Sicher, diese Anspannung löst sich in Zufriedenheit auf, wenn die Runde ein „gutes“ Ende nimmt, man eine lange, spannende Partie hatte und am Ende vielleicht ein oder zwei Überlebende ins Gras beißen mussten.

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In Dead by Daylight liegt der Verlauf der Runde fast ausschließlich bei dem Killer-Spieler.

Wenn man jedoch von den Überlebenden vorgeführt wird, als wäre man ein Kleinkind, das immer wieder versucht, den Würfel durch die runde Form zu schieben, dann ist das ermüdend. Da hilft es auch wenig, wenn der toxische Überlebende – und glaubt mir, jede Runde hat einen davon – die ganze Runde über teabaggt, mit der Taschenlampe rumklickt und am Ende noch ein „gg ez, baby killer“ in den Chat haut. Da will man am liebsten in einen Schreikrampf ausbrechen, mal bei den Eltern des Spielers anrufen und nachfragen, was denn da in der Erziehung falsch gelaufen ist und ob eine postnatale Abtreibung nicht doch noch irgendwie verlockend aussieht.

Ich will damit nicht sagen, dass Dead by Daylight unfair ist und die Killer permanent im Nachteil. Das wäre nicht richtig. Aber das Spielgefühl ist ein komplett anderes, weil die „Power Role“ in Dead by Daylight in den meisten Fällen eben doch nur einen Überlebenden gleichzeitig beschäftigen kann. Sicher, ein paar Killer, wie etwa Legion, können mehreren Überlebenden gleichzeitig zusetzen. Doch der Spielstil ist so nervig, dass Überlebende und Killer sich ausnahmsweise mal einig sind, dass da keiner Spaß dran hat.

Aus Sicht eines Überlebenden ist es dann anders. Da sind die Runden vielfältiger, was aber nicht unbedingt besser ist.

In manch einer Partie wird man permanent vom Killer gejagt, hat coole Verfolgungsjagden, endet am Haken, rettet Verbündete und entkommt knapp.

Manchmal repariert man nur … und hat sonst gar nichts zu tun.

In anderen Runden geschieht quasi nichts, auf das man Einfluss nehmen müsste. Man macht gemütlich drei Generatoren am Stück, weil der Killer – wie oben beschrieben – sich mit einem Überlebenden abmüht, der ihn die ganze Zeit an der Nase herumführt.

Das ist dann ein leichter Sieg, fühlt sich aber fast so unbefriedigend an, wie die vernichtende Niederlage, die man als Killer einsteckt.

Warum überhaupt noch DbD spielen?

Jetzt würde sich natürlich jeder Spieler mit halbwegs intakter Selbstreflexion fragen: Cortyn, warum zum Nether spielst du das Spiel dann überhaupt noch?

Darüber denke ich oft nach. Zum einen ist Dead by Daylight immer noch sehr unterhaltsam, wenn man es in einer Gruppe mit Leuten spielt, die nicht alle auf dem gleichen Skill-Niveau sind. Es fühlt sich gut an, die „schwächeren“ Mitglieder schützen zu können, ihnen noch was beibringen und sie beim Wachsen beobachten zu können.

Wenn ich gefrustet bin, wird die Nurse ausgepackt – damit geht einiges.

Auf der anderen Seite gibt es diesen kleinen Prozentsatz an wirklich tollen Spielen, in denen einfach alles passt. Das sind oft Partien, die über 15 Minuten gehen und in denen man als Killer alle Überlebenden zu Gesicht bekommt, richtig viel Action erlebt und es ein ganz knappes Rennen ist. Abgerundet wird das dann durch freundliche Leute im Endgame-Chat. Da kann ich auch gerne „den einen Idioten“ ausklammern, der darüber rumheult, dass man ja den „Cancer-Killer“ spielt, während er selbst mit allen vier aktuellen Meta-Perks rumläuft.

Diese wenigen Partien, die vielleicht in 10 % aller Fälle stattfinden, machen Dead by Daylight zu einer Art Sucht. Eine Droge, bei der man weiß, dass in 9 von 10 Fällen irgendwas deutlich schiefgehen wird und man am Ende frustriert das Spiel beendet und doch den „Kick“ nach diesem Zehntel sucht, das einfach richtig Spaß macht.

Habt ihr auch ein Spiel, zu dem ihr so eine Hassliebe aufgebaut habt und von dem ihr einfach nicht loskommt? Ein Spiel, das euch immer wieder frustriert und gleichzeitig doch nicht loslässt?

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Derp

Ich vermisse Evolve 😢

Van

Ich glaube das bei mir mittlerweile Black Desert Online ein “kleine” Hassliebe ist. Ich habe immer wieder längere Pausen, weil die Performance mit meinem alten Rechner der absolute Horror gewesen ist, zum anderen weil das RNG und die ganze Geschichte mit den Failstacks mich immer wieder frustriert zurück gelassen haben. Der Perlen-Shop ist dann noch das negative Sahnehäubchen.

ABER:
Das Kampfsystem holt mich immer wieder zurück, genauso wie die große weite Welt in der ich machen kann was ich will, wo und wie ich will! Wenn dann mein Freundeskreis BDO spielen würde, dann käme ich sehr wahrscheinlich nicht so schnell für mehrere Monate von Black Desert los. 😉

Zuletzt bearbeitet vor 3 Monaten von Van
Ruiner

Plattform übergreifend würde ich als größtes Problem von dem game die schreckliche community anführen, die sich einfach immer benachteiligt fühlt.

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