Meine Gaming-Macke stiehlt mir meine Lebenszeit – Geht’s euch auch so?

Cortyn verliert viel Lebenszeit durch eine Gaming-Eigenart. Credits müssen immer bis zum Ende geschaut werden – jedes verdammte Mal.

Hand aufs Herz. Jeder hat beim Gaming doch die eine oder andere Macke, die nicht so ganz rational zu erklären ist. Manch einer muss sein Inventar in World of Warcraft immer alphabetisch sortieren, andere können Städte nur verlassen, wenn sie in Final Fantasy mindestens 99x Potions und 99x Gegengift dabei haben, denn alles andere wäre total unsicher.

Ich hab’ auch so eine Macke und sie stiehlt mir meine Lebenszeit:

Ich muss mir bei jedem Spiel die Credits vollständig anschauen.

Ja, richtig gelesen. Diese Textwände mit den ganzen Entwickler-Namen, die in unendlicher Länge über den Bildschirm fahren und nur in den seltensten Fällen durch irgendwelche Bilder aufgehübscht werden.

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Vergeudete Lebenszeit beim Credit-Betrachten.

Zeitverschwendung, die ich nicht loswerde

Mir ist vollkommen klar, dass das absolute Zeitverschwendung ist. Diese langen Textwände, die gerne mal über 10 Minuten gehen und in denen zum Sound des Spiels sämtliche Beteiligten aufgelistet werden, die im Schneckentempo langsam über den Bildschirm scrollen. Ich kann einfach nicht anders und muss es mir ansehen.

Im Laufe der Jahre hat sich sogar gewandelt, warum ich mir das anschaue.

Ich kann heute nicht einmal mehr genau sagen, bei welchem Spiel das angefangen hat. Vermutlich war das bei irgendeinem meiner ersten Spiele, die ich damals zum ersten Mal „richtig“ durchgespielt hatte – das dürfte Grandia oder Final Fantasy IX gewesen sein.

Damals war mein Gedanke: „Das sind die Leute, die dich mit einem Spiel gerade mehrere Stunden unterhalten haben. Es ist anständig, sich deren Namen anzuschauen.“ Quasi eine Art Ehrerbietung an die Entwickler, die für meine Unterhaltung in den letzten Wochen verantwortlich waren.

Das geht sogar soweit, dass ich in der Zeit der Credits nicht mal bis zum Kühlschrank gehe, um mir ein neues Getränk zu holen. Nein, ich bleibe artig sitzen und schaue bis zum Ende.

Dass ich mir davon ohnehin keinen Namen merken kann und selbst beim Lesen die Namen davon schon wieder meinen Verstand verlassen, dürfte jedem klar sein.

Final Fantasy X Tidus
Bei manchen Spielen, wie Final Fantasy X, lohnt das Abwarten sogar.

Und natürlich ist dieser Gedanke bescheuert. Mir war schon damals bewusst, dass es die Erschaffer vermutlich null juckt, ob ich ihre ganzen Namen gelesen habe. Ich saß ja auch nicht vor dem Fernseher und dachte mir „Ah, Sound-Designer XYZ, den Namen merke ich mir“. Drei Zeilen später hatte ich sowieso wieder alles vergessen – ich habe ja nicht mal versucht, mir das zu merken. Wozu auch?

Immerhin: Inzwischen haben viele Spiele das adaptiert, was man sonst vor allem aus den Marvel-Filmen kennt. Nach den Credits kommt noch eine zusätzliche Szene oder ein kleiner Teaser für eine mögliche Fortsetzung. Das erste Mal bewusst wahrgenommen hatte ich das damals bei Final Fantasy X. Das Ende war nämlich ziemlich traurig. Nach den drölf Millionen Entwickler-Namen, den Namen ihrer Haustiere, aller Nachbarn und sämtlicher Menschen, denen sie jemals begegnet sind oder gerne mal begegnen würden, kam da aber noch eine kleine Szene, die ein trauriges Ende in ein für mich positives wandelte.

Seitdem kann ich mir zumindest immer ganz leicht einreden, warum ich mir die Credits bei jedem Spiel antue. Immerhin könnte ja noch eine kleine Szene kommen – nicht wahr?

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Ganz selten wird diese Eigenart sogar richtig belohnt. Es gibt eine Handvoll Spiele, die es schaffen, sogar in den Credits richtig zu fesseln und die daraus nochmal ein eigenes Spiel machen. Das bekannteste Beispiel dürfte hier „NieR: Automata“ sein, bei dem die Credits sich zu einem kleinen Shooter im Stil von Wing Commander wandeln. Da ist es den Entwicklern gelungen, den Credits durch dieses Mini-Spiel, den Soundtrack und die Anweisungen der Spieler-Charaktere so bedeutsam zu machen, dass man denkt „Holy Shit, das ist gerade die wichtigste Szene im ganzen Spiel!“ Doch das ist leider nur eine angenehme (und sehr verrückte) Ausnahme.

Auch jetzt, knapp 20 Jahre später, habe ich noch immer den Drang, die Credits anzuschauen und dabei nicht vom Bildschirm wegzugehen. Ich finde es innerlich noch immer irgendwie „unhöflich“ das überspringen zu wollen, nutze die Zeit aber inzwischen anders. Während die Namen vorbeirauschen, lasse ich das ganze Spiel in Gedanken noch einmal Revue passieren. Ich denke an die emotionalsten Szenen zurück, an die größten Schock-Momente oder einfach die besten Lacher. Oder ich denke darüber nach, warum genau ich mir das eigentlich jetzt gerade nochmal anschaue und komme dabei auf die Idee zu diesem Artikel.

Habt ihr auch so eine „Gaming-Macke“, die ihr euch einfach nicht erklären könnt und quasi bei jedem Spiel zum Vorschein kommt?

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Nikolas

Meine macke ist das ich ein spiel erst dann beende wenn es keinen relativen content mehr hat oder ich bereits das höchste gear bzw ausrüstung bekommwn habe ich spiele dann aber auch für wochen das gleiche spiel ungern unterbreche ich dies.

Johannes

Meine Macke ist, dass ich bei PUBG und allgemein bei Shootern nicht zu wenig Munition dabei haben kann. Es müssen immer so 200+ dabei sein.

Kjtten

Beim ersten Mal schaue ich mir die Credits auch immer an, zumindest wenn mir das Spiel gefallen hat. Wenn dann nach dem eigentlichen Studio noch 27 Marketing- und QA-Teams des Publishers können schalte ich dabei geistig aber auch oft an.

In der Regel sind es sowieso maximal zwei, drei Namen die man sich bewusst merken kann oder will, plus eine handvoll die unterbewusst hängenbleiben und an die man sich erst wieder erinnert, wenn man sie an anderer Stelle erneut hört oder liest.

Pyte

Spätestens bei den FFXIV:ARR Credits hätte ich es mir abgewöhnt. Die haben Spielfilmlänge xD

Irina Moritz

Angenehmerweise werden sie von dem Spiel wie separate Cutscenes behandelt. Man kann nur die Credits überspringen und alles, was danach folgt (und es folgt immer irgendwas danach), trotzdem anschauen.

Celo385

Wenn es dir Spaß macht dann ist es keine Zeitverschwendung.

Sveasy

Ich kann das Argument “Ehrerbietung” nachvollziehen und finde es gut. Ich könnt auch in Kino kotzen wenn alle aufspringen kaum das “ENDE” aufleuchtet. Ich seh dass auch als eine Art Respektsbekundung…. Ob es die Entwickler mitbekommen oder nicht spielt keine Rolle. Respektvoll verhalten wenn es jemand mitbekommt kann jeder, sich auch so zu verhalten wenn es keiner mitbekommt ist wahrlich ehrenhaft ?

Zook

Ich gucke mir eigentlich nie die Credits an. Aber wenn ich es muss (da es sich nicht überspringen lässt) guck ich es.

Jokl

Only Marvel und damals natürlich Jackie Chan Filme :).

Vallo

Die Macke habe ich zum Glück nicht. Bei Metal Gear Solid 3 musste ich mir die anschauen. Da ich zu schockiert und fasziniert zugleich beim Ende war, sodass ich es nicht einmal ganz realisiert habe und die geniale musikalische Untermalung dabei, haben mich nicht einmal daran denken lassen es zu skippen

flohbiss

Teil 3 habe ich, zu meiner Schande, nie gespielt. Aber wenn es nur halb so gut ist wie das Ende von Teil 1….
Das Ende bzw der Song “the best is yet to come” bei den Credits von Metal Gear Solid (Teil 1)…. ach, dat war schön

Vallo

Ich fand es da auch super, aber da ich es nachgespielt habe und MGS3 mein erstes Teil war, wird es wohl bei mir immer auf Platz 1 sein ?

Caliino

Also das mit den Credits mache ich – bei Spielen die mich richtig fesseln konnten – aber auch so…

Es darf einfach keine Chance bestehen, einen vielleicht 2-3 sekündigen “Trailer/Teaser” auf einen möglichen Nachfolger zu verpassen ?

Van

Also hin und wieder schau ich die Credits ganz gerne, beispielsweise wenn mir ein Lied richtig gut gefällt und mir den Titel etc. notieren will! Dafür gibt’s zwar auch schon entsprechende Apps, aber manchmal mach ich gewisse Dinge eher “altmodisch” 😉

Zuletzt bearbeitet vor 9 Monaten von Van
Chafaris

Oh ja. Die Macken im Spiel. Ich habe die Macke alles erkunden zu müssen, bzw. jeden Fitzel auf einer Karte aufzudecken.

Open World Spiele, sowie die Tatsache, dass diese immer größer werden, sind meine absolute Nemesis.

Ich bekomme ja schon Stressdurchfall, wenn ich die Karten in ESO nur sehe.

Jeder hat so seine Macke

flohbiss

Ja, das sind auch meine größten Feinde und die Gründe warum ich FinalFantasy VII und auch The Witcher 3 nicht über die Startgebiete hinausgeschafft habe.
“Oh, guck mal! Kräuter! Die sind bestimmt wichtig!” ….. Stunden später…. “Oh, noch mehr Kräuter!” ???

Irina Moritz

Kenn ich auch 😀
Das musste ich mir mit viel Gewalt bei Games wie Assassin’s Creed und Horizon: Zero Dawn austreiben. Früher war es ganz schlimm. Da habe ich die Map aufgemacht und direkt das Zucken bekommen vor lauter Icons und Collectable-Kram. Es war Crap, aber es war mein Crap und ich würde den Teufel tun, ihn in der Gegend liegenzulassen 😂

Mittlerweile geht’s aber. Da zwinge ich mich auch mal an einem Kräuterstrauch vorbeizugehen 😀

Zuletzt bearbeitet vor 9 Monaten von Irina Moritz
flohbiss

Du kannst an Kräutersträuchern vorbeigehen??? ?? Das musst du mir mal bei Zeiten erklären wie du das schaffst! ??? Ich trau mich noch immer nicht an Witcher ran. ?
Bei AC:Origins klappt es ganz gut bei mir. Erst alle Missionen, Orte und Verstecke lösen, und dann erst ins nächste Gebiet weiter. Bin zwar immer noch nicht mit der Story durch, aber schon 60% der Karte erledigt. ??

Maik Schneider

Hehe… ja, ich schau die Credits auch immer bis zum Ende. Wenn ich ein Spiel das erste Mal durch habe, hänge ich mir dazu auch eine kleine Medaille um den Hals ?

flohbiss

Also diese “Macke” hab ich im Kino ?
und damit schon so einige Partner zur Weißglut getrieben, wenn die schon los wollten und ich noch am Abspann klebe.
Es ist, wie auch im Artikel steht, ein Revue passieren lassen, gepaart mit Musik genießen und Extra-Szenen als Kirsche on top.

Irina Moritz

Oh ja, das ist vor allem seit den Filmen von Marvel ganz schlimm. Ich erwarte ständig, dass am Ende noch irgendwas kommt ^^”

Vallo

Bei Marvel kann man sich da aber auch fast immer sicher sein das da was kommt. Selten bei den letzten Filmen gesehen das da keiner kam ?

Tapir

Ich glaub Endgame ist der einzige MCU-Film ohne Post-Credit-Szene.
Damit sollte dann dieses 2008 gestartete Kapitel abgeschlossen werden.

flohbiss

Und gerade bei den Streamingdiensten haben wir uns ja angewöhnt schnell den Abspann wegzuklicken bzw wird uns das Klicken sogar abgenommen.
Es müsste eigentlich eine Funktion geben wo man das Abschalten kann.

Schaue gerade “WandaVision” und auch da kommt nach dem Abspann noch ein kleiner Schnipsel. ?

Kjtten

Manchmal echt nervig, wenn man das Ending Theme gerne mag und hören möchte, aber zu spät realisiert, dass man das skippen hätte abbrechen müssen…

Leya Jankowski

Ich finde, das gehört zum Kino-Besuch dazu. Noch den Abspann schauen und den Film auf sich wirken lassen, noch kurz drüber nachdenken. Außerdem geben sich die meisten Filme mittlerweile viel Mühe, die Credits irgendwie cool zu gestalten

Marpley

Meine Macke ist, ich kaufe zu viele Spiele und spiele sie nicht durch :D…. deswegen komme ich selten zu den Credits 😛

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