Die Demo des neuen Loot-Shooters Outriders läuft nun seit einiger Zeit und viele Spieler fragen sich, ob sich das Spiel überhaupt lohnt. Eigentlich sollte Outriders ein fertiges Spiel sein und die Demo das „demonstrieren“. So ganz funktioniert das aber nicht.
Was ist Outriders? Der neue Shooter von Entwickler People Can Fly und Publisher Square Enix verbindet Features aus unterschiedlichen Genres. Outriders bietet etwa Beute wie in Loot-Shootern und Gefechte aus Deckungs-Shootern. Das Spiel ist für Solo-Spieler und Gruppen von bis zu drei Spielern im Koop ausgelegt.
Grob lässt es sich als eine Mischung aus Gears of War, The Division 2 und Remnant: From the Ashes bezeichnen. Gespielt wird in der dritten Person mit vier verschiedenen Klassen, die allesamt mit einzigartigen Fähigkeiten ihren eigenen Spielstil bedienen.
Die Story spielt in einem postapokalyptischen Sci-Fi-Szenario. Nachdem die Erde von den Menschen zugrunde gerichtet wurde, suchen sie sich eine neue Heimat. Aber auch hier bricht ein Krieg aus und nach einem Zwischenfall und einem langen Kälteschlaf erwachen die Outriders (Spieler) mit neuen Kräften und sollen für Ordnung sorgen.
Outriders erscheint am 1. April für PC (Steam), PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One und Xbox Series X|S.
Was ist das für eine Demo? Am 25. Februar startete die Demo von Outriders, in der Spieler das erste Kapitel der Demo, alle Klassen und einige Nebenmissionen spielen können. Sie lässt sich kostenlos auf allen Plattformen spielen.
Die Demo führt die Spieler in einige grundlegende Systeme ein. So gibt es etwa bereits 10 legendäre Waffen, Gruppenspiel und die sogenannten Welt-Tiers, die die Schwierigkeit darstellen. Es fehlen allerdings Endgame-Inhalte. Die Demo läuft unbegrenzt und kann sogar nach dem Release weitergespielt werden.
Technische Mängel trüben den Spielspaß
Das sind die Probleme: Die Demo von Outriders startete bereits mit einigen Problemen. Auf der PlayStation ließ sie sich zum Start gar nicht erst herunterladen und hat auch danach mit einigen technischen Problemen zu kämpfen gehabt:
- Grafik-Glitches wie clippende Capes ziehen sich durch das Spiel
- die häufig zu findenden Cutscenes sind oft asynchron zum Sound. Insbesondere die Lippen-Synchronisation, besonders auf Deutsch, funktioniert noch nicht gut
- Cutscenes sind in der Demo auf 30 FPS gelockt, was sich zu Release ändern soll – es ist also noch nicht alles fertig
- die Kameraführung in den Cutscenes schwankt – einige Spieler klagen über Motion Sickness/Seekrankheit
- Grafik und Optik sind nicht unbedingt zeitgemäß verglichen mit anderen modernen Loot-Shootern wie etwa The Division 2. Outriders erinnert eher an eine Produktion von vor rund fünf bis zehn Jahren
- standardmäßige Anpassungs-Optionen wie das Deaktivieren von Motion Blur fehlen etwa auf dem PC
Obwohl die Mehrheit der Befragten auf MeinMMO mit der Demo zufrieden ist, werden diese Probleme immer wieder genannt, selbst von Befürwortern. Auch, wenn Gameplay und Story stimmig sind, ist es der technische Zustand noch nicht.
Was stört daran? An sich sind solche Probleme für einen Test nichts Ungewöhnliches. Allerdings bietet Outriders dediziert eine Demo an und keinen Beta-Test. Das Spiel sollte also in seinem finalen Zustand präsentiert werden.
Das, zusammen mit der Tatsache, dass die Demo erst so kurz vor Release erschien, lässt Spieler zweifeln, ob Outriders bis zum Start am 1. April tatsächlich fertig wird und alle Probleme beheben kann.
Ein weiterer Punkt ist, dass sich Spieler offenbar mehr von der Produktion erwartet haben. Mit Square Enix steht ein riesiger Konzern hinter den Entwicklern, einige der Fehler wirken aber eher wie Krankheiten, mit denen ein kleinerer Entwickler zu kämpfen hat.
Scheinbar kein AAA-Titel trotz Square Enix
Spieler haben von Outriders vielleicht mehr erwartet, als es aktuell liefern kann. Statt einem Vollpreis-Titel mit einem Millionenbudget, erhalten sie eher einen AA-Titel. Der muss zwar deswegen nicht schlecht sein, ist aber eben nicht ganz das Erwartete. Der MeinMMO-Leser Phoesia fasst das in seinem Kommentar in eigenen Worten zusammen:
Das Gamedesign wirkt einfach antiquiert und altbacken, die Umsetzung holprig und ungeschliffen. Das zieht sich durch jeden einzelnen Aspekt des Games.
Ist jetzt kein Flop, aber unterm Strich viel zu wenig um was zu reissen in 2021. Wäre es ein Indie-Game auf Steam für 29 €, könnte man an allen Ecken ein Auge zudrücken – ist es aber nicht.
Kann man sich im Sale mal geben, zum Vollpreis bekomme ich da heute, auch in dem Genre, deutlich Besseres geboten.
Nicht alle Werke, die Square Enix als Publisher auf den Markt bringt, sind auch große Produktionen und Erfolge. Marvel’s Avengers enttäuschte den Publisher selbst mit seinen Einnahmen. Zudem tritt Square Enix auch häufiger als Publisher für kleinere Produktionen auf, wie etwa Murdered: Soul Suspect oder Wakfu.
Outriders reiht sich anscheinend eher in letztere Kategorie ein, auch wenn das noch nichts über seine Qualität aussagt. Einige Demo-Spieler haben aber wohl mehr erwartet. Dabei ist die Technik nicht das einzige Problem – die Demo selbst hätte deutlich besser geplant werden können.
Problematisch ist dabei vor allem, dass die Erwartungen durch Square Enix als Publisher trotzdem zu hoch angelegt sein könnten. Square hat sich mit hochwertigen Produktionen wie Final Fantasy, Kingdom Hearts und Dragon Quest einen Namen gemacht. Das sind einige der erfolgreichsten Franchises aller Zeiten.
Square Enix selbst ist sogar dafür bekannt, den Begriff der AAA-Titel überhaupt geprägt zu haben. Final Fantasy VII soll angeblich Schätzungen zu Folge in dessen Entwicklung zwischen 40 und 45 Millionen $ flossen, hat der Entwickler damals einen Meilenstein gesetzt. Das Spiel gilt als eines der Videospiele mit den größten Produktionskosten und wurde mit aufwendigen CGI-Cinematics und orchestraler Musik vorgestellt.
Zumindest ein Teil der Spieler hat sich deswegen vielleicht darauf eingestellt, einen aufpolierten AAA-Titel mit Outriders zu spielen, da man Square Enix als erstes mit den großen Titeln verknüpft. Allerdings sind die großen Erfolge von Square Enix meist Produktionen aus dem eigenen Haus, die auch von Square selbst entwickelt wurden. Outriders kommt vom Studio People Can Fly (Bulletstorm, Gears of War: Judgement).
Die Demo ist mehr eine Beta und nicht optimal für eine Vorschau
Darum ist die Demo nicht ideal: In ihrem aktuellen Zustand ist die Demo eher genau der Beta-Test, den die Entwickler nicht machen wollten. Im Interview betonten die Entwickler, dass man Spieler mit der Demo schon ins Spiel einführen wollte:
Wir versuchen, dem Spieler von Anfang an im Spiel zu helfen und haben Tutorials für alles. Wir führen sie langsam durch die Stufen des Spiels. Wir schmeißen niemanden ins kalte Wasser. […]
Wir möchten auch nden Leuten, die noch keine Erfahrung mit dieser Art von Spiel haben, am Anfang beibringen, wie man spielt, damit niemand im Spiel verloren geht. Aber je mehr man spielt, desto mehr versteht man, was wir tun. Wir hoffen, dass man beginnt, auszuprobieren, Builds verändert und das Spiel richtig spielt […]
Weit über das Tutorial geht die Demo dann aber nicht hinaus und wichtige Inhalte wie Expeditionen (Endgame), Crafting oder Talente fehlen oder sind nur ganz minimal enthalten. Zudem gab es bereits ein erstes Update, das Fehler behebt – wie in einer Beta auch. Also scheint Outriders wohl doch noch nicht vollkommen fertig zu sein.
Eine Demo sollte ein Produkt vorstellen und potentielle Kunden damit zum Kauf anregen. Die Outriders-Demo zeigt allerdings nur ein noch nicht vollständig poliertes Spiel und davon nur den Anfang.
Spieler können zwar den Anfang spielen und in die Geschichte eintauchen, aber kaum etwas von dem erleben, was Outriders tatsächlich ausmachen soll. Die meisten der geplanten Endgame-Inhalte von Outriders sind nicht enthalten.
Es lassen sich zwar etwa die ersten Skillpunkte verteilen, aber die Talentbäume sind so riesig, dass die beiden Punkte nicht annähernd zeigen, wie das System später aussehen wird. Es fehlt das Gefühl dessen, was Outriders später einmal werden soll. Das kommt nicht rüber.
Warum heißt es überhaupt Demo? Die Entwickler wollten sich von dem Gedanken eines „Games as a service“ distanzieren, Outriders sollte als fertiges Spiel erscheinen. Die Prämisse ist, dass Outriders von Anfang an komplett sein will.
Im Interview mit MeinMMO verrieten die Entwickler, warum sie Outriders nicht als Service-Game bringen wollen. Die Distanz zu diesem Modell könnte damit zusammenhängen, dass besonders zu zwei bekannten Spielen keine Verbindung hergestellt werden sollte: Fallout 76 und Anthem.
Fallout 76 startete ebenfalls mit großen Erwartungen der Spieler ans Franchise, die jedoch bereits in den ersten Beta-Tests enttäuscht wurden. Fans erhielten keinen beliebten Singleplayer-Titel eines großen Publishers, sondern ein unfertiges Service-Spiel, das sich erst noch entwickeln musste.
Anthem hatte ebenfalls das Problem, dass mit BioWare und EA namenhafte Teams daran arbeiteten. Die Erwartungen an das Spiel waren hoch, die ersten Trailer sahen gut aus, die ersten Spiele-Tests dann nicht mehr. In beiden Fällen wurde ein Service-Ansatz gewählt, bei dem Spieler bewusst erst später den vollen Fundus an Inhalten zu sehen bekommen.
Fallout 76 hat es geschafft, sich nach der gescheiterten Beta und dem harten Start aufzurappeln und funktioniert 2021 für viele Spieler richtig gut. An Anthem dagegen wurde nicht genügend nachgeschoben, sodass das Spiel bereits ein halbes Jahr nach seinem Release zu sterben begann.
Outriders will diese Wege nun nicht gehen und nicht das Risiko eingehen, etwa wie Anthem zu enden. Darum wird das Spiel von Anfang an vollständig sein – nur die Demo zeigt dies noch nicht.
Sollte man sich Outriders vor Release kaufen?
Ihr könnt über einen Kauf nachdenken, wenn ihr bereits jetzt Spaß habt an der Demo. Noch wird nicht viel vom Spiel gezeigt, aber ihr könnt damit rechnen, dass nur noch mehr Inhalte kommen – inklusive einem Endgame-Grind, der etwa mit Diablo vergleichbar ist.
Außerdem werden Spieler ihre Freude haben, die über die technischen Mängel hinwegsehen können. Es ist zwar möglich, dass sämtliche Fehler bis zum Release behoben werden, aber nicht garantiert.
Ihr solltet auf weitere Informationen zum Release warten, wenn ihr leicht von vielen Cutscenes, grafischen Fehlern und Glitches frustriert werdet. Es steht noch nicht fest, ob Outriders tatsächlich alle Fehler beseitigen kann und ehe das nicht der Fall ist, solltet ihr zum Release die Finger davon lassen.
Außerdem solltet ihr unbedingt noch warten, wenn euch der Endgame-Grind in einem Loot-Shooter wichtig ist. Outriders soll etwa 35 Stunden Story und anschließend wiederholbare Missionen bieten. Von denen ist bisher aber noch nichts zu sehen gewesen und wir wissen nicht, wie gut sie sein werden.
Ich werde Outriders sicher spielen – aber das heißt nichts
Ich habe schon jetzt großen Spaß mit der Demo von Outriders gehabt und für mich ist klar, dass ich es zu Release spielen werde. Allerdings bin ich auch jemand, der über viele kleinere Mängel und Macken hinwegsehen kann. Grafik spielt für mich ebenfalls keine große Rolle, Gameplay ist wichtiger.
Schon bei Fallout 76 war ich einer der Spieler, die von Anfang an begeistert vom Spiel waren – ungeachtet der vielen Probleme und Fehler. Ich bin bei so etwas recht schmerzfrei und schaffe es, mich auf die Aspekte zu fokussieren, die mir Spaß machen.
Darum haben mich die Bugs bisher auch nur bedingt gestört und die Story und die Klassen konnten mich überzeugen. Genug, als dass mir bereits die versprochenen 35 Stunden genügen, um mein Geld investieren zu wollen.
Das heißt aber nicht, dass ich eine Kaufempfehlung aussprechen würde. Wer nicht so tickt wie ich, dem würde ich raten, zu warten. Besonders fehlerhafte Grafik und unstimmige Cutscenes können schnell dafür sorgen, dass ein Spiel in der Ecke landet und nie wieder angefasst wird, selbst wenn die Fehler zum späteren Zeitpunkt behoben worden sind.
Ich rate deswegen eher dazu, erst dann zuzuschlagen, wenn ihr euch sicher seid, dass Outriders jetzt euren gewünschten Zustand erreicht hat. Da es kein Service-Game ist, erhaltet ihr immer das, was ihr gerade seht – lediglich mit möglichen Bugfixes in Zukunft und vermutlich DLCs, sobald es welche gibt.

Benedict Grothaus
Freier Autor bei Mein-MMO
Die Demo läuft auf unbegrenzte Zeit und ist selbst nach dem Release von Outriders noch spielbar. Ihr habt also jederzeit die Möglichkeit, euch vom aktuellen Stand des Spiels zu überzeugen und selbst zu entscheiden, ob ihr ihm eine Chance geben wollt.
Wenn ihr euch noch unsicher seid und euch die Demo bisher nicht überzeugt hat, raten wir dazu, mit dem Kauf zu warten. Nach Release werden viele Tests und Reviews zu Outriders erscheinen, mit denen ihr euch ein besseres Bild machen könnt. Auch hier auf MeinMMO werden wir euch weiter mit Inhalten und Infos zum Spiel versorgen. Den ersten Eindruck zur Demo von Outriders von MeinMMO-Autor Benedict Grothaus findet ihr hier: Alle meckern über Outriders, aber ich habe meinen Spaß damit
Wie steht ihr zum aktuellen Stand von Outriders?
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