Mit Swords of Legends Online erschien im Juli 2021 ein neues MMORPG aus China, das vielversprechend aussah. Es hatte ein actionreiches Kampfsystem, legte den Fokus auf Dungeons und Raids und verzichtete komplett auf Pay2Convenience im Shop. Doch die Spielerzahlen sinken immer wieder ab. MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch hat mit einem Spieler gesprochen, der über 3.000 Spielstunden in SOLO verbracht hat.
Was ist das ein Spiel? Swords of Legends ist ein klassisches Themepark-MMORPG. Ihr habt die Wahl aus 6 verschiedenen Klassen, mit denen ihr eine sehr lineare Story erlebt. Einmal auf dem Max-Level angekommen, habt ihr die Wahl aus Inhalten wie:
- Dungeons und Raids in drei Schwierigkeitsgraden
- Housing
- Verschiedenen Life-Skills
- PvP in Arenen oder großen Schlachten auf einer speziellen Map
Ich selbst habe Swords of Legends 80 Stunden in der Beta gespielt und war sehr zufrieden mit dem Spiel. Doch der große Durchbruch gelang nicht. Schon einen Monat nach Release sanken die Spielerzahlen auf Steam rapide ab. Inzwischen loggen sich nur noch 360 Spieler pro Tag auf Steam ein, wobei es zusätzlich noch einen eigenen Client von Gameforge gibt. Der große Erfolg bliebt also aus.
Ich habe deshalb mit dem Spieler AdventureApe gesprochen. Der hat bereits 3.000 Spielstunden in SOLO und alle Dungeons und Raids mitgenommen. Von ihm wollte ich wissen, was ihn am Spiel fasziniert, woran das MMORPG gescheitert ist und was es retten könnte.
In SOLO sind alle Klassen spielbar und es gibt viel zum grinden
MeinMMO: Was war der Grund dafür, dass du mit SOLO angefangen hast und was findest du so gut an dem Spiel?
AdventureApe: Was mich an SOLO fasziniert hat, war zum einen die Klassenauswahl. Man hat nicht die “eine feste Gruppe”, um Dungeons und Raids zu laufen, wie man das aus Final Fantasy XIV oder WoW kennt. Es gibt zwar eine Holy Trinity, doch in den allermeisten Fällen kann man mit einem Tank und einem Heiler laufen. Viele andere Spiele benötigen oft mehr Heiler oder zusätzliche Tanks.
So hat man in SOLO auch schneller eine Gruppe zusammen und kann für die Rangliste auch auf immer schnellere Rekorde spielen, wenn man viel mehr DDs hat. Zu den beliebtesten DD-Klassen zählen Speermeister, Beschwörer und Barde, doch spielbar sind alle Klassen. Auch das gehört für mich zu der Besonderheit bei der Klassenauswahl.
Außerdem mag ich den Asia-Flair. Ich spiele gerne grindy MMOs, ich grinde gerne und das macht das Spiel eigentlich perfekt für mich. Gerade im Endgame gibt es viel Grind, mit den Dailys und den wöchentlichen Dungeons.
MeinMMO: Kannst du uns beschreiben, wie so ein typischer Tag oder eine typische Woche in SOLO bei dir aussieht?
AdventureApe: Ja klar. Man fängt den Tag mit einem normalen Dungeon an. Den erledigt man für die Dungeon-Daily, da man darüber Textfragmente und andere Sachen bekommt. Danach erledigt man, am besten direkt zum Reset, die wöchentlichen Quests.
An normalen Tagen erledige ich dann meine weiteren täglichen Quests für Kopfgelder, die Unterwelt und PvP.
Einmal die Woche erledigt man zudem seine wöchentlichen Raids. Das sind derzeit aber nur noch Sparkwood Garden und Forbidden Court, der neuste Raid aus dem November, im Hardmode. Weil alles andere bringt derzeit nicht die Ausrüstung, die man haben möchte.
Den Rest der Zeit nutze ich dann zum Farmen von Gold, weil Gold im Endgame super wichtig ist, um seine Ausrüstung aufzuwerten. Da kann man dann die ganzen anderen Dungeons erledigen, da jeder von ihnen so seine 5 Gold pro Boss bringt.
Gerade für die Leute, die Housing machen wollen, ist Gold besonders wichtig. Ich hab in mein Haus sicherlich schon 200.000 Gold gesteckt. Und es gibt eine eigene Community, die quasi nur Housing spielt und sonst kaum was anderes im MMORPG macht.
Die verbliebenen Spieler sind zu hardcore, doch neue kommen kaum nach
MeinMMO: Wie ist denn die Stimmung in der Community und wie sieht es mit neuen Spielern aus?
AdventureApe: Gerade ist die Stimmung eher schlecht. Das Endgame allein reicht einfach nicht aus. Nicht, weil es zu wenig ist, für Casual-Spieler gibt es genug zu tun, aber die noch verbliebenen Spieler in SOLO sind eine Hardcore-Community, die viel zu viel grindet und farmt.
Zwar gibt es immer mal neue Spieler, die mit SOLO anfangen und ein paar Casual-Spieler gibt es auch, doch der Großteil der Community wartet vor allem auf neue Inhalte und die neuen Klassen. Viele haben deshalb in den letzten Wochen und Monaten aufgehört, wollen dann jedoch zurückkommen. Wir hingegen grinden, um mehr Rücklagen zu haben, als alle anderen.
MeinMMO: Was glaubst du, woran SOLO gescheitert ist und warum jetzt kaum noch neue Spieler nachkommen?
AdventureApe: Ein großes Problem ist meiner Meinung nach Werbung. Wenn man sich andere MMORPGs anschaut, selbst noch viele kleinere Titel, dann haben die mehr Werbung als SOLO. Ich hab in meiner ganzen Zeit seit der Vorberichterstattung vielleicht einmal Werbung gesehen und der größte Content-Creator, der das Spiel angepackt hat, hatte im Schnitt so 120 Zuschauer auf Twitch.
Das mag vielleicht daran liegen, dass sie [Gameforge] aus dem Fehler bei Kingdom Under Fire 2 gelernt haben, wo sie riesige Streamer bezahlt haben, die jedoch mitten im Stream das Spiel im Ragequit verlassen haben.
Zum Start gab es zudem Kritik für die Performance im PvP oder Übersetzungsprobleme, die auch angegangen wurden. Es kommen zwar immer mal wieder neue Probleme auf, gerade etwa ein Bug, der das PvP fast unspielbar macht, aber daran wird immer gearbeitet und wir rechnen mit einem schnellen Fix.
Lustig fand ich, dass ihr regelmäßig und auch positiv über SOLO berichtet habt und es dafür Kritik gab. Aber das Spiel ist nicht schlecht und außer euch hatte keiner SOLO auf dem Schirm, das ist echt schade.
MeinMMO: Ein großes Problem, das wir ausgemacht haben, war die sehr zähe und langweilige Level-Phase. Hat sich daran etwas getan?
AdventureApe: Jein, mit dem ersten Charakter muss man sich noch immer etwas quälen. Sie wollen jedoch mit dem Update 2.0 etwas bringen, worüber man Twinks viel schneller auf das Max-Level ziehen kann. Das soll allerdings nicht für die komplett neuen Klassen gelten.
Allerdings gibt es bereits das Mentoren-System, über das man Bonus-XP bekommt, wenn man mit einem erfahrenen Spieler zusammenspielt. Dadurch kommt man schon jetzt schneller auf das Max-Level als noch zum Start. Und der Mentor selbst bekommt auch nützliche Belohnungen.
Ich find den Anfang übrigens gar nicht so schlimm, weil die Story eigentlich recht gut ist, wenn man sich darauf einlässt. Sie hat nicht das Niveau von Final Fantasy XIV oder SWTOR, aber mit Guild Wars kann sie schon mithalten.
Eine Verdopplung der Spielerzahlen mit Patch 2.0?
MeinMMO: Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit SOLO noch die Kurve bekommt? Kann sich das Spiel erholen und nochmal neue Spieler anziehen?
AdventureApe: Das Spiel wird sich in jedem Fall wieder erholen und in den Spielerzahlen nochmal etwas steigen. Alleine in der deutschen Community kenne ich so an die 1.000 Spieler, die sagen, dass sie zu SOLO zurückkehren, wenn der Warrior und der Foxmage als neue Klassen kommen. Und das ist alleine die deutsche Community.
Ich denke auch, dass die englischsprachige Community in Europa ebenfalls eine Rückkehrer verzeichnen wird. Die NA-Server hingegen sind schon jetzt eine ganze Ecke leerer, da weiß ich nicht, wie hoch die Chancen stehen, dass SOLO nochmal einen Hype erlebt. In EU rechne ich mindestens mit einer Verdopplung der aktuellen Spielerzahlen zu Patch 2.0.
Was Gameforge einfach nur tun muss, ist den neuen Content und die neuen Klassen releasen. Die Inhalte sind in China ja da und das ist auch einer der Gründe, warum viele dem Spiel treu bleiben, weil sie wissen, was noch kommt.
MeinMMO: Weiß man denn schon, wann der Patch 2.0 kommt und was drinsteckt?
AdventureApe: Es heißt aktuell, dass der Patch im ersten Quartal 2022 erscheinen soll. Der bringt dann den Warrior als Klasse und gleich 7 neue Dungeons und Raids. Zudem wird der Gearscore nach und nach auf 205 erhöht. Nicht ganz sicher bin ich mir, ob das neue Max-Level bereits mit dem Update kommt. In China gab es aber schon zwei Erhöhungen davon.
Nach Patch 2.0 kommt es dann darauf an, wie schnell Gameforge neue Inhalte bringt. Anfangs haben sie das echt gut gemacht, da gab es jeden Monat ein Update und die Community war zufrieden. Der letzte Content-Patch jetzt ist aber aus dem November und das kann die Hardcore-Community nicht genug beschäftigen.
Die schwersten Raids brauchen eine Woche oder mehr, um abgeschlossen zu werden
MeinMMO: Wie genau spielt denn die Hardcore-Community die Inhalte und wie schnell sind sie mit ihnen durch? Gibt es auch World-First-Rennen wie etwa in WoW?
AdventureApe: Neue Dungeons und Raids kommen ja erstmal mit einem Normal Mode. Der wird in der Regel am ersten Abend geschafft, für manche Bosse braucht man ein paar Versuche, aber das ist eigentlich kein Problem.
Beim Hardmode ist dann schon so, dass die meisten ihn nicht an Tag 1 schaffen. Da muss man schon eine sehr gute Raidgruppe haben. Der neuste Hardmode von Forbidden Court, der am Donnerstag erschien, wurde von der ersten Gruppe mit 10 Spielern nach ungefähr 7 Stunden abgeschlossen.
Die Extreme Modes, da dauerte es auch schon mal eine Woche oder zwei, bis man die gelegt hat.
In der deutschen Community gibt es auch den Wunsch, der erste zu sein, der solche Dungeons oder Raids abschließt. International gibt es jetzt aber kein direktes Rennen um die World Firsts.
MeinMMO: Und wie steht es um andere Endgame-Inhalte, wie etwa dem PvP?
AdventureApe: Die PvP-Community ist derzeit aktiver als die Raider, aber fällt insgesamt nochmal kleiner aus. Das PvP ist sehr skillbasiert und das Gear macht wenig aus, weswegen sich nicht alle PvE-Spieler da rantrauen.
Allerdings führen die Animationen der Fähigkeit oft zu starken Lags, gerade in den großen 300v300 Inhalten im PvP. Es kann sogar passieren, dass man plötzlich Schaden bekommt und stirbt, aber den Gegner gar nicht sieht, weil das Spiel das Modell noch gar nicht geladen hat.
Massen-PvP ist deshalb gerade kaum spielbar oder wenn nur in Zergs, was das Überleben halt deutlich verbessert. Das macht man meist aber nur für die Daily. Arena-PvP funktioniert da deutlich besser.
SOLO ist eigentlich ein Casual-Game, das die Europäer komplett anders spielen
MeinMMO: Du hast vorhin schon erzählt, dass es in China einiges an Content gibt. Wie weit ist denn die Version da genau?
AdventureApe: SOLO ist in China ein Casual-MMORPG, das so designt wurde, dass man immer Fortschritt macht, auch wenn man wenig spielt. Dort zahlt man für SOLO ein Abo pro Spielstunde, also ist das Spiel so aufgebaut, dass, egal wie viel Zeit du reinsteckst, du immer irgendwie zum Endgame kommen kannst.
Aber wir deutschen Spieler, und auch der Rest der EU-Server, spielen viel kompetitiver. Das sieht man gut in den Schadenszahlen. Die Chinesen haben mit einem Gearscore von 280 etwa 17.000 bis 20.000 Schaden gemacht. Das haben wir mit einem Gearscore von 90 gehabt.
Insgesamt sind die Chinesen gerade bei einem Gearscore von über 500 und damit noch weit vor uns. Während wir auf Patch 2.0 warten, gibt es dort bereits das Update 4.0, mehrere Erhöhungen vom Max-Level, neue Gebiete und 25 Dungeons und Raids, die wir noch bekommen werden. Alle Dungeons und Raids haben die 3 Schwierigkeiten normal, hart und extrem.
Es gibt inzwischen einige EU-Spieler, die bereits die chinesische Version installiert haben und dort “vorspielen”, um einen Eindruck von zukünftigen Inhalten zu bekommen.
MeinMMO: Wie siehst du abschließen die Zukunft von SOLO?
AdventureApe: Es ist wichtig zu wissen, dass es viel Content in China gibt, der zu uns gebracht werden kann. Hier darf es Gameforge einfach nicht verkacken, mit zu langen Wartezeiten oder falschen Versprechungen. Bei Kingdom Under Fire 2 etwa wurde ein Update versprochen, das nie herausgekommen ist und was die Community ihnen sehr übel genommen hat. Passiert sowas bei SOLO, dann sind wahrscheinlich alle Spieler weg.
Ansonsten hat Swords of Legends Online eigentlich alle Chancen und wirklich viele gute Ansätze. Es wird nie so groß werden wie Final Fantasy XIV, aber es wäre eigentlich problemlos in der Lage, eine Spielerzahl zu erreichen, mit der sich das MMORPG für Gameforge refinanziert und sich die Weiterentwicklung lohnt.
Wer jetzt überlegt, anzufangen, sollte bedenken, dass das Spiel gerade sein Tief hat. Mit Patch 2.0 kommt eine neue Klasse und dann kommen auch wieder viele Spieler. Das wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt, um mit SOLO anzufangen. Es lohnt sich vor allem für die Spieler, die Asia-MMORPGs mögen, kein Problem mit Grind haben und gerne die selben Endgame-Dungeons und -Raids laufen. Und man muss mit den Dailys klarkommen, denn die sind wirklich jeden Tag gleich.
Ein Highlight, auf das zudem viele warten, ist das Update auf die Unreal Engine 4, das die chinesische Version in der ersten Hälfte von 2022 bekommen soll.
MeinMMO: Vielen Dank AdventureApe für deine Zeit!
Was sagt ihr zu Swords of Legends? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und denkt ihr über eine Rückkehr nach? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Auch 2022 erscheinen wieder einige neue MMORPGs. Die aussichtsreichsten davon haben wir hier vorgestellt:
Die 5 aussichtsreichsten neuen MMOs und MMORPGs für 2022
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!






























