Die Firma „Artesian Builds“ stellt maßgeschneiderte Gaming-PCs her. Der CEO der Firma, Noah Katz, hat in einem Livestream die Regeln für ein Gewinnspiel geändert und eine Twitch-Streamerin vom Preis ausgeschlossen. Das löste ein katastrophales Echo aus und die Firma musste schließen. Aber in der Folge wird klar: Die Geschichte ist noch viel schlimmer.
Was ist da genau passiert?
- Der Chef der Firma „Artesian Builds“, Noah Katz, verloste Anfang März live auf Twitch einen Gaming-PC, den eine kleine Twitch-Streamerin gewann. Doch Katz fand, die Gewinnerin sei zu unbedeutend und habe als Markenbotschafterin noch nicht für Verkäufe gesorgt, also schloss er sie aus. Sein Ton war dabei triumphierend.
- Die Streamerin empörte sich über die Behandlung auf Twitter, sie fühlte sich und ihren Stream „klein gemacht“ und diffamiert. Die Beschwerde explodierte auf Social Media: Es gab einen Shitstorm gegen „Artesian Builds“, Sponsoren sprangen ab, Partner distanzierten sich von der Firma.
- Am 9. März gab die Firma bekannt, dass sie das Geschäft einstellt. Man will sich jetzt von außen Hilfe suchen und dann noch mal neu durchstarten.
Gefeuerte Angestellte spielen YouTubern viele peinliche Interna zu
Warum wird die Geschichte immer irrer? In der Folge des Skandals haben sich einige YouTuber mit „Artesian Builds“ beschäftigt, darunter der YouTube-Kanal „Gamers Nexus“ (via youtube) und der YouTuber „Onepeg“ (via youtube).
Gamers Nexus hat eine E-Mail an Noah Katz geschrieben, die dann intern in der Firma zirkuliert wurde und auf die ihm viele Mitarbeiter privat „Infos“ zugesendet haben, wie es um die Firma steht.
Onepeg wurden ebenfalls zahlreiche interne Nachrichten zugespielt, die ihm zeigen, in welchem schwierigen Zustand sich die Firma befindet. Nach der Meinung von vielen Mitarbeitern hätte Katz offenbar nie so eine Firma leiten dürfen.
Der Vorfall mit der Twitch-Streamerin sei kein Einzelfall, sondern eine logische Folge des Geschäftsgebarens des CEOs.
Das sind die folgenschweren Sekunden auf Twitch:
Die wichtigsten neuen Infos:
- Insgesamt sollen 40-50 Mitarbeiter über Nacht arbeitslos geworden sein
- Der Chef der Firma, Noah Katz, lebe über dem Bürogebäude in einem Apartment, habe sich aber relativ selten und erst spät am Tag bei der Arbeit blicken lassen. Mitarbeiter fanden es schwer, überhaupt Kontakt mit ihm aufzunehmen
- Die Eltern von Katz haben die Firma finanziert und halten große Stücke auf ihren Sohn, der arbeite wie verrückt
- Katz habe die Schuld am Fehler bei anderen gesucht: So hätte eine Mitarbeiterin bei der Auswahl der Streamer, die fürs Gewinnspiel zulässig sind, einen Fehler gemacht
- Eine Moderatorin hatte während des Twitch-Streamers live darum gebeten, sie doch nächstes Mal zu informieren, wenn Katz live auf Sendung die Regeln ändert
- Das Management der Firma, der Finanz-Chef und der Chef des operativen Geschäfts, haben in den letzten Monaten gekündigt – die Positionen sind nun unbesetzt
- Die Ostküsten-Niederlassung, wo die Mehrheit der PCs hergestellt werde, sei ebenfalls aufgelöst – die Mitarbeiter hätten die Schnauze von Katz vollgehabt
- Die Firma hatte einen so schlechten Ruf bei Zulieferern, dass sie jede Lieferung bar bezahlen mussten. Daher kam das Ende jetzt so schnell, alles deute darauf hin, dass die Firma insolvent sei
- Den Mitarbeitern wurden die Gehalts-Schecks gesperrt, alle Konten der Firma sind eingefroren, während Katz daran arbeitet, das Problem zu lösen

- Ein PR-Statement konnte noch nicht veröffentlicht wurden, weil sich die „Katz Familie“ auf keinen Text einigen konnten und einen ersten Entwurf ablehnte
- Eine Möglichkeit, die eigene Position auf einem großen YouTube-Kanal mit 1,26 Millionen Abonnenten darzustellen, ließ Katz verstreichen
- Sogar bei der Kommunikation mit dem YouTuber „Gamers Nexus“ unterlief Noah Katz ein schwerer Fehler, so teilte er erst vertrauliche Informationen, sagte aber später dem YouTuber, er könne sie nicht verwenden, die seien ja vertraulich
“Der Typ sollte am Boden zerstört sein”
So reagieren die YouTuber: Beide YouTuber sind völlig fassungslos. Je mehr Informationen sie über die Situation haben, desto schlechter kam der CEO bei der Darstellung der Mitarbeiter weg. Offenbar haben viele Angestellte die Möglichkeit genutzt, um sich ihren Frust über den CEO und ihre Situation von der Seele zu schreiben.
„Gamers Nexus“ regt sich etwa auf, dass ihm Katz in einer E-Mail über die Entlassung der Mitarbeiter schreibt, das mache die Story für den YouTuber sicher noch interessanter:
„Das ist das Problem, genau das. Ich bin für zwei Leute verantwortlich, und das ist nur meine Familie, aber wir haben ein Team, mit dem wir eine Menge durchgemacht haben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dann zu schreiben „Oh, das gibt dir eine bessere Story“ – Nein! Die richtige Antwort ist: Ich hab’s total versaut und hab’s bei 50 Leuten vermasselt. Der Typ sollte am Boden zerstört sein.“
Steve Burke, Chefredakteur Gamers Nexus
Wie geht’s jetzt weiter? Das ist im Moment unklar. Ein Problem ist wohl, dass die Firma in Hand von Noah Katz und seinen Eltern ist. Es gibt keinen, der regulativ eingreifen kann:
- Mitarbeiter haben angeboten, die Firma zu kaufen und den CEO auszubooten
- Außerdem hat Twitch-Streamer Trainwreck auf Twitter gesagt, er wolle die Firma übernehmen und „richtig“ führen – wie ernst das gemeint ist, lässt sich schwer sagen
Aber für den Moment ist das ein Schlamassel für alle Beteiligen: Die Mitarbeiter sind erstmal arbeitslos. Wer noch offene Aufträge bei der Firma hat, dem empfiehlt der YouTube-Kanal „Gamers Nexus“, das überwiesene Geld dringend zurückzubuchen.
Sollte Trainwreck die Firma wirklich kaufen, hätte er dafür offenbar genug Mittel zur Verfügung, jedenfalls im Moment:
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!


































