Der Live-Streamer Elias „EliasN97“ Nerlich ist der größte deutsche Streamer auf Twitch. Er ist vor allem mit Spielen der FIFA-Reihe groß geworden und hat eigentlich ein gutes Image. Doch ein Video des Kanals „Simplicissimus“ deckt jetzt auf, dass Nerlich intensiv Werbung für die App SPITCH betreibt, der aus dem „Daily Fantasy Sports“ kommt, ein Bereich, der seit Jahren für seine Nähe zum Glücksspiel kritisiert wird.
Wer ist Elias Nerlich?
- Es ist der größte Twitch-Streamer Deutschlands. In den letzten 90 Tagen lag Nerlich vor der Konkurrenz Trymacs, NoWay4u_Sir (League of Legends), MontanaBlack und Unge.
- Im Gegensatz zu anderen Streamern, die häufiger für ihr Auftreten oder ihre Inhalte kritisiert werden, stand Nerlich selten in der Kritik, sammelte hingegen Pluspunkte mit seinem Fußball-Content.
- Der 24-Jährige hat sich über die Jahre langsam an die Spitze von Twitch in Deutschland gesetzt, hatte in den letzten Monaten vor allem mit FIFA 23, aber auch mit IRL-Streams großen Erfolg.
Daily Fantasy Sport gilt als Glücksspiel-Variante, die mit Sucht ihr Geld verdient
Das ist jetzt die Kritik an ihm: Der Kanal Simplicissimus wirft ihm vor, seinen Zuschauern die Dienste der „Daily Fantasy Sport“-Seite SPITCH anzupreisen und das Angebot beschönigend darzustellen, indem er den „Skill“-Aspekt der App betont und den Glücksspiel-Aspekt herunterspielt.
Die App SPITCH wird schon im Titel des Videos als “ekelhaft” bezeichnet.
Das ganze Konzept „Daily Fantasy Esports“ ist hochumstritten, ähnlich wie Sportwetten:
- Denn die Anbieter geben vor, es gehe um Skill – „Wahre Experten“ könnten mit ihrem Wissen viel Geld verdienen
- Letztlich setzt aber auch dieses Daily Fantasy Sport extrem auf Glücksspiel-Mechaniken, man umschmeichelt sogenannte Wale, die viel Geld in die App investieren und viel verlieren
Was ist so schlimm an diesem Angebot? Simplicissimus erklärt in seinem Video detailliert die genauen Mechaniken, mit denen die App SPITCH die Nutzer dazu bringen möchte, Geld in das System zu stecken:
- So gibt es zwar einen „kostenlosen“ Modus, der mit Gewinnen wirbt – die müssen aber gesetzt werden, um ausgezahlt zu werden. Das führt, laut dem YouTube-Kanal, fast zwangsläufig dazu, dass man mit der App um echtes Geld spielt
- SPITCH unterstütze Spieler darin, massiv Geld in die App zu buttern, indem man Boni für „Wale“ verspricht, die viel Geld investieren
„Das sind auch keine Wetten oder Bets oder so“ – „Ist voll geil“
Was wirft man dem Streamer vor? Ein Knackpunkt von Simplicissimus ist es, dass die App SPITCH und Elias Nerlich betonen, wie wichtig „Fußballwissen“ und der Skill des Spielers bei den Wetten sind. So wird Nerlich wörtlich damit zitiert, dass man mit der App viel Geld verdienen können, „wenn man’s drauf hat.“
Er sagt:
Das sind auch keine Wetten oder Bets oder so. Das ist einfach die Teilnahme eines Users, Freunde, weil da wird auch Skill gefragt. Es sind Spielfelder und keine Spieltische. Und es ist einfach ein Geschicklichkeitsspiel, Freunde, mit Social-Media-Wissen. Ist voll geil.
Elias Nerlich
Da sei eine Argumentation, die von der US-Industrie herausgestellt wird. Diese Argumentation ist umstritten, denn auch wenn Geschicklichkeit (“Skill”) eine Rolle spielt – wie in vielen Glücksspielen -, haben Studien bewiesen, dass die Glücksspiel-Elemente bei den Sportwetten dennoch signifikant sind, wie Simplicissimus ausführt.
Wie der YouTuber erklärt, hätten einige wenige Profi-Spieler, gerade Leute mit wissenschaftlichem Hintergrund, zwar einen Vorteil gegenüber den normalen Spielern und Walen, die viel Geld ins Spiel stecken, aber auch viel verlieren: Doch selbst bei den Profis, den Haien, sei der Glück-Faktor präsent, bei den normalen Spielern umso mehr.
Twitch schränkt Glücksspiel ein – Probleme bleiben bestehen
Was ist jetzt die Kritik am Sponsor und Streamer? Die Kritik ist, dass hier „Glücksspiel“ in einer abgewandelten Form beworben wird, ohne deutlich zu machen, dass es Glücksspiel ist. Damit umgeht man auch die staatlichen Regeln für Glücksspiel.
Ohnehin sei bei der App einiges zweifelhaft, die sitze in Malta, stelle aber vor allem Leute in Dortmund ein.
Es ist also eine sehr ähnliche Kritik wie die an den Lootboxen in FIFA selbst, die Jan Böhmermann in seiner Sendung ZDF Magazin Royale geäußert hat.
Interessant ist, dass die „klaren“ Casino-Streamer in den letzten Monaten scharf kritisiert wurden und auch Twitch neue Regeln erlassen hat, um das Glücksspiel auf Twitch einzudämmen. Aber wie man sieht, gibt es viele weitere Problemfelder, in denen genau die Mechaniken, die bei Glücksspiel kritisiert werden, zum Einsatz kommen:
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