Das ZDF hat im Rahmen ihres investigativen Magazins frontal_ über Online-Casinos und ihre Zusammenarbeit mit Twitch-Streamern berichtet. Letztere sollen sich vor allem durch Verluste ihrer Fans bereichern.
Was genau sagt das ZDF? In einer rund 12 Minuten langen Dokumentation wird gezeigt, wie sehr Online Casinos derzeit boomen. Die Doku deckt auf, wie Influencer auf Twitch und YouTube von diesem Boom und an der Spielsucht anderer profitieren.
Das ZDF sprach mit einem Streamer, der das Geschäftsmodell hinter den Online-Casinos erklärt. So soll er gewinnen, wenn andere einen Verlust erleiden. Ein Betroffener, Sascha, berichtet wie er 180.000 Euro mit Glücksspiel und durch Online Casinos eine Spielsucht entwickelte.
Durch eine Gesetzesänderung soll Online-Glücksspiel ab 2021 legal in Deutschland werden. Bisher ist das noch nicht der Fall. Trotzdem gibt es Grauzonen, die das Online-Glücksspiel ermöglichen.
Wir haben hier die Reportage eingebettet:
Der Streamer Jens „Knossi“ Knosalla wird in der Doku besonders in den Mittelpunkt gerückt.
Wer ist Knossi? Knossi ist ein bekannter deutscher Streamer und war im August 2020 sogar die Nummer 1 der Welt. Auf Twitch wurde er durch Auftritte bei anderen großen Streamern wie Montanablack, der seit Kurzem wieder streamen darf, oder Unsympathisch.TV bekannter.
In seinem Kanal zeigt er vor allem Glücksspiel-Inhalte. Er selbst dreht an der Slot-Machine und geht dabei emotional mit. Er schreit, fleht und hadert mit den Ergebnissen.
Vor allem aber führt er seine Zuschauer damit an Online-Casinos heran. Und die sind in Deutschland, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, eigentlich illegal. Genau das wirft das ZDF-Magazin ihm, aber auch anderen Streamern, vor.
Hier findet ihr Hilfe bei Spielsucht & Prävention:
– BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
– Spielen mit Verantwortung (BZgA)
– Check dein Spiel (BZgA)
Was ist der Vorwurf an die Streamer? Das ZDF führt aus, dass Twitch-Streamer gut an den Online-Casinos verdienen können, obwohl diese eigentlich illegal sind:
- In 15 von 16 Bundesländern in Deutschland sind Online-Casinos verboten. Eine Ausnahme gibt es nur in Schleswig-Holstein.
- Allerdings dürften nur Menschen aus dem Bundesland Angebote nutzen, die zudem offiziell lizenziert sein müssten.
- Die meisten Angebote haben aber gar keine deutsche Lizenz, sondern eine aus Malta oder Gibraltar. Zudem sitzen auch bekannte Casino-Firmen genau in diesen Staaten und eben nicht bei uns.
- Es gibt beim Online-Casino keine Obergrenzen. Theoretisch können Süchtige schnell ihr gesamtes Geld verlieren.
Als Beispiel nannte die Redaktion das Casino Wunderino, das nach eigener Aussage das “beste Online-Casino in Deutschland” ist. Auch diese Firma sitzt in Malta und nutzt eine entsprechende Lizenz. Angebote von Wunderino wurden jedoch von Knossi in mindestens einem Livestream genutzt.
Damit befänden sich viele Streamer, die solche Angebote nutzen, mindestens in einer Grauzone, wenn nicht sogar in der Illegalität, so das ZDF.
“Online-Streamer sind für die Gesellschaft gefährlich”
Wie verdienen Streamer daran? In der Reportage spricht der Streamer Karl darüber, wie er mit Glücksspiel Geld verdient. Er soll selbst Online-Casinos genutzt und dabei Geld verloren haben. Danach “wechselte er die Seite” und wollte Geld damit verdienen.
Das geschieht nach seiner Aussage über Reflinks: Wenn ein Zuschauer auf den Link klickt und spielt, bekommt der Streamer einen Anteil dessen, was der Zuschauer verliert. Laut Karl 45 % bis 50 %. Laut den Recherchen setzen Online-Casinos 1 Milliarde Euro jährlich allein in Deutschland um.
Knossi, der im Video als Beispiel genannt wird, warnt selbst immer wieder, dass die Leute kein Geld in die Casinos investieren sollen. Außerdem überdeckt er Logos der Casinos.
Auf der anderen Seite spielt er aber an den Maschinen und bezeichnet seine Streams als “Dauerwerbesendung”. Über die gezeigten Inhalte lassen sich zudem schnell Rückschlüsse auf die Casinos ziehen, wenn man danach suchen wollen würde.
Was sagen Experten? Im Beitrag kommt auch die Neurologin Dr. Monica Vogelgesang zu Wort. Sie sieht in Streamern wie Knossi eine echte Gefahr:
Online-Streamer sind sicher für die Gesellschaft gefährlich. Sie stellen einfach eine Verführungssituation dar, dass Leute, die dafür empfänglich sind, Glücksspiel anzufangen, vermehrt spielen oder auch wieder rückfällig werden.
Eine solche Person ist der im Video angesprochene Sascha, der 180.000 Euro verloren hat.
Laut einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen 2017 rund 1% aller 16- bis 70-Jährigen ein “ein problematisches oder pathologisches (süchtiges) Glücksspielverhalten” zeigen (via BzgA).
Online-Casinos sollen 2021 legal werden
Warum wird das Thema jetzt diskutiert? Neben der alltäglichen Gefahr, die vom Online-Glücksspiel ausgeht, gibt es zudem eine Neuerung, die 2021 kommen soll.
Eine Gesetzesänderung soll dazu führen, dass Online-Glücksspiel deutschlandweit legal wird:
- Das hätte den Vorteil, dass Casinos in Deutschland eine Lizenz erwerben und hier kontrolliert werden könnten.
- Auf der anderen Seite erhöht es aber auch die Gefahr, dass noch mehr Menschen der Sucht verfallen.
Kommentar aus der Chefredaktion
Online-Casinos zielen stark auf Gamer ab und das Erschließen dieser Zielgruppe nimmt mehr zu. Es ist auch für uns auf MeinMMO auffällig, wie viele Angebote wir in den letzten Monaten von Online-Casinos erhalten haben. Durch die Angebote könnten wir Empfehlungslinks auf der Seite streuen, die zu den Casinos führen und davon profitieren. Das lehnen wir ab.
Spielautomaten standen früher noch in den meisten Gaststätten, Kneipen oder Imbissen. Heute sind diese nur noch in Spielhallen und Casinos zu finden – durch Corona und die temporären Schließungen dieser haben die Besucher nun Online-Casinos für sich entdeckt. Spielautomaten sind schon längst digitalisiert und für tausende Spieler bequem vom Smartphone aus zu erreichen.
Lootboxen in vielen MMOs und Online-Games sind ebenso mit Glücksspiel gleichzusetzen, das nicht reglementiert ist. Die Betreiber der Online-Casinos wissen genau, dass hier eine zahlungskräftige Zielgruppe auf sie wartet. So ist es kein Wunder, dass Online-Casinos sich mittlerweile in Gaming-Streams etabliert haben und rentieren – für Streamer und Betreiber.

Leya Jankowski
Brand Managerin aus der Chefredaktion
Was denkt ihr über die Reportage, die Twitch-Streamer und auch die Gesetzesänderung? Seid ihr selbst schon damit in Berührung gekommen?
Über den Wandel von Online-Games hin zu Glücksspiel beschwerte sich MeinMMO-Chefredakteur Schuhmann schon in einer Kolumne:
Hört auf, MMOs & Online-Games in einarmige Banditen zu verwandeln
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