Destiny 2 hat ein komplexes Universum, das neue Spieler oft regelrecht verschluckt, während sie versuchen, die Welt des Space-Shooters zu verstehen. Wer Hilfe im LFG-System sucht, wird oft enttäuscht. Spielkenntnis und Waffen sind dort meist Grundvoraussetzung für Aktivitäten. Doch bei den Destiny-Sherpas ist das anders. Sie nutzen ihre eigene Stärke gerne, um anderen im Spiel zu helfen. MeinMMO hat mit einem von Ihnen gesprochen.
Als Hüter in Destiny 2 gilt es, die Menschheit vor vielen Bedrohungen zu retten. Dafür hat der ominöse Reisende seine Hüter aus Stärke und Opferbereitschaft geschmiedet.
Getragen vom Wind des Ehrgeizes sind Hüter wandernde Seelen auf der Suche nach ihrem Zweck in einer kriegerischen und komplexen Welt. Ihr unsterbliches Leben im Spiel opfern sie dem Dienst des Reisenden und vor allem dem Schutz der Letzten Stadt. Außer du bist gerade aus dem Kosmodrom geflüchtet und hast keine Ahnung, was du jetzt zu tun hast.
So erging es schon vielen neuen Hütern in Destiny und manche sind auf der Suche nach Erklärungen glücklicherweise auf einen „Sherpa“ getroffen.
Ilias Gaming gehört in Destiny 2 zur deutschen Sherpa-Community und streamt nicht nur auf Twitch und YouTube. Er bietet auch regelmäßig seine Hilfe für Destiny-2-Spieler an.
MeinMMO hat mit ihm gesprochen und gefragt, warum er gerne andere Hüter unterstützt und auch kein Problem damit hat etwas ausführlich zu erklären.
MeinMMO: Kannst Du Dich bitte unseren Lesern vorstellen? Wer bist du, was machst Du von Beruf und in Deiner Freizeit?
Ilias Gaming: Ja klar, gerne! Ich bin Roland, 34, verheiratet, Vater von 4 Kindern und komme aus dem Allgäu. Ich habe Wirtschaftsrecht studiert und bin von Beruf Steuerassistent, also ziemlich langweilig eigentlich. Freizeit habe ich gefühlt viel zu wenig, aber wenn ich Freizeit habe, dann bin ich regelmäßig laufen, um mich für einen Marathon fit zu machen. Ansonsten gehe ich auch super gerne ins Kino und na ja ich bin Gamer, also stecke ich hier auch viel Zeit rein.
MeinMMO: Wie bist Du zum Gaming und spezifisch zu Destiny gekommen? Erzähle uns etwas von Deinem Werdegang.
Gaming hat bei mir schon sehr früh eine Rolle gespielt. Als ich 3 Jahre alt war haben meine Geschwister einen NES mit Super Mario Bros bekommen und ab da war es um mich geschehen. Destiny im spezifischen habe ich seit der Beta von Destiny 1 gespielt.
So richtig eingestiegen bin ich in Destiny, als ich mich entschieden habe auf meinem Youtube Kanal Inhalte für Destiny 2 zu machen und mich darauf zu fokussieren.
MeinMMO: Kannst Du unseren Lesern erklären, was “Sherpa” in Destiny ist? Warum macht man das?
„Sherpa“ ist ja eigentlich ein Begriff, den man vor allem vom Bergsteigen kennt. „Sherpas“ sind diejenigen (meist Einheimische), die den Bergsteigern geholfen haben, die Gipfel zu erklimmen. Sie haben die Ausrüstung getragen und die Bergsteiger auf sicheren Wegen durch das Gebirge geführt.
Und das macht man auch als Sherpa in Destiny. Man hilft anderen Spielern dabei einen Raid, einen Dungeon oder einen Spitzenreiter zu laufen. Bei diesen Aktivitäten gibt es keine Spielersuche und für viele wäre es sonst wohl gar nicht möglich diese Aktivitäten zu spielen.
Die Sherpa-Kultur in Destiny gibt es schon lange
In Destiny 1 waren Sherpas ein fester Bestandteil der Community. Erfahrene Hüter, die nach neuen Herausforderungen und Zielen suchten, begannen weniger erfahrenen Spielern aktiv zu unterstützen.
Nun könnte man sagen: Sherpas braucht man doch in Destiny 2 gar nicht mehr, schließlich gibt es ja das LFG-System (Looking-for-Group). Doch dieses System ist leider voll von Spielern, die von interessierten Spielern nicht nur Erfahrung, sondern auch ein bestimmtes Level oder spezielle Waffen verlangen. Das kann für neue Spieler entmutigend sein, denn erklärt wird einem dort nur das Nötigste.
Für einen Sherpa spielt das jedoch keine Rolle. Sie wollen anderen Hütern helfen und nehmen es einem auch nicht krumm, wenn man die eine oder andere Waffe noch nicht ergattert hat. Das kann man schließlich gleich gemeinsam nachholen. Ganz nebenbei werden so auch noch Freundschaften geschlossen.
MeinMMO: Warum hast Du mit Sherpa angefangen?
Es gibt viele Gründe, warum ich derzeit Sherpas in Destiny 2 mache.
Hauptsächlich ist es für einen erfahrenen Destiny-Spieler wie mich definitiv ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man jemandem helfen konnte das erste Mal einen Raid zu laufen oder seinen Eroberer-Titel fertigzustellen und man dann auch die Dankbarkeit sieht.
Auf der anderen Seite ist es auch eine persönliche Herausforderung. Man weiß nämlich nie, wie viel Erfahrung ein Spieler hat, den man mitnimmt. Gerade in einer Dämmerung auf der höchsten Schwierigkeitsstufe (Spitzenreiter) kann es dann schon nochmal eine ganze Stufe schwieriger werden, wenn man zu zweit einen Großteil der „Arbeit“ leisten muss und nebenbei noch etwas erklärt.
Ein weiterer Grund ist, dass, und so ehrlich muss man auch sein, Sherpa-Streams egal, ob im PVE oder PVP gerne gesehen werden und es spiegelt sich auch in den Zuschauerzahlen wider. Ich helfe gerne und obendrauf ist es für beide Seiten eine Win-win-Situation. Der Zuschauer, der Streamer und der Spieler, dem man damit hilft.
MeinMMO: Wie komplex findest Du es derzeit neuen Spielern die Inhalte und Mechaniken von Destiny 2 zu erklären?
Komplex ist das meiste tatsächlich nicht. Aber es ist einfach verdammt viel, was man erklären kann. Neue Spieler werden in Destiny im Grunde gar nicht an die Hand genommen. Man muss sich alles selbst aneignen. Wenn ich nur daran denke, wie oft ich unter meinen Build Videos auf Youtube gefragt werde, woher es die Mod XY gibt. Daran sieht man, dass selbst so etwas Grundlegendes wie das Sammeln aller Mods und woher man sie bekommt für einen neuen Spieler eine „Herausforderung“ sein kann.
MeinMMO: Destiny 2 bedient immer mehr die Art von Spielern, die nur zwei Stunden pro Woche Zeit haben, um zu spielen und Aktivitäten abzuschließen. Welche Auswirkung hatte es auf Deine Endgame-Aktivitäten und das Sherpa?
Tatsächlich muss ich hier sagen, dass es eigentlich keine Auswirkung hat. Klar kommt es immer wieder gerade beim Spitzenreiter vor, dass jemand nicht mit kann, weil sein Power-Level nicht hoch genug ist, aber es gibt so viele interessierte Spieler, dass man hier tatsächlich immer genug zu tun hat. Man merkt schon sehr stark das Bungie das Powerleveln in den letzten Jahren deutlich vereinfacht hat.
MeinMMO: Welche besonderen Ereignisse oder Storys gab es, die Dir während der Raids passiert sind?
Das ist ganz oft Situationskomik, die jetzt hier schwer zu erklären ist. Aber wenn ich an meinen letzten Stream denke, dann sind das so Situationen, bei denen ein Mitspieler ein Stasis-Geschütz genau in dem Moment direkt vor dir platziert, wenn du gerade mit dem Raketenwerfer auf den Champion schießen willst und dich damit selbst zerlegst.
Oder man möchte ganz lässig sein und geht, weil das Schild des Antibarriere-Champion gerade gebrochen ist, aus der Deckung raus, um ihm mit dem Raketenwerfer den Rest zu geben nur um dann die Höhe vom Geländer falsch eingeschätzt zu haben. Zack ist man wieder tot, aber damit hat man definitiv alle Lacher auf seiner Seite.
Zum einen sind viele Sherpas auf YouTube und Twitch aktiv. Hier ist es jedoch nicht immer einfach jemanden zu finden. Dies passiert oft nur durch Zufall oder Empfehlungen anderer Spieler. Besser sind die Möglichkeiten im Sherpa-reddit oder über den inoffiziellen Destiny2-LFG-Discord. Dort gibt es einen speziellen Textchannel nur fürs Sherpa. Zudem bieten auch einige Clans aktive Sherpa-Unterstützung an, hier ist man jedoch ebenfalls auf Empfehlungen angewiesen.
MeinMMO: Ich glaube, solche Situationen kennen auch andere Spieler nur zu gut. Welche Tipps würdest Du denn jemandem geben, der konkret ins Endgame von Destiny einsteigen möchte?
Schau dir Videos und Streams von anderen an, die Spitzenreiter laufen, befasse dich eingehend mit den Funktionsweisen von Mods/Exo Rüstungen usw. und mach dich mit dem Build Crafting vertraut.
Nachdem man theoretisch weiß, welche Ausrüstung für Aktivität XY erforderlich ist und man die Mechaniken/Besonderheiten kennt, dann heißt es üben, üben und nochmal üben.
Hierbei empfehle ich auch, dass man Aktivitäten macht, die momentan womöglich deutlich zu schwer sind. Also, dass man beispielsweise versucht einen Dungeon solo zu laufen oder einen Dämmerungsstrike auf höherem Schwierigkeitsgrad solo spielt. Es geht hier gar nicht darum, dass man die Aktivität alleine schafft, sondern dass man gegen sich selbst antritt und versucht immer ein Stückchen weiter zu kommen und dabei immer mehr lernt, sich im Endgame zu bewegen und zu überleben.
Denn man glaubt es kaum, aber das Movement und zu wissen, wann man aus der Deckung geht, welchen Gegner man zuerst angreift und welche erst später, das ist extrem wichtig fürs PVE Endgame. Wenn man immer nur den saisonalen Content und normale Strikes läuft, sich selbst also nie fordert, dann wird man in Destiny 2 auch nicht besser.
Auch ich muss noch sehr viel lernen und ich schaue selbst am laufenden Band Videos/Streams von Speedrunnern und anderen PVE Cracks, um mir hier das ein oder andere abzuschauen. Und im Idealfall kann ich das Gelernte dann auch den Zuschauern mitgeben.
MeinMMO: Am Schluss noch eine letzte Frage. Wenn Du einen Wunsch bei Bungie frei hättest, was dann sofort geändert wird, was würdest Du Dir dann wünschen?
Mehr Content! Destiny hat eine große und treue Spielerbasis, die hauptsächlich deswegen von Destiny so oft enttäuscht ist, weil sie spätestens nach der Hälfte einer Season (wenn nicht schon früher) nichts mehr zu tun haben. Sie würden so oft mehr spielen, aber es gibt dann einfach nichts Neues bzw. Belohnendes mehr, das sie machen können. Und ich glaube auch, dass ein Großteil der Spieler sogar bereit wäre, für guten Content mehr zu bezahlen.
Natürlich gibt es auch sonst viele Dinge, die besser sein könnten, aber ich glaube, dass mehr belohnender Content mit das Wichtigste wäre.
Wir bedanken uns herzlich bei Roland von Ilias Gaming für das Interview und wünschen ihm weiterhin viel Spaß und Erfolg in Destiny 2 sowie auf Twitch und YouTube.
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