Die Worlds in LoL brachten Drachen und einen Gott zum Weinen

Die gigantischen Finals in League of Legends (LoL) sind vorüber. Ein Drama zeichnete sich ab und es gab Drachen.

Der eSport in League of Legends funktioniert im Prinzip nach denselben Regeln wie jede professionelle Sportart. Es gibt Spitzen-Teams und Stars. Was im Basketball LeBron James und im Fußball Lionel Messi sind, ist bei League of Legends ein dünner, koreanischer Junge, der als „Faker“ bekannt ist. Seine Fans nennen ihn auch den „unsterblichen Dämonenkönig“ oder schlicht „Gott“.

Faker – der Lionel Messi von LoL

Faker gilt als Superstar, der das LoL-Spiel auf ein neues Level gehoben hat. Von seiner Position als „Mid-Laner“ aus dominiert er die Partien seit Jahren, gilt als unfassbar vielseitig, hat 30 Helden in seinem Repertoire, die er herausragend beherrscht. Dabei gönnt sich Faker keine Star-Allüren, ist ein schüchtern wirkender, schmächtiger junger Mann, der demütig und bescheiden auftritt.

Sein Ruf ist legendär. Dabei ist immer der Spieler Faker im Vordergrund, über den Menschen weiß man nur wenig.

Faker ist das asketische Vorbild für eine Generation von LoL-Spielern. Als das koreanische Magazin Inven kürzlich den US-Spieler Maxlore von Misfits fragte, ob er denn eine Freundin hätte, antwortete der: „Solange Faker keine Freundin hat, habe ich auch keine.“

Faker spielt für das Team SKT 1 – und die sind so eine Art „Real Madrid“ von LoL. Sie haben die letzten zwei Jahre die Klubweltmeisterschaften gewonnen. Allerdings gibt es auch im LoL-Wunderland Korea Probleme.

Star-Spieler widersteht Verlockung der chinesischen Millionen

Eigentlich bringt Korea seit Jahren die besten LoL-Spieler hervor – allerdings wird das große Geld in China verdient. Ein chinesisches Team soll Faker schon 2014 eine Millionen US-Dollar geboten haben, wenn er für sie aufläuft. In den Jahren darauf gab es Gerüchte, Teams hätten ihm bis zu 4 Millionen US-Dollar geboten. Faker lehnte aber immer wieder ab. Er blieb bei seinem Team, bei SKT T1.

Doch einige seiner Mitspieler verließen SKT T1 über die Jahre.

Die 2017 League of Legends World Championship wurde in China ausgetragen. 24 Teams kämpften um den Pokal. Klarer Favorit war das Team SKT T1 um Faker, das die letzten 2 Jahre gewonnen hatte.

LoL Faker PC

Ardent-Censer-Meta stärkt AD-Carry

Allerdings bekam die Legende um SKT T1 in diesem Jahr schon früh Dellen. Die LoL Words wurden mit einem Patch gespielt, in dem ein einziges Item LoL dominierte. „Ardent Censer“ macht die Bot-Lane in einem LoL-Team zum entscheidenden Faktor.

Von Beginn des Turniers zeigte sich, dass SKT T1 mit „Bang“ und „Wolf“ hier nicht erstklassig besetzt sein würde. Gerade der eigentlich erfahrene Bang wurde das Turnier über heftig für seine Leistungen kritisiert. Beobachter waren sich einig: „Das ist das schwächste SKT T1 seit Jahren. Noch nie waren sie so schlagbar.“ Aber immerhin hatten sie Gott auf ihrer Seite und der drehte auf.

Blitzcrank

Faker trägt SKT T1 bis ins Finale

Schon im Viertelfinale brauchte es eine Wunderleistung von Faker, damit SKT T1 sich gegen das europäische Teams Misfits durchsetzen konnte. Bei den Misfits spielt mit PowerofEvil übrigens ein Deutscher, der da knapp die Sensation verpasst hat.

Misfits überraschten die Koreaner mit ungewöhnlichen Picks wie Blitzcrank und Leona. Da stand SKT T1 schon mit dem Rücken an der Wand, kam aber mit einem 3:2-Sieg zurück. Ein Dragon-Steal von Blank gilt als entscheidender Moment der Serie.

Im Halbfinale gegen das chinesische Team „Royal Never Give Up“ spielte Faker in allen 5 Partien den Helden “Galio”, eigentlich ein ungewöhnlicher Pick für ihn. SKT T1 siegte knapp mit 3:2. Für Beobachter ein Beweis für die Vielseitigkeit von Faker, der als Galio die schwächelnde eigene Botlane stärkte.

In beiden Spielserien wurde Faker zum „MVP“ der Partien gewählt. Eigentlich sah alles nach einer Heldengeschichte aus: Gegen alle Widerstände und ein ungünstiges Meta obsiegt der unsterbliche Dämonenkönig und führt SKT T1 zur dritten Weltmeisterschaft in Folge. Alles noch viel schwerer, noch viel größer, viel bedeutsamer als die Jahre davor. Eines Gottes würdig.

Finale mit Drachen

Für das riesige Finale hatte sich Ausrichter Riot Games was Besonderes ausgedacht und ließ einen virtuellen Drachen über dem Kampfareal seine Kreise ziehen.

SKT T1 trat hier gegen Samsung Galaxy an. Ein Rematch aus dem letzten Jahr. Samsung Galaxy gilt als diszipliniertes und cleveres Team, das eher „langweilig“ spielt, ihre Gegner zermürbt.

Nicht Faker gewinnt Finale, der AD-Carry verliert es

SKT T1 hatte von Beginn an Probleme. Dem AD-Carry von SKT T1, Bang, unterliefen zahlreiche Fehler, die unerklärlich schienen. Der Spieler wurde vor allem für sein Verhalten in Team-Fights kritisiert. Er hätte mit seinen eigenen Ultimates den gegnerischen Carry, Ruler, mehrfach gerettet. Eigentlich rätselhaft, immerhin ist Bang ein zweifacher Weltmeister und galt lange Zeit als herausragender Spieler.

Es gibt zwei Erklärungsmodelle:

  • Manche vermuten, Bang habe in den Wochen und Monaten vor den Worlds einfach nicht genug LoL gespielt, sei ausgebrannt.
  • Andere denken, die heftige Kritik während des Turniers hätte Bang nach schwachem Start zusätzlich verunsichert, zu einem spielerischen Totalversagen geführt.

Vor allem die Fans auf der koreanischen Gaming-Seite Inven zeigten sich während des Turniers unerbittlich gegen Bang, kritisierten ihn hart. Einige denken, das könnte ihn so gebrochen haben, dass ihm im Finale derbe Fehler unterliefen, wie dieser unnötige Flash, der ihn im Teamfight isolierte und sein Team auf die Verliererstraße brachte.


In jedem Fall unterlag SKT T1 chancenlos 0:3 gegen die Rivalen von Samsung Galaxy. Die sind damit der 2017-Weltmeister der League of Legends. AD-Carry Ruler wurde zum MVP der Finals. Wie sein Support CoreJJ wies Ruler über die KO-Phase beeindruckende Statistiken und Werte auf.

Letztlich war es nicht die Heldengeschichte von Faker, sondern die Tragödie um Bang, die das Finale prägte.

Nach dem Turnier beim Handshake sah man Faker aufgelöst. Ihm ist es trotz einer herausragenden Turnierleistung nicht gelungen, sein Team zum dritten Sieg in Folge zu führen. Auch Götter können weinen.

Die westliche Star-Ensemble „Team Solo Mid“ scheiterte übrigens schon in der Gruppenphase. Die hatten sich im Vorfeld der Weltmeisterschaften schon keine Freunde in Korea gemacht:

LoL: “Fahrt gleich durch nach China” – TSM nicht willkommen in Südkorea

Autor(in)
Quelle(n): kotaku
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Sebastian Jerke
Sebastian Jerke
2 Jahre zuvor

Nur schade dass es das Team „SKT 1“ nicht gibt ich kenne nur SKT T1

Verpasst
Verpasst
2 Jahre zuvor

Die Worlds sind diesmal komplett an mir vorbeigegangen.
Viel zu spät mitbekommen.
Es stand auch so gut wie nix auf diversen deutschen Gaming-Sites.
Die Show war aber wieder mal nen Knaller

Fayt89
Fayt89
2 Jahre zuvor

Fakers und Renaldos Tränen sind die süßesten !

Mikail Kilic
Mikail Kilic
2 Jahre zuvor

Ich spiele seit Jahren League of Legends und bin mehrfacher Diamond Spieler, ich finde den Artikel wunderbar geschrieben, es wurde eigentlich alles wichtige erwähnt. Die Meta mit Ardent war natürlich extrem nervig, da in den kompletten Worlds kaum Variationen in der Botlane gab.
Doch ich bin auch der Meinung das Peanut (der dann nach dem 2ten Game ausgwächselt wurde) auch einen ziemlichen Mist gebaut hat. Meiner Meinung nach hat Gragas gegen die Combo von SSG nichts ausrichten können. Man hat gemerkt das SKT einfach nicht engagen hat können. Alles was SSG tat war sicher und langsam SKT in die Base zu drängen und auf den nächsten Baron (Powerspike) zu warten.
Da ich selbst das Finale im Kino mitverfolgt habe, bekam ich mit wie viele sich über Fakers Picks lästerten, viele vergessen jedoch alles was CROWN (Midlaner von SSG) zu tun hatte, war Faker in der Lane zu halten, aus diesem Grund spielte er auch in allen 3 Games Malzaher, der Champ eignet sich extrem gut die Lane permanent zu pushen und ihn dazu zu zwingen die Lane sogut wie nie verlassen zu können.

Ich bin der Meinung das wir spätestens 2018 einige Änderungen an SKT sehen werden, gerade die Botlane und der Jungler stehen hier wohl an erster Linie. Zudem hoffe ich das Riot Games endlich mal das Balancing, das einfach lächerlich war, vor solchen großen Turnieren in den Griff zu kriegen.

cyber
cyber
2 Jahre zuvor

Kann ich mich nur Anschließen. Der Artikel liest sich gut. Und ich habe das Finale nicht gesehen und kann mir trotzdem vorstellen, wie die Spiele gelaufen sind.

Neuer
Neuer
2 Jahre zuvor

Wie Zven von G2 schon sagte, dreht sich alles um den Ardent Censer und limitiert die viable picks somit extrem auf allen lanes. Die meisten picks zielten auf Peel oder Buffs für den ADC ab. Sowas extremes gab es noch nie in irgendeiner Meta zuvor. Gerade Tank Support Spieler wie Mithy haben extrem unter diesem Item gelitten.

elkrebso
elkrebso
2 Jahre zuvor

Kann man LoL eigentlich irgendwie verstehen, ohne es selber je gespielt zu haben? Mich würden die Mechaniken wirklich mal interessieren, aber selber spielen mag ich‘s nicht.

Gerd Schuhmann
Gerd Schuhmann
2 Jahre zuvor

Ich glaub, es ist schwer – weil da schon einige seltsame Systeme ineinandergreifen und zusammenhängen.

Also irgendein MOBA dieser Art sollte man wohl gespielt haben – muss nicht unbedingt LoL sein.

Fayt89
Fayt89
2 Jahre zuvor

Auch wenn du League nicht spielen möchtest gebe ich dir folgenen Tipp lade dir das Spiel runter kreuze bei deiner account erstellung an das du komplett neu im MOBA bereich bist dann kannst du das Anfänger ai szenario spielen. dort wird nahezu alles schritt für schritt erklärt ( also was ein moba eigentlich ist) alles komtm dran über lanes türme helden minions junglecreeps usw. So kannst du es dir OHNE irgendwelche anderen spieler anschauen das gesamte sythem so zu erklären ist etwas kompliziert. sich das ganze als football match vorzustellen wo es am ende immer einen sieger gibt ist aber schon ganz ok. und wenn du dann sagst ok jetzt habe ich es verstandne gibt es einen modus indem deine gegner computer gesteuert sind und verschiedene schwierigkeits stufen haben mit mit denen du ein kleines match spielen kannst.

Alastor Lakiska Lines
Alastor Lakiska Lines
2 Jahre zuvor

Schade…knapp vorbei an 100% perfekten Picks bei der Knockout-Stage.

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