Magic: Legends startet nach einigen Verschiebungen bald endlich in die Beta. MeinMMO-Autor Benedict Grothaus konnte sich bereits vorab ansehen, was das neue ARPG im Magic-Universum zu bieten hat. Seine ursprünglichen Erwartungen hat er verworfen.
Als ich Magic: Legends das erste Mal auf der PAX East Anfang 2020 gespielt habe, dachte ich: das wird eine coole Alternative zu Diablo 3 oder Diablo 4. Ein starkes Hack‘n‘Slay mit der Lore von Magic, dem Gameplay von Diablo und ein paar eigenen Mechaniken.
Falsch gedacht.
Die Entwickler luden MeinMMO dazu ein, Magic: Legends kurz vor dem Start der Beta noch einmal anzusehen und ich muss sagen: mit Diablo hat das kaum noch etwas zu tun. Ja, wer die Reihe kennt und gespielt hat, kann auf einige Erfahrungen zurückgreifen. Da endet die Ähnlichkeit aber auch schon.
Legends macht so viel anders, dass ich mir beim ersten Blick auf die Mechaniken erst mal ziemlich dumm vorkam – aber auch begeistert war. Vielleicht wartet hier mehr als eine reine Alternative zu Diablo. Ich hoffe auf eine neue Perle im ARPG-Genre, habe aber auch meine Bedenken.
So spielt sich Magic: Legends
Das ist das Gameplay: Meine Session beinhaltete zwei Missionen sowie ein wenig Umsehen im Shop, den Decks, Karten und der Ausrüstung sowie eine Auswahl aller Klassen. Grundsätzlich deswegen erst einmal: ja, das reine Gameplay ist schon sehr ähnlich wie das von Diablo.
In den Missionen und der Welt bewege ich meinen Charakter und nutze eine von vier aktuell verfügbaren Fähigkeiten. Ich finde massenweise Gegner, meist in größeren Gruppen und geleite sie sanft mit Feuer, Beschwörungen oder anderer Magie in die Nachwelt.
Der einzige Unterschied dabei ist, dass meine Zauber nicht fest sind. Die vier aktiven Fähigkeiten rotieren aus insgesamt zwölf, die ich in meinen (vorgefertigten) Decks verbaut habe. Nutze ich eine Fähigkeit, wird sie verbraucht und die nächste „Karte“ wird zufällig vom Stapel gezogen.
Damit ändert sich, welche Fähigkeiten ich wann zur Verfügung habe. So ergeben sich unterschiedliche Synergien und Möglichkeiten, Gegner zu töten. Ultimativ baut aber alles darauf auf, dass ich meine Skills aufeinander abstimme und mir überlege, wie genau meine Fähigkeiten ineinandergreifen sollen.
Das klingt wie Diablo, oder? Builds in Diablo funktionieren auf die gleiche Weise. Sets und Fähigkeiten sorgen für Synergien und daraus ergibt sich irgendwann ein „Meta-Build“, den jeder Spieler einer Klasse dann nutzt.
In Legends ist das aber voraussichtlich anders. Durch die schiere Menge an Karten, die dazu jeder der bisher fünf Klassen zur Verfügung steht, lassen sich unzählige verschiedene Decks erstellen.
Das ist aber noch nicht alles. Magic: Legends bietet zusätzlich zu den Karten und Decks noch Ausrüstung und Artefakte. Ausrüstung liefert wie gewohnt Boni für Attribute und Fähigkeiten. Artefakte sind das, was die Decks und Synergien erst richtig interessant macht.
Diese geben zusätzlich zu den Karten und der Ausrüstung Effekte, wie etwa: jedes Mal, wenn ich eine bestimmte Art von Zauber wirke, habe ich die Chance, einen riesigen Drachen zu beschwören. In meinem Playstest hatte ich so zeitweise drei Drachen gleichzeitig auf dem Feld, von denen einer schon mit dutzenden Gegnern alleine fertig wird.
Dazu kommt, dass Legends nicht wie Diablo strikt in Level und Maps aufgeteilt ist. Es gibt zwar einzelne Missionen, die ähnlich funktionieren wie Dungeons in Diablo 3. Allerdings bietet die Welt mit ihren vielen Ebenen eine Open World, die ihr erkunden könnt und in der ihr sogar Spieler-Hubs (Städte) finden könnt. Dazu hat jeder Spieler ein persönliches Sanktum.
Legends ist mehr MMO als Diablo
Das macht Magic: Legends so besonders: Diese ganzen Features lassen Legends mehr zu einem MMO werden, als es Diablo von sich behaupten kann. Grob erinnert das an die Größe von Path of Exile, nur nach meinem Verständnis noch ein wenig stärker auf soziale Aspekte ausgelegt.
Kurz heruntergebrochen bietet Legends folgende Kern-Features:
- eine Open World, die ihr frei erkunden könnt mit Portalen für eine Schnellreise. Es gibt mehrere „Ebenen“ mit eigenen Städten, die ähnlich funktionieren wie Akte in Diablo 3
- abgeschlossene Level oder Missionen, in denen ihr ein Ziel verfolgt und am Ende Beute erhaltet. Ich habe etwa eine Art Eskort-Mission sowie eine Mission gespielt, in der ich ein Gebiet eine Zeit lang gegen Feinde verteidigen musste
- stetiger Fortschritt durch immer mehr Karten, Ausrüstung und Artefakte sowie der Möglichkeit, diese mit farmbaren Materialien aufzuwerten
- Decks, die bestimmen, wie ihr Magic: Legends spielt
- Artefakte, die die Effekte von Decks verstärken und so zu den richtig starken Builds im Endgame führen
Level funktionieren dabei in etwa wie in Diablo. Sobald eine Mission in der Story gespielt wurde, kann sie im Anschluss immer wieder abgeschlossen werden, um auf höheren Schwierigkeiten bessere Beute abzugreifen oder Freunden zu helfen.
Wo steckt hier das MMO? In den Städten könnt ihr auf fremde Spieler treffen und anscheinend auch in der Open World, wobei ich diese noch nicht erkunden konnte. Diese Hubs erlauben es euch aber, euch mit anderen Spielern kurzzuschließen und gemeinsam Missionen abzuschließen.
Die Missionen können dann solo oder im Koop mit bis zu drei Spielern als Gruppe bestritten werden. Koop ist ein großer Fokus des Spiels und die Entwickler legen viel Wert darauf, dass das gemeinsame Spielen auch Spaß macht.
Die Produzentin Tiffany Chu, die mich bei meinem Test begleitete, sagte dazu: „Wir wollen, dass die Leute zusammen spielen. Besonders, wenn du schon auf einem höheren Level bist, sollen sie dich sehen und von dir inspiriert werden. Sie sollen sagen: ‚Ich möchte so cool und stark sein wie Benedict!‘“
Die einzige Voraussetzung ist, dass der Freund das etwa einstündige Tutorial abgeschlossen haben muss, in dem die wichtigsten Mechaniken erklärt werden. Einige höhere Schwierigkeiten haben zudem eine Stufen-Voraussetzung.
Klassen, Artefakte und Decks sind die Key-Features
Was sind Decks? In Magic: Legends spielt ihr nicht mit festen Klassen, die je ihre spezifischen Fähigkeiten mitbringen, sondern mit Decks. Decks bestehen aus zwölf verschiedenen Karten, von denen immer vier gleichzeitig spielbar sind und anschließend rotieren.
In meinem Test habe ich zwei Kreaturen-Decks gespielt, ein rot-weißes mit Goblins und Engeln und ein grün-schwarzes mit großen Monstern. Kreaturen-Decks bauen darauf auf, verbündete Kreaturen zu beschwören und mit diesen Gegner zu bekämpfen. Dazu werden sie entweder am Leben gehalten, mit Buffs gestärkt oder sogar geopfert, um andere, stärkere Kreaturen damit zu “füttern”.
Andere Decks nutzen etwa Zauber, die Gegnern sofort Schaden zufügen, sie kontrollieren oder Verbündete stärken. Die verschiedenen Deck-Typen geben an, ob ihr eher mit Beschwörungen oder Direkt-Zaubern spielt, die Farben haben einen Einfluss auf das „Thema“ eures Decks.
Die Farben in Magic: Farben stellen in Magic das Mana dar, das euch zur Verfügung steht. Ein Deck besteht in der Regel aus zwei Farben, von denen jede ihre eigenen, speziellen Eigenschaften mitbringt:
- Rot: aggressive Zauber, die oft direkten Schaden zufügen oder eine Vielzahl starker Kreaturen beschwören, die jedoch wenig aushalten
- Blau: Kontrollzauber, die Gegner betäuben oder verwirren sowie mit eurem Mana und eurer Karten-Rotation spielen
- Grün: Beschwörungen, die vor allem einzelne, große Kreaturen erschaffen und diese noch weiter verstärken
- Weiß: unterstützende Zauber, die Verbündete heilen und verstärken oder erlittenen Schaden von anderen Kreaturen auf euch selbst umlenkt
- Schwarz: nekromantische Kräfte, die Lebenspunkte von verbündeten und gegnerischen Kreaturen opfern, um euch selbst zu stärken
Die Farbe der Karten und Decks ist unabhängig von der Klasse, die ihr spielt. Jede Klasse kann jedes Deck nutzen.
Was sind Klassen? Euer Charakter („Planeswalker“) verfügt zusätzlich zum Kartendeck über eine Klasse. Jede Klasse hat zwei Fähigkeiten sowie eine Ultimate, die ihr unabhängig von euren Karten immer nutzen könnt. Zum Start werden fünf Klassen verfügbar sein:
- Weihepriester
- Nekromagier
- Geomagier
- Gedankenmagier
- Bestienrufer
Der Einfluss der Klassen selbst ist eher gering, kann aber bestimmen, in welche Richtung euer Deck geht. Dient ein Deck einem Gedankenmagier etwa dazu, Gegner zu kontrollieren und die Gruppe zu unterstützen, kann der Weihepriester damit als richtiger Tank spielen.
Klingt kompliziert – ist es das auch? Legends ist komplex, was auch zu erwarten ist. Schließlich stammt es vom Kartenspiel Magic ab, dem komplexesten Spiel der Welt. Allerdings soll das Spiel euch langsam in die Mechaniken einführen und sie nach und nach erklären.
Ich wurde in die Welt geworfen mit vorgefertigten Decks und Builds und hatte keine Möglichkeit, mich selbst langsam in alles einzuarbeiten – weswegen ich etwas überwältigt war vom Angebot. Ich gehe aber davon aus, dass ich mit ein paar mehr Stunden Spielzeit sicherlich recht bald gut eigene Decks und Builds hätte erschaffen können. Selber leveln ist definitiv empfehlenswert, weil ihr so die verschiedenen Mechaniken besser lernt.
Langzeitmotivation und Monetarisierung
So macht Legends lange Spaß: Ähnlich wie in anderen Vertretern des Genres bietet Magic: Legends für Vielspieler ein Grind-System, mit dem sie sich immer weiter verbessern können, wie mir Tiffany Chu in einem kurzen Gespräch nach dem Test erklärte. Es gibt zwei grundlegende Aktivitäten, die den Fortschritt weiter vorantreiben:
- wiederholbare Missionen, um neue Karten und Ausrüstung zu erhalten
- „refined Aether“, eine Spiel-Währung mit täglicher Begrenzung, die ihr für Upgrades benötigt
Der Aether wird vor allem später wichtig, wenn ihr euch auf ein Deck festlegen und den entsprechenden Build bis ans Maximum treiben wollt. Ihr sollt aber immer die Möglichkeit haben, euch ein neues Deck zusammenzubauen, um es auszuprobieren ohne direkt ganz neu dafür starten zu müssen. Die Währung sollte jedoch in relativ kurzer Spielzeit am Tag erreicht werden können – etwa eine Stunde, meinte Tiffany, war sich aber nicht zu 100 % sicher.
Wer mehr spielen möchte, bekommt weitere Währungen wie Artefakt-Splitter, mit denen sich die wichtigen Artefakte weiter ausbauen lassen. So sollen Hardcore-Spieler weiter profitieren, ohne Casuals vollständig abzuhängen.
Für das alles reicht im Übrigen ein einziger Charakter. Klassen und Decks sind mit jedem Charakter frei wählbar und das Aussehen kann über einen Schneider im Sanktum verändert werden. Wer will, kann sich neue Charaktere erstellen, hat dadurch aber keinen Vorteil.
Wie sieht es mit dem Geld aus? Magic: Legends ist grundsätzlich Free2Play, bietet aber einen Cash-Shop, den mir Tiffany kurz erklärt hat. Für Echtgeld-Währung gibt es verschiedene Bundles im Shop, die etwa zusätzliche Klassen enthalten. Die könnt ihr euch aber auch im Spiel selbst freischalten, mit dem Shop geht es lediglich schneller und mit zusätzlichen Kosmetika.
Zudem bietet Legends einen Battle Pass mit einem kostenlosen und einem bezahlten Pfad, in dem ihr euch durch Spielen verschiedene kosmetische Belohnungen freischalten könnt.
Ingame-Währung wie Gold kann allerdings auch gegen die Echtgeld-Währung eingetauscht werden. Wer genügend Zeit hat, kann also Geld sparen und bekommt dennoch alles, was er möchte.
Beta und Release
Die Open Beta von Magic: Legends startet am 23. März 2021 auf dem PC im Epic Games Store sowie über den Arc Launcher. Das fertige Spiel erscheint dann noch 2021 für PC, PlayStation 4 und Xbox One sowie über Abwärtskompatibilität für PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
Wusstet ihr übrigens, dass sowohl das Kartenspiel Magic: The Gathering als auch das Rollenspiel Dungeons & Dragons von den gleichen Schöpfern stammen? D&D bekommt sogar ebenfalls bald ein neues ARPG: wir haben das neue ARPG Dark Alliance gespielt – Scheint perfekt für gemütlichen Koop-Abend
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