Ich habe als einer der Ersten Magic: Legends gespielt – Diablo 4 hat Konkurrenz

Unser Autor Benedict Grothaus war auf der PAX East in Boston und hat sich dort für euch Magic: Legends angesehen. Sein Fazit nach dem ersten Anspielen: Das Magic-ARPG kann es vermutlich auch mit Diablo 4 und Path of Exile 2 aufnehmen.

Während der PAX East habendie Entwickler von Magic: Legends, Perfect World, MeinMMO zu einem Anspiel-Test eingeladen. Das ist das erste Mal, dass Magic Legends außerhalb des Dev-Teams offiziell angespielt werden durfte.

Wie jeder auf der Messe konnte ich dort die beiden bereits vorgestellten Klassen Geomagier und Gedankenmagier testen, habe aber auch einen Einblick in eine exklusive Klasse bekommen, den Bestienrufer. Meine Anspiel-Session dauerte dabei etwa eine Stunde.

Aufnahmen durfte ich dabei zwar nicht machen, aber zumindest ein Bild mit mir neben einem großen Flammendämon, der an den Fürsten der Unterwelt („Lord of the Pit“) angelehnt ist, konnte ich für euch schießen (siehe Titelbild). Außerdem konnte ich dem Principal Lead Designer, Adam Hetenyi, einige Fragen stellen.

Über den Autor: Benedict Grothaus spielt ARPGs schon seit frühen Zeiten. Diablo 1 hat er zwar verpasst, dafür aber Dungeon Siege und Sacred 1 und 2 gespielt sowie mehrere hundert Stunden in Diablo 3 versenkt. Auch eher unbekannte ARPGs wie Warhammer: Chaosbane hat Benedict sich angesehen.
Magic: The Gathering spielt er zwar auch, aber nicht unbedingt gut. Dennoch kann er sagen: Legends vermittelt das Magic-Feeling richtig gut.
Benedict von MeinMMO
Benedict Grothaus, Autor bei MeinMMO

Magic: Legends fühlt sich an wie Magic – und wie ein ARPG

Wie spielt sich Magic: Legends? Als ich das erste Mal mit dem Geomagier ins Spiel eingestiegen bin, war mein erster Gedanke: „Das sieht aus wie am Anfang bei Diablo 3.“ Die Umgebung ist Düster, irgendwelche Zombies wollen mir ans Leder und ich muss mich erst einmal zurechtfinden. Gespielt habe ich übrigens mit dem Controller – Maus und Tastatur geht zwar auch, sei laut Adam aber noch nicht ausgereift und tatsächlich macht es mit Controller großen Spaß.

Magic Legends Beastcaller PAX 3
Sieht erst mal aus wie Diablo – Ist aber doch ganz anders.

Mit dem ersten Eindruck endet die Ähnlichkeit mit Diablo dann aber auch schon. Bei den ersten Gruppen der Gegner merke ich, dass hier etwas ganz anders läuft. Die Art und Weise, wie ich meine Skills einsetze, ist anders als in allen ARPGs, die ich bisher gespielt habe.

Statt stumpf zu zielen und meine Knöpfchen auf Abklingzeit zu drücken, verändern sich meine Zauber nach jedem Wirken und ich muss mein Mana aufladen, um sie überhaupt einzusetzen. Ich merke schnell: Hier braucht es Übung und Wissen um die Karten.

Meine Zauber wirke ich nicht einfach so vor mich her. Die meisten Zauber, selbst Beschwörungen, können gezielt auf eine Gruppe Gegner angewandt oder einfach „schnell“ in Blickrichtung gewirkt werden. Hier kann ich selbst bestimmen, ob ich präzise Gegner ausschalten will oder im Eifer des Gefechts einfach zaubern muss.

Magic Legends Geomancer PAX 1
Genau zielen oder einfach rauspusten? Das fragte ich mich oft.

Was macht das Spiel besonders? Dieses System mit den verschiedenen Karten („Decks“), die meine Fähigkeiten bestimmen, ist es dann auch, was mich denken lässt, dass Magic: Legends eine richtige Konkurrenz für die kommenden ARPG-Riesen Diablo 4 und PoE 2 sein könnte.

Decks sind der „Build“ meines Charakters. Aus zwölf Karten (bzw. Skills) baue ich es zusammen (bei mir sind die Decks schon fertig) und ziehe dann damit los, ähnlich wie bei anderen ARPGs mit dem Build.

Das Prinzip funktioniert fast exakt wie Magic. Ich benötige Mana, um einen Zauber zu wirken. Habe ich ihn gewirkt, ist er weg und ich muss eine neue Karte ziehen. Die ist dann zufällig (den Zauber-Slot nimmt dann ein zufälliger Zauber aus dem Deck ein).

Das setzt voraus, dass ich genau weiß, was meine Karten tun (was bei mir nicht der Fall war und mich fast das virtuelle Leben gekostet hat). Es dauert eine Weile, bis ich verstanden habe, welcher Zauber welchen Effekt hervorruft – aber dann hat auch kein Gegner mehr Freude an seinem nicht mehr allzu langen Leben.

Habe ich kein Mana, schaue ich in die Röhre und muss zusehen, dass mich die Zombies nicht verknuspern, während ich auflade. Um das etwas genauer zu beschreiben: Ich warte nicht auf eine etwas diffuse Ressource wie der Hexendoktor in Diablo, sondern habe tatsächlich Mana-Punkte und jeder Zauber kostet eine bestimmte Menge Mana – wie auf den Karten eben auch.

Mana lädt sich im Kampf auf und durch Einsammeln von Kristallen. Außerdem gibt es eine „Mana Surge“ oder Manaflut, die ich als „Ultimate“ aktivieren kann und die mir eine kurze Zeit einen großen Schub Mana verleiht.

Magic Legends Mindmage PAX 1
Unten seht ihr das Mana. Die ausgegrauten Zauber rechts bedeuten, dass Mana fehlt.

Glücklicherweise sind viele mögliche Zauber Kreaturen-Zauber, die Gehilfen beschwören. Die kämpfen dann immerhin, bis sie tot sind und sorgen für Schutz.

Die Zauber haben dabei eine innere Synergie. Bestimmte Zauber können Gegner kontrollieren, wenn sie schwach genug sind oder haben besondere Effekte, wenn sie etwa betäubt sind oder brennen. Andere Zauber buffen meine Skla- äh, Kreaturen, heilen sie oder nutzen ihre Stärke, um meine Angriffe zu modifizieren.

Wie schwierig ist das Spiel? Das Spiel richtet sich nach meiner Performance. Das heißt: Bin ich gut, kommen mehr Gegner. Bin ich schlecht, wird es mir etwas leichter gemacht.

So habe ich immer einen angenehmen Schwiergkeits-Level, der sich meiner aktuellen Leistung anpasst.

Zusätzlich dazu soll es wohl aber auch noch Schwierigkeitsgrade geben, die ich bisher nicht umstellen konnte. Auch im Spiel mit einer Gruppe soll sich das etwas verändern – wie genau, daran arbeiten die Entwickler aber noch.

Magic Legends Beastcaller PAX 2
Je besser ich schlachte, desto mehr kommt nach.

Wie sieht es aus mit Loot? Beute, oder Loot, gibt es an sich nicht wirklich. Am Ende meiner Runden habe ich neue Zauber (oder Karten) als auch Gold bekommen.

Zauber sind dazu da, neue Decks zu bauen und meinen Planeswalker mit neuen Fähigkeiten zu versehen – allerdings konnte ich dieses Feature nicht testen.

Gibt es Mikrotransaktionen? Mit Gold können etwa Kosmetika gekauft werden, von denen ich allerdings nichts gesehen habe. Das legt nahe, dass diese auch mit Echtgeld gekauft werden können.

Auf diese Anmerkung hin fragte ich Adam auch nach Mikro-Transaktionen, denn Magic: Legends soll ja Free2Play werden. Er sagte mir nur, dass es Kosmetika aus vielen Quellen geben wird. Genauere Infos gebe es aber noch nicht, dazu sei es zu früh.

Einzigartige Klassen – ohne Klassen

Wie spielen sich die Klassen? Wie bereits gesagt, hatte ich die Chance, drei Klassen zu spielen: Den Geomagier, den Gedankenmagier und den Bestienrufer. Alle drei haben einen unterschiedlichen Ansatz in meinem Spiel gehabt:

  • Der Geomagier baut auf günstigere Zauber mit hohem Durchschlag und viel Schaden.
  • Der Gedankenmagier kontrolliert die Gegner, betäubt oder betört sie.
  • Der Bestienrufer beschwört viele Kreaturen, heilt und stärkt sie und überrennt mit ihnen die Gegner. Außerdem hat er einen Äther-Fuchs als permanenten Begleiter.

Verschiedene Klassen werden über Zeit freigeschaltet. Ingesamt startet Magic: Legends mit fünf Klassen. Weitere Klassen sollen nach dem Release dazukommen.

Die Klassen haben aber nur einen geringen Einfluss aufs Spiel, wie Adam mir später erklärt hat. Im Prinzip sind sie nur dafür zuständig, grundlegende Status-Werte zu definieren und gewähren zwei Grund-Zauber (einen Angriffs- und einen Mobilitäts-Zauber) sowie einen Standard-Angriff.

Alles andere wird dann von den ausgerüsteten Decks gesteuert, die mit der Farbe des Planeswalkers (der Klasse) nichts zu tun haben. Die Decks bestimmen dann erst, wie genau sich der Charakter eigentlich spielt.

Wie funktionieren die Decks? Decks sind die ausgerüsteten Karten oder Zauber, die der Planeswalker zur Verfügung hat. Ein Deck besteht aus zwölf Karten und bis zu drei der fünf Farben:

  • schwarz
  • rot
  • blau
  • weiß
  • grün
Magic Legends Beastcaller PAX 1
Der Bestienrufer hier hat viele grüne Kreaturen – es geht aber auch anders.

Später, verrät mir Adam, könnten es auch noch mehr Farben in einem Deck sein. Der Deckbau war für mich aber noch nicht zugänglich – Ich hatte vorgefertigte Decks, die meine Klassen wie oben beschrieben definieren können.

In der Hand befinden sich maximal vier Karten. Diese sind dann die Zauber, die ich aktiv wirken kann.

So viel „Magic“ steckt in Legends

Sind das Decks wie in Magic? Als Kartenspiel-Fan und dilettantischer Magic-Spieler hat mich dann aber interessiert, ob klassische Deck-Archetypen aus Magic möglich sind. Die meisten dürften vermutlich schwarze Friedhofs-Decks, grüne Gift-Decks oder weiß-blaue Kontroll-Decks kennen.

Adam sagte mir dazu:

Das Herz des Spiels, wegen dem Spieler am Ball bleiben werden, ist, neue Zauber freizuschalten und neue Decks aus ihnen zu bauen und neue Synergien zu finden. […] Vieles von dem, was wir tun ist, dass wir die Essenz des Magic-Kartenspiels nehmen und sie in ein Action-RPG zu übersetzen.

Es sollen dabei viele Decks und Typen möglich sein. Ich fragte Adam nach meinem Lieblings-Deck: schwarz-rote Vampire. Auch das soll möglicherweise noch kommen, je nachdem, wie es umgesetzt werden kann und ich freue mich darauf, das erkunden zu können!

Wer sich bereits mit Magic auskennt, hat hier einen riesigen Vorteil. Er kann auf ein Vorwissen für den Deckbau zurückgreifen, weiß aber auch schon in etwa, was seine Zauber machen. Decks können übrigens nur in der Ruhezone (Stadt) gewechselt werden.

Multiplayer, aber kein MMO – oder?

Wie sieht es mit Multiplayer und MMO aus? Magic: Legends kann mit bis zu drei Spielern im Koop gespielt werden, was ich allerdings noch nicht testen konnte. Zauber der verschiedenen Spieler können sich dabei mit ihren Effekten ergänzen.

Das bedeutet auch, dass ihr beim Zusammenspiel die Decks so gestalten könnt, dass ihr euch exakt ergänzt. Wenn etwa ein Spieler sein Deck so baut, dass er Gegner ständig betäubt, kann der andere mächtigere Zauber mitnehmen, die davon profitieren, wenn Gegner betäubt sind. So baut ihr im Prinzip ein Deck aus zwei Decks.

Magic: Legends soll ein „modernes MMO“ sein und „viele MMO-Elemente“ haben. Adam verglich die Features etwa mit Destiny, an dem besonders die Social-Features angelehnt sein sollen.

Destiny-2-Ehre
Adam vergleicht Magic: Legends vom MMO-Aspekt her mit Destiny.

Es gibt Social-Hubs, in denen sich Spieler treffen und gemeinsam auf Missionen gehen können, einen Chat und das Koop-Spiel. Sie sollen sich aber nicht „störend“ anfühlen. So wird es etwa zwar eine Art Handels-System geben, aber nicht in dem Ausmaß wie das Auktionshaus von Diablo damals.

Adam arbeitete vor Magic: Legends bereits an den MMORPGs RIFT und Vanguard: Saga of Heroes sowie an Trove und The Surge (1 & 2). Seine Erfahrung fließt auch in Magic: Legends ein, wie er mir sagte. Das Spiel solle sich gut anfühlen und Tiefe haben.

Warum das versprochene neue Magic-MMORPG nun doch kein MMORPG wird

Was ist mit PvP? PvP hat einen wichtigen Stellenwert in Magic: Legends, allerdings gibt es noch nicht viele Infos darüber. Adam versicherte mir, dass es eher im „Arena-Stil“ laufen wird, ähnlich wie Duelle in MTG eben, und weniger im Open-PvP.

Magic: Legends als Konkurrenz zu Diablo 4

Warum wird Magic eine Konkurrenz? Es ist etwas schwer, das zu vermitteln, denn auf Bildern sehen sich die Spiele sehr ähnlich. Beim Spielen allerdings fühlt sich Magic: Legends nach einem ARPG an, wie ich es vorher noch nie gespielt habe. Richtig wie Magic, nur eben als ARPG.

Klar, Diablo ist der Platzhirsch des Genres und selbst der PoE-Chef sagte, dass seine Fans Diablo 4 kaufen werden. Ich denke nicht, dass Magic: Legends größer wird als Diablo 4.

diablo 4 brutal social header
Wird Magic: Legends Diablo schlagen? Vermutlich nicht. Wird Diablo es vertreiben? Auch das nicht, behaupte ich.

Ich denke aber, dass das Spiel sowohl Fans von Magic fesseln wird, als auch generell ARPG-Fans ansprechen. Denn Legends verleiht dem hauptsächlichen Endgame-Inhalt von ARPGs (dem Loot) noch eine weitere Ebene an Tiefe.

Ähnlich wie bei PoE baut ihr euch mit dem Loot nicht einfach neue Builds zusammen, sondern vollständig neue Klassen. Mit neuen Zaubern habt ihr die Möglichkeit, neue Synergien zu erschaffen und Artefakte (die ich ebenfalls noch nicht testen konnte) sollen einen großen Einfluss darauf haben, was ihr alles anstellen könnt.

Der Bau neuer Decks (und damit neuer „Klassen“) ist das, was Magic: Legends Tiefe verleiht und das, was schon Magic: The Gathering seit fast 27 Jahren am Leben erhält. Und die Entwickler planen schließlich, genau diese Stärke des Kartenspiels ins ARPG zu übertragen, was bisher ziemlich gut geklappt hat in meinen Augen.

Außerdem steckt hinter Magic: Legends Cryptic Studios. Die haben schon Star Trek Online und Neverwinter begleitet, die beide schon seit Jahren laufen und immer noch Nachschub bekommen – selbst als Underdog.

Beta und Release

Wann und wo kann ich Magic: Legends spielen? Magic: Legends soll noch 2020 für den PC kommen. Die PC-Version wird außerdem die erste sein, anschließend kommen Versionen für „Konsolen“ – noch ohne Spezifikation, welche. Vorher gibt es außerdem noch eine Beta, zu der ihr euch anmelden könnt.

Über die Next-Gen-Konsolen PlayStation 5 und Xbox Series X konnte Adam mir dagegen noch keine Informationen geben. Dazu sei es noch zu früh.

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Tronic48
1 Monat zuvor

Bei so einem Spiel, das so wie so F2P ist/wird, was Bitte gibt es da noch groß zu überlegen, wird also ganz sicher gespielt, ob es dann auf Langer Sicht was taugt, das wird man dann sehen.

Achja, und der Artikel ist wirklich gut geschrieben.

Osiris80
1 Monat zuvor

Das Spiel sieht aus als obs beim release noch laggen wird.

Cameltoetem
1 Monat zuvor

Also jetzt bin ich wirklich neugierig. Das würde ich gerne mal spielen.

Klaphood
1 Monat zuvor

Sieht auf den ersten Blick besser aus als erwartet!

Hugo
1 Monat zuvor

Na dann bin ich mal gespannt. Was ich bislang so sah hörte sich ziemlich negativ an, bin überrascht es hier so zu lesen, aber soll mich als ARPG Freund nur freuen grin

ratzeputz
1 Monat zuvor

Werd ich sicher anspielen.
Wenn es rauskommt, gibts noch kein D4 und Wolcen wird noch immer verbugt ohne Ende sein … also eine gute Chance für Magic grin

SapiusDC
1 Monat zuvor

Schöner Artikel, ich freu mich drauf. Bleibt zu hoffen, dass das Gameplay flüssig läuft, das F2P-System fair aussieht (ist bei Perfect World Entertainment so ne Sache) mit Cosmetics only und vllt. optionalem Abo und der Magic-Sammelwahn gut bedient wird. Wird das alles in gutem Umfang umgesetzt und folgen weitere Inhalte, sehe ich kein Problem mit der Laufzeit und Popularität, dann könnte es schon was werden smile

chrizQ
1 Monat zuvor

Sehr schöner Artikel, beschreibt sehr gut was einen mit Magic:Legends erwartet, führt bei mir leider dazu, dass ich eher skeptisch bin. Ich glaube das wird nicht mein Spiel.

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