Ubisoft ist einer der größten Entwickler und Publisher von Videospielen, steckt jedoch seit einiger Zeit in der Krise. Spielreihen wie The Division oder Assassins Creed stammen vom französischen Unternehmen. CEO Yves Guillemot wollte in einer Nachricht an seine Angestellten zu mehr Arbeitseinsatz und Kostensensibilität aufrufen. Doch er hat seine Rechnung ohne die französische Gewerkschaft „Solidaires Informatique“ gemacht – die wollen direkt streiken.
Das Schiffskampf-MMO Skull & Bones steht wohl wie kein anderes Projekt für die aktuelle Krise, in der Ubisoft steckt. Der Titel wurde bereits 6 Mal verschoben – aktuell auf einen unbestimmten Termin im Ubisoft-Fiskaljahr 2023/24.
Allerdings sprechen auch die nackten Zahlen gegen einen der größten Entwickler und Publisher von Games. Er kürzlich gab das Unternehmen bekannt, dass man im Fiskaljahr 2022/23 wohl mehr als 500 Millionen Euro Verluste einfahren wird (via bloomberg.com). Ubisofts Fiskaljahr läuft immer bis zum März.
Bei einem Umsatz von etwas mehr als 2,1 Milliarden Euro im Fiskaljahr 2021/22, sind über 500 Millionen Euro Verlust im Jahr darauf ein herber Schlag. Auch wenn das Unternehmen angibt, dass noch über 1 Milliarde Euro Rücklagen in der Bilanz stecken: Ubisoft muss handeln, das Ruder rumreißen.
Ubisoft-CEO Yves Guillemot hat dafür mit Sicherheit ein paar Pläne in der Schublade. Eine aktuelle Maßnahme stößt jedoch bei seinen Angestellten auf wenig Gegenliebe. Guillemot schrieb einen Brief an seine Belegschaft, welcher der US-Seite Kotaku vorliegt (via kotaku.com).
Darin heißt es etwa, „der Ball liegt bei ihnen“ und man solle mehr darauf achten, welche Kosten wirklich notwendig sind. Daraufhin fordert eine französische Gewerkschaft direkt zum Streik.
Eines der neueren Ubisoft-Projekte ist der Mobile-Shooter The Division: Resurgence. Schaut euch hier einen Trailer an:
Ubisoft-CEO sagt zu Angestellten: „Der Ball liegt bei ihnen“
Was stand in dem Brief? Kern des Briefes ist der Hinweis, dass das Fiskaljahr 2023/24 entscheidend für die Zukunft des Unternehmens wird und die Aufforderung, sich voll reinzuhängen. Man habe „die größte Pipeline in der Geschichte von Ubisoft“, so CEO Guillemot.
„Ich brauche heute mehr denn je ihre volle Energie und ihr Engagement, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen“ und „Der Ball liegt bei ihnen, um dieses Line-up pünktlich und in der erwarteten Qualität zu liefern und allen zu zeigen, was wir leisten können“.
Guillemot gibt an, dass die Release-Verschiebungen im Ubisoft-Portfolio der Hauptgrund für die aktuelle Schieflage sei. Man brauche jetzt die volle Unterstützung der Angestellten, um da wieder herauszukommen.
Zudem wolle man sich von Unternehmensteilen trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören und im täglichen Geschäft mehr Sensibilität für Kosten schaffen: „Ich bitte auch jeden von ihnen, bei ihren Ausgaben und Initiativen besonders vorsichtig und strategisch vorzugehen, um sicherzustellen, dass wir so effizient und schlank wie möglich sind“.
Gewerkschaft will Druck auf Angestellte nicht hinnehmen
Was sagt die Gewerkschaft dazu? Für die französische Solidaires Informatique ist der Brief eine klare Kampfansage an die Angestellten. Der Arbeitnehmer-Verbund unterstellt dem CEO, dass es sich bei seinem Brief um eine PR-Maßnahme handelt und hinter den Phrasen ganz andere Maßnahmen stecken.
Wenn Guillemot von Umstrukturierungen spricht, dann versteht die Gewerkschaft darunter:
- Personalabbau
- Diskrete Studioschließungen
- Gehaltskürzungen
- Verschleierte Entlassungen
Zudem wird die Haltung des CEOs kritisiert, dass die Angestellten nun in der Pflicht sind, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Die Gewerkschaft folgert daraus, das führt zu:
- Überstunden
- Druck von Führungskräften
- Burnout
Das entsprechende Schreiben wurde unter anderem auf Twitter veröffentlicht:
Was fordert die Gewerkschaft? Die Solidaires Informatique reagierte mit drastischen Forderungen zur Verbesserung der Arbeitsqualität der französischen Angestellten. Die Forderungen sind bereits im verlinkten Dokument enthalten.
Es geht um:
- Eine sofortige 10%ige Erhöhung aller Gehälter
- Einführung einer 4-Tage-Arbeitswoche
- Transparenz über die Entwicklung des Arbeitsplatzes
- Schluss mit verschleierten Entlassungen
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die Solidaires Informatique zum Streik aufgefordert. Am 27. Januar sollen die Angestellten in Paris ihre Arbeit von 14 bis 18 Uhr niederlegen.
Könnte Ubisoft untergehen? Das Unternehmen gilt im Gaming-Sektor schon länger als Übernahmekandidat, weil es zu den kleineren der großen Videospiel-Publisher gehört. Unternehmen wie Amazon, Tencent, Sony oder auch Microsoft haben deutlich größere Mittel für ihre Pläne.
Selbst Activision Blizzard (CoD, WoW) will zu Microsoft, weil man sich selbst als zu klein ansieht. Auch EA (FIFA, Battlefield) könnte auf kurz oder lang von einem größeren Unternehmen geschluckt werden.
Aktuell ist die Zukunft von Ubisoft so ungewiss wie wohl noch nie in der Unternehmensgeschichte und vieles scheint möglich – von einem Verkauf in einem Stück, über die komplette Zerschlagung bis hin zum „weiter so“.
Was allerdings klar ist: Die Unternehmenskommunikation funktioniert derzeit nicht reibungslos. Da gibt es offenbar schon länger Probleme: Ubisoft sagt über NFTs: „Die sind wirklich vorteilhaft. Aber ihr kapiert es gerade nicht“
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