Das düstere Universum von Warhammer 40K zieht mit seiner Lore und Design-Ästhetik leider auch Anhänger rechter Ideologien an. Nach einem unschönen Vorfall bei einem großen Turnier in Spanien gaben die Entwickler des Tabletop-Spiels jetzt ein klares Statement ab. Was genau passiert ist und wie die Welt von Warhammer 40K zu interpretieren ist, erfahrt ihr hier auf MeinMMO.
Was ist Warhammer 40K? Warhammer 40.000 – oder 40K – ist ursprünglich ein Table-Top-Spiel, in dem die Spieler eine Armee aus Miniaturen kommandieren und damit die Truppen eines anderen Spielers besiegen soll. Das Setting ist in der fernen, äußerst düsteren Zukunft des 41. Jahrtausends angesiedelt.
In der Welt von Warhammer 40K herrscht quasi immer Krieg und die Menschheit wird von einem totalitären Regime beherrscht, das von allen Seiten von Aliens und finsteren Mächten bedrängt wird.
Zu Warhammer 40K gibt es große Turniere, bei denen sich teilweise hunderte von Spielern treffen, ihre oft aufwändig bemalten Miniaturen präsentieren und epische Schlachten auf den Spieltischen austragen.
Mutmaßlicher Rechtsradikaler sorgt für Ärger auf Turnier
Was ist auf dem Turnier passiert? Bei einem großen Turnier mit 800 Teilnehmern in Talavera, Spanien, gab es einen unschönen Zwischenfall. Ein Spieler, der sich hinter dem Spitznamen „Österreichischer Maler“ verbarg, tauchte, laut eines Bericht eines spanischen Warhammer-Blogs (via El Descanso del Escriba), mit faschistischen und rechtsradikalen Symbolen auf seiner Kleidung auf. Unter anderem sah man:
- Ein rotes Pfeilbündel auf schwarzem Hintergrund, das Symbol der „Falange“, einer faschistischen Bewegung in Spanien in den 30er Jahren.
- Vor dem Falange-Symbol war ein Kreis mit einem Kreuz darin, das Symbol der 13. Panzerdivision der Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg. Die Division wurde mit Kriegsverbrechen im Polen-Feldzug in Verbindung gebracht, unter anderem sollen sie Zivilisten als lebende Schutzschilde missbraucht haben und absichtlich einen Hilfskonvoi des Roten Kreuzes angegriffen haben.
- Das Logo der 13. Panzerdivision soll auch auf seinen Miniaturen zu sehen gewesen sein.
- Zusätzlich trug der „Österreichische Maler“ auch ein aus diversen Hakenkreuzen zusammengesetztes Muster auf seinem Pulli.
Dieses zur Schau stellen von offenbar rechtsradikaler und faschistischer Symbolik kam bei einigen Spielern nicht gut an und mindestens ein Spieler weigerte sich, gegen den „Österreichischen Maler“ zu spielen.
Die Turnierleitung sprach in diesem Fall dann den Sieg dem „Maler“ zu und weigerte sich auch sonst, diesen Spieler in irgendeiner Weise zu sanktionieren. Seine Zurschaustellung von kontroverser Symbolik wurde offenbar von den Veranstaltern ohne Kommentar hingenommen.
Entwickler sagen „Das Imperium sind nicht die Guten!“
Warum hat Warhammer ein Problem mit Rechtsradikalen? In der Tat nutzt das grimmige Universum von Warhammer 40K diverse Versatzstücke aus faschistoider Ideologie und Symbolik in seiner Lore. So gibt es unter anderem:
- Ein totalitäres Imperium, das von seinen Bürgern absoluten Gehorsam und extreme Opferbereitschaft verlangt.
- Eine Elite-Streitmacht aus überlegenen „Übermenschen“
- Eine allmächtige Geheimpolizei, die jederzeit zuschlagen kann
- Hass auf alles Fremde als leitende Ideologie
- Genozid und Massenvernichtung als völlig legitime Mittel der Kriegsführung
- Mindestens eine Armee im Spiel erinnert von der Aufmachung stark an Sturmtruppen der Wehrmacht

Die Parallelen zu faschistischen Regierungen in der Geschichte unserer Welt ist von den Entwicklern des Wahrammer-Universums überspitzt und ironisch dargestellt, doch diverse Subgruppen der Warhammer-Community leben, laut einem Artikel auf der Seite Vice, im Spiel ihre faschistoiden und rechtsradikalen Fantasien aus, wie es wohl auf dem Turnier in Spanien jüngst passiert ist.
“Das Imperium wird von Hass getrieben – Warhammer nicht”
Was sagen die Entwickler zu der Sache? Entwickler Games Workshop hat offenbar keine Lust, dass sein Produkt in die rechte Ecke gestellt wird und hat daher in einem offiziellen Statement (via offiziellem Blog) verkündet, dass man in Zukunft keine Symbole von „Hass-Gruppierungen“ auf offiziellen Events mehr dulden werde.
Wenn du zu einer Games Workshop-Veranstaltung oder einem Laden kommst und dich auffällig verhältst, einschließlich des Tragens von Symbolen real existierender Hassgruppen, wirst du gebeten, zu gehen. Wir werden dich nicht teilnehmen lassen. Wir wollen dein Geld nicht. Wir wollen dich nicht in der Warhammer-Community haben.
Zum Setting und seiner Bedeutung sagten sie unter anderem auch noch:
Das Imperium wird von Hass getrieben. Warhammer nicht.
Im Warhammer 40.000-Universum gibt es keine Guten.
Keine!
Schon gar nicht das Imperium der Menschen.
Seine zahllosen Legionen von Soldaten und Eiferern metzeln sich durch die Galaxis und bringen jedem und allem den Tod, was nicht ihrer engstirnigen Auffassung von Reinheit entspricht. Fast jeder Mann und jede Frau schuftet im Elend, entweder auf dem Schlachtfeld – wo das Überleben in Stunden gemessen wird – oder in den unzähligen Manufakturen und Hive-Slums, welche die imperiale Kriegsmaschinerie antreiben. Und das alles in sklavischer Knechtschaft gegenüber der lebenden Leiche eines Gott-Imperators, an dessen Gebote man sich bestenfalls noch halb erinnern kann, verdreht durch die Zeit und die Fehlbarkeit der Menschheit.
Warhammer 40.000 ist nicht nur düster. Es ist das Düsterste, Dunkelste.
Das Imperium der Menschen ist ein warnendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn das Schlimmste aus der Machtgier der Menschheit und extremer, unnachgiebiger Fremdenfeindlichkeit eintritt. Wie so viele Aspekte von Warhammer 40.000 ist auch das Imperium der Menschen satirisch.
Zur Verdeutlichung: Satire ist der Einsatz von Humor, Ironie oder Übertreibung, um die Laster der Menschen oder die Fehler eines Systems im Hohn, Spott und in der Lächerlichkeit darzustellen. Um Satire zu sein, muss etwas nicht unbedingt verrückt oder zum Totlachen sein. Der Spott liegt in der Verstärkung eines tyrannischen, völkermörderischen Regimes durch das Setting, das auf 11 hochgedreht wurde. Das Imperium ist kein erstrebenswerter Staat, abgesehen von den denjenigen, die im Spiel davon profitieren. Es ist eine monströse Zivilisation, und ihre Monstrosität ist für alle sichtbar.
Abgesehen davon versuchen bestimmte Hassgruppen in der realen Welt – und Anhänger historischer Ideologien, die besser in der Vergangenheit bleiben sollten – manchmal, geistiges Eigentum für sich zu beanspruchen und es für ihre eigenen Ziele zu vereinnahmen. Wir haben es schon einmal gesagt, aber wir möchten euch nochmal daran erinnern, woran wir glauben:
“Wir glauben an und unterstützen eine Gemeinschaft, die durch gemeinsame Werte, wie gegenseitige Freundlichkeit und Respekt, vereint ist. Unsere Fantasy-Settings sind düster und dunkel, aber das spiegelt nicht wider, wer wir sind oder wie die reale Welt unserer Meinung nach sein sollte. Wir werden niemals irgendeine Form von Vorurteilen, Hass oder Missbrauch in unserem Unternehmen oder im Warhammer-Hobby akzeptieren oder dulden.”
Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler ihrer Ankündigung treu bleiben und in Zukunft dafür sorgen, dass sich niemand für sein Hobby schämen muss, weil es zu Unrecht mit extremen Hass-Ideologien in Verbindung gebracht wird.
Zu Warhammer 40K gibt es übrigens viele Umsetzungen als Computer-Games. Ein launiger Koop-Shooter namens Darktide soll 2022 auf Steam erscheinen.
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!














