Auf Steam geht MultiVersus gerade durch die Decke, dabei ist es noch nicht einmal vollständig erschienen. Zehntausende zocken schon die Beta, darunter auch MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus. Aber was macht das Spiel eigentlich so gut? Das Geheimnis ist: Gameplay.
Ich bin 29 und ja, damit bin ich alt. Denn ob ihr wollt oder nicht: unser Apex ist überschritten, im E-Sports dürfen wir höchstens noch bei den Alten Herren mitspielen und die Reaktionszeit reicht kaum noch für einen Wettbewerb in Call of Duty und Co. Die Jüngeren regieren hier.
Ich merke aber auch an meinen Vorlieben, dass ich einfach eine andere Generation Gamer bin. Ich spiele zwar viele Survival-Games und Action-RPGs, schließlich arbeite ich mit ihnen, aber ich liebe Strategiespiele, „Point & Click“-Adventures, storygetriebene Rollenspiele und Beat-em-Ups.
Leider erscheint von alledem kaum noch etwas in der Menge und Qualität, wie etwa Shooter und Mobile Games. Abseits von Street Fighter, Tekken und Mortal Kombat muss man etwa für ein gutes Prügelspiel schon tief in der Indie-Kiste wühlen.
Bis jetzt. Bis MultiVersus.
MultiVersus macht wirklich alles richtig, was ein Beat-em-Up mitbringen muss. Es hat genau die richtige Mischung aus Nostalgie, Humor und Gameplay, die mir sagt: Ich bin ein Spiel für deine Generation. Ich bin ein Spiel für dich.
Hier der Gameplay-Trailer zum neuen Prügelspiel:
Zurück in die Kindheit, ohne dass ich mich alt fühlen muss
Ich gehöre zu der vermutlich recht großen Masse an Gamern, die mit Super Smash Bros. aufgewachsen ist. Vor allem den Gamecube-Teil Melee habe ich sicherlich über tausende Stunden gespielt.
MultiVersus spielt sich fast genau so. Jeder spielbare Charakter hat normale und spezielle Angriffe und ein besonderes Move-Set. Gegner bekommen Schaden reingeprügelt und müssen von der Stage gestoßen werden, statt irgendwann einfach umzukippen.
Die Auswahl der Helden ist ein Rundumschlag aus Cartoons meiner Kindheit. Bugs Bunny, Taz, Tom & Jerry, Batman… alle Helden von Warner Bros., die ich samstags morgens geschaut habe, sind vertreten.
Auch die jüngeren Charaktere stammen von Serien, die man eher unter „erwachsen“ einordnen würde: Arya Stark aus Game of Thrones, Finn und Jake aus Adventure Time oder Rick & Morty, die noch erscheinen werden.
Das Setting ist allerdings nicht das einzige, was mich als „alten“ Gamer anspricht. Das Gameplay von MultiVersus ist eigentlich das, was mich dazu treibt, häufiger hier reinzuschauen als in Tekken oder Soul Calibur – meine bisherigen Favoriten im Genre.
Doch nicht zu alt? Ich habe endlich wieder eine Chance!
Natürlich zocke ich immer noch gerne Street Fighter, Tekken und Mortal Kombat und ich scheue auch vor wirklich großen Herausforderungen wie BlazBlue nicht zurück.
Allerdings mache ich kaum mehr, als ab und an die Arcade zu spielen oder mich mit Kumpels zu zoffen. Kompetitiv sehe ich absolut kein Land, jüngere Spieler oder solche mit vielen Jahren der Übung wischen mit mir einfach den Boden auf.
MultiVersus ist da anders. Es kommt so gut wie gar nicht vor, dass man absolut chancenlos ist, weil etwa der Gegner mit einer endlosen Kombo schon nach den ersten 7 Frames das Spiel für sich entschieden hat.
Angriffe müssen etwas besser geplant und können nicht endlos verkettet werden. Konkret heißt das: nach einer Angriffssequenz braucht der Charakter meist einige Frames Erholung. Zeit für den Gegner, um zu reagieren, sich kurz zu sammeln oder einen Gegenangriff zu starten.
Natürlich ist immer noch ein gewisser Anspruch da. Man muss etwa bei den verschiedenen Helden wissen, wann genau sie eine solche Pause haben und wann man reagieren darf, in welche Richtung man ausweichen oder von wo aus man sich ihnen niemals nähern sollte.
Es gibt natürlich auch den ein oder anderen Helden, der einfach zu stark ist:
MOBA-Elemente machen MultiVersus besser als jedes andere aktuelle Prügelspiel
Das Tolle an MultiVersus ist, dass jeder Charakter sich nicht nur anders spielt, sondern auch eine Klasse und besondere Eigenschaften mit sich bringt. Unterstützer oder Tanks etwa sind vor allem im Team stark. Assassinen langen ordentlich zu, fliegen aber auch schnell raus.
Diese Klassen erinnern an MOBAs wie LoL oder Rollenspiele und bieten auch für eher defensive Spieler einen Platz. Dazu kommen Status-Effekte wie Verbrennen oder Einfrieren, mit denen etwa Tanks oder Unterstützer ihren Angreifer ein KO ermöglichen können.
Damit wird vor allem der besondere 2-gegen-2-Modus zu einem dynamischen Erlebnis, den man aus modernen Prüglern wie Street Fighter so nicht kennt.
Es ergeben sich etwa Kombinationen von Helden, die unerwartet stark sind und Gegner überraschen können. 2 Profis gewannen 10.000 Dollar, indem sie völlige Off-Meta-Charaktere spielten – quasi unvorstellbar in anderen Beat-em-Ups.
Aber auch solo kann man von so etwas profitieren. Da jedes Match eigentlich ein „Best-of-3“ ist, kann man auf den Gegner dynamisch reagieren und versuchen, ihn zu kontern. So bleibt selbst im Casual-Spiel noch ein gewisser Wettbewerbsgedanke erhalten.
Steam-Spieler geben mir recht: Kindheitshelden vermöbeln ist toll!
Ich stehe mit meiner Meinung übrigens nicht alleine. Auf Steam hat MultiVersus eine Bewertung von „sehr positiv“ mit 89 % bei stolzen 55.686 Bewertungen (Stand: 8. August, via Steam). Vielen geht es wie mir, die schlicht feiern, sich mit Helden ihrer Kindheit zu prügeln.
So liest man etwa Dinge wie: „Ich habe als Tom & Jerry die Scheiße aus Superman herausgeprügelt. 10/10“, und ähnliche Lobpreisungen. Wer Smash Bros. gespielt hat, komme schnell ins Spiel und da es sich um ein Free2Play-Spiel handelt, könne jeder einfach reinschauen.
MultiVersus spielt nicht nur mit den Cartoons und Helden, sondern auch mit dem Gameplay aus der Kindheit vieler „alter“ Gamer wie mir. Zugleich ist es nicht so anspruchsvoll, als dass man einfach von jüngerem Klientel hoffnungslos abgezogen wird.
Von mir als Veteranen der Smash Bros.-Ära, der in seinen Hochzeiten auch gerne mal richtig anspruchsvolle Prügelspiele gezockt hat, kann ich MultiVersus nur jedem empfehlen, der sich beim Zocken moderner Games nicht alt fühlen will.
Und jetzt entschuldigt mich, ich muss Harleys Baseballschläger rausholen und Batman verprügeln gehen.
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