Entscheidungen mit Konsequenzen, die sich auf die Spielwelt auswirken ist etwas, das bei Single-Player-Spielen sehr gut ankommt. Doch bei MMORPGs funktioniert das nicht wirklich. Baldur’s Gate 3 (PC, Stadia) jedoch könnte einen Lösungsansatz präsentieren, meint MeinMMO-Autor Andreas Bertits.
Durch eine Entscheidung, welche der Spieler während des Abenteuers getroffen hat, überrennen plötzlich Banditen eine Siedlung und machen sie dem Erdboden gleich. So etwas kann in einem Single-Player-Rollenspiel durchaus passieren und genau das macht für manche Fans den Reiz aus.
Der Unterschied zwischen Single- und Multiplayer: In Titeln wie The Witcher oder auch in der Fallout-Reihe sind Entscheidungen während Quests oder auch in Dialogen ein essenzieller Teil der Spielerfahrung. Welche Auswirkungen hat es, wenn ich mich dafür entscheide, NPC A zu helfen und NPC B dafür seinem Schicksal überlasse?
Doch in einem MMO ist so etwas schwierig umzusetzen. Kommt ein NPC durch meine Entscheidung um, dann können ihn die anderen Spieler nicht mehr besuchen. Mitspieler hätten vielleicht anders gehandelt und ärgern sich über den Ausgang der Situation. Daher haben in vielen MMOs Entscheidungen keine wirklichen Konsequenzen.
Der böse Bossgegner droht zwar, die Stadt anzugreifen und sie zu vernichten, es passiert aber nie. Und selbst, wenn Helden das Monster besiegen, so kehrt es immer wieder zurück.
Diese Lösungen gibt es schon: Manche MMORPGs versuchen, dies zu ändern. In Star Wars: The Old Republic könnt ihr während der Story die Handlung beeinflussen. Doch das wirkt sich im Grunde nur auf eure persönliche Geschichte aus. Konsequenzen für die Spielwelt gibt es keine.
The Elder Scrolls Online versuchte, dies mit der Phasing-Technologie zu lösen. NPCs können sterben und verschwinden dann auch. Doch in dem Fall befinden sich die Spieler, die in der Situation unterschiedliche Entscheidungen getroffen haben, in verschiedenen „Phasen“ und treffen sich nicht mehr.
Aus dem Grund kommt dieses System im modernen ESO eigentlich kaum mehr zum Einsatz. Die Spieler möchten einfach zusammenspielen und nicht aufgrund von unterschiedlichen Entscheidungen getrennt werden.
Wie könnten Entscheidungen mit Konsequenzen in MMOs funktionieren?
Zeigt uns ein Single-Player-RPG den Weg? Die Larian Studios arbeiten aktuell am Rollenspiel Baldur’s Gate 3 (vorgestellt von den Kollegen der Gamestar). Dabei handelt es sich zwar nicht um ein MMORPG, doch der Multiplayer-Part bietet eine sehr interessante Option, wie Spieler gemeinsam Entscheidungen treffen können, welche dann tatsächlich Auswirkung auf die Handlung und die Welt haben.
Wie die Entwickler in einem Video verraten, kommt es bei Verzweigungen in der Handlung zu einer Abstimmung. Jeder Spieler gibt an, für welche Option er sich entscheidet. Anschließend übernimmt das Spiel die Möglichkeit, welche die meisten Stimmen erhalten hat. Die gesamte Gruppe muss dann damit leben. Wie gut das funktioniert, erleben wir schon Ende September zum Start der Early-Access-Phase von BG 3.
Das führt mitunter zu witzigen Situationen. Befindet sich beispielsweise ein Vampir in der Party, so muss dieser hin und wieder Blut trinken und kann dafür die Mitspieler aussaugen. Diese haben dabei aber ein Wörtchen mitzureden. Und zwar per Abstimmung. So wird demokratisch entschieden, welcher Spieler vom Blutsauger gebissen wird.
Sind Abstimmungen die Lösung? Ein solches System könnte sogar in MMOs funktionieren. Kommt es während Quests zu Entscheidungen, welche Konsequenzen für den gesamten Server haben, dann startet eine Abstimmung. Je nachdem, wie dringlich diese ist, bleibt sie eine gewisse Zeit „offen“. Möglichst viele Spieler müssen sich jetzt daran beteiligen. Dieses Voting bestimmt dann, wie es weitergeht.
Dies ist jedoch keine ideale Lösung. Denn diejenigen, die gerade nicht online sind, können nicht mitmachen und könnten sich dann von der getroffenen Entscheidung überrumpelt fühlen. Eventuell würden Benachrichtigungen per E-Mail oder aufs Handy hier helfen. Findet eine Abstimmung statt, bekommt jeder Spieler auf dem Server eine Nachricht und entscheidet dann, ob er mitmachen möchte oder nicht.
Es könnte unter gewissen Umständen funktionieren: Quests müssten natürlich entsprechend designt sein, um solche Abstimmungen sinnvoll zu integrieren. Wenn die Helden vor dem Todesstoß im Kampf gegen den finsteren Bossgegner erst alle auf dem Server fragen müssten, ob das überhaupt okay ist, käme der Spielfluss ins Stocken.
Allerdings wären Abstimmungen dann möglich, wenn eine Invasion in ein feindliches Gebiet starten soll oder wenn ein NPC als Verräter enttarnt wird und er auf seine Verhandlung wartet. Sprechen ihn die Spieler frei oder folgt die Hinrichtung? Diese Entscheidungen könnten dann größere Konsequenzen nach sich ziehen:
- Die Invasion hat die Kriegserklärung einer dritten Partei zur Folge oder
- der NPC war Mitglied einer Geheimorganisation, die nun Jagd auf die Spieler macht.
Vielleicht zeigt uns Baldur’s Gate 3 mit den Votings, dass wir doch echte Entscheidungen mit Konsequenzen in Onlinespielen erwarten können und in Zukunft greifen unter Umständen mehr Spiele, darunter sogar MMOs, dieses System auf.
Würdet ihr ein solches Abstimmungs-System in einem MMO gut finden, um Entscheidungen mit Konsequenzen erleben zu können?
Ihr mögt storylastige Onlinespiele? Dann schaut euch mal die MeinMMO-Liste „Die 6 besten Story-MMORPGs, die Ihr 2020 spielen könnt“ an.
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