Heute startet Battlefield 2042 in den Early Access der Open Beta für Vorbesteller und MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus konnte schon vorab einen Blick ins Spiel werfen. Der neue Teil ist sein erstes Battlefield seit Vietnam.
Am Montag, den 4. Oktober, hat EA MeinMMO zu einem Playtest eingeladen. Der lief am Abend, wir konnten 3 Stunden lang zocken und hatten zuvor eine Präsentation sowie ein kurzes Q&A im Anschluss.
Gezockt habe ich mit Kollegen von der GameStar und GamePro im Squad, allerdings auf einem alten Build. Die Version, die wir testen durften, ist von vor einigen Monaten.
Meine Geschichte mit Battlefield ist … überschaubar. Mein letztes Battlefield war Vietnam, welches vor 17 Jahren im Jahr 2004 erschien. Dazwischen habe ich 2 Runden Battlefield 3 gespielt und es dann wieder sein lassen.
Erfahrung mit Shootern habe ich trotzdem recht viel. Über die Jahre habe ich sicherlich weit über 2.000 Stunden in Counter-Strike, diversen Teilen von Call of Duty (auch die Beta des neuen Vanguard), Overwatch und mehr gesteckt. Neuerdings gefällt mir sogar Hunt: Showdown sehr gut – die Bandbreite ist also vielfältig.
Meine ersten Schritte in Battlefield waren trotzdem, sagen wir, holprig. Das Spielgefühl ist ein ganz anderes. Ob das an mir liegt oder am Spiel kann ich schwer sagen, aber die Runden waren durchaus interessant.
Die Beta begleiten wir übrigens im Live-Ticker auf MeinMMO.
Treffe ich so schlecht oder bin ich einfach blöd?
So spielt sich Battlefield 2042 generell: Grundsätzlich ist Battlefield 2042 etwas behäbiger als Shooter wie Overwatch oder CoD. Das „Pacing“ ist schlicht ein anderes. Statt mit ein paar Gegnern auf engem Raum zocken hier bis zu 128 Spieler auf riesigen Maps.
Das, zusammen mit der Möglichkeit, Panzer, Flugzeuge und Helis zu steuern, ist einer der großen Unterschiede von Battlefield zu anderen etablierten Marken. Auch Battlefield 2042 setzt diese um und ergänzt sie mit Features wie:
- Spezialisten, welche die bekannten Klassen ersetzen
- zerstörbarer Umgebung und sich entwickelnden Karten („Levolution“)
- 7 spielbare Maps, von denen in der Preview jedoch nur eine verfügbar war (Orbital)
- Waffen-Anpassungen im Spiel
Bei uns dauerte eine Runde immer grob eine halbe Stunde. Je nachdem, wie knapp es am Ende wird, können es gut 10 Minuten mehr oder weniger sein.
So liefen die ersten Runden: Das Waffen-Handling von Battlefield ist ganz anders als das, was ich gewohnt bin. Bullet-Drop und Waffenphysik fühlen sich deutlich anders an als in CoD und vergleichbaren Shootern.
Da ich normalerweise Sniper spiele, ist das besonders ätzend. Hier habe ich anfangs gar nichts getroffen, selbst mit meiner Erfahrung mit Bullet-Drop aus anderen Spielen. Das Nachjustieren war nicht wirklich proportional und fühlt sich etwas falsch an.
Dementsprechend war ich zumindest in den ersten 2 Runden wohl mehr ein Ballast als eine Hilfe. Auch die Calls meines Squadleaders habe ich geflissentlich ignoriert. Vermutlich war ich genau der Mitspieler, den jeder hasst.
Darum war ich erst einmal auch frustriert und wenig motiviert. Das hat sich jedoch recht bald gelegt. Sobald man ein wenig beigebracht bekommt, worauf man zu achten hat und die Map kennenlernt, kommen auch die Siege – Und dann macht Battlefield 2042 sogar Spaß.
Ganz überzeugt hat mich das Preview trotzdem nicht.
Das Gute und das Schlechte
Das gefiel mir am besten: Am meisten Spaß hatte ich an der Waffen-Anpassung im Spiel. Schon in CoD Modern Warfare und folgenden Titeln brannte ich für das Waffenschmied-Feature. Der große Nachteil dort: Zum Testen musste ich direkt in eine Runde und mich festlegen.
In Battlefield 2042 lassen sich Waffen direkt im Spiel anpassen. Eine Auswahl aus verschiedenen Visieren, Mündungen, Griffen und Magazinen verändert Waffen über ein Plus-Menü mitten in der Runde.
So kann ich auf jede Situation reagieren. Die Gegner verschanzen sich auf Häusern? Großes Scope auf die Sniper. Wir werden genaustens beobachtet? Schalldämpfer montieren. Viele Feinde? Größeres Magazin!
Es ist herrlich, während des Spielens die Primär- und Sekundärwaffe so anpassen zu können, dass man sich immer noch aus einer Situation retten kann – oder zumindest bessere Chancen hat. Unfair ist das auch nicht, denn jeder hat ja die Möglichkeit. Der richtige Einsatz ist hier entscheidend.
Außerdem lassen sich Spezialisten mit ihren Fähigkeiten und die Waffen frei kombinieren. Einen helfenden Medic mit dickem Scharfschützengewehr und Sprengstoff gegen Panzer zu spielen ist echt knorke!
Das gefiel mir gar nicht: Gegner halten unfassbar viel aus. Eigentlich spiele ich vor allem Taktik-Shooter wie Rainbow Six oder eben Hunt: Showdown. Dort reicht ein guter Schuss und der Gegner ist hinüber, die Time To Kill („TTK“) ist entsprechend niedrig.
In Battlefield 2042 reicht höchstens ein Kopfschuss aus dem Scharfschützengewehr für einen Oneshot-Kill. Maschinenpistolen – meine bevorzugte Gattung – fühlen sich weitgehend nutzlos an. Trotzdem fressen Gegner gerne dutzende Kugeln und sogar Raketen aus Fahrzeugen.
Sicher, es wäre frustrierend, wenn ein Heli mit einem Knopfdruck einfach ein ganzes Squad ausschaltet. Aber eine Salve sollte dann schon reichen, um wenigstens einen Kill zu bekommen – was nicht immer der Fall ist. Darüber fluchte auch einer meiner Mitspieler.
Die neuen Features machen durchaus Laune
Startende Rakete + Heli = ??? In unserem Test stand uns lediglich eine Karte zur Verfügung. Auf Orbital versuchen die US-Amerikaner, eine Rakete ins All starten zu lassen und die Russen versuchen, das zu verhindern.
Diese Rakete ist ein wichtiger Bestandteil der Map. Die meiste Zeit über steht sie da und wird betankt. Sobald sie aber starten soll, ist sie verwundbar. Nachdem sie genügend Schaden erlitten hat, explodiert sie.
Eine Auswirkung aufs Spiel hat das nicht, sieht aber echt schick aus. Anders als der Tornado, welcher auftauchen kann.
Mit einer geringen Chance wird die Map von einem Sturm heimgesucht. Dieser vernichtet alles, was ihm im Weg steht und stört sogar das UI. Das Overlay flimmert und macht damit klar: Hier wird es echt gefährlich.
Solche Elemente sind es, welche die Runden aufpeppen. Ich kann mir vorstellen, dass sie dafür sorgen, Eintönigkeit zu vermeiden – so lange sie nicht irgendwann nerven.
Das war mein Highlight: In unserer letzten, etwas längeren Runde, habe ich mich dann endlich etwas ins Spiel eingefunden. Das Scharfschützengewehr war mir nicht mehr so ganz fremd und auch die Spezialisten kannte ich nun grob.
Ab hier hatte ich dann tatsächlich Spaß an Battlefield 2042 und wurde immer ehrgeiziger. Nach ein paar gut gesetzten Kopfschüssen habe ich mich an der Königsklasse aller Sniper versucht: einen Piloten aus einem Heli knallen. Tatsächlich hat das sogar funktioniert und ich muss sagen, dass ich solche Momente in kaum anderen Shooter so hatte.
Leider habe ich das nicht aufgenommen. Trotzdem ein wahnsinnig befriedigendes Gefühl, welches den für mich schweren Einstieg aufwiegen konnte – und sogar einige der Fehler, denen ich begegnet bin.
„Tür zu = Tür offen“ und andere lustige Fehler
Die größten Probleme des Spiels: Obwohl ich Spaß hatte, sehe ich bei Battlefield 2042 noch einige Schwierigkeiten. Die größten, die mir aufgefallen sind, sind Bugs, die teilweise das Spiel beeinflussen können.
Aufzüge sind ein wichtiges Mittel, um die Vertikale der Maps zu nutzen. In unseren Runden haben sich die Türen aber nicht geöffnet – optisch zumindest. Durchlaufen konnte man trotzdem, was jedoch dafür sorgt, dass man Gegner in ihnen nicht sehen kann und auch nicht weiß was eigentlich Sache ist.
Sobald sich die Aufzüge bewegen, kommen außerdem die Modelle der Spieler nicht hinterher. Dieses Problem haben auch Beifahrer in bestimmten Fahrzeugen. Alles ruckelt und verzögert sich, ständig rumpelt es. Das kann sogar zu Motion Sickness führen.
Dazu hatte ich zumindest in unserer Version wahnsinnige Probleme, Spielen beizutreten. Es ging nur, wenn mein Squad schon in der Runde war und ich nachträglich eingestiegen bin. Neue Runden gingen gar nicht. Ich habe einen Teil der Zeit einfach gewartet oder Fehlercodes angeschaut. Nach meinem ersten Versuch in der Early-Access-Beta ist der Fehler noch immer im Spiel.
Die Beta-Version entspricht der Preview-Version, die wir gespielt haben. Einige der Fehler sind offenbar noch immer im Spiel. Mehr Infos findet ihr in unserem Hub zur Beta von Battlefield 2042 auf MeinMMO.
Was könnte noch besser sein? Auch in Sachen Details und Feinheiten müsste Battlefield 2042 noch etwas nachbessern. Zusätzlich zu der bereits angesprochenen Balance gibt es ein paar Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind:
- Beleuchtung und Design in Innenräumen ist im Vergleich zur Welt draußen fade
- Zerstörung hat wenig Einfluss – Ich habe kaum Einfluss gespürt, wenn Gebäudeteile weg waren
- das Sound-Design braucht noch Nachhilfe, Gegner hören ist nahezu unmöglich, selbst mit guten Kopfhörern
- die Auswahl des Spezialisten funktioniert nicht immer und wird scheinbar zufällig zurückgesetzt
Einmal bin ich in einem explodierenden Fahrzeug gespawnt, habe aber überlebt. Nur aussteigen oder sonst irgendwie reagieren konnte ich nicht. Die beiden Gegner, die gerade ankamen, freuten sich über den Gratis-Kill auf dem Silbertablett …
Dazu kommen einige Grafik-Glitches. Seltsame schwarze Polygone haben sich ab und an durch meinen Bildschirm gezogen. Und trotz niedriger Grafik-Einstellungen hatte ich mit meiner RTX 2080 und meinem Ryzen 7 2700X ab und an recht geringe FPS – was aber auch am 2. Bildschirm liegen kann.
Starke Grundlage, aber rund ist es noch nicht
Wie sieht es für Battlefield 2042 aus? Besonders Fehler wie die nicht-offenen Türen und die eher behäbigen Waffen wecken in mir Bedenken, wobei ich nicht genau sagen kann, was im neuen Build schon alles gefixt wurde. Wenn sich die Open Beta von BF 2042 jetzt und am kommenden Wochenende besser schlägt, ändere ich meine Meinung vielleicht noch. Denn das Potenzial ist da.
Die Grundlage von Battlefield 2042 gefällt mir nämlich ausgesprochen gut. Fahrzeuge brauche ich persönlich in einem Shooter nun nicht, aber auf den großen Karten fühle ich mich mit meinem Sniper-Spielstil durchaus wohl.
Gerade die Map-Größe schlug vielen Testern zwar aufs Gemüt – selbst die mittleren Karten seien zu groß – allerdings habe ich diesen Eindruck nicht gehabt. Mir macht es nichts aus, eine Weile in meinem Nest zu sitzen und einen Punkt zu bewachen. Solange ich nahende Gegner hören kann.
Dennoch muss Battlefield 2042 zumindest in puncto Bugs, Balancing und Politur noch dringend nachbessern.
Das größte Problem war vermutlich die Spielzeit. In lediglich 3 Stunden alles zu erfassen, was gut oder schlecht ist, erscheint mir nahezu unmöglich – vor allem als jemand, der keine Referenzen zur Reihe hat.
Für Neueinsteiger ist Battlefield 2042 … schwierig. Wenn man sich darauf einlässt, kann man sich durchaus verlieben. Aber der Einstieg ist rau.
Als jemand, der die Reihe vor Ewigkeiten gespielt hat, fühlt sich Battlefield 2042 bisher an wie ein neues Spiel. Zum einen kann ich es so neu lieben lernen, zum anderen muss es sich für mich aber auch noch einmal neu beweisen. Ob es das schafft?
Das wird sich verbessern: Im an den Test anschließenden Q&A versprachen die Entwickler bereits, dass etliche Bereiche des Spiels schon jetzt überarbeitet wurden, jedoch für einen internen Build. Außerdem gibt es einen Post der Entwickler, in dem über die Änderungen gesprochen wird. Darunter sind:
- Verbesserungen am UI, Grafik und Performance
- Crossplay-Partys
- allgemeine Politur
- mehr Optionen und Einstellungen für die Steuerung
- Balance
Wir werden sehen, was sich getan hat und was sich bis zum Release am 19. November noch tun wird.
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