Auf der TwitchCon in San Diego hat der Finanz-Chef von Twitch, Mike Minton, erklärt, warum man den größten Streamern der Plattform im Sommer 2023 ihren Anteil an den Einnahmen kürzt: von 70 % geht es ab einem Umsatz von 100.000 $ im Jahr auf 50 % runter. Als Tipp, um den Verlust auszugleichen, rät er dazu, doch einfach mehr Werbung für Amazon Prime zu machen. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Streamer wie MontanaBlack nicht überzeugen wird.
Diese Nachricht sorgte für Aufregung:
- Wir haben auf MeinMMO am 22.09. darüber berichtet, dass Twitch einige Streamer bald schlechter bezahlen wird, als die ganze Zeit:
- Normalerweise teilen sich Streamer mit Twitch die Einnahmen im Verhältnis 50:50
- Aber einige größere Streamer wie MontanaBlack erhalten eine Sonderbehandlung: Sie bekommen ein Verhältnis von 70:30 zu ihren Gunsten. Einige kleinere Streamer hatten gefordert, dass doch alle Streamer dieses 70:30-Verhältnis bekommen sollten. Das wäre nur fair.
Doch am 21. September gab Twitch bekannt, dass bald auch die größeren Streamer nur noch bis zu einem jährlichen Umsatz von 100.000 $ diesen 70/30-Split erhalten. Danach fallen auch sie auf 50/50 runter.
MontanaBlack sagt: Neuer Split koste große Streamer 300.000 $ bis 800.000 $
Was war die Reaktion? Diese Aussage löste bei vielen Twitch-Streamern Empörung aus. Einer der größten deutschen Twitch-Streamer, MontanaBlack, rechnete vor, dass großen Streamern wie ihm zwischen 300.000 $ und 800.000 $ fehlen würden. In seiner ihm typischen Art erklärte er in einem Livestream auf Twitch, dass er sich darüber völlig zu Recht aufrege und dass es jedem anderen auch so gehen würde:
Einige Leute würden ja jetzt sagen: Ja … das find’ ich voll in Ordnung, weil Ihr verdient ja sowieso schon genug. Solche Kommentare möchte ich, dass ihr die euch spart. Und ich werde jetzt erörtern, warum. Das ist nämlich eine Doppelmoral, die diese Leute fahren. Denn keiner von denen, die das in die Kommentare bei TikTok oder auch woanders reinschreiben, würden in der Situation sagen – jetzt in meinem Fall beispielsweise oder auch im Fall von Elias oder von einem großen amerikanischen Streamer: Da reden wir mal schnell von drei-, vier-, fünf-, sechshundert, achthunderttausend Dollars im Jahr, die man weniger verdient.
Und keiner von euch kleinen Hosenscheißern, die mir da reinschreiben: Oh, das find’ ich voll gerecht! – Keiner von euch doppelmoralischen Arschleckern würde in der Situation zu Twitch sagen: 50/50, ab dem Wert von 100.000 – Machen wir!
Montanablack
MontanaBlack spielte offen mit der Idee, von Twitch zu verschwinden. Schon die Senkung des Preises für Subs im deutschen Twitch im Jahr 2021 sei eine negative Entwicklung gewesen. Jetzt werde die Plattform immer schlechter.
Auch etwas kleinere, aber immer noch große Streamer wie Staiy erklärten, ihnen fehle nach der neuen Rechnung 50.000 $. Staiy überlegt, unter den neuen schlechteren Bedingungen, Twitch zu verlassen. Er sagt in einem Video, er werde seinen Twitch-Vertrag Ende 2023 kündigen (via youtube).
Andere deutsche Twitch-Streamer erklärten, die 100.000 $ landen ja nicht beim Streamer, sondern da gingen noch viele weitere Abgaben weg, wie Steuern, Versicherung oder Strom.
MontanaBlack spricht über den neuen Split und die Kosten – ab 1:17 Minuten
Twitch-Zahlmeister schiebt die Schuld irgendwie auf Amazon: Die wollen, dass Twitch Geld macht
So begründet Twitch die Entscheidung: Auf der TwitchCon in San Diego, Heimstatt eines völlig harmlosen Bällebads, hat der Finanz-Chef von Twitch, Mike Minton, die Entscheidung noch mal unterstrichen. Der “VP Monetization” sagte:
Wir haben uns alle Möglichkeiten angeschaut: Können wir eine 70/30-Split für alle anbieten? Die Antwort ist Nein, es ist auf lange Sicht für Twitch nicht möglich. Jedenfalls nach dem, was wir heute wissen.
Die typische Antwort, die wir immer kriegen: Ey, Moment, ihr seid doch ein Teil von Amazon. Von was redest du da überhaupt? – Aber, was man verstehen muss: Amazon erwartet von Twitch, dass sie finanziell als unabhängiges Unternehmen gedeihen. Aber die gute Nachricht ist: Amazon hat diesen tollen Vorteil, genannt Prime, und als Teil des Prime-Angebots haben sie Prime Subs.
Mike Minton, VP Monetization Twitch
Vor seiner Zeit bei Twitch hatte Minton bereits 1 Jahr und 9 Monate für Amazon gearbeitet.
Das ist sein Tipp: Der Finanz-Chef rät den Twitch-Streamern, doch mehr über Amazon Prime zu reden, denn es gäbe noch einige Prime-Abos, die nicht verteilt sind.
Wenn man das Bewusstsein für das Prime-Angebot von Amazon steigere, könne man auch die Einnahmen erhöhen.
Das steckt dahinter: Das ist schon ein Auftritt, bei dem Streamer hart schlucken werden.
Twitch gibt letztlich Amazon die Schuld dafür, bald knausern zu müssen. Man rät, um dem gegenzusteuern, dann einfach: Macht doch mehr Werbung für Amazon und ihr Prime-Angebot. Das wirkt schon sehr eigennützig, denn davon profitieren Twitch und Amazon in hohem Maße – allein schon durch die steigende Kundenbindung.
Es wirkt so, als unterstreicht Twitch hier seine marktbeherrschende Stellung und wuchert mit dem Pfund „Amazon Prime Subs“, das ist aber nichts Neues, sondern diesen Vorteil gibt’s schon ewig.
Es bleibt das Gefühl, dass die größten Streamer bald schlechter dastehen werden, weil Amazon nicht mehr bereit ist, einfach in das Wachstum von Twitch zu investieren, sondern Profite sehen will.
Man muss sich klarmachen, dass von der neuen Regelung nur ein kleiner Teil der Streamer betroffen ist. Sehr viele Leute auf Twitch waren nie in Reichweite von 100.000 $ Umsatz oder eines 70/30-Splits:
Wie viel Geld verdienen „normale“ Twitch-Streamer? Wer kann von Twitch „gut“ leben?
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