Eine Spiele-Firma will mit Gamer Girl ein Spiel veröffentlichen, in dem man als Moderator eine weibliche Streamerin gegen Angriffe von Trollen und Stalkern beschützt. Das finden aber echte Twitch-Streamerinnen so ärgerlich und daneben, dass das Entwickler-Team das Spiel jetzt zurückzieht.
Das ist das Spiel: Das Spiel heißt „Gamer Girl“ und kommt von Wales Interactive. Ein Teaser-Trailer stellt die Grundidee kurz vor:
- Der Spieler selbst ist Moderator, der den Kanal einer Streamerin moderiert und von der immer wieder nach Entscheidungen und Ideen gefragt wird
- Die Streamerin „Abicake99“ scheint eine typische Twitch-Streamer zu sein, die offenbar von einem Stalker verfolgt wird. Ihre Freundin Becky ist unter mysteriösen Umständen verschwunden und ihr Umfeld warnt sie davor, wieder mit dem Streamen anzufangen. Sie macht es aber dennoch
Das sagt die Firma: Wales Interactive sagt, man habe 4 Jahre lang für das Spiel recherchiert und dutzende Streamerinnen gesprochen, die von ihren Erfahrungen berichtet hätten, online angegangen und belästigt worden zu sein.
Die Hauptdarstellerin des Spiels, Alexandra Burton, sei auch Co-Autorin gewesen.
Viel Kritik schon am Trailer zu Gamer Girl
So war die Reaktion: Twitch-Streamerinnen sind mit Furor auf das Spiel losgegangen.
Die größte Streamerin auf Twitch, Pokimane, amüsierte sich etwa darüber, dass das Spiel „Gamer Girl“ heißt und das Mädchen im Trailer nur 0,2 Sekunden lang sowas ähnliches wie Mario Kart daddelt. Sie hätte es besser gefunden, das Spiel “Streamer Girl” zu nennen.
In der Kritik schwingt sicher Ärger mit, dass man es als Frau auf Twitch schwer hat, überhaupt als Gamerin wahrgenommen zu werden und Anerkennung zu finden. Denn bei Frauen steht oft der Vorwurf im Raum, Männer sähen da nur zu, wenn die Frauen attraktiv sind. Damit wurde Pokimane selbst konfrontiert: Man warf ihr vor, sie würde einsame Männer auf Twitch ausnutzen.
“gamer girl”
>pretends to play scuffed mario kart for .2 seconds— pokimane (@pokimanelol) July 17, 2020
Die Streamerin Melody findet das ganze Spiel geschmacklos, denn Streamerinnen werden im Moment wirklich von Stalkern bedroht.
So hat etwa die Twitch-Streamerin Sweet Anita beständig Ärger mit einem Stalker. Die Polizei kann da, nach Schilderungen von Sweet Anita, wenig machen, und empfiehlt ihr, doch mit dem Streamen aufzuhören.
Die Streamerin Melody sagt: Gamer Girl sei kein Spiel, das sei das Leben der Streamerinnen und es seien deren echte Erfahrungen.
Eine andere Twitter-Nutzerin legt nahe, so ein Spiel könne sich nur eine Firma ausdenken, die ausschließlich männliche Mitarbeiter hat. Autsch.
Auch die Rolle des Spielers wird kritisiert. Denn der spielt nicht die Streamerin, die bedroht wird, sondern einen Moderator, also praktisch einen „Beschützer“. Solche Männer sind für Streamerinnen offenbar häufiger ein Problem.
Es heißt dann: „Gruselige Männer bräuchten nicht noch mehr Gründe, wie sie Frauen „retten“ können.” Das wäre der schlimmste Teil des Spiels (via twitter).
Der E-Sport-Journalist Rod Breslau, der den Trailer auf Twitter postete und den Backlash lostrat, nannte das Spiel einen “SIMPULATOR” (via twitter) – ein Simp ist ein abwertender Begriff auf Twitch für einen Mann, der einer Frau chancenlos nachläuft.
Firma zieht Ankündigung von Gamer Girl zurück
So reagieren die Entwickler: Die Entwickler wirken ziemlich zerknirscht. Sie sagen, sie hätten das Spiel gemacht, um Aufmerksamkeit auf das toxische Umfeld zu lenken, das durch die Anonymität des Internets entsteht und wie ein Moderator helfen kann.
Die Reaktionen auf den Trailer waren aber so negativ, dass die Firma den Trailer von YouTube zurückgezogen hat. Auch der Blog-Post für das Spiel ist nicht mehr live. Sogar das Presse-Kit sei gelöscht worden, schreibt PC Gamer.
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