Blue Protocol feierte am 14. Juni 2022 seinen Release in Japan und soll 2024 zu uns in den Westen kommen. Doch derzeit steht das MMORPG stark in der Kritik. Es wird über fehlende Inhalte und Probleme im Endgame diskutiert. Zuletzt blamierten sich die Entwickler zudem bei der Vorstellung der neusten Klasse.
Was ist los bei Blue Protocol?
- 2019 fand der erste Closed Alpha Test zum Spiel statt. Seitdem berichten wir von MeinMMO regelmäßig über Blue Protocol und die Fortschritte. Es machte damals vor allem mit seiner schicken Anime-Grafik und dem Action-Kampfsystem positive Schlagzeilen.
- Nach einer eher ruhigen Phase zwischen 2020 und 2022 fanden dann in diesem Jahr mehrere Tests in Japan und schlussendlich auch der Release statt.
- Der Hype war anfangs groß. Der Einstieg sah richtig gut aus und das spaßige Kampfsystem veranlasste mich, Blue Protocol nach 12 Spielstunden als das beste MMORPG seit 2014 zu bezeichnen.
- Doch je länger man im Spiel unterwegs ist, desto mehr Probleme und Content-Lücken tun sich auf. Hardcore-Spieler kritisierten das bereits nach zwei Wochen, aber nun sind auch die meisten Casual-Spieler an diesem Punkt angekommen.
Zwar arbeiten die Entwickler bereits an Content-Updates, doch hier setzen sie die falschen Prioritäten, zumindest wenn man auf die Spieler in den Foren hört.
Die größte Kritik gab es jedoch für die Vorstellung der neuen Klasse. Dazu wurde ein Video-Clip ohne Erklärungen der Entwickler gezeigt. Diese veranstalteten im Anschluss ein Q&A, konnten jedoch viele Fragen nicht beantworten. Hier kam mehrfach die Frage auf: „Spielen die Entwickler überhaupt selbst Blue Protocol?“
Harter Grind und am Ende nichts zu tun
Was kritisieren die Spieler? Während es zum Start unheimlich viel Spaß macht, die Gegner zu schnetzeln, Sprungangriffe einzusetzen und schon mit Level 4 in die ersten Dungeons zu gehen, wird einem im Laufe der Spielzeit klar, dass viele Elemente einfach fehlen oder nicht funktionieren.
Ein Beispiel ist der Taunt in Dungeons, über den man oftmals nicht die Aufmerksamkeit des Feindes bekommt. Das macht das Gruppenspiel schwierig, weil am Ende einfach alle nur DPS spielen und eine zufällige Person irgendwie überleben muss.
Blue Protocol setzt bei den Kämpfen außerdem auf wenige Fähigkeiten, die man mitnehmen kann. Dafür gibt es theoretisch eine große Auswahl, die in diese Slots passen. Da die meisten davon aber eher schwach sind, fehlt es an Buildvielfalt. Erschwerend hat Bandai Namco nun den Nerf der besten Fähigkeiten angekündigt, statt die schwachen zu buffen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Grind. Viele Dungeons muss man oft dutzende Male besuchen, um darüber an die Materialien für die Aufwertung der Ausrüstung zu kommen. Da es überhaupt kein Handelssystem gibt, muss man sich alles selbst und auf die vorgegebene Weise erspielen.
Zu guter Letzt wird das Abenteuer-Board kritisiert. Das sei zu kompliziert und „spielerunfreundlich“. Ihr müsst etliche Aufgaben erledigen, um neue Ränge zu erreichen, doch das Verfolgen dieser sei sehr umständlich und brauche dringend ein Upgrade.

Aus der Sicht der japanischen Community fehlt es zudem insgesamt an Inhalten. Dazu zählen neue Dungeons und Raids, neue Gebiete, aber auch Nebenaspekte wie Housing oder mehr Anreize als Gilde zu spielen.
Auch das neue Event im August hat da nicht geholfen. Hier gab es keine neue Story, sondern die Spieler mussten haufenweise Goblins jagen und bekamen alte Dungeons im neuen Look vorgesetzt.
Welche Kritik gibt es am Shop? Blue Protocol ist Free2Play und setzt auf ein Gacha-System im Shop. Darüber kommt ihr zwar nur an Rüstungs-Skins, Emotes oder Mounts, doch die kosten mitunter richtig viel. Im Reddit ist die Rede davon, dass man für ein bestimmtes Emote auch mal bis zu 100 Euro und für einen Rüstungsskin bis zu 500 Euro investieren muss, wenn man Pech hat.
Bandai Namco hat zwar die Einführung einer Garantie angekündigt (nach 110 Versuchen), doch die Zahl ist für viele noch immer zu hoch gegriffen.
Auch werden die Waffen-Tickets, über die man die Chance auf mehr Gemslots in Waffen erhöht, und das Herausholen von Gems aus den Waffen kritisiert. Beides könnt ihr für echtes Geld im Shop kaufen.
Entwickler zeigen die neue Klasse, kennen sie aber nicht
Was war das Problem mit der neuen Klasse? Im Dev Stream 10 präsentierten die Entwickler die neue Klasse Blitz Lancer. Allerdings sollte es keine „tiefgehende Vorstellung“ geben, weil die Presse dies übernehmen soll.
Stattdessen spielten die Entwickler selbst einfach 10 Minuten die Klasse, ohne das aber zu kommentieren. Man hörte im Stream vor allem die Geräusche von Maus und Tastatur. Das sorgte für Verwirrung, zumal das Gameplay auch nicht sonderlich gut war, wie viele Spieler kommentierten.
Noch kurioser wurde es aber im abschließenden Q&A. Dort haben die Spieler Fragen zum Blitz Lancer gestellt, doch die Entwickler konnten viele nicht beantworten. Laut Übersetzungen wurden viele Antworten mit Sätzen wie „das macht die Fähigkeit doch, oder? Zumindest dachte ich das“ ergänzt. Die anderen Entwickler sollen zwischendurch auch mit „ich kann mich ebenfalls nicht erinnern“ geantwortet haben.
Dieses Segment soll für die japanischen Spieler eine riesige Enttäuschung gewesen sein. Mehr dazu und generell zum Dev Stream 10 erfahrt ihr in diesem Video:
Wie geht es jetzt weiter? Blue Protocol soll jeden Monat ein Update bekommen und vorerst auch weiter mit neuen Inhalten versorgt werden. Das Spiel startete mit über 600.000 Spielern, von denen sich aber einige schon wieder abgewandt haben.
Wann kommt das Spiel zu uns? 2024 soll Blue Protocol bei uns erscheinen. Ein genaues Release-Datum gibt es für uns übrigens immer noch nicht. Bis zum Erscheinen kann sich noch einiges am Content tun und fest steht auch, dass wir nicht den identischen Shop wie in Japan bekommen werden.
Was sagt ihr zum aktuellen Stand des MMORPGs? Und verfolgt ihr Blue Protocol noch aktiv?
Amazon machte zuletzt auch negative Schlagzeilen, als es um das Thema Zensur im Spiel ging: Amazon streicht ein Feature beim neuen MMORPG Blue Protocol: In Japan akzeptabel, bei uns nicht.
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