Ubisoft ist berüchtigt für seine seelenlosen Spielwelten, doch ein Game hat mich jetzt total überrascht

Assassins Creed Origins Meinung Titelbild

MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes ist eigentlich kein großer Fan von Open-World-Games. Die großen Welten haben viele Aspekte, die ihn beim Zocken stören – aber ausgerechnet ein Spiel von Ubisoft stürzt ihn in eine Sinneskrise.

Open-World-Spiele und ich führen meist eine ziemlich toxische Beziehung. Auf dem Papier klingt alles wunderbar: eine schöne große Welt zum Erkunden, viele Nebenquests und Aktivitäten. Aber genau das ist auch das Problem. Nach kurzer Zeit fühlt es sich wie Arbeit an, jeden einzelnen Punkt auf der Karte abzulaufen. Die Welten sind zwar groß und voll mit Kram, aber eben auch aufgeblasen und oft seelenlos.

Ubisoft etablierte ein solches Open-World-System mit Far Cry und Assassin’s Creed, und vor einem Jahr kritisierte ich das und lobte die tolle Welt von Yakuza.

Jetzt muss ich aber etwas zurückrudern. Ausgerechnet ein Ubisoft-Open-World-Spiel begeistert mich aktuell im Feierabend, obwohl es auf dem Papier alles falsch macht, was ein Spiel für mich falsch machen kann: Assassin’s Creed Origins.

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Der Launch-Trailer zu Assassin’s Creed Origins zeigt die Schönheit der Wüste

Ein Neuanfang und eine Ursprungs-Geschichte

Assassin’s Creed Origins erzählt laut dem Namen schon die Ursprungsgeschichte der Assassinen, ist gleichzeitig aber auch spielerisch ein Neuanfang für die Reihe gewesen. Es wurde eine größere Open World und der Kampf lieh sich einige Mechaniken aus den Souls-Titeln.

Obwohl ich an Assassin’s Creed Valhalla ziemlich abgeprallt bin, schnappte ich mir vor ein paar Wochen trotzdem Origins in einem Sale auf der PS5. Irgendwie wollte ich dann doch mal in das erste neue Assassin’s Creed reinschauen – auch mit Ägypten als Setting hatte ich bisher kaum Erfahrung, abseits von einzelnen Wüsten-Leveln.

Origins fängt direkt an, ohne viel Exposition ist man mit Hauptcharakter Bayek direkt im Kampf und landet dann im Städtchen Siwa. Hier lernt man alle Grundlagen des Gameplays und den Kick-off der Geschichte. Die ist eine recht simple, aber effektive Rachegeschichte, die Bayek auf eine Reise durch ganz Ägypten schickt. Für mich als Fan von Assassin’s Creed 2 und 3 ist das ohnehin Motivation genug.

Wird man dann in die immer größere Welt entlassen, sieht man eine Karte, voll von Aktivitäten, Nebenmissionen oder Collectibles. Eigentlich sollte mich das abschrecken, aber Origins funktioniert trotzdem, mit Mechaniken, die mich eigentlich nerven sollten – wie das?

Wie die Staffeln einer Serie

Die Hauptstory von Origins schickt mich in diverse Städte und Gebiete. Als Medjai, eine Art Elite-Truppe des Pharaos, bin ich der Beschützer von Ägypten. Das passt zu den vielen Nebenquests, die man in den Städten erledigen kann. Die haben mich bisher nicht ermüdet, weil sie (bis auf wenige Ausnahmen) in sich geschlossen waren. Heißt: Die Quests waren nicht über mehrere Kilometer entfernt und haben mich nicht künstlich warten lassen.

Insgesamt fühlt sich das Spiel wie eine gute Serie mit mehreren Staffeln an. Die Nebenquests sind wie abgeschlossene Folgen, die oft gut geschrieben sind. Die Figuren wirken authentisch und die kleinen Geschichten nutzen auch das Setting gut. Erst dachte ich, dass Bayek ein eher stummer Protagonist wird, aber er hat manchmal doch Biss, ohne dass es seine einzige Charaktereigenschaft ist. Damit passt er ziemlich gut in die Reihe.

Durch die Quests kommt man auch in den Gebieten herum und kann dabei den Sammelkram mitnehmen.

Auch das sollte mich eigentlich nerven, aber zum einen geben mir die Schnellreise-Türme einen schönen Blick auf die Spielwelt, zum anderen fühlt man sich auch wie Indiana Jones, wenn man das Innere einer Pyramide für einen Schatz mit einer Fackel untersucht. Die ganze Mythologie ist auch ein großer Motivator für mich, die Welt zu erkunden.

Die Haupt- und Nebenquests und die vielen Aktivitäten verzahnen sich ineinander, wodurch ich nie das Gefühl hatte, stumpf eine Liste abzuarbeiten – auf dem Papier tut man es aber trotzdem.

Insgesamt fühlt sich die Reise durch Ägypten wie ein Urlaub an. Man entdeckt schöne Orte und gefährliche Tiere und viele Menschen mit verschiedenen Problemen und Persönlichkeiten. Aber man ist nicht nur zum Entspannen vor Ort, man kämpft auch sehr viel, und das begeistert mich leider nicht so sehr.

Das typische Problem von Assassin’s Creed

Wie bereits erwähnt, setzte die Reihe ab Origins auf ein Kampfsystem, das sich leicht mit den Soulstiteln vergleichen lässt. Ihr habt Schilde, eine Ausweichbewegung und mit den Schultertasten einen leichten und schweren Angriff. Hinzu kommen noch Gadgets wie Pfeil und Bogen und verschiedene Bomben und Pfeile.

Am effektivsten ist für mich meist der Stealth, vor allem mit Pfeil und Bogen. Die sind verdammt mächtig und überwiegend effektiver als der direkte Kampf. Das erinnert auch am ehesten an die vorherigen Teile der Reihe, vor allem wenn man mit Gadgets experimentieren möchte. Ich empfand aber den Pfeil und Bogen am stärksten. Die anderen Gadgets gefielen mir nicht so gut.

Der direkte Kampf lässt leider zu wünschen übrig. Die Angriffe fühlen sich schwammig und nie so responsiv an wie in Dark Souls etwa. Oft war es sogar die beste Option, auch im Nahkampf den Bogen zu nutzen. Der Kampf ist aber nie nervig gewesen, da man überwiegend das gleiche oder ein höheres Level als die Gegner hat.

Zugegebenermaßen war aber auch der Kampf in den vorherigen Teilen nie das Spannende, sondern die Power-Fantasy, ein Assassine zu sein. Immerhin funktioniert das bei Origins noch gut.

Eine sonderlich intelligente Gegner-KI sollte man aber nicht erwarten. Der Power-Fantasy hilft das aber tatsächlich, weil man sich für den einzig schlauen Mann in Ägypten hält.

Im Kampf hilft es auch, wenn ihr viel erkundet, da ihr euch mit Materialien verbessern könnt, um etwa euer Leben oder euren Angriff zu erhöhen. Der Skillbaum ist ein zweischneidiges Schwert: Es gibt sehr coole Fähigkeiten, aber auch welche, die man von Anfang an hätte haben sollen, wie die Funktion, Zeit vorzuspulen.

Trotz dieser Probleme stört mich das Kampfsystem nicht. Auch wenn Gameplay mir meist wichtiger ist, finde ich die Open World so faszinierend, dass ich einige Schwächen ignorieren kann, eben weil sie auf dem normalen Schwierigkeitsgrad auch nicht störend sind.

Bin ich jetzt der große Open-World-Fan? Ich glaube nicht. In Assassin’s Creed Origins kommt viel hinzu, was mir die Welt schmackhaft macht, allen voran Bayek als Protagonist und Ägypten als Setting. Außerdem erinnert mich Origins trotz einiger Änderungen an das gute alte Assassin’s-Creed-Feeling. Hier passt es einfach, auch wenn ich Kritikpunkte habe.

Valhalla etwa hat bei mir leider nicht funktioniert und ich denke, da kommt es von Fall zu Fall ganz darauf an. Schreibt mir aber gerne eure liebsten Open-World-Spiele in die Kommentare – vielleicht finde ich ja noch einige Genre-Vertreter, die mich begeistern können. Eine Welt, die aktuell viele Spieler begeistert, befindet sich in Crimson Desert: Nach 100 Stunden in Pywel ist klar: Kommende Open Worlds müssen von Crimson Desert lernen


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